Stehsatz

Nadja Schäffer, Typografieseminar bei Prof. Schmitz
Kalligrafie (1. Semester): Nadja Schäffer

Die Studentin Nadja Schäffer greift in ihrer Arbeit aus dem ersten Semester auf die Geschichte von Rapunzel zurück, um sie kalligrafisch höchst kunstvoll zu einer Art Textteppich zu verweben. Die optisch homogen wirkende Textfläche erstreckt sich wie ein Läufer, in ihrer Ebenmäßigkeit erinnert sie an ein ausgerolltes, wertvolles Pergament.

Ihre Technik manche Zeichen der Schrift in halber Größe übereinander gestellt zu schreiben, verstärkt den Effekt einer textilen, gewobenen Gesamtfläche, die förmlich dazu einlädt mit der Hand darüber zu streichen.

Fotos: Marina Scalese
Bachelorarbeit: Marina Emeljanov
Eine Visualisierung zwischenmenschlicher energetischer Interferenzen durch Form und Farbe.

Das Energiefeld soll am Menschen und im Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen und Interaktion zweier Menschen visualisiert werden. Also eine Verbildlichung der Wechselwirkung und ihrer Interferenz zweier Energien des Menschen innerhalb einer bestehenden Beziehung.

Dies soll nicht nur durch Farbe, sondern auch durch Form und Position visuell dargestellt werden. Von eng zu oberflächlichen, von freundschaftlichen zu feindseligen, von egalitären zu hierarchischen bis aufgabenorientierten zu geselligen Beziehungen bestehen immer Wechselwirkungen einer zwischenmenschlichen Interaktion.

Die Visualisierung zeigt das Aufeinandertreffen und Agieren zweier Menschen und deren zugehörigen Energiefeldern anhand von möglichen Interferenzen. Harmonische oder disharmonische Wechselbeziehungen werden anhand der Umsetzung im Siebdruck dargestellt.

Bachelorarbeit: Sofia Gronard
Visualisierung von Sprache und Emotion

Diese Arbeit zeigt die Entwicklung eines neuartigen emotionalen Zeichensystems.

Möchte man den Menschen als Wesen mit all seinen Facetten und Gefühlen verstehen, benötigen wir ein eindeutiges Sprachsystem. Unsere menschlich gesprochene Sprache ist als ein Zeichensystem anerkannt und besteht aus einer Vielzahl von Zeichen. Jedes Zeichen hat seine eigene Bedeutung und kann zusammengesetzt zu unendlich vielen Aussagen verbunden werden. Das lateinische Alphabet hilft uns verschiedene Sprachen zu verstehen und die Zeichen richtig zu deuten. Deshalb wird es als Grundlage zur Entwicklung eines universellen emotionalen Zeichensystems verwendet. Die Emotionstheorie von dem Psychologen Robert Plutchik bildet die Grundlage zur Auswahl und Bestimmung der Basis- und Sekundäremotionen. Die Intensität der Emo­tionen ist nach Plutchik für eine Emotionsbewertung besonders wichtig und wird in die Entwicklung integriert. Durch sie kann eine messbare Visualisierung der Emotionen dargestellt werden.

Das emotionale Zeichensystem ist derzeit als variable Schrift »Affects« verfügbar und kann jeder Schriftsammlung hinzugefügt werden. Derzeit sind die Basisemotionen auf dem kleinen Anfangsbuchstaben der jeweiligen deutschen Emotion und die Sekundäremotionen als Ligaturen angelegt. Durch die variable Schrift besteht die Möglichkeit die Intensität der eigenen Emotionen zu bestimmen. Diese Form der Darstellung ist hilfreich für die nonverbale Verständigung, dadurch wird die Emotion für den Gesprächspartner messbar und die Tonalität der Nachricht kann richtig eingeordnet werden. Dieses Zeichensystem ist ein Hilfsmittel für die emotionale Verständigung nonverbaler Kommunikation. Es versucht Missverständnisse zu minimieren und dem Benutzer die Möglichkeit zu geben sich mit seinen Emotionen auseinander zu setzen.

