Stehsatz

Sofia Mari, Visualisierung, 1. Semester, Mediadesign Hochschule München, Klasse Prof. Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Sofia Mari Surkau

Die Aufgabenstellung war, Aggregatzustände — also die fundamentalen Erscheinungsformen von Materie — grafisch mit einfachen Mitteln zu visualisieren. Sofia Mari wählte hierfür ein äußerst reduziertes Formenprinzip: Linie, Kreis und Quadrat.

Die dynamische, Laufrichtung insinuierende Linie fügt sich zu einem Bewegungsmuster – Sinnbild für das Flüssige. Das statische, ausgerichtete, erstarrte Quadrat symbolisiert den Zustand des Festen, der sich zu einem festen Gitter zusammenfügt. Der Kreis kennzeichnet das gasförmige, sich in alle Richtungen Ausbreitende.

In einer Abfolge von sechs Kompositionen arrangiert Sofia Mari nun die Aggregatzustände als grafisches Formenspiel von Übergängen. Die Arbeit, die gänzlich auf Farbe verzichtet, erinnert an die Anfänge der Computerkunst und frühe Experimente mit Algorythmen. Abstraktion in reinster Form.

Typografie (2. Semester): Josephin Oschmann, Simona Priller, Felix Stoffel
»It’s illegible but great. I’ll buy it!« ~ Ralph Ginzburg

In dem Buch »Avant Garde –Schriftanalyse« untersuchen Felix Stoffel, Simona Priller und Josephin Oschmann die Typeface »ITC Avant Garde Gothic« des amerikanischen Grafikdesigners und Schriftgestalters Herbert Lubalin. Das Buch beinhaltet neben einer ausführlichen Schriftanalyse einen kleinen Überblick über die Geschichte der Grotesk, eine Kurzbiographie über Herbert Lubalin sowie einen Schriftenvergleich mit der Futura PT und Proxima Nova. Die Schriftanalyse führt die Aspekte Entstehungsgeschichte, Klassifizierung, Psychogramm, Schriftschnitte, Buchstabenanalyse, Zusatzanalyse, Zurichtung sowie Lesbarkeit an.

Das Wort »Avant Garde« stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie Vorreiter der Zeit. Wie bereits das Magazin von Herbert Lubalin und Ralph Ginzburg als auch die Schrift selbst, soll auch dieses Buch den Geist des Vorkämpfers widerspiegeln. Um die Eigenschaften und den Zeitgeist der Schrift mit dem Design des Buches zu vereinen, wurde ein gedeckter Rotton für Farbakzente gewählt, der dem Stil der 70er Jahre entspricht, jedoch durch die Kombination mit Schwarz-Weiß einen modernen Touch erhält. Außerdem zeichnet sich das Buch durch sein ungewöhnliches Format, welches dem des ursprünglichen Magazins »Avant Garde« entspricht, durch die ausgestanzten Lettern auf dem Cover und auch bei den Kapitelübergängen aus. Die modernen Gestaltungselemente des Buches orientieren sich an Herbert Lubalins markantem Gestaltungsstil.

Fotos: Josephin Oschmann

Grafische Zeichen (2. Semester): Sofia Mari Surkau

Bei den alljährlich stattfindenden, sommerlichen Theaterspielen im Innenhof der Münchner Glyptothek werden vornehmlich Stücke antiker Autoren aufgeführt, die dem klassischen Dramenaufbau folgen. Der Schriftsteller Gustav Freytag hat im 19. Jahrhundert diesen Aufbau analysiert und schematisiert – sein Schema des Dramenaufbaus wird oft durch ein Dreieck veranschaulicht. So war die Grundform gefunden.

Sofia Mari Surkau hat nun zwei Dreiecke zu einer abstrakten Darstellung eines Bühnenvorhangs weiterentwickelt und darauf aufbauend Erscheinungsbild und Plakate entworfen.

Die Farbwahl orientiert sich auch an den Theaterstücken: Themen wie Krieg und Liebe legen einen kraftvollen Rot-Ton nahe. Die zweite Farbe Violett ist ambivalent, sie wird oft mit Phantasie, miteiner imaginären Welt verbunden, aber auch mit monarchischer Selbst- und Machtdarstellung, weswegen sie besonders gut zum Theater passt.

Redaktion: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Anja Hergl

Anja Hergl formte in ihrer freien Schriftarbeit das Wort »FLORAL« – passenderweise aus herbstlichen Gräsern und Blüten. Obschon typografische Präzision im Allgemeinen und die strenge Erhabenheit der klassischen Antiqua im Besonderen mit dem pflanzlichen Wildwuchs der Natur in Konflikt geraten sollten, ist das Ergebnis verblüffend harmonisch: die klaren Konturen der Schrifttype ergeben mit den dekorativen Blütenelementen ein vergnügliches, heiteres Gesamtbild.

Fotos: Anja Hergl
Grafische Zeichen (2. Semester): Mona Kerntke
Miteinander – Attraktiveres Erscheinungsbild für das Impfzentrum Bayern

Mit ihrem fiktiven Designentwurf für das »Impfzentrum Bayerns« richtet Mona Kerntke den Fokus auf das Miteinander, das in der Pandemie stark eingeschränkt ist, dessen Bedeutung gleichzeitig umso augenscheinlicher wird. Das Erscheinungsbild umfasst ein neues Signet, eine mutige Farb- und Formensprache und will eine jüngere, urbane Zielgruppe ansprechen.

Grundidee ist es, anhand eines Kreissystems das Zusammenleben, das durch die Impfung zurückgewonnen werden soll, darzustellen. Dieses gesellschaftliche Miteinander repräsentieren hier symbolhaft zwei abstrahierte Personen, deren Köpfe als Punkte, und deren Arme in einer Art S-Kurve dargestellt sind — Arme, die sich zum Händeschütteln treffen, wie es einst vor der Pandemie selbstverständlich war und hoffentlich nach der Impfung wieder sein wird.

Die Farben sollen markant sein, der Dringlichkeit entsprechend, die fröhliche, kräftige und aktive Farbkombination entspricht der positiven, mutmachenden Botschaft der Kampagne.

Musikvisualisierung (1. Semester): Lisa-Sophie Rid

Der traditionelle Song »Oh, Sinner Man« in der Interpretation von Nina & Frederic unterteilt sich in zwei unterschiedliche, kontrastierende Phasen, in einen langsamen, ruhigen Part und in den rhythmischen, schnellen, dynamischen Part. Beide wechseln sich mehrmals ab.

Die eine Phase ist gekennzeichnet von der tiefen und ruhigen männlichen Stimme und der hohen, im Hintergrund hörbaren weiblichen Stimme. Die andere Phase besticht durch höhere Dynamik, schnelleren Rhythmus und gleichberechtigten Gesang.

Ich entschied mich dazu, die zwei Phasen des Musikstückes mit farbigen, gespannten Fäden zu visualisieren. Die geerdete Stimme des Mannes stellt ein rot-brauner Faden dar, die klare, reine Stimme der Frau ist weiß. Die Fäden der ersten Phase sind horizontal, parallel und mit gleichen Abständen zueinander. Die Länge der Fäden spiegelt hier die Präsenz der Stimmen wider. Im dynamischen Part sind die Fäden über Kreuz gespannt, eine Regelmäßigkeit inbegriffen. Die Dynamik und der Rhythmus finden so eine visuelle Entsprechung.

Fotos: Lisa-Sophie Rid, Redaktion: Sybille Schmitz
Grafische Zeichen (2. Semester): Lea Trumpetter

Lea Trumpetter nahm sich im Kurs »grafische Zeichen« der hochaktuellen Aufgabe an, die Impfbereitschaft der noch nicht gegen Covid-19 geimpften Menschen zu erhöhen. Die Zielgruppe ist klar umrissen, nämlich Menschen, die grundsätzlich bereit dazu wären, aber aus Gründen der Trägheit, der Unklarheit über die konkreten Abläufe und/oder aufgrund von Mangel an allgemeinen Informationen die Schwelle zur Initiative noch nicht überwunden haben. Gerade hier ist — nicht zuletzt visuelle — Kommunikation entscheidend.

Dafür schuf sie ein (fiktives) neues Erscheinungsbild des Impfzentrums Bayern, eine moderne Wort-Bildmarke. Die Formensprache des Zeichens basiert auf einem Kreis. Dieser steht für Leben und Gemeinschaft. Die Minuskel »i« symbolisiert an erster Stelle eine Person, die geimpft wurde, auf internationaler Ebene steht es für »Information«, welche einer Entscheidung (dafür oder dagegen) immer vorausgehen soll.

Besonderes Augenmerk lag auf dem einfachen Design, das der Einprägsamkeit zu Gute kommen soll. Das primär verwendete schwarze Signet wird in Kombination mit jeweils nur einer Farbe — pink, blau, grün oder gelb — verwendet. Die Kombination einer Farbe im Hintergrund mit dem schwarzen Zeichen im Vordergrund schafft Klarheit. In der Plakatreihe der vier Farben ist jedes Plakat für sich eindeutig, in der farblichen Abwechslung der Plakate untereinander steigert sich jedoch der Effekt.

Redaktion: Sybille Schmitz
Editorial Design (3. Semester): Laura Di Vita, Diana Hix Molinari, Hilal Yaser
Reisemagazin 48°N 11°E – and a little further

»48°N 11°E« ist ein Reisemagazin, das Orte auf der ganzen Welt — abseits klassischer touristischer Destinationen — in den Blick neugieriger & reisefreudiger Leser rückt. Die Gruppe Studierender, bestehend aus Laura, Hilal und Diana, suchte sich sechs Länder auf fünf Kontinenten aus. Aus diesen werden dann wiederum jeweils zwei bis drei Orte vorgestellt. Im Fokus stehen dabei sowohl Sehenswürdigkeiten, Eigenart oder »genius loci« im Allgemeinen und darüberhinaus ganz Konkretes wie die lokale Küche und Informationen für Reisende über Hotels, Restaurants etc.

Als Einstimmung bietet man dem Leser das Rezept einer lokalen Spezialität zum Nachkochen und zur Vorbereitung eine Packliste für den jeweiligen Ort und dessen spezielle, etwa klimatische Eigenheiten.

Die vielfältig-bunte Grafik, die die verschiedenen Länder rahmt, spiegelt deren Charakter wider und verleiht dem Magazin eine abwechslungsreiche Optik. Vor allem junge Erwachsene sollen sich dadurch angesprochen fühlen und Lust auf neue Abenteuer bekommen.

Fotos: Laura Di Vita
Typografie und Editorial Design (3. Semester):Katharina Lutz
Unikatbuch Riley

Mit meinem Unikatbuch widme ich mich der Kurzgeschichte »Riley« von T.C. Boyle. Der titelgebende Protagonist ist eine widersprüchliche, eigensinnige, unausgeglichene, überforderte, einigermaßen übellaunige und doch trotz allem sehr menschliche, nahbare Figur. Die diversen Seiten dieses Charakters spiegeln sich in unterschiedlichen Gestaltungstechniken wider. So unterteilt sich das Buch in zwei zueinander umgekehrte Hälften, von denen ich den Text der einen im Bleisatz, zum Teil auch mit großen Holzlettern, gesetzt und gedruckt habe — entsprechend Rileys Abneigung moderner Technik gegenüber. Die Texte des anderen Teils sind mittels Digitalsatz umgesetzt.

Das Buch ist in einer Japanbindung gebunden, sie ermöglicht ein Bedrucken der Innenseiten und schafft zusätzlichen Raum für die Visualisierung der sich aufstauenden Gefühle Rileys. Die zwei ungleichen Häften des Buches heben sich darüberhinaus durch unterschiedliches Papier voneinander ab.

Redaktion und Fotos: Sybille Schmitz
Typografie (1. Semester): Lea Trumpetter
Eine typografische Bearbeitung des Themas »Laut und Leise«

Die Idee zu dieser Arbeit entstand während meiner Covid-19 Erkrankung. Durch diese verlor ich meinen Geruchs- und Geschmackssinn und musste erfahren, wie beängstigend es ist, wenn einem die Sinne, mit denen man die Umwelt zu erfassen gewohnt ist, plötzlich genommen werden.

Dabei habe ich mich auf visuelle Beeinträchtigungen fokussiert. Diese können situationsbedingt sein — hierbei sind die Sinneswahrnehmungen sind nur kurzzeitig unsicher, also unmerklich oder »leise«. In manchen Fällen ist dies jedoch »laut«, soll heißen massiv und dauerhaft. Neben der reinen Dauer gibt es auch unterschiedliche Arten der Einschränkung, je nach Grad der Sehbehinderung bis zur vollkommenen Blindheit.

Ich habe vier unterschiedliche Einschränkungen typographisch umgesetzt:die Hornhautverkrümmung (verzerrtes Sehen), die Kurzsichtigkeit (verschwommenes Sehen), die Weitsichtigkeit (das Nahe ist verschwommen) und die »diabetische Retinopathie« (schwarze Punkte stören die Wahrnehmung).

So werden Defizite, von denen man sich als Gesunder kein Bild machen kann, in Schriftbildern lesbar — bzw. eben kaum oder gar nicht mehr lesbar.

Redaktion: Sybille Schmitz