Stehsatz

20 Thesen zur Typografie: William Kirchinger
Typografie (2. Semester): William Kirchinger

William Kirchner hat Form und Funktion der Typografie anhand von 20 Thesen renommierter Typografen nachgespürt. Dabei hat er ihre Aussagen in systematischen Variationsreihen unterstrichen, konterkariert ebenso wie negiert, Beziehungen geschaffen, Positiv- und Negativ-Räume erprobt, ausgeklügelt, komponiert und dekonstruiert. Die Serie – bestehend aus 100 Einzelblättern – ist sehr inspiriert und äußerst vielfältig.

Editorial Design (3. Semester): Marina Scalese

Aufgabe meiner Analyse war es, eine Zeitschrift auf verschiedene Aspekte und Eigenheiten hin zu untersuchen. Die Entscheidung fiel auf das unabhängige Gesellschaftsmagazin ESQUIRE, Ausgabe Nummer 7.

Konzept von ESQUIRE ist, dass jeder Ausgabe ein bestimmtes Thema zugrunde liegt. Dieses Thema wird sehr detailliert behandelt und aus verschiedensten Perspektiven betrachtet. Der Titel der jeweiligen Ausgabe prangt in gut lesbarer Schrift auf dem Cover, grafisch arbeitet ESQUIRE auf dem Titelblatt meist mit großen Lettern, die Neugier wecken. Beim weiteren Durchschauen wird deutlich, dass es sich nicht um ein journalistisches Magazin im eigentlichen Sinne handelt, sondern um eine besondere Art der Verknüpfung von redaktionellem Inhalt und ambitionierter Gestaltung.

Fotos: Marina Scalese
Editorial Design (3. Semester): Antonia Aschenbrenner

Das Gefühl der Langeweile dürfte wohl jeder schon einmal erlebt haben. Sie ist unglaublich zäh, vereinnahmend und wird von den meisten Menschen als negativ wahrgenommen. Doch wenn ich an meine Oma denke, wie sie vor ihrem Hof auf einer Bank in der Sonne saß, dann sehe ich kein gelangweiltes Gesicht, sondern ein zufriedenes. Sie suchte in der Hektik des Alltages die Entspannung, wohingegen wir die kurzweilige Ablenkung suchen – etwa am Smartphone, überall und jederzeit. Wir haben es verlernt uns richtig zu langweilen, wir haben verlernt in einem Moment zu verweilen.

Im Zuge dieser Arbeit ist ein Bildband entstanden, der sich in Form von Fotografien und geschriebenem Wort mit dem Paradoxon Langeweile beschäftigt.

Fotos: Antonia Aschenbrenner
Typografie (2. Semester): Silvia Rädermacher
Buchgestaltung: Typografie in der Weimarer Republik (1918–1933), Beitrag 2

Die Idee »mit einer Rundschriftfeder eine Druckschrift« (1903) zu schreiben, veränderte den Werdegang von Rudolf Koch (1876–1934) maßgeblich. Das Leben des gebürtigen Nürnbergers selbst war bis dato von Entbehrungen geprägt: Koch wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, erledigte Gelegenheitsarbeiten im Buchgewerbe, war zwar kunstbeflissen, verfügte jedoch über keine anerkannte Ausbildung. 1906 meldet er sich auf die Anzeige von Karl Klingspor – Leiter der berühmten Gießerei Klingspor in Offenbach, ehemalige Rudhardsche Gießerei –, der das Talent des »erleuchteten Amateurs«* erkennt und ihn über 30 Jahre, bis zu seinem Tod im Jahr 1934 beschäftigt.

Koch mag für heutige Augen stark polarisieren – faszinierend in Schreibkunst und Schriftschaffen und zugleich irritierend, bezogen auf die aus dem ersten Weltkrieg resultierende, fast fanatische Religiosität. Kochs enorm ausdrucksstarke Schriftarbeiten und Kalligrafien hatten meist religiösen Inhalt; sie waren ihm selbst »Gottesdienst«**.

Sein enormer künstlerischer Beitrag besteht in der Weiterentwicklung der Fraktur, der er neue Strenge und Würde verleiht. Koch selbst gilt als »Meister der geschriebenen Schrift«, die meisten seiner bei Klingspor erschienen Schriften wurden »aus dem Vorgang des Schreibens« entwickelt. Zu nennen wären hier etwa Kabel, Koch Antiqua, Maximillian Gotisch, Wilhelm Klingspor Schrift, Neuland, Peter Jessen Schrift, etc.

