Stehsatz

Verena Schneider und Sarah Janson, August 2020
Typografie (2. Semester): Sarah Janson, Verena Schneider

»I think it’s both modern and familiar« – so beschreibt die Schriftentwerferin Zuzana Licko selbst ihre aussagekräftige Schrift »Mr Eaves«. Es handelt sich um eine geometrische Grotesk, die auf formale wie optische Wiederholung setzt — die Grundformen Dreieck, Quadrat und Kreis treten dabei immer wieder auf — und auf den zwei sich ergänzenden Schriftfamilien Sans-Serif und Modern fußt. Beide Familien sind in je sechs Schnitten von Thin bis Heavy sowie in Regular und Italic verfügbar. Das Typeface selbst ist stark an der zugesellten Schrift, sozusagen der Gattin »Mrs Eaves«, angelehnt, auf diese wird auch wiederholt Bezug genommen.

Über zwei Monate haben wir uns mit der Recherche, Analyse, Gestaltung und dem Layout eines Buches über diese markante Schrift beschäftigt. Entstanden ist ein durchaus modernes Buch, das den Charakter der Schrift widerspiegelt. Das Format haben wir an die Proportionen des einprägsamen Majuskel R angepasst. Beim Layout des Buches wurde durchgehend auf eine moderne, spannende aber dennoch abwechslungsreiche Gestaltung geachtet. Die Farbe Grün steht symbolisch für den männlichen Charakter der »Mr Eaves«. Als Vorgänger und Gemahlin gilt die Barock-Antiqua »Mrs Eaves«, die im Vergleich durch die Farbe pink dargestellt wird.

Das Buch befasst sich mit der Analyse der einzelnen Buchstaben, der Lesbarkeit, Zurichtung, des Grauwertes und der Wirkung im Mengentext. Besonders interessant ist auch die Gegenüberstellung mit dem Vorbild aller geometrischer Schriften: der Futura. Und wie es nicht anders zu erwarten war: Mr Eaves – eine moderne, harmonische, eindrucksvolle und jugendliche Schrift – lässt den Schriftklassiker Futura eindeutig schwach aussehen.

Im Interview mit Zuzana Licko konnten wir schließlich auch einige weiterführende Informationen über die Schrift und insbesondere über ihren Entstehungsprozess erfahren. Darüberhinaus beinhaltet das Buch weitere Porträts von Zuzana Licko, eine Zusammenfassung ihres Werdegangs und Wirkens als Schriftgestalterin, sowie diverse Anwendungsbeispiele zur Veranschaulichung.

Text und Fotos: Verena Schneider und Sarah Janson, August 2020
Grafische Zeichen (2. Semester): Larissa Laurentzi
Entwurfsreihe für das Münchner Marionettentheater

Thema der Arbeit der Studentin Larissa Laurentzi ist der visuelle Auftritt einer Kulturinstitution, in diesem Fall des renommierten und traditionsreichen Münchner Marionettentheaters.  Der Entwurf entwickelt aus dem für das Marionettenspiel typische Bild sich kreuzender, dünner, sich an die Senkrechte anlehnender Fäden ein abstraktes M, das als Logo fungiert. Kombiniert im farbfrohen Spiel der Töne Türkis, Magnat, Lila, Rot und Schwarz entsteht eine klare, abstrakte grafische Sprache, die sich aus dem Zeichen – also dem abstrahierten Buchstaben M – und dessen Neuarrangement bzw. Vervielfältigung selbst ergibt.

Neben etlichen Anwendungen der Geschäftsausstattung entsteht eine spielerische Plakatreihe, die das Logo zu interessanten grafischen Strukturen verbindet. Die Farben dienen zur Strukturierung des Angebotes hinsichtlich der Besuchergruppen.

