Stehsatz

Typografie und Schrift, 1. Semester, Mediadesign Hochschule München, Klasse Prof. Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Mona Kerntke

Der Selbstähnlichkeit des typografischen Zeichensatzes eingedenk entwickelte Mona Kerntke ein auf geometrischen Grundformen basierendes Alphabet. Die einzelnen Buchstaben ergeben sich dabei aus einfachen Grundformen wie Kreis, Rechteck, Parallelogramm und Dreieck.

Im zweiten Schritt wurden die Zeichen aus weißem, leicht transparentem Papier ausgeschnitten und zu Wörtern gefügt, die Grundbegriffe der Typografie benennen: Form, Raum, Wort und Satz. Dabei liegen die einzelnen Buchstaben hintereinander und konterkarieren so die Leserichtung.

Es ergibt sich ein Gesamtbild, das mehr als die Summe der einzelnen Elemente, nämlich ein ganz neues Bild ergibt, als eine Art Schattenspiel. Gegen das Licht gehalten sind die einzelnen Papierschichten der Buchstaben einerseits erkenn- und lesbar, andererseits verlagert sich die Wahrnehmung von den einzelnen Buchstaben auf die Gesamtkomposition.

Derart entsteht ein faszinierend eigenwilliges Spiel aus Licht und Schatten, das wie Sonnenstrahlen wirkt, die durch ein Blättermeer oder durch Gardinen brechen, und an die Ästhetik deutscher expressionistischer Stummfilme erinnert – es würde nicht wundern, wenn Dr. Caligari ins Bild liefe.

Fotos: Mona Kerntke
 
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Diana Hix Molinari

Diana Hix Molinari hatte sich zur Aufgabe gemacht, ein Alphabet aus händisch gezeichneten Schmuckinitialen zu entwickeln, die alle ihre ganz eigene Geschichte erzählen und sich doch zu einem harmonischen Ganzen fügen. Jedem Buchstaben liegen hier mehrere kleine Zeichnungen zu Grunde, die auf den ersten Blick gar nicht erfasst werden.

Die besondere Herausforderung dieses Konzeptes war, jeden Buchstaben als Ganzes klar erkennbar zu gestalten, obwohl auf eine Kontur bewußt verzichtet wurde. Die Zeichnungen, aus denen der konkrete Buchstabe besteht, sind direkt mit dem Initial verbunden. »Ananas«  für »A«, »Biene« für »B« usw. Manche dieser Zeichnungen sind in den Initialen, besser gesagt im Beiwerk etwa aus Blättern oder Ranken, »versteckt«. Der Betrachter, auf das Prinzip aufmerksam geworden, muss also wie in einem Wimmelbild genau hinsehen, um manche Bilder bzw. die Dinge darin erkennen zu können.

Als Beispiel, neben der oben erwähnten Ananas und der Biene, seien hier lediglich noch die Vögel bei der Initiale »V« genannt, die anderen sollen jedoch nicht verraten werden und dem aufmerksamen Betrachter, der konzentrierten Betrachterin überlassen werden.

Die Initialen wurden in schwarz/weiß handgezeichnet erstellt. Je nach Anwendung können später die einzelne Elemente der Initalen in der digitalisierten Variante auch gefärbt werden.