Stehsatz

Lilli Hartig: Visualisierung des Lebenszyklus
Visualisierung (1. Semester): Lilli Hartig

Geburt, Kindesalter, Adoleszenz, Erwachsenenalter, Greisenalter und das Lebensende. Die sechs Phasen des Lebens finden sich in Lilli Hartigs Arbeit als Kreise aus gerollten Papierstreifen wieder.

Der Kreis steht für für das Leben, er symbolisiert Bewegung und Fortlauf. Das Quadrat als statische, feststehende Form demgegenüber ist das Symbol für den Tod, für das Irreversible, Unveränderliche.

Das Neugeborene wird als kleiner, komplett weißer Kreis dargestellt. In den darauffolgenden Lebensphasen werden die Farben Gelb, Blau und Rot in unterschiedlicher Gewichtung hinzugefügt und die Kreise werden größer. So steht Rot für Aggression, Durchsetzungskraft, derer es bedarf im Prozeß des Erwachsenwerdens, aber auch für die Liebe. Gelb ist die Farbe der Sonne und des Lichts und steht für Wissen und Weisheit. Blau als Farbe des Himmels steht für Klarheit und Objektivität.

Im Greisenalter nimmt die Größe des Kreises wieder ab, so wie die Wege, die zu gehen der alte Mensch im Stande ist, immer kürzer werden. Am Lebensende wird aus dem Kreis ein Quadrat – nicht mehr weiß, sondern gänzlich schwarz.

Fotos: Sybille Schmitz
Editorial Design (3. Semester): Sarah, Janson, Larissa Laurentzi, Verena Schneider

»Queer, feministisch, intersektional und dekolonial« – Diese Meinungen vertritt das unabhängige Designmagazin form, welches wir in der Ausgabe form 289,5 analysiert haben. Entstanden ist ein Magazin, das den Charakter und Charme des Originals genau trifft.

filter: Jede form-Ausgabe ist in die vier Rubriken filter, focus, files und alles andere unterteilt. Im ersten Teil wird die Designszene gescannt. Diese Rubrik nutzten wir, um über form zu schreiben, die Rubriken zu erklären und auf die Zielgruppe einzugehen.

focus: Der Schwerpunkt »Analyse und Design« liegt in der gestalterischen Analyse. Wie in jeder form-Ausgabe, gibt das Thema dieser Rubrik den Namen der Ausgabe vor. Hier wurden Format, Satzspiegel, Raster, Inhaltsverzeichnis, Impressum und Cover unter die Lupe genommen. Des Weiteren analysierten wir Trenn-, Themen-, Produkt-, Kolumnen- und Inhaltsseiten. Es wurde stets darauf geachtet, dass die Seiten, in denen die jeweiligen Inhalte erklärt sind, genauso aufgebaut sind, wie es in der form geschieht.

files: Mit dem Chefredakteur Anton Rahlwes konnten wir im Rahmen dieses Projekts ein Kurzinterview führen, das seinen Platz in 20 Fragen an gefunden hat. Unsere ganz persönliche Meinung zur form konnten wir abschließend in den Rezessionen miteinbringen. Hier erklären wir, wieso wir uns in der Aufgabe für die form entschieden haben, was wir daran gut finden und was wir einfach ganz anders machen würden. Ein abschließender Satz, der uns wohl immer im Gedächtnis bleiben wird? Es ist eben eine Frage der form.

Fotos: Sarah Janson
Typografie und Buchgestaltung (3. Semester): Sarah Janson
Unikatbuch zu einer Kurzgeschichte von T.C.Boyle

Die Kurzgeschichte »Wiedererleben« handelt von einer kleinen Box, die Situationen aus der Vergangenheit eines Menschen auf dessen Netzhaut projizieren kann. Nach Eingabe von Datum und Uhrzeit kann so jeder Moment wiedererlebt werden. Eine schöne Idee — wenn man dabei nicht vergisst, im Hier und Jetzt zu leben. In Boyles Geschichte geht es nun um einen alleinerziehenden Vater im dauerhaften Konflikt mit seiner Tochter. Immer öfter zieht der Vater sich in das »Wiedererlebenszimmer« zurück, schwelgt in Erinnerungen und vergisst darüber die reale, heutige Tochter.

In einem selbstgebundenen Unikatbuch mit Hardcover und offener Fadenbindung wird diese Geschichte visualisiert. Die Passagen der Erzählung finden sich im typografischen Aufbau der Seiten wieder. Mal ist es ruhig, mal ist es dunkel, mal ist die Seite leer. Streit, emotionale Auseinandersetzungen, auch Schimpfwörter fließen in durcheinander laufende, mitunter übergroße oder auch manches mal unklare, unsortierte Typografie ein. Das Buch lässt den Leser, die Leserin die Geschichte gewissermassen auf einer weiteren Ebene, nämlich im Leseakt erleben.