Freie Schriftarbeit (1. Semester): Verena Sedlmeir

Die kalligrafische Arbeit von Verena Sedlmeir setzt das Lied bzw. die Lyrics von »Bad to the Bone« von George Thorogood kalligrafisch um. Der Text besteht aus kantigen, eng aneinander gereihten Versalien. Mit einem Pinsel sind diese auf zwei gleichgroße Keilrahmen aufgebracht, einmal positiv und das andere Mal negativ. Das kalligrafische Diptychon bringt die düstere Stimmung und die irritierende Wirkung, die nicht gänzlich dechiffrierbare Ausstrahlung des Songs und des Textes anschaulich zum Ausdruck.

Fotos: Verena Sedlmeir
Das Stehsatz-Magazin braucht dieses Jahr Starthilfe

Das Stehsatz-Magazin ist für die Studierenden des Fachbereichs Media Design in München oft die erste Möglichkeit, ihre Arbeiten einer größeren Öffentlichkeit außerhalb des universitären Umfeldes zu präsentieren. Mit den Portraits weltweit renommierter Agenturen richtet es gleichzeitig den Blick hinaus in die Welt, es verbindet so die Phase des Erprobens im geschützten universitären Raum mit der Praxis eines international wirkenden Berufsfeldes.

Auch in diesem, vom Corona-Virus geplagten Jahr soll das Magazin realisiert werden. Dafür möchten wir hier höflichst um eine kleine Spende bitten. Sie können die Macher des Projektes über PayPal Moneypool mit einem frei wählbaren Betrag unterstützen – über diesen Link. (paypal.me/pools/c/8qDtQV1jYx). Jeder Cent hilft!

Fotos: Boris Braunstorfinger, Veronika Disl, Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Sarah Janson
Plakatreihe zu Gotye – »Somebody that I used to know«

In vier Plakaten wurde der Song »Somebody that I used to know« von Gotye visualisiert. Dargestellt werden ein Metabild sowie drei Teilabschnitte. Die zu einem Muster zusammengesetzten Balken geben die Rhythmik des Liedes wieder, wobei hier die breiten, tiefen Balken bzw. die hohen, schmalen Balken die männliche bzw. weibliche Stimme repräsentieren. Die Plakate wurden in drei Farbvarianten zu einer harmonischen Reihe umgesetzt.

Das erste Plakat zeigt den Song als stimmiges Ganzes, im zweiten wird der Rhythmus des Liedes und der Gesang von Gotye, im dritten die hohe Tonlage der Sängerin Kimbra durch schmale Balken visualisiert. Das letzte Plakat stellt das Zusammenspiel der beiden Stimmen sowie das abrupte Ende des Liedes dar. Erst im Zusammenspiel aller vier Plakate ergibt sich sowohl der Songtitel wie auch die Gesamtheit aller Schichten oder Perspektiven dieses sentimentalen Popsongs.

Obwohl er von Verlust und Trennungsschmerz handelt, evoziert das Anhören paradoxerweise eine selig-beschwingte Stimmung, was Entsprechung in belebenden Farbkombinationen findet.

Freie Schriftarbeit (1. Semester): Verena Schneider

Unter dem Titel »Freie Schriftarbeit« entstehen Alphabete bzw. Annäherungen an Typen/Schriften, auf experimentelle Weise und ohne weitere Vorgaben. Verena Schneider hat diese Freiheiten genutzt, um aus Holz verschiedenster Art, was Holzart, Form, Dicke etc. betrifft, zunächst einzelne Buchstaben und schließlich ein komplettes Alphabet zu formen. Dann wurden die Buchstaben in unterschiedlichen Farben gedruckt und zunächst ausgeschnitten, systematisch sortiert und wie in einem Schriftmuster alphabetisch arrangiert.

Im zweiten, experimentierfreudigeren Schritt finden sich einzelne Buchstaben ohne eigentliche Ordnung, in den kräftigen Farben Gelb, Orange und Schwarz durcheinander gedruckt.

Abschließend druckte Verena Schneider einen Auszug aus Mac Millers Song »God Is Fair, Sexy, Nasty« in Reihe auf vier Bögen.

