Stehsatz

Analyse der FF Scala von Larissa Laurentzi, Helen Schulth und Laura Di Vita. Studiengang Media Design. München
Typografie (2. Semester): Laura Di Vita, Larissa Laurentzi, Helen Schulth

»It is my conviction that you cannot be a good type designer,
if you are not a book typographer« (Martin Majoor)

In ihrer Schriftanalyse untersuchen Laura Di Vita, Larissa Laurentzi und Helen Schulth die Schrift »FF Scala Serif« sowie »FF Scala Sans« des holländischen Schriftentwerfers Martin Majoor. Das Hauptbuch gliedert sich in drei Teile: der erste widmet sich zunächst allgemein der holländischen Schrifttradition, der zweite dem Schriftentwerfer Martin Majoor und der dritte dezidiert der Schriftanalyse der Serif-/ und Sans-Varianten mit anschließendem Schriftvergleich.

Die Rekonstruktion der holländischen Schrifttradition spannt den Bogen von
Christoffel van Dijck über Joh. Enschedé bis zu Jan van Krimpen, die diese Tradition maßgeblich geprägt haben. Der nächste Teil skizziert den Werdegang des Designers und Typographen Martin Majoor, zuerst in einer knappen Übersicht seines Lebenslaufes, gefolgt von einer Auflistung verschiedener Werke jenseits der »Scala«. Der dritte und letzte Teil befasst sich mit der Schriftanalyse der Varianten »Serif« und »Sans« eben jener Schrift, die in den Jahren ab 1990 veröffentlicht wurde und als veritable Pionierleistung in den Bereichen Desktop-Publishing bzw. digitalem Vertrieb gilt. Dabei werden die Punkte Entstehungsgeschichte, Klassifizierung, Psychogramm, Schriftschnitte, Buchstabenanalyse, Zusatzanalyse und Zurichtung sowie Lesbarkeit analysiert. Anschließend werden beide Schriftvarianten miteinander verglichen und von Anwendungsbeispielen ergänzt.

Fotos und Text: Laura Di Vita, Larissa Laurentzi; Redaktion: Sybille Schmitz
Typografie und Editorial Design (3. Semester): Diana Hix Molinari

Für die Umsetzung einer Erzählung von T.C. Boyle wählte die Studentin Diana Hix Molinari die Kurzgeschichte »Slate Mountain«. Darin bricht eine Gruppe Senioren auf zu einer geführten Bergwanderung, die in schlechtem  Wetter und in einigen Verwicklungen innerhalb der Teilnehmerschaft endet.

Prägende Idee war es, den titelgebenden, in Kalifornien gelegenen Slate Mountain in Form seiner Höhenlinien, wie man sie aus topografischen Karten kennt, als Negativ aus den Buchseiten zu stanzen. Die freie, herausgeschnittene Fläche in der Mitte wird im Laufe der Geschichte von Seite zu Seite immer kleiner. Da auch das Softcover gestanzt wurde, ermöglicht das Buch bereits im geschlossenen Zustand einen — zumindest — schmalen Anblick aller Seiten, aller Schichten. Die zehnte und letzte Seite ist die einzige, die nicht beschnitten ist.

Der Text der Geschichte folgt der Höhenlinie der jeweiligen Seite, er zeichnet damit die Handlung im wörtlichen wie im optischen Sinne nach. Die Augen des Lesenden wandern gewissermassen mit. Relevante Stellen im Text sind rot markiert, wie zusätzliche Informationen in einer topografischen Karte dienen sie hier als Hinweise auf das, was später passiert.

Als Schrift kam die Franklin Gothic Book zum Einsatz, das Papier ist naturweiß und mit 350g/qm auch sehr dick, was die Reliefhaftigkeit des negativen Höhenprofils enorm verstärkt. Das Cover ist sehr schlicht gehalten, um der Wirkung des zentralen Elementes — dem negativen Profil — nicht im Wege zu stehen.

Fotos: Sarah Janson, Redaktion: Sybille Schmitz
Typografie und Schrift (1. Semester): Sarah Janson
Dreiteilige Kalligrafie-Reihe: »Heal the world«

In dieser freien Schriftarbeit von Sarah Janson wurde der Text des Songs »Heal the world« von Michael Jackson kalligrafisch umgesetzt. Ausgehend von Walt Disneys Schrift Waltograph entwickelte sie eine eigene Handschrift, mit der Bandzugfeder wurde der Text wiederholt zu Papier gebracht. Durch die Überlagerung und Verdichtung der Wörter entstehen kreisförmige Flächen, die sich zudem durch die Farben Blau, Rot und Schwarz unterscheiden. Die Farbe Blau symbolisiert hierbei die Welt als den »blauen Planet«. Die Farben Rot und Schwarz lassen Spielraum für Interpretationen. Blut, Krieg, Feuer, das Ende der Welt – oder doch Anmut  und Eleganz?