Fotos und Redaktion: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Sebastian Müller

Die Arbeit von Sebastian Müller widmet sich dem Thema »Stadt anders sehen« und visualisiert unterschiedliche Siedlungsarten, von Einöde, Gehöft, Dorf, Stadt bis hin zur Metropole.

Inspiriert von Piet Mondrian schuf Müller fünf gleich große Holzplatten, auf die er im Stile von abstrahierten Stadtplänen Linien als Wege und farbige Rechtecke als Gebäude platzierte. Mit zunehmender Siedlungsgröße nimmt die Anzahl der Wege zu, der Farbton ändert sich und die Komplexität der Anordnung steigt. Zudem sind die aus Pappe hergestellten Linien und Rechtecke etwas erhöht, so dass ein reliefartiger, leicht dreidimensionaler Eindruck entsteht, der den Typus der Siedlung – die großen Gebäude der Stadt sind höher als die einfachen Gebäude – zusätzlich unterstreicht. Die Farbgebung orientiert sich an der Atmosphäre der Lebensstätte, Rottöne stehen hier für die quirlige, hitzige Metropole, grau für das unscheinbare Gehöft.

Fotos: Sebastian Müller
Schriftanalyse und Buchgestaltung: Mona Kerntke, Anna-Lea Trumpetter
Analyse der Avenir

Adrian Frutiger war einer der größten und bedeutendsten Typografen bzw. Schriftgestalter des 20. Jahrhunderts und prägte mit seinen Werken den Schweizer Stil maßgeblich. Die Anlehnung an die Futura von Paul Renner verrät schon der Name. Anders als bei der streng geometrisch konstruierten Schrift von Renner versuchte Frutiger in der Avenir Harmonie und Menschlichkeit zum Ausdruck zu betonen. Dabei konzentriert er sich auf die Balance zwischen der mathematischen Geometrie einerseits und andererseits den optischen Korrekturen, die der Lesefreundlichkeit dienen.

In ihrer Schriftanalyse beschäftigen sich Lea Trumpetter und Mona Kerntke zunächst ausführlich mit dem Werdegang des Gestalters Adrian Frutiger und dessen Arbeiten. Im weiteren Verlauf wird die Geschichte der Grotesk nachgezeichnet. Der Hauptteil der Schriftanalyse widmet sich dem Charakter der Avenir. Anschließend folgt eine sehr detaillierte Einzelzeichenanalyse, sowie das Kerning der Schrift. Für den Vergleich wurden die Avenir Next und Futura PT herangezogen. Anwendungsbeispiele runden die Schriftanalyse ab.

Durch ausgewogene Raumaufteilung und stringente Text- und Seitengestaltung entsteht ein stimmig gestaltetes Buch. Das Cover und der offen gestaltete Buchrücken der Schweizer Broschur verbinden sich — dank des roten Fadens im Wortsinne wie im übertragenen Sinne — gekonnt mit dem Inhalt.

Fotos: Mona Kerntke und Anna-Lea Trumpetter, Redaktion: Sybille Schmitz
Grafische Zeichen (2. Semester): Anja Hergl
Ein neues Gesicht für die Theaterspiele Glyptothek in München

Bei dem fiktiven Redesign für die Theaterspiele Glyptothek ging es darum ein Zeichen zu entwickeln, das möglichst viele Menschen auf das Kulturangebot aufmerksam macht. Vor allem junge Menschen, die im Theater bisher eher weniger vertreten waren, sollen durch das abstrakte Zeichen und durch die moderne Farbauswahl angesprochen werden.

Als Inspiration für das Zeichen dient die Glyptothek am Königsplatz, die mit ihren acht Säulen einen durchaus besonderen Ort für ein Open Air Theater darstellt. Dieser außergewöhnliche Ort sollte durch einen direkten Ortsbezug aufgegriffen werden. Somit wird die Glyptothek mittels einfacher Formen immer weiter abstrahiert, bis ein starkes Zeichen entsteht.

Nicht nur die Säulen werden bei der Entwicklung mit einbezogen, sondern auch der Innenhof, auf dem das Schauspiel stattfindet. Diese private, aber doch offene Umgebung ist ebenfalls ein Kriterium, das bei der Zeichenentwicklung eine Rolle spielt. So spiegelt eine Klammer genau dieses Zusammenspiel zwischen offen und privat perfekt wider.

Redaktion: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Anna Lea Trumpetter

In ihrer Visualisierung zum Thema »Stadt anders sehen« fokussiert sich Anna Lea Trumpetter auf die Spuren, die der Mensch an seinen diversen Habitaten Einöde, Gehöft, Dorf, Stadt und Megacity hinterlässt. Die Arbeit besteht aus fünf Einzelblättern, jedes hebt sich durch eine zunehmende Anzahl schwarzer Abdrücke vom vorherigen ab, die wie Reifenspuren auf einer zuvor unberührten Wiese wirken.

