Stehsatz

Typografie (2. Semester): Antonia Aschenbrenner, Thomas Fäckl
Schriftanalyse der Univers

Obwohl bereits einige Studenten sich vor uns bei der Schriftanalyse die Univers wählten, war das für uns kein Ausschlusskriterium. Uns hat die serifenlose Schrift von Adrian Frutiger in ihren Bann gezogen. Dabei überzeugte uns nicht nur das komplexe und klare Zusammenspiel der einzelnen Schnitte, sondern auch dass sie bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren hat. Sie ist damals wie heute modern. Und revolutionär. Denn vor 60 Jahren war es nicht üblich eine derart große Schriftfamilie im Bleisatz umzusetzen, ohne vorab ein bis zwei Schnitte am Markt zu testen. Doch vielleicht war es genau das harmonische Gesamtbild der Schrift, welches die Schriftgießerei Deberny & Peignot dazu verleitete dieses gewagte Projekt zu realisieren – und uns beide zu einer weiteren Schriftanalyse der Univers animierte.

Genau so spannend wie die Univers ist auch ihr Schriftentwerfer Adrian Frutiger, weshalb wir uns dazu entschieden sein Wirken und seine Lehre in einem separaten Buch zu belichten. Uns war vor allem wichtig, dass das Buch als Ganzes wirkt und nicht zu aufgeregt, sondern klassisch, schlicht wird. Auch das Cover der beiden Bücher sollte nicht auffällig sein und vom eigentlichen Thema ablenken – der Schrift. Bei der Bindungsart bezogen wir uns auf Frutigers Herkunft und wählten die Schweizer Brochure.
Fotos: Antonia Aschenbrenner, Thomas Fäckl
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Marina Scalese

»Think outside the box« nennt Marina Scalese ihre filigrane Papierarbeit. Das Objekt selbst ist ein handwerklich sauberer Scherenschnitt, der den umgebenden Papierrahmen im Wortsinn verlässt. Schriftgestalterisch schafft Frau Scalese dabei einen Hybrid aus tradierten Fraktur- und modernen Streetartelementen, den sie in akribischer Detailarbeit abschließend schattiert hat.

Fotos: Janina Engel
Editorial Design (3. Semester): Janina Engel
DAMN. Eine Zeitschriftenanalyse.

Das Damn Magazin besticht durch sein einzigartiges Auge für zeitgenössische Kultur sowie seine offene Haltung gegenüber der abwechslungsreichen Kunst- und Designwelt. Diese Analyse konzentriert sich auf die wichtigsten redaktionellen Gestaltungsaspekte, die das DAMN Magazin zu einer inspirierenden Lektüre für jeden Designer, Künstler und Architekten machen. Das Layout, die Typografie und Fotografie ergeben ein stimmiges Gesamtbild, welches durch seine unvoreingenommene Herangehensweise soziale und politische Ereignisse mit der Welt von Kunst, Design und Architektur verbindet.

Typografie kann unter Umständen Kunst sein
Typografie (2.Semester): Clara Baber

»Typografie kann unter Umständen Kunst sein«, so lautet die erste von 10 Thesen von Kurt Schwitters, die er 1924 in der Ausgabe 11 seiner MERZ-Hefte veröffentlichte. Eine gewagte These, die die Fachwelt heute noch ebenso wie damals spalten dürfte, da die Typografie doch ein festes Regelwerk darstellt, ein System, das dem Leser dient, ohne formale Spielerei auskommt und nicht eigenmächtig auftreten will.

Clara Baber hat mit ihren Versuchsreihen eindrucksvoll gezeigt, dass Typografie und Kunst durchaus vereinbar sind. Sie hat es geschafft, besagte »Umstände« zu bewerkstelligen, in denen das Werkzeug Typografie die zugedachten Sphären zu verlassen und in den Bereich der Kunst einzudringen vermag.  Spielerisch komponiert sie mit analogen, künstlerischen Druckverfahren Schwitters Thesen zu mutigen Plakaten im Stempel-, Faden-, Papier- und Handabdruck. So entstehen virtuose, gestalterische Kleinode. Höchst sehenswert, denn Clara Babers Plakate sind augenscheinlich Kunst!

Visualisierung (1. Semester): Antonia Aschenbrenner
Der Lebenszyklus

Alle unsere Eindrücke, Wahrnehmungen und Erfahrungen, die wir von klein auf sammeln, werden fortlaufend in einem neuronalen Netz, in unserem Gehirn gespeichert. Dieses besteht aus Neutronen, die durch Synapsen miteinander in Bezug stehen.