Editorial Design (3. Semester): Marina Scalese
Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und des Erhabenen

Das Thema dieser Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Immanuel Kants Analyse des Geschmacksurteils sowie mit seinem Begriff des Schönen. Ich habe dabei versucht, Balance und Wechselwirkung zwischen Lesbarkeit, Informationsvermittlung und ästhetischem Formenspiel auszuloten, und mich gleichzeitig eng an die Gliederung des Textes bzw. den Text selbst zu halten, um Kants Gedanken so unverfälscht wie möglich wiederzugeben.

Der Umgang mit der Typografie ist experimentell. Es galt herauszufinden auf welche Art und Weise Typografie dargestellt werden kann, wie sie im Einklang mit oder auch als Kontrapunkt zum Text wirkt. Typografie wird zu Grafik. Text wird zum Bild, in dem Buchstaben zu Formen verschmelzen und Wörter immer weiter abstrahiert werden, bis hin zur rein schwarzen Fläche. Auflösung bis zur Unleserlichkeit oder gar Unkenntlichkeit. Der philosophische Text über das Schöne und Erhabene verwandelt sich gewissermaßen unter den Augen des Lesers in typografische Kunst.

Fotos: Marina Scalese

 

Printprojekt (3. Semester): Sakuya Miesczalok

Depression ist medizinisch betrachtet ein sehr komplizierter Zustand, der noch nicht vollständig verstanden ist. Aus der Biologie wissen wir, dass chemische Reaktionen in unserem Körper einen großen Einfluss auf unseren seelischen Zustand haben und gewisse Ungleichgewichte zu ernsten Gefühlsschwankungen führen können. Diese beeinflussen dann unser tägliches Leben. Jeder hatte schon »depressive Phasen« und kennt den Zustand in­tensiver Traurigkeit. Allerdings leidet nicht jeder der »depressive Phasen« hatte auch an »Depression«. Hier liegt oft ein Missverständnis, das ich für ein ernstzunehmendes Problem halte. Viele glauben fälschlicherweise aus extremer Traurigkeit eine Diagnose von Depression ableiten zu können. Die Unterscheidung zwischen »traurig« und »nicht traurig« greift für eine Diagnose von Depression allerdings zu kurz.

Mein Ziel ist es mit dem hier vorgelegten Poesie­büchlein ein abstrakteres Verständnis dieser Krankheit aufzuzeigen. Dies soll helfen Menschen vom Stigma der Depression zu befreien und nicht einfach »Traurigkeit« verbildlichen. Ich habe einige medizinische Expertenmeinungen zur Krankheit und verschiedene Theorien zur möglichen Heilung herausgesucht,  vor allem um den Leser daran zu erinnern, dass Depression keine gewöhnliche Krankheit ist. Opfer erleben jeden Tag die Schwierigkeit erklären zu müssen, was mit ihnen geschieht und schaffen es nicht ihren Zustand präzise zu beschreiben. Ich will mit diesem Heft außerdem zum Verständnis beitragen, dass das Studium der gängigen Literatur zum Thema nur ein Aspekt ist um einem Betroffenen zu helfen und dass Zuhören eine ebenso wichtige Rolle spielt. Mit meiner typografischen Arbeit versuche ich, dieser Komplexität Ausdruck zu verleihen.

Fotos: Sakuya Miesczalok
Typografie (1. Semester): Ines Schäffer
Licht und Schatten – Papierarbeit

Der gegebene Begriff »Laut«, der mit seinem Gegenpol »Leise« den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet, steht für etwas auffälliges, starkes, er drängt sich stets in den Vordergrund und füllt den Raum, so wie das Licht. »Leise« hingegen verbinde ich mit etwas ruhigem, unauffälligem, das sich der klaren Wahrnehmung entzieht, wie das Dunkle, wie der Schatten. Diese Gedanken haben mich auf die Idee gebracht, dieses Gegensatzpaar mit den Elementen Licht und Schatten umzusetzen.