Silvia Rädermacher hat ihr Büchlein dem Lebenswerk dieses eigenwilligen Meisters gewidmet. Ihr Buch selbst ist dabei spielerisch komponiert, enthält alle Fakten zum Œuvre und Werdegang. Das Werk Kochs im Anhang ist in würdevoller Strenge präsentiert. Sehenswert!

Fotos: Marina Scalese
* Bertram, Axel: Das Wohntemperierte Alphabet. Eine Kulturgeschichte, Leipzig, 2004, S.108 
** ebenda.
Editorial Design (3. Semester): Stephanie Moll
Meine Projektarbeit »Weiter Immer Weiter« habe ich mit einem Zitat der 15-jährigen Greta Thunberg eröffnet. Ihre beeindruckende Rede auf der UN- Klimakonferenz formuliert exakt die Botschaft, die ich anhand meiner Projektarbeit vermitteln möchte. Seit nunmehr über 40 Jahren wird in der Öffentlichkeit über den Klimawandel diskutiert, dennoch hat sich die Situation nicht etwa verbessert, sondern verschlimmert. Anhand meiner Arbeit zeige ich fünf verschiedene Artikel aus unterschiedlichen Jahrzehnten auf, die sich mit dem Thema Weltklima beschäftigen. Darin werden erste Vermutungen, schließlich bereits wahrnehmbare Auswirkungen und heute – von einigen Persönlichkeiten abgesehen – als Konsens geltende Tatsachen zum Thema Klimawandel erörtert.

Kalligrafie (1. Semester): Eva-Maria Oberauer

Ein Mix aus modernen kalligrafischen Streetartelementen und archaisch wirkenden, düsteren Zeichenfolgen bilden die Grundlage von Evas kalligrafischem Dyptichon. Damit setzt sie das Lied »Königin der Nacht« – ein eher düsterer Song der Band »Schwarzer Engel« – inhaltlich wie gestalterisch ins passende Licht. Musik und Text thematisieren einerseits strahlende Schönheit, andererseits Obsession und absolute Hingabe an das Dunkle.

Der Dualität des Songs wird Eva durch ein kalligrafisches Dyptichon gerecht, das den Text im Positivraum wie im Negativraum visualisiert. Die entwickelten Schrifttafeln verbreiten dabei eine irritierende Wirkung, als wäre es unheilvoll, sie zu lesen, als wären die Texte dem menschlichen Auge im Lovecraft’schen Sinne nicht zugedacht.

Fotos: Marina Scalese
Editorial Design (3. Semester): Magdalena Stricker

Das Thema für die Arbeit »Editorial Design« war frei wählbar, und ich entschloss mich schließlich für das Wort »Schrill«. Warum?

Nun, es lässt sich auf vielen Wegen interpretieren, Prominente mit waghalsigen Outfits oder grellen Farben, ein akustisch belästigender Ton, oder auch sonderbares Gebaren. Hier sah ich eine Möglichkeit, das Wort »Schrill« in unterschiedlichen Umsetzungen eines Editorial Designs darzustellen, es also zum einen zu benutzen, zum anderen ihm in seiner Eigenart gerecht zu werden.

Dazu wurden unterschiedliche Baukastensysteme verwendet, um jedes Bild individuell auf den Betrachter wirken zu lassen, die Lesbarkeit stand dabei nicht im Vordergrund. Entstanden sind mehrere Reihen mit jeweils mehreren Versionen, die sich in ihrer Einzigartigkeit spiegeln, ihrer Reihe dabei ähneln und trotzdem allesamt Unikate sind.

Typografie (2. Semester): Christin Warncke
Buchgestaltung: Typografie in der Weimarer Republik (1918–1933), Beitrag 1

Die Weimarer Republik symbolisiert in Deutschland den ersten Versuch eines demokratischen Neubeginns nach dem ersten Weltkrieg. Die Zeit selbst war von Wirtschaftskrisen, Inflationen, politischen Umsturzversuchen sowie aufkeimendem Nationalismus geprägt. In diesem Spannungsfeld entstanden in Deutschland unterschiedliche künstlerische Strömungen, die Tradiertes in Frage stellten und zum Fundament des heute gängigen Gestaltungsmaßstabes wurden.

Die berufsbegleitende Klasse Media Design hat sich im Wintersemester 2018/19 dem Thema gewidmet. Entstanden sind eine Reihe sehenswerter Büchlein.