Schon bei der Geburt ist ein solches System vorhanden, wenn zunächst auch nur sehr rudimentär. Durch die Verarbeitung alltäglicher Eindrücke bildet sich im Kindesalter innerhalb kürzester Zeit eine enge Verstrickung von Synapsen, den Informationsüberträgern. Mit dem Beginn der Pubertät fängt das Gehirn an, viele dieser gesammelten Informationen auszusortieren. Hierbei bleiben nur die häufig benutzen Synapsenwege bestehen. In der sogenannten Adoleszenz fängt das Gehirn an, diese Verstrickungen reduzierter und logischer in Bezug zu setzen. Es werden wichtige Synapsenverbindungen mit einer Eiweisschicht ummantelt, um die elektrischen Signale schneller von einem Neuron zum anderen zu übertragen.

Die letzte Darstellung stellt den Verlust von Erinnerungen im Greisenalter dar und verweist auf die weit verbreitete Altersdemenz. Da diese leider noch sehr wenig erforscht ist, beruht das letzte Abbild nicht auf wissenschaftlichen Fakten.

All diese Zustände werden anhand von Fadenverspannungen in einem Holzgestell verdeutlicht. Die Darstellung erfolgt in Schwarz-Weiß, um den Fokus auf die Verflechtungen zu lenken.

Fotos: Antonia Aschenbrenner
Interesse wecken

Die Besucher der Messe »KreARTiv« im MVG Museum, einem Forum für »zeitgenössische Kunst und Handwerk«, dürften nicht wenig gestaunt haben, als dort ein paar junge Studierende – entgegen der Klischees von Jugendlichen mit einer Aufmerksamkeitsspanne von 5 Sekunden – nichts von Social Media Apps und Videospielen zu erzählen hatten, sondern ihnen die alte Kunst des Handsatzes näherbringen wollten. Nach mehrwöchiger Vorbereitung war es nämlich soweit und zwischen alten Münchner Trams und U-Bahnen wurde für ein Wochenende eine kleine Druckwerkstatt am Stand der officin albis von Werner Hiebel aufgebaut. Sechs unterschiedliche Weihnachts- und Neujahrskarten hatten die Studierenden entworfen, gesetzt und im Voraus schon gedruckt, gefalzt und zugeschnitten, doch damit nicht genug, auch live vor Ort wurde noch fleißig weitergearbeitet.

Die Karten wurden mit den im Lasergravurverfahren erstellten Klischees der Bachelorarbeit von Sophie Wagenknecht kombiniert, Interessierte durften zusehen wie frische Abzüge der Karten gedruckt wurden, wie spontan mit der Handwalze ein Irisdruck vorbereitet wurde und einige motivierte Besucher versuchten sich selbst darin ihren Namen zu setzen und konnten dann ihre individuell gestalteten Karten mit nach Hause nehmen. 

Fotos: Jakob Kreitner, Werner Hiebel, Sybille Schmitz
Ein studentisches Projekt der MD.H München

Es herrscht Betriebsamkeit in unserer Druckwerkstatt: Seit Tagen wird skizziert, unterbaut, gesetzt, gedruckt, bisweilen geflucht, nachjustiert und schließlich vollendet. Die Media Design-Studierenden Jakob Kreitner, Dani Ibler, Nico Janson und Thomas Fäckl bereiten sich, bewaffnet mit einer »Nudel« (das ist eine kleine Abzugspresse), auf ihren Besuch der Handwerksmesse vor. Das kleine Grüppchen an Studierenden darf in diesem Jahr eigens gestaltete Karten zum Jahreswechsel unter der Ägide von Werner Hiebel von der officin albis an seinem Stand bei der KreARTiv am 27. und 28. Oktober in München zum Druck anbieten.

Dies hat einigen Ehrgeiz geweckt, auch deshalb, weil man Werner Hiebel, bekannt für seine erlesenen Bücher im Handsatz, begleiten darf. Und so staune ich nicht schlecht über das bunte Potpourri an Illustrationen und Textarbeiten, die im Vorfeld entstanden sind. Dabei sollen die Messebesucher einen Einblick erhalten, wie eine Druckform aussieht, worauf es beim Drucken ankommt und selbstverständlich auch, dass eben dieses »Handwerk« eine formidable Kunst ist. Die Kartenmotive der Studierenden können am Stand selbst gedruckt werden. Zur Sicherheit ist im Vorfeld eine kleine Auflage gefertigt worden, damit das Ergebnis auch die gewünschte Qualität zeigt.

Bemerkenswert ist auch die Bachelorarbeit von Sophie Wagenknecht (Fakultät 