Ich nahm schwarze Pappe und schnitt das Wort »Licht« hinein, als Negativ. Dann stellte ich eine Lichtquelle dahinter um die Schrift zum leuchten zu bringen. Das Licht wirft durch die Schablone den Begriff »Laut« an die Wand. Das Wort ist in Majuskeln gesetzt, um es typografisch zu unterstreichen.

Beim »Leise« hingegen schnitt ich mehrfach das Wort »Schatten« in Minuskeln hinein, auf die Pappe bezogen positiv – d.h. ich schnitt Punzen und Gegenräume heraus. Die Lichtquelle projiziert somit den Begriff »Schatten« als Schatten. Der Betrachter muß also, der eingangs erwähnten Bedeutung des Wortes Leise entsprechend, aus dem Schattenteppich das Wort aufmerksam entziffern.

Fotos: Ines Schäffer
Typografie (2. Semester): Thomas Fäckl
Form und Funktion – ein virtuoses Spiel in Buchform

»Typografie stellt […] vielfältige Aufgaben«* – primär geht es um Lesbarkeit, aber im Sinne künstlerischer Textgestaltung kann auch die Form im Vordergrund stehen.

In seinem experimentellen Büchlein spürt Thomas Fäckl der Beziehung zwischen Typografie, Inhalt und Satzanordnung nach. Seine Formstudie bricht dabei althergebrachte Textstrukturen auf, arrangiert die Bestandteile neu, spielt mit der Leserichtung und stellt den hehren Gesetzen Weidemanns kontrastierend deren Bruch gegenüber. Das bewußte Konterkarieren verstärkt auf vergnügliche und erstaunlich anschauliche Weise die Bedeutung der typografischen Gebote. So entstand ein spielerisches Textexperiment, das Gespür für Schrift schärfen kann. Sehenswert!

* Kurt Weidemann, Fotos: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Verena Manhart
Die sieben Todsünden

Ende des 4. Jahrhunderts wurden die sieben Todsünden das erste Mal von Euagrios Pontikos benannt. Bekannt sind sie uns vor allem durch die katholische Kirche, laut der wir durch deren bewusste Auslebung den Kontakt zu uns selbst und zu Gott verlieren. Die Charaktereigenschaften, die die katholische Kirche als Todsünden bezeichnet sind laut historischer Reihenfolge: Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit.

Für die Visualisierung habe ich die Seiten jeweils sieben identischer Bücher so gefaltet, dass deren Frontalansicht im leicht geöffneten Zustand je eine Todsünde darstellt.

Für den Hochmut steht ein nach oben zeigendes, gleichschenkliges Dreieck. Es vermittelt das Streben nach oben und zeigt, wie der hochmütige Mensch sich selbst über allen anderen, also an der Spitze sieht. Habgier äußert sich in unersättlichem Verlangen nach Besitz. Hierfür steht eine von links unten nach rechts oben laufende Gerade, da Geraden, laut geltenden mathematischen Gesetzen, grundsätzlich in die Unendlichkeit steigen. Der Kreis steht in diesem Fall für die Wollust, die unter anderem durch einen Teufelskreis der Lust beschrieben werden kann. Zorn ist in der Regel kein Gefühl, das unentwegt vorliegt, sondern sich in unterschiedlich starken Wutausbrüchen äußert. Aus dem Aneinanderreihen verschieden hoher Rauten resultiert ein Zackenmuster. Mit dem Wort Völlerei verbindet man exorbitanten Konsum von Lebensmitteln oder Alkohol. Auf jenen folgt meistens ein starkes Unwohlsein, welches in dem Versuch mündet, die psychische Verfassung durch Frustessen und Betrinken zu bessern. Dieses stete Auf und Ab wird durch eine Sinuskurve dargestellt. Neid nimmt dem Geist die Fähigkeit sich richtig zu entfalten. Durch die zusammengedrückt wirkende Raute wird diese Einschränkung optisch vermittelt. Die letzte der Todsünden ist die Trägheit. Diese wird durch die statischste Form, das Quadrat, versinnbildlicht.