Die Arbeit versteht sich als Visualisierung des Gedankens, aus einer Wertschätzung des Lebens heraus die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Fotos: Sarah Janson
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. 
Die Magazin-Ausgabe 2020 ist da!

2020 wird vor allem als eine Zeit der Veränderung, der Irritation, der nie zuvor dagewesenen Erfahrung in Erinnerung bleiben: Es ist das Jahr der weltweiten Covid-19 Pandemie, eine Zeit persönlicher, wirtschaftlicher und kultureller Einschränkungen in (fast) allumfassender Weise. Vorlesungen wurden auf Online-Plattformen gehalten, persönlicher Aus­tausch, Kunst und Kultur durften lange Zeit ausschließlich digital, anschließend nur maskiert stattfinden.

So fand sich unser belebter Seminarraum im April in den virtuellen Raum versetzt – briefmarkengroße Teilnehmervideos, ruckelnde Internetverbindungen, Übertragungsprobleme gehörten fortan zu unserem kreativen Alltag. Nicht selten habe ich in der zurückliegenden Zeit gebangt um die nachhaltige Vermittlung stabiler typografischer und ge­stalterischer Grundlagen, die der Detailgenauigkeit, der intensiven Auseinandersetzung und Selbstreflexion fernab ephemerer Trends bedürfen. Das Semester ist vorbei und ließ aufgrund der Disziplin der Studierenden dennoch interessante, stimmige Projekte entstehen, von denen nun eine Auswahl im Stehsatz #6 vorgestellt wird.

Das Magazin ist in diesem Jahr durch das Engagement und die Hilfe vieler Unterstützer und Unterstützerinnen zustande gekommen – ohne diese Hilfe hätte es die diesmal um ein vielfaches höheren Hürden nicht überwunden. Es gilt den Widerständen mit Widerstand zu begegnen und so obliegt diesem Magazin heuer die zusätzliche Aufgabe, nach dem Rückschlag in allen Lebensbereichen, aus der Tristesse der erzwungenen Isolation, eine Verve zu entfachen, einen Ausblick in die Welt und in Zukünftiges zu vermitteln: Es will darum umso mehr Inspiration, Bühne und Ausblick auf Branchenrelevantes sein.

Interessante Einblicke in die aktuelle Designszene gewähren das Pariser Büro »My Name ist Wendy« sowie »Studio Bruch« aus Graz. Als Themenschwerpunkt haben sich die Studie­renden in diesem Jahr mit aktuellen Tendenzen in der Schriftgestaltung beschäftigt. Die Alumni Daniela Ibler, Lena Maidl, Sophie Schillo und Sandra Tammery berichten von ihrem persönlichen Werdegang und in der Rubrik »Bleisatz und Druck« werden Ergebnisse unserer Münchner Werkstatt präsentiert. Auch in diesem Jahr rundet ein vielfältiger »Showroom«, der Studentenarbeiten aus den Bereichen Editorial Design, Kalligrafie, Typografie und Visualisierung zeigt, das Magazin ab.

Typografie (2. Semester): Celina Hofmann, Michaela Kappes und Katharina Lutz
Buchprojekt »Rockwell« – Eine Schriftanalyse

Das Buchprojekt ist zum Einen eine tiefgreifende Analyse der »Rockwell«, darüberhinaus vermittelt es Hintergrundwissen, etwa zur Geschichte der Serifenbetonten Linear-Antiqua-Schriften, denen die Rockwell zuzuordnen ist, sowie Historisches über den traditionsreichen Schriftenhersteller »Monotype«, wo die Schrift Rockwell von Frank Hinman Pierpont entworfen wurde.

Das Buch sollte in seiner Gestaltung modern anmuten, wir wählten deswegen neben den Grundfarben schwarz (Schriftfarbe) und weiß (Seitenfarbe) den frisch wirkenden Farbton Grün — z. B. für Markierungen, Marginalien, auch für Kapitelanfänge. Transparenzseiten finden gelegentlich im Buch Verwendung und weisen ebenso grüne Zeichen auf.