Diese Spuren nehmen von der kleinsten Siedlungsart, der Einöde, zu jeder nächstgrösseren entsprechend ihrer Größe bzw. der Populationsdichte zu, werden zu einem zunehmend komplexeren Geflecht und verdrängen dabei die Natur – hier sinnbildlich durch das reine, weiße Blatt dargestellt.

Präsentiert wird das Ganze in einem fünf-seitigem Leporello. Sehenswert.

Fotos: Anna Lea Trumpetter
Typografie (2. Semester): Sofia Mari Surkau, Lara Traub, Clara Reichelt
Schriftanalyse der Gill Sans

Das Buch »Schriftanalyse Gill Sans« von Sofia Mari Surkau, Lara Traub und Clara Reichelt widmet sich der Gill Sans, die als eine der am besten lesbaren Grotesk Schriften gilt. Sie wurde im Jahre 1928 veröffentlicht und wird noch heute für große Unternehmen verwendet, wie etwa BBC News, Tommy Hilfiger oder Benetton.

Der anfängliche Teil des Buches gibt einen detaillierten Einblick in das Leben des Schriftentwicklers Eric Gill, im folgenden wird die Entstehungsgeschichte der Schrift näher betrachtet. Anschließend folgt eine ausführliche Buchstabenanalyse und eine Analyse verschiedenster Aspekte wie Lesbarkeit, Zurichtung und Schriftschnitte.

Da die Gill Sans aus der Bleisatzzeit kam finden sich eigens gedruckte Bleisatzseiten eingefügt, welche die Unterschiede zwischen der Schrift am Bildschirm und den Bleilettern beleuchten. Die Prägung des Covers zeigt eine Konstruktionsskizze des Minuskel g, die sich ebenso im Buch wiederfindet. Für mehr Dynamik wurden zudem eine Reihe transparenter Seiten integriert, wodurch die Zusammenhänge der Aspekte und die Charakteristik der Gill Sans recht klar erfassbar werden.

Fotos: Sofia Mari Surkau, Lara Traub und Clara Reichelt; Redaktion: Sybille Schmitz
Grafische Zeichen (2. Semester): Mona Kerntke
Miteinander – Attraktiveres Erscheinungsbild für das Impfzentrum Bayern

Mit ihrem fiktiven Designentwurf für das »Impfzentrum Bayerns« richtet Mona Kerntke den Fokus auf das Miteinander, das in der Pandemie stark eingeschränkt ist, dessen Bedeutung gleichzeitig umso augenscheinlicher wird. Das Erscheinungsbild umfasst ein neues Signet, eine mutige Farb- und Formensprache und will eine jüngere, urbane Zielgruppe ansprechen.

Grundidee ist es, anhand eines Kreissystems das Zusammenleben, das durch die Impfung zurückgewonnen werden soll, darzustellen. Dieses gesellschaftliche Miteinander repräsentieren hier symbolhaft zwei abstrahierte Personen, deren Köpfe als Punkte, und deren Arme in einer Art S-Kurve dargestellt sind — Arme, die sich zum Händeschütteln treffen, wie es einst vor der Pandemie selbstverständlich war und hoffentlich nach der Impfung wieder sein wird.

Die Farben sollen markant sein, der Dringlichkeit entsprechend, die fröhliche, kräftige und aktive Farbkombination entspricht der positiven, mutmachenden Botschaft der Kampagne.

Grafische Zeichen (2. Semester): Lea Trumpetter

Lea Trumpetter nahm sich im Kurs »grafische Zeichen« der hochaktuellen Aufgabe an, die Impfbereitschaft der noch nicht gegen Covid-19 geimpften Menschen zu erhöhen. Die Zielgruppe ist klar umrissen, nämlich Menschen, die grundsätzlich bereit dazu wären, aber aus Gründen der Trägheit, der Unklarheit über die konkreten Abläufe und/oder aufgrund von Mangel an allgemeinen Informationen die Schwelle zur Initiative noch nicht überwunden haben. Gerade hier ist — nicht zuletzt visuelle — Kommunikation entscheidend.

Dafür schuf sie ein (fiktives) neues Erscheinungsbild des Impfzentrums Bayern, eine moderne Wort-Bildmarke. Die Formensprache des Zeichens basiert auf einem Kreis. Dieser steht für Leben und Gemeinschaft. Die Minuskel »i« symbolisiert an erster Stelle eine Person, die geimpft wurde, auf internationaler Ebene steht es für »Information«, welche einer Entscheidung (dafür oder dagegen) immer vorausgehen soll.

Besonderes Augenmerk lag auf dem einfachen Design, das der Einprägsamkeit zu Gute kommen soll. Das primär verwendete schwarze Signet wird in Kombination mit jeweils nur einer Farbe — pink, blau, grün oder gelb — verwendet. Die Kombination einer Farbe im Hintergrund mit dem schwarzen Zeichen im Vordergrund schafft Klarheit. In der Plakatreihe der vier Farben ist jedes Plakat für sich eindeutig, in der farblichen Abwechslung der Plakate untereinander steigert sich jedoch der Effekt.

Redaktion: Sybille Schmitz