Stehsatz

Anja Hergl: Ein fiktives, neues Gesicht für die Theaterspiele Glyptothek in München
Grafische Zeichen (2. Semester): Anja Hergl
Ein neues Gesicht für die Theaterspiele Glyptothek in München

Bei dem fiktiven Redesign für die Theaterspiele Glyptothek ging es darum ein Zeichen zu entwickeln, das möglichst viele Menschen auf das Kulturangebot aufmerksam macht. Vor allem junge Menschen, die im Theater bisher eher weniger vertreten waren, sollen durch das abstrakte Zeichen und durch die moderne Farbauswahl angesprochen werden.

Als Inspiration für das Zeichen dient die Glyptothek am Königsplatz, die mit ihren acht Säulen einen durchaus besonderen Ort für ein Open Air Theater darstellt. Dieser außergewöhnliche Ort sollte durch einen direkten Ortsbezug aufgegriffen werden. Somit wird die Glyptothek mittels einfacher Formen immer weiter abstrahiert, bis ein starkes Zeichen entsteht.

Nicht nur die Säulen werden bei der Entwicklung mit einbezogen, sondern auch der Innenhof, auf dem das Schauspiel stattfindet. Diese private, aber doch offene Umgebung ist ebenfalls ein Kriterium, das bei der Zeichenentwicklung eine Rolle spielt. So spiegelt eine Klammer genau dieses Zusammenspiel zwischen offen und privat perfekt wider.

Redaktion: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Anna Lea Trumpetter

In ihrer Visualisierung zum Thema »Stadt anders sehen« fokussiert sich Anna Lea Trumpetter auf die Spuren, die der Mensch an seinen diversen Habitaten Einöde, Gehöft, Dorf, Stadt und Megacity hinterlässt. Die Arbeit besteht aus fünf Einzelblättern, jedes hebt sich durch eine zunehmende Anzahl schwarzer Abdrücke vom vorherigen ab, die wie Reifenspuren auf einer zuvor unberührten Wiese wirken.

Diese Spuren nehmen von der kleinsten Siedlungsart, der Einöde, zu jeder nächstgrösseren entsprechend ihrer Größe bzw. der Populationsdichte zu, werden zu einem zunehmend komplexeren Geflecht und verdrängen dabei die Natur – hier sinnbildlich durch das reine, weiße Blatt dargestellt.

Präsentiert wird das Ganze in einem fünf-seitigem Leporello. Sehenswert.

Fotos: Anna Lea Trumpetter
Typografie (2. Semester): Sofia Mari Surkau, Lara Traub, Clara Reichelt
Schriftanalyse der Gill Sans

Das Buch »Schriftanalyse Gill Sans« von Sofia Mari Surkau, Lara Traub und Clara Reichelt widmet sich der Gill Sans, die als eine der am besten lesbaren Grotesk Schriften gilt. Sie wurde im Jahre 1928 veröffentlicht und wird noch heute für große Unternehmen verwendet, wie etwa BBC News, Tommy Hilfiger oder Benetton.

Der anfängliche Teil des Buches gibt einen detaillierten Einblick in das Leben des Schriftentwicklers Eric Gill, im folgenden wird die Entstehungsgeschichte der Schrift näher betrachtet. Anschließend folgt eine ausführliche Buchstabenanalyse und eine Analyse verschiedenster Aspekte wie Lesbarkeit, Zurichtung und Schriftschnitte.

Da die Gill Sans aus der Bleisatzzeit kam finden sich eigens gedruckte Bleisatzseiten eingefügt, welche die Unterschiede zwischen der Schrift am Bildschirm und den Bleilettern beleuchten. Die Prägung des Covers zeigt eine Konstruktionsskizze des Minuskel g, die sich ebenso im Buch wiederfindet. Für mehr Dynamik wurden zudem eine Reihe transparenter Seiten integriert, wodurch die Zusammenhänge der Aspekte und die Charakteristik der Gill Sans recht klar erfassbar werden.

Fotos: Sofia Mari Surkau, Lara Traub und Clara Reichelt; Redaktion: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Sofia Mari Surkau

Die Aufgabenstellung war, Aggregatzustände — also die fundamentalen Erscheinungsformen von Materie — grafisch mit einfachen Mitteln zu visualisieren. Sofia Mari wählte hierfür ein äußerst reduziertes Formenprinzip: Linie, Kreis und Quadrat.