Die umfangreiche Monotype-Historie, die untrennbar mit der Rockwell verknüpft ist, fassen wir in einem Zeitstrahl zusammen, womit ein schneller Überblick gewährleistet ist. Abbildungen begleiten die Leiste. Wichtig erscheint uns, dass die heute veralteten Druckverfahren und Prozesse der Schriftenentwicklung veranschaulicht werden.

Frank Hinman Pierpont wird in einem eigenen Kapitel gewürdigt, das seinen Werdegang und sein typografisches Wirken behandelt.

Fotos und Text: Celine Hofmann, Michaela Kappes, Katharina Lutz
Grafische Zeichen (2. Semester): Sarah Janson
Logoentwicklung für die »Highline Munich«

Bei »Highline Munich« handelt es sich um ein fiktives Projekt, das inspiriert ist vom realen »Highline Park« in New York, einem öffentlichen Park, der auf einer ehemaligen Hochbahntrasse angelegt wurde. Auch das fiktive Münchener Pendant ist auf einer stillgelegten Hochbahn angesiedelt. Mit diesem neu erschlossenen öffentlichen Raum sollen sich alle Altersgruppen angesprochen fühlen, die gerne im Grünen spazieren gehen oder auch Sport treiben. Festivals, Veranstaltungen und Street Art Künstler finden ein neues Zuhause.

Entwickelt wurde ein Zeichen, das dieses Ansinnen widerspiegelt. Es wurde eine Schrift eingesetzt, die in ihrer Anmutung eher »hochgewachsen« als in der Breite wirkt, mit der die Höhe des Parks verdeutlicht wird. Schriftgrößen sind so aufeinander abgestimmt, dass eine kompakte Form entsteht. Der Ahorn gilt als Münchner Straßenbaum – deshalb wurde ein Ahornblatt gewählt um die Verbindung zwischen Highline, Stadtpark und München darzustellen. Durch den Druck mit Acrylfarben konnten unterschiedliche Blattstrukturen herausgearbeitet werden. Die Farbwahl fiel auf Gelb, da Gelb für Sonne, Lebensfreude, Vergnügung und Frohsinn steht. Der Farbton wirkt frisch, unaufgeregt modern und entspricht dem Wesen des Highline Parks.

Das Zeichen ist in verschiedenen Plakatvariationen in Szene gesetzt. Wort- und Bildmarke finden sich voneinander gelöst und sind getrennt anwendbar. Zudem entstanden Plakate für die (leider fiktive) Eröffnung im Februar 2021 sowie für vier Veranstaltungen im Laufe des Jahres. Dabei wurden als begleitendes Thema die Jahreszeiten aufgegriffen.

Fotos: Sarah Marie Janson
Typografie (2. Semester): Katharina Lutz

Das systematische, experimentelle Erproben der Anordnung von Schrift, der Wirkweise von Weißräumen und Typen, das Spiel mit Satzformen und ihre Dekomposition sind wesentliche Methoden der typografischen Grundlagengestaltung.

Katharina Lutz hat in ihrer Entwurfsreihe 100 rein typografische Gestaltungen geschaffen, die das jeweiligen Zitat untermauern oder auch konterkarieren. Sie kombiniert dabei geschickt Schriften, spielt mit Positiv- und Negativräumen bis hin zur vollständigen Dekonstruktion von Zeichen und Satzfolgen, kurz: sie spielt recht virtuos auf der Klaviatur der Typografie.

Typografie (1. Semester): Michaela Kappes
Was ist laut und was ist leise?

Meine Installation befasst sich mit einem Thema, welches für mich zu dieser Zeit eben »laut« war: Die Waldbrände in Australien, denn kaum hatte das Jahr 2020 begonnen war Australien in allen Medien präsent. Die Installation habe ich in drei Teile geteilt, die jeweils aus einer 50 x 25 x 0,3 cm großen Acrylplatte bestehen.  Für den lauten Teil der Installation wurde das Schlagwort »Burn« in Versalien mit Acryl auf die Platte geschrieben.

Der leise Teil befasst sich mit weiteren Details der Waldbrände. Dieser Infotext wurde zuvor mit kursiven Kleinbuchstaben auf die Platte geklebt. Diese wurde dann mit mattierendem Spray besprüht und im Anschluss wurden die Klebebuchstaben wieder entfernt. Die Platte war nun matt während der Infotext weiterhin durchsichtig und lesbar blieb. Der letzte Teil der Installation besteht aus einer einfarbig roten Platte, welche die apokalyptische Bedrohlichkeit der Feuersbrunst nochmals hervorheben soll.

Alle drei Teile werden hintereinander aufgestellt. Die Reihenfolge der Platten spielt eine geringe Rolle, denn gleich wie man diese aufstellt, das erste, was ins Auge fällt, ist das Wort »BURN«. Sowohl die rote Farbe als auch die großen (und lauten) Versalien lassen diesen Begriff in den Vordergrund dringen. Der unauffällige Infotext wird nur bei genauerem Hinschauen lesbar.

Fotos: Michaela Kappes
Typografie (2. Semester): Sarah Janson, Verena Schneider

»I think it’s both modern and familiar« – so beschreibt die Schriftentwerferin Zuzana Licko selbst ihre aussagekräftige Schrift »Mr Eaves«. Es handelt sich um eine geometrische Grotesk, die auf formale wie optische Wiederholung setzt — die Grundformen Dreieck, Quadrat und Kreis treten dabei immer wieder auf — und auf den zwei sich ergänzenden Schriftfamilien Sans-Serif und Modern fußt. Beide Familien sind in je sechs Schnitten von Thin bis Heavy sowie in Regular und Italic verfügbar. Das Typeface selbst ist stark an der zugesellten Schrift, sozusagen der Gattin »Mrs Eaves«, angelehnt, auf diese wird auch wiederholt Bezug genommen.

Über zwei Monate haben wir uns mit der Recherche, Analyse, Gestaltung und dem Layout eines Buches über diese markante Schrift beschäftigt. Entstanden ist ein durchaus modernes Buch, das den Charakter der Schrift widerspiegelt. Das Format haben wir an die Proportionen des einprägsamen Majuskel R angepasst. Beim Layout des Buches wurde durchgehend auf eine moderne, spannende aber dennoch abwechslungsreiche Gestaltung geachtet. Die Farbe Grün steht symbolisch für den männlichen Charakter der »Mr Eaves«. Als Vorgänger und Gemahlin gilt die Barock-Antiqua »Mrs Eaves«, die im Vergleich durch die Farbe pink dargestellt wird.

Das Buch befasst sich mit der Analyse der einzelnen Buchstaben, der Lesbarkeit, Zurichtung, des Grauwertes und der Wirkung im Mengentext. Besonders interessant ist auch die Gegenüberstellung mit dem Vorbild aller geometrischer Schriften: der Futura. Und wie es nicht anders zu erwarten war: Mr Eaves – eine moderne, harmonische, eindrucksvolle und jugendliche Schrift – lässt den Schriftklassiker Futura eindeutig schwach aussehen.

Im Interview mit Zuzana Licko konnten wir schließlich auch einige weiterführende Informationen über die Schrift und insbesondere über ihren Entstehungsprozess erfahren. Darüberhinaus beinhaltet das Buch weitere Porträts von Zuzana Licko, eine Zusammenfassung ihres Werdegangs und Wirkens als Schriftgestalterin, sowie diverse Anwendungsbeispiele zur Veranschaulichung.

Text und Fotos: Verena Schneider und Sarah Janson, August 2020
Grafische Zeichen (2. Semester): Larissa Laurentzi
Entwurfsreihe für das Münchner Marionettentheater

Thema der Arbeit der Studentin Larissa Laurentzi ist der visuelle Auftritt einer Kulturinstitution, in diesem Fall des renommierten und traditionsreichen Münchner Marionettentheaters.  Der Entwurf entwickelt aus dem für das Marionettenspiel typische Bild sich kreuzender, dünner, sich an die Senkrechte anlehnender Fäden ein abstraktes M, das als Logo fungiert. Kombiniert im farbfrohen Spiel der Töne Türkis, Magnat, Lila, Rot und Schwarz entsteht eine klare, abstrakte grafische Sprache, die sich aus dem Zeichen – also dem abstrahierten Buchstaben M – und dessen Neuarrangement bzw. Vervielfältigung selbst ergibt.

Neben etlichen Anwendungen der Geschäftsausstattung entsteht eine spielerische Plakatreihe, die das Logo zu interessanten grafischen Strukturen verbindet. Die Farben dienen zur Strukturierung des Angebotes hinsichtlich der Besuchergruppen.