Christin Warncke widmete sich mit ihrer Arbeit dem Typografen Jan Tschichold und teilt, um dessen facettenreichem Lebenswerk gerecht werden zu können, ihr Büchlein in zwei Teile. So behandelt der Erste die Neue Typografie (1925, Sonderausgabe »elementare typographie« der Typographischen Mitteilungen) und Tschicholds radikalen Wunsch nach klarer Gliederung, einfachem Raumaufbau und Reduktion auf serifenlose Schriften. Er griff dabei Gedanken von Lázló Moholy-Nagy auf, die zunächst nur einem engen Künstlerzirkel zugänglich waren und machte diese für Akzidenz Setzer nutzbar.

Später wendet sich Jan Tschichold, der in der Zeit des Nationalsozialismus unter Diffamierung zu leiden hatte und in die Schweiz emigriert war, von den radikalen Gedanken seiner »Neuen Typografie« ab (»sie ist ebenso restriktiv wie es die NS-Regierung gewesen ist«) und entwickelt die wunderbare Antiqua »Sabon«, die seit einigen Jahren digitalisiert zur Verfügung steht. Und so legt der zweite Teil des  Büchleins den Schwerpunkt auf die Satzschrift Sabon.

Das Buch selbst ist eine Schweizer Broschur. Alles in allem mehr als sehenswert.

Fotos: Marina Scalese

 

Bachelorarbeit: Sandra Tammery
Kunst und Freiheit

Gegenwärtig und deutlich spürbar befindet sich unsere Welt in einem durchaus bedenklichen Umbruch. Immer mehr populistische Politiker kommen an die Macht und versuchen, ihre Wähler mit konservativen bis hin zu rechten oder gar faschistoiden Ideologien für sich zu gewinnen. Sie polarisieren durch ihre autoritäre Erscheinung und verleiten Anhänger zu einem Schubladendenken in einer stetig komplexeren, globalisierten Welt, ein Widerspruch in sich.

Wir brauchen uns lediglich Länder wie die USA, Russland oder die Türkei ansehen, die zeigen, dass eine Demokratie schneller untergraben werden kann, als man es noch vor wenigen Jahren für möglich hielt. In Europa sind es vor allem unsere Nachbarn Österreich, Polen oder Ungarn, die durch Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam machen und sich offensichtlich im äußerst rechten Lager positionieren. Aber auch vor unserer eigenen Haustür erfreuen sich Radikale zunehmender Beliebtheit. Mit der Pegida-Bewegung oder dem Einzug der AfD in den Bundestag, lässt sich eine beunruhigende Entwicklung ebenso in Deutschland unmissverständlich wahrnehmen. Dieser Wandel darf nicht ausgeblendet werden.

Damit die Kunst weiterhin frei sein kann, wurde von Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik, Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, und von Claudia Roth, Sprecherin für Auswärtige Kulturpolitik, Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, die Brüsseler Erklärung aufgestellt. Auf der Internetplattform Change.org wird zur Unterstützung aufgerufen.

Um die Inhalte der Petition im Folgenden visuell zu kommunizieren, wird auf das klassische Medium Plakat zurückgegriffen. Die Plakatreihe besteht aus vier voneinander unabhängigen Serien, die jeweils auf eine andere optische Wirkung abzielen, dabei bleibt der kommunizierte Inhalt immer derselbe. Der Inhalt wiederum stützt sich auf folgende Kernaussagen, die in der Brüsseler Erklärung enthalten sind.

Typografie (2.Semester): Magdalena Stricker, Sakuya Miesczalok

Die Riga, 2014 von Schriftgestalter Ludwig Übele (ludwigtype.de) entworfen, war im 2. Semester Gegenstand unserer Schriftanalyse. Die Serifenlose, in 21 Schnitten verfügbar, ist enger gehalten, sehr gut lesbar und am Screen ebenso wie im Print nutzbar.

Uns hat besonders fasziniert, dass die Schrift einerseits sehr modern wirkt, andererseits aber auch an tradierten Formen klassischer, gewachsener Schriftgestaltung festhält. Dies ist uns besonders beim Versal-P und Minusjek-g aufgefallen.

Ganz besonders interessant war es, mit dem Schriftgestalter selbst, der weitere Schriften wie die Marat und die FF Tundra gestaltet hat, über die Schrift zu reden. In Berlin hat er uns bei einem entspannten Interview Rede und Antwort gestanden und zahlreiche Informationen gegeben, die für unsere Analyse sehr hilfreich war.

Unser Dank gilt Herrn Übele für die wirklich tolle Unterstützung.

Fotos: Marina Scalese