Stehsatz

Pin-Up, Magazinanalyse von Anna Lea Trumpetter, Mona Kerntke
Editorial Design (4. Semester): Mona Kerntke, Anna Lea Trumpetter
Analyse des US-amerikanischen Architekturmagazins

Architekturmagazine können weit mehr sein, als nur imposante Gebäude zu präsentieren oder schnöde Grundrisse abzubilden. Das US-amerikanische Magazin PIN-UP schafft es, die vielfältigen Seiten der Architektur den Architekturliebhabern und auch denen, die es werden wollen, auf vergnügliche Art und Weise näher zu bringen.

Dieses Magazin wurde nun inhaltlich und gestalterisch unter die Lupe genommen. Inhaltlich taucht der Leser/die Leserin ein in eine Welt voller architektonischer Aspekte, mit inspirierenden Menschen und prägenden Geschichten. Aus gestalterischer Sicht überzeugt das Magazin mit mutiger Typografie und experimentellen Layouts.

Fotos und Text: Mona Kerntke, Anna Lea Trumpetter; Redaktion: Sybille Schmitz
Julie und der Warlord
Unikatbuch (4. Semester): Sofia Mari Surkau

Die Interpretation der Kurzgeschichte »Julie und der Warlord« wurde von Sofia Mari Surkau in Form einer Speisekarte konzipiert. In dieser Kurzgeschichte von B.J. Novak geht es um ein Blinddate von Julie mit einem Mann, der im Verlauf des Treffens seine dubiose Profession offenbart.

Die Einteilung in Sinnabschnitte ergibt ein Vier-Gänge-Menü. Die Auszeichnungsseiten leiten jeweils einen Gang ein, indem sie Bezug auf eine bedeutende Passage nehmen und diese typografisch inszenieren. Die Aussage »Ich bin ein Warlord« wird beispielsweise durch Panzerspuren aus Guillemets visualisiert, die inhaltlich auch darauf Bezug nehmen, dass der Warlord im abendlichen Gespräch Julies Aussagen übergeht.

Die Texte sind im Dramensatz gesetzt. Um dies zu gewährleisten, wurden weitere Regieanweisungen und Sprecheranweisungen ergänzt. Die Regieanweisungen sind wie im Drama für gewöhnlich im Präsens anstatt wie in der Kurzgeschichte des Originals im Präteritum gesetzt. Allergikerinformationen dienen dazu, den optischen Rahmen der Speisekarte zu unterstreichen und die Aussagen des Warlords, die in Verbindung mit seiner Tätigkeit stehen, herauszustellen. Auch Julies Naivität wird damit untermauert. Die in Dramentexten üblichen Versangaben wurden typografisch in Preisangaben der »Gerichte« verwandelt. Jede Aussage hat somit ihren Preis.

Das in einem Camouflage-Stoff gebundene Cover sowie die grünen Auszeichnungsseiten spielen auf den Warlord bzw. dessen kriegerisches Wesen an.

Fotos: Felix Stoffel, Redaktion: Sybille Schmitz
Audio-visuelle Darstellung des synästhetischen Farbenhörens.
Bachelorarbeit: Verena Manhart

Verena Manhart schuf im Zuge ihres Bachelorprojekts »synaesthetics« ein abstraktes Motion-Design-Musikvideo zu einem selbst komponierten und eingespielten Song. Diesen baute sie auf dem Beat ihres eigenen Herzschlags auf, der den Rhythmus, der jeden Menschen lebenslang begleitet, symbolisiert. Mit diesem Video soll den »Nicht-Synästhetikern« dieser Welt das Gefühl der Synästhesie, also der Simultan-Wahrnehmung – mit Fokus auf Farbenhören – nähergebracht werden. Zu Beat und den Instrumenten passend wurden – in Zusammenarbeit mit einem Synästhetiker – eigenständige grafische Systeme und Farbschemata entwickelt. Diese bewegen sich, die Musik begleitend, in separaten Quadraten. Damit wird auch die stets mit der Synästhesie einhergehende Gefahr der Reizüberflutung zum Ausdruck gebracht.

Bilder: Verena Manhart; Redaktion: Sybille Schmitz
Powst – After the point comes the line.
Bachelorarbeit: Victoria Eckl, Katharina Hengster

»Powst – After the point comes the line.« ist ein umfassendes Ausstellungs- und Designkonzept mit der thematischen Ausgangsfrage, welche Eigenschaften das Gestaltungsmittel Linie mit sich bringt und wie es in heutigen kulturellen Belangen fortbesteht. Mit zeitgenössischen Kunstwerken wird eine Ausstellung zum Thema »Linie« entwickelt und dazu ein adäquater visueller Auftritt — sowohl innerhalb als auch außerhalb der Ausstellung — konzipiert. Das Projekt umfasst die Bereiche des Kommunikationsdesigns, des Editorial Designs, des Motion Designs und zeichnet sich vor allem durch die Sorgfalt bezüglich aller relevanten Aspekte aus.

Ganz dem Zitat Paul Klees »die Linie ist ein Punkt der spazieren geht« folgend, zieht sich diese Thematik durch das ganze gestalterische Spektrum der Bachelorarbeit. Den roten Faden der Arbeit bilden hierbei die beiden Key Visuals, das »Badge« und das »Tape« – letzteres fungiert in seinen diversen Anwendungsmöglichkeiten als gestalterischer Wiedererkennungswert, Informationsträger in den Vorbereitungsräumen der Ausstellung und als schlichtes Leitsystem, welches den Besucher unaufdringlich durch alle Räume führt. Als Blickfang und »blauer Faden« zieht sich das Tape durch verschiedenste Umsetzungen wie Eintrittskarten, Einladungen, Merchandise, aber auch Digitales wie Social Media und den flankierenden Webauftritt.


Enstanden sind drei Bücher mit zusammengefasst 1008 Seiten – das erste Buch widmet sich der wissenschaftlichen Arbeit, das zweite Buch behandelt als Konzept alle gestalterischen Grundlagen und legt diese dem Leser auf spielerische Art und Weise nahe. Das dritte Buch schließt die Trilogie mit einer Begleitlektüre zur Ausstellung ab. Zusammengehalten werden diese durch einen royalblauen Plexiglas-Schuber.

Mehr zum Projekt gibt es auf instagram: _Powst

Text und Fotos: Katharina Hengster, Victoria Eckl
Typografie (2. Semester): Sofia Mari Surkau, Lara Traub, Clara Reichelt
Schriftanalyse der Gill Sans

Das Buch »Schriftanalyse Gill Sans« von Sofia Mari Surkau, Lara Traub und Clara Reichelt widmet sich der Gill Sans, die als eine der am besten lesbaren Grotesk Schriften gilt. Sie wurde im Jahre 1928 veröffentlicht und wird noch heute für große Unternehmen verwendet, wie etwa BBC News, Tommy Hilfiger oder Benetton.

Der anfängliche Teil des Buches gibt einen detaillierten Einblick in das Leben des Schriftentwicklers Eric Gill, im folgenden wird die Entstehungsgeschichte der Schrift näher betrachtet. Anschließend folgt eine ausführliche Buchstabenanalyse und eine Analyse verschiedenster Aspekte wie Lesbarkeit, Zurichtung und Schriftschnitte.

Da die Gill Sans aus der Bleisatzzeit kam finden sich eigens gedruckte Bleisatzseiten eingefügt, welche die Unterschiede zwischen der Schrift am Bildschirm und den Bleilettern beleuchten. Die Prägung des Covers zeigt eine Konstruktionsskizze des Minuskel g, die sich ebenso im Buch wiederfindet. Für mehr Dynamik wurden zudem eine Reihe transparenter Seiten integriert, wodurch die Zusammenhänge der Aspekte und die Charakteristik der Gill Sans recht klar erfassbar werden.

Fotos: Sofia Mari Surkau, Lara Traub und Clara Reichelt; Redaktion: Sybille Schmitz
Musikvisualisierung (1. Semester): Lisa-Sophie Rid

Der traditionelle Song »Oh, Sinner Man« in der Interpretation von Nina & Frederic unterteilt sich in zwei unterschiedliche, kontrastierende Phasen, in einen langsamen, ruhigen Part und in den rhythmischen, schnellen, dynamischen Part. Beide wechseln sich mehrmals ab.

Die eine Phase ist gekennzeichnet von der tiefen und ruhigen männlichen Stimme und der hohen, im Hintergrund hörbaren weiblichen Stimme. Die andere Phase besticht durch höhere Dynamik, schnelleren Rhythmus und gleichberechtigten Gesang.

Ich entschied mich dazu, die zwei Phasen des Musikstückes mit farbigen, gespannten Fäden zu visualisieren. Die geerdete Stimme des Mannes stellt ein rot-brauner Faden dar, die klare, reine Stimme der Frau ist weiß. Die Fäden der ersten Phase sind horizontal, parallel und mit gleichen Abständen zueinander. Die Länge der Fäden spiegelt hier die Präsenz der Stimmen wider. Im dynamischen Part sind die Fäden über Kreuz gespannt, eine Regelmäßigkeit inbegriffen. Die Dynamik und der Rhythmus finden so eine visuelle Entsprechung.

Fotos: Lisa-Sophie Rid, Redaktion: Sybille Schmitz
Editorial Design (3. Semester): Nikol Stancheva, Anna-Maria Lebedew und Verena Sedlmeir

»SLINE« ist der Name des  englischsprachigen Magazins, das sich dem Medium widmet, das das klassische Fernsehen abgelöst hat: dem Streaming von Serien. Die Wortneuschöpfung Sline leitet sich ab von dem englischen Begriff Streamline.

Streaming hat sich in nur einem Jahrzehnt massiv verbreitet, es ist für die jüngere Generation das, was Fernsehen bislang war – aus guten Gründen: Fernsehen on-demand kommt den modernen Lebenswelten, die zeitlich diffuser sind, entgegen. Zudem haben Serien wie »Breaking Bad« in vielerlei Hinsicht ein Niveau erreicht, das durchschnittliche, ja selbst gehobene TV-Produktionen weit hinter sich lässt. Auch das konsumieren von fiktionaler Unterhaltung in übersichtlichen Häppchen einerseits und andererseits für längere, verläßliche Zeiträume entspricht heutigen Bedürfnissen. So ist es nur folgerichtig, sich dem breiten und hochwertigen Angebot auf inhaltlich sorgfältige Weise zu widmen. Das Magazin Sline zielt darauf ab, den Leser umfassend über die ganze Bandbreite verschiedenster Serien zu informieren.

Das einzigartige Merkmal hierfür stellt der illustrative Teil des studentischen Magazins dar. Die jeweiligen Bilder respektive Fotos wurden jeweils digital überzeichnet, jede Serie erhält dabei ihre eigene Note. Darüberhinaus werden Hintergründe der Streaming- und Serienszene journalistisch aufbereitet, wie im vorliegenden Netflix-Special der Werdegang von Netflix, inklusive eines Interviews mit dem CEO.

Fotos: Anna-Maria Lebedew
Typografie (1. Semester): Josephin Oschmann
Laut und Leise

Inspiriert durch ein Kunstwerk einer asiatischen Künstlerin, auf das ich vor etwa fünf Jahren gestossen bin, welche Post-its übermalt und sie anschliessend wie ein Puzzle zu einem Gesamtbild zusammenfügt hat, wollte ich im Rahmen des Projekts »Laut und Leise« auch den stillen Botschafter nutzen.

Post-its dienen uns, um uns an wichtige Dinge zu erinnern. Daher konstruierte ich zum Andenken der vielen Opfer des Hurricanes Katrina eine interaktive, wandelbare Gedenktafel. Zunächst hat man eine Tafel mit Namen vor Augen, die in dezenter Schrift und völlig ruhig dem betrachtenden Auge liegt. Erst durch eine recht gewaltigen Windstoss gerät die Installation in Unruhe. Wie beim historischen Ereignis stellt die zerstörerische Kraft des Windes die Welt wortwörtlich auf den Kopf.

Am Ende kommt das Wortbild »Hurricane Katrina« in roter, ausdrucksstarker Schrift zum Vorschein.

Fotos: Josephin Oschmann, Redaktion: Sybille Schmitz
Editorial Design (3. Semester): Sarah Janson, Larissa Laurentzi, Verena Schneider

»Capture and connect techno design around the world« lautet der Slogan unseres Designmagazins 140bpm. Der Name, ausgesprochen 140 beats per minute, ergibt sich aus der Anzahl an Schlägen pro Minute, ab der es sich um Techno handelt.

Techno und Design haben mehr Gemeinsamkeiten, als man zunächst vermuten könnte. Trotzdem findet sich die Verknüpfung beider Sphären im Magazinbereich bislang nicht. Unser Magazin ist breit gefächert, es befasst sich mit Architektur, Kunst, Stage Design und Fotografie. Auch Covergestaltung, Corporate Designs und Branding dürfen in einem Designmagazin selbstverständlich nicht fehlen. Besonders interessant sind die kulturellen und sozialen Themen, die im Magazin beleuchtet werden: Die Inszenierung von Nacktheit in der Technoszene, der Lebensstil rund um das Berghain Berlin und auch die Loveparade finden ihren Platz. Ein rundum spannendes Magazin, das die Technoszene widerspiegelt. Man tritt ein in eine Welt voller Raves und Kunstfell-Imitat. Und kann dabei anspruchsvolle, ästhetische Designs genießen.

Fotos: Sarah Janson, Redaktion: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Mona Kerntke

Der Selbstähnlichkeit des typografischen Zeichensatzes eingedenk entwickelte Mona Kerntke ein auf geometrischen Grundformen basierendes Alphabet. Die einzelnen Buchstaben ergeben sich dabei aus einfachen Grundformen wie Kreis, Rechteck, Parallelogramm und Dreieck.

Im zweiten Schritt wurden die Zeichen aus weißem, leicht transparentem Papier ausgeschnitten und zu Wörtern gefügt, die Grundbegriffe der Typografie benennen: Form, Raum, Wort und Satz. Dabei liegen die einzelnen Buchstaben hintereinander und konterkarieren so die Leserichtung.

Es ergibt sich ein Gesamtbild, das mehr als die Summe der einzelnen Elemente, nämlich ein ganz neues Bild ergibt, als eine Art Schattenspiel. Gegen das Licht gehalten sind die einzelnen Papierschichten der Buchstaben einerseits erkenn- und lesbar, andererseits verlagert sich die Wahrnehmung von den einzelnen Buchstaben auf die Gesamtkomposition.

Derart entsteht ein faszinierend eigenwilliges Spiel aus Licht und Schatten, das wie Sonnenstrahlen wirkt, die durch ein Blättermeer oder durch Gardinen brechen, und an die Ästhetik deutscher expressionistischer Stummfilme erinnert – es würde nicht wundern, wenn Dr. Caligari ins Bild liefe.

Fotos: Mona Kerntke