Fotos: Verena Schneider
Typografie (1. Semester): Katharina Lutz
»laut & leise«

Diese Bearbeitung des Themas »laut & leise« ist eine Druckarbeit mit Holzlettern, die sich der harten und weichen Konsonanten des Alphabets bedient. Die harten Konsonanten F, k, P und T gelten als laut und werden ihren leisen Gegenspielern b, d, g und v gegenübergestellt.

Die Darstellung der harten, lauten Konsonanten gelingt durch die Verwendung einer markanten Egyptienneschrift, die durch ihre plakative Wirkung bereits aufmerksamkeitsheischende Eigenschaften aufweist.

Noch markanter wirkt sie durch die Verwendung der CMYK-Farben. Dies sind die Grundfarben des modernen Vierfarbdruckes, sie sind untereinander sehr gegensätzlich und jede für sich ist kräftig, wodurch sie an sich schon deutlich kontrastieren. Durch die stellenweise Überlagerung der Lettern im Druck entstehen interessante Mischfarben, die zusammen mit der Großflächigkeit der großen, fetten Buchstaben eine flächige, kräftige Wirkung entfalten — und somit eine gewisse »Lautstärke«.

Die Anordnung der großen Lettern bewirkt, dass diese mehr als die Hälfte des Formats einnehmen und so das bedruckte Blatt für sich beanspruchen.Sie drängen sich in den Vordergrund.

Im Gegensatz dazu befinden sich die weichen Konsonanten in der toten Ecke, der in der westlichen Lesekultur aufgrund der Leserichtung von links nach rechts wenig Beachtung geschenkt wird. Dies schafft die Grundlage für eine zurückhaltene, leise Wirkung.

Um die leise Gestaltung zu unterstützen, findet für den Druck dieser Konsonanten eine magere Univers der Schriftgröße 12 Verwendung. Die magere Schrift hat einen hellen Grauwert, die unauffällig, schlicht und leise wirkt. Der Gößenkontrast ist ebenfalls von Bedeutung. Es werden ausschließlich Minuskeln verwendet, die grundsätzlich zurückhaltend wirken.

Fotos: Sybille Schmitz
Typografie (2. Semester): Sarah Janson

Aufgabenstellung war es, zwanzig Thesen zur Typografie — von namhaften Größen des Faches wie Kurt Schwitters, Günter Gerhard Lange, Kurt Weidemann, Emil Ruder und anderen — mit eben diesen typografischen Mitteln umzusetzen. So entstanden 100 rein typografische Gestaltungen, die dem Prinzip der systematischen Variation folgen und dabei den Gedanken des jeweiligen Zitates aufgreifen, illustrieren, untermauern oder auch konterkarieren.

Die Entwürfe arbeiten vor allem mit Überlagerung, extremer Vergrößerung oder auch mit einem »Hinausdenken über den Formatrand«, bei dem der Betrachter, die Betrachterin die erkannte Type gewissermaßen extrapoliert. Aber auch die Wirkung von Gegenräumen und das Spiel mit Illustrationen rufen Spannung hervor.

Hierbei wurden ausschließlich serifenlose Schriften gewählt, um den Fokus auf modernere Schriftarten und Leseerfahrungen zu richten, wie zum Beispiel die geometrische Mr. Eaves.

Typografie (2. Semester):
Julia Dummeldinger,  Sarah Huber, Adrian Schub, Ingrid Trojer

Die Schrift, die wohl mit am häufigsten mit dem 20. Jahrhundert assoziiert wird, ist ohne Zweifel die 1931 veröffentlichte Barock-Antiqua-Schrift »Times New Roman«. Der Schrifttyp war (und ist) für Drucker aller gängigen Gießereiformate ­verfügbar, wie z.B. Gießereiformen, Monotype, Linotype, Intertype und Ludlow. Sie hat einen sehr universellen Charakter und findet daher unzählige Anwendungsbereiche auch neben dem Zeitungsdruck, für den sie ursprünglich entwickelt wurde, etwa im Screen- und Printsektor. Als Standardschrift ist sie so gut wie auf allen Grafik- und Textprogrammen bereits vorinstalliert.

Die Gestaltung der »Times New Roman« wird Stanley Morison — mit Unterstützung von Victor Lardent — zugeschrieben, der im Jahr 1929 von der Zeitung »Times of London« mit der Neugestaltung der damals üblichen Zeitungsschrift »Times Old Roman« beauftragt wurde.

Stanley Morison gestaltete die Schrift ganz nach seinen »Principles of Typography«, die besagen, dass eine Schrift, die vor allem für den Mengentext konzipiert ist, funktional und angenehm für den Leser angelegt sein muss. Neben den ästhetischen und funktionalen Aspekten, war es zu jener Zeit wichtig, eine Schrift so zu gestalten, dass die Druckkosten gering gehalten werden konnten. So entwarf Morison nun eine feinere Schrift, die auch bei schmalem Textlauf ein gutes Schriftbild gewährleistet, und dabei Platz und Tinte einspart.

Der Inhalt unserer Schriftanalyse bzw. unseres Magazins ist im Wesentlichen in zwei Bereiche  unterteilt. Zum einen in den geschichtlichen Teil, der den Werdegang von Stanley Morison beschreibt sowie auf die Hintergründe der Anfänge des Zeitungsdrucks eingeht. Der zweite Bereich ist der eigentlichen Analyse von Schrift und Type gewidmet.

Die Gestaltung stellt einen Bruch zwischen den sehr platzsparenden Zeitungsrastern, wie sie damals und auch heute noch verwendet werden, dar, denn wir sind sehr viel freizügiger mit dem Raum umgegangen, ganz im Stil eines modernen Magazins. Auch bei den Farben haben wir ein modernes Aussehen gewählt — unter anderem ein kräftiges Orange und Blau. Um jedoch die großflächigen Zeitungsformate wertzuschätzen, für die die »Times New Roman« seinerzeit entwickelt wurde, und um einen Bezug zur Historie herzustellen, haben wir uns für das doch recht große Format von 236 mm x 335 mm entschieden.

Fotos: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Diana Hix Molinari

Diana Hix Molinari hatte sich zur Aufgabe gemacht, ein Alphabet aus händisch gezeichneten Schmuckinitialen zu entwickeln, die alle ihre ganz eigene Geschichte erzählen und sich doch zu einem harmonischen Ganzen fügen. Jedem Buchstaben liegen hier mehrere kleine Zeichnungen zu Grunde, die auf den ersten Blick gar nicht erfasst werden.

Die besondere Herausforderung dieses Konzeptes war, jeden Buchstaben als Ganzes klar erkennbar zu gestalten, obwohl auf eine Kontur bewußt verzichtet wurde. Die Zeichnungen, aus denen der konkrete Buchstabe besteht, sind direkt mit dem Initial verbunden. »Ananas«  für »A«, »Biene« für »B« usw. Manche dieser Zeichnungen sind in den Initialen, besser gesagt im Beiwerk etwa aus Blättern oder Ranken, »versteckt«. Der Betrachter, auf das Prinzip aufmerksam geworden, muss also wie in einem Wimmelbild genau hinsehen, um manche Bilder bzw. die Dinge darin erkennen zu können.

Als Beispiel, neben der oben erwähnten Ananas und der Biene, seien hier lediglich noch die Vögel bei der Initiale »V« genannt, die anderen sollen jedoch nicht verraten werden und dem aufmerksamen Betrachter, der konzentrierten Betrachterin überlassen werden.

Die Initialen wurden in schwarz/weiß handgezeichnet erstellt. Je nach Anwendung können später die einzelne Elemente der Initalen in der digitalisierten Variante auch gefärbt werden.