Fotos: Verena Manhart
Mappenwerk zu Kurt Schwitters im Handsatz

Ein Zitat von Kurt Schwitters besagt, Kunst sei nichts anderes als Gestaltung mit beliebigem Material. So hatten wir, die Studenten des diesjährigen Erstsemesters, die Aufgabe und Ehre, uns nicht nur mit dem herausragenden deutschen Künstler Kurt Schwitters und seinen Thesen zur Typografie, sondern auch mit einem ganz neuen »Material« zu beschäftigen.

Kurt Schwitters gehört schon durch seine Leidenschaft, das »Merzen«, zu den einzigartigsten Künstlern des an sich schon eigenartigen Dada. Das Wort »Merz« leitet Schwitters vom Wort »Kommerz« ab, welches auf einem Zettel geschrieben stand, den er zufällig fand und sollte ein Ausdruck dafür sein, Neues aus alten Scherben aufzubauen. Dies war für den Künstler nicht nur Name oder Kategorie, sondern vielmehr der Ausdruck seines Lebens, denn Schwitters betrachtet sein Leben als Gesamtkunstwerk – Leben und Kunst miteinander vereint, den gesamten Inhalt seines Lebens stellt er mit diesem Begriff dar. Die spielerische Verbindung verschiedenster Dinge wie Zeitungsausschnitte, Busfahrscheine, Nägel, Haare oder Holzstücke machen Schwitters Collagen zu einem gestalterischen Hingucker.

Nach Recherche und intensiver Auseinandersetzung mit diesem Künstler und seinen Thesen ging es auch für uns nun endlich an die Arbeit – hierbei verlief vor allem die Vorbereitung der Entwürfe bei jedem anders. Während die eine sich intensiv mit der Gestaltung Schwitters auseinandersetzte und ganz nach seinem Motto »etwas Neues aus seinem Alten« machte, ging die andere eher spielerisch mit diesem Thema um und befasste sich mit einer rein typografischen Lösung der Thesen. So verschieden die Arbeitsweisen wohl auch gewesen sein mögen, unsere Mappe mit den fertigen Drucken, ergibt insgesamt eine sehr schöne Gesamtheit!

Wir, Julia Floth, Selina Schwander, Eva-Maria Oberauer, Victoria Eckl und Katharina Hengster, möchten uns hiermit auch nochmals recht herzlich bei Herrn Westermaier und Frau Schmitz für ihre Bemühungen und Geduld bedanken – nach dem Erwerb unseres Werkstattführerscheins werden wir uns nun sicher häufiger in der Druckwerkstatt über den Weg laufen!

Fotos: Katharina Hengster, Victoria Eckl, Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit  (1. Semester): William Kirchinger
The W – vielfältige Annäherung an tradierte Initialienentwicklung

In seiner freien Schriftarbeit »the W« zeichnete William eine Initiale nach den etablierten Regeln des Handlettering. In der tatsächlichen Anwendung ging er dabei zwei sehr gegensätzliche Wege. Er druckte sein Zeichen unter Zuhilfenahme eines vorab gefertigten Magnesiumklischees in unserer Buchdruckwerkstatt in Blau mit dezenten Goldelementen. Darüber hinaus erstellte er eine Schablone für seine groß dimensionierte Graffiti-Anwendung. Mit Hilfe dieser sprühte er ein helles Kreidespray auf dunklen Boden. Beide Darstellungsformen sind einerseits völlig gegensätzlich in Herstellung, Darbietung und Material, andererseits ergänzen sie sich gut und illustrieren die Schriftarbeit auf verschiedenen Ebenen. Beide Formen sind auf jeden Fall & im besten Sinne gelungen.

Fotos: Lucas Wurzacher, Sofia Gronard, Sybille Schmitz