Die dynamische, Laufrichtung insinuierende Linie fügt sich zu einem Bewegungsmuster – Sinnbild für das Flüssige. Das statische, ausgerichtete, erstarrte Quadrat symbolisiert den Zustand des Festen, der sich zu einem festen Gitter zusammenfügt. Der Kreis kennzeichnet das gasförmige, sich in alle Richtungen Ausbreitende.

In einer Abfolge von sechs Kompositionen arrangiert Sofia Mari nun die Aggregatzustände als grafisches Formenspiel von Übergängen. Die Arbeit, die gänzlich auf Farbe verzichtet, erinnert an die Anfänge der Computerkunst und frühe Experimente mit Algorythmen. Abstraktion in reinster Form.

Typografie (2. Semester): Josephin Oschmann, Simona Priller, Felix Stoffel
»It’s illegible but great. I’ll buy it!« ~ Ralph Ginzburg

In dem Buch »Avant Garde –Schriftanalyse« untersuchen Felix Stoffel, Simona Priller und Josephin Oschmann die Typeface »ITC Avant Garde Gothic« des amerikanischen Grafikdesigners und Schriftgestalters Herbert Lubalin. Das Buch beinhaltet neben einer ausführlichen Schriftanalyse einen kleinen Überblick über die Geschichte der Grotesk, eine Kurzbiographie über Herbert Lubalin sowie einen Schriftenvergleich mit der Futura PT und Proxima Nova. Die Schriftanalyse führt die Aspekte Entstehungsgeschichte, Klassifizierung, Psychogramm, Schriftschnitte, Buchstabenanalyse, Zusatzanalyse, Zurichtung sowie Lesbarkeit an.

Das Wort »Avant Garde« stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie Vorreiter der Zeit. Wie bereits das Magazin von Herbert Lubalin und Ralph Ginzburg als auch die Schrift selbst, soll auch dieses Buch den Geist des Vorkämpfers widerspiegeln. Um die Eigenschaften und den Zeitgeist der Schrift mit dem Design des Buches zu vereinen, wurde ein gedeckter Rotton für Farbakzente gewählt, der dem Stil der 70er Jahre entspricht, jedoch durch die Kombination mit Schwarz-Weiß einen modernen Touch erhält. Außerdem zeichnet sich das Buch durch sein ungewöhnliches Format, welches dem des ursprünglichen Magazins »Avant Garde« entspricht, durch die ausgestanzten Lettern auf dem Cover und auch bei den Kapitelübergängen aus. Die modernen Gestaltungselemente des Buches orientieren sich an Herbert Lubalins markantem Gestaltungsstil.

Fotos: Josephin Oschmann

Grafische Zeichen (2. Semester): Sofia Mari Surkau

Bei den alljährlich stattfindenden, sommerlichen Theaterspielen im Innenhof der Münchner Glyptothek werden vornehmlich Stücke antiker Autoren aufgeführt, die dem klassischen Dramenaufbau folgen. Der Schriftsteller Gustav Freytag hat im 19. Jahrhundert diesen Aufbau analysiert und schematisiert – sein Schema des Dramenaufbaus wird oft durch ein Dreieck veranschaulicht. So war die Grundform gefunden.

Sofia Mari Surkau hat nun zwei Dreiecke zu einer abstrakten Darstellung eines Bühnenvorhangs weiterentwickelt und darauf aufbauend Erscheinungsbild und Plakate entworfen.

Die Farbwahl orientiert sich auch an den Theaterstücken: Themen wie Krieg und Liebe legen einen kraftvollen Rot-Ton nahe. Die zweite Farbe Violett ist ambivalent, sie wird oft mit Phantasie, miteiner imaginären Welt verbunden, aber auch mit monarchischer Selbst- und Machtdarstellung, weswegen sie besonders gut zum Theater passt.

Redaktion: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Anja Hergl

Anja Hergl formte in ihrer freien Schriftarbeit das Wort »FLORAL« – passenderweise aus herbstlichen Gräsern und Blüten. Obschon typografische Präzision im Allgemeinen und die strenge Erhabenheit der klassischen Antiqua im Besonderen mit dem pflanzlichen Wildwuchs der Natur in Konflikt geraten sollten, ist das Ergebnis verblüffend harmonisch: die klaren Konturen der Schrifttype ergeben mit den dekorativen Blütenelementen ein vergnügliches, heiteres Gesamtbild.

Fotos: Anja Hergl
Grafische Zeichen (2. Semester): Mona Kerntke
Miteinander – Attraktiveres Erscheinungsbild für das Impfzentrum Bayern

Mit ihrem fiktiven Designentwurf für das »Impfzentrum Bayerns« richtet Mona Kerntke den Fokus auf das Miteinander, das in der Pandemie stark eingeschränkt ist, dessen Bedeutung gleichzeitig umso augenscheinlicher wird. Das Erscheinungsbild umfasst ein neues Signet, eine mutige Farb- und Formensprache und will eine jüngere, urbane Zielgruppe ansprechen.

Grundidee ist es, anhand eines Kreissystems das Zusammenleben, das durch die Impfung zurückgewonnen werden soll, darzustellen. Dieses gesellschaftliche Miteinander repräsentieren hier symbolhaft zwei abstrahierte Personen, deren Köpfe als Punkte, und deren Arme in einer Art S-Kurve dargestellt sind — Arme, die sich zum Händeschütteln treffen, wie es einst vor der Pandemie selbstverständlich war und hoffentlich nach der Impfung wieder sein wird.

Die Farben sollen markant sein, der Dringlichkeit entsprechend, die fröhliche, kräftige und aktive Farbkombination entspricht der positiven, mutmachenden Botschaft der Kampagne.

Musikvisualisierung (1. Semester): Lisa-Sophie Rid

Der traditionelle Song »Oh, Sinner Man« in der Interpretation von Nina & Frederic unterteilt sich in zwei unterschiedliche, kontrastierende Phasen, in einen langsamen, ruhigen Part und in den rhythmischen, schnellen, dynamischen Part. Beide wechseln sich mehrmals ab.

Die eine Phase ist gekennzeichnet von der tiefen und ruhigen männlichen Stimme und der hohen, im Hintergrund hörbaren weiblichen Stimme. Die andere Phase besticht durch höhere Dynamik, schnelleren Rhythmus und gleichberechtigten Gesang.

Ich entschied mich dazu, die zwei Phasen des Musikstückes mit farbigen, gespannten Fäden zu visualisieren. Die geerdete Stimme des Mannes stellt ein rot-brauner Faden dar, die klare, reine Stimme der Frau ist weiß. Die Fäden der ersten Phase sind horizontal, parallel und mit gleichen Abständen zueinander. Die Länge der Fäden spiegelt hier die Präsenz der Stimmen wider. Im dynamischen Part sind die Fäden über Kreuz gespannt, eine Regelmäßigkeit inbegriffen. Die Dynamik und der Rhythmus finden so eine visuelle Entsprechung.

Fotos: Lisa-Sophie Rid, Redaktion: Sybille Schmitz
Grafische Zeichen (2. Semester): Lea Trumpetter

Lea Trumpetter nahm sich im Kurs »grafische Zeichen« der hochaktuellen Aufgabe an, die Impfbereitschaft der noch nicht gegen Covid-19 geimpften Menschen zu erhöhen. Die Zielgruppe ist klar umrissen, nämlich Menschen, die grundsätzlich bereit dazu wären, aber aus Gründen der Trägheit, der Unklarheit über die konkreten Abläufe und/oder aufgrund von Mangel an allgemeinen Informationen die Schwelle zur Initiative noch nicht überwunden haben. Gerade hier ist — nicht zuletzt visuelle — Kommunikation entscheidend.

Dafür schuf sie ein (fiktives) neues Erscheinungsbild des Impfzentrums Bayern, eine moderne Wort-Bildmarke. Die Formensprache des Zeichens basiert auf einem Kreis. Dieser steht für Leben und Gemeinschaft. Die Minuskel »i« symbolisiert an erster Stelle eine Person, die geimpft wurde, auf internationaler Ebene steht es für »Information«, welche einer Entscheidung (dafür oder dagegen) immer vorausgehen soll.

Besonderes Augenmerk lag auf dem einfachen Design, das der Einprägsamkeit zu Gute kommen soll. Das primär verwendete schwarze Signet wird in Kombination mit jeweils nur einer Farbe — pink, blau, grün oder gelb — verwendet. Die Kombination einer Farbe im Hintergrund mit dem schwarzen Zeichen im Vordergrund schafft Klarheit. In der Plakatreihe der vier Farben ist jedes Plakat für sich eindeutig, in der farblichen Abwechslung der Plakate untereinander steigert sich jedoch der Effekt.

Redaktion: Sybille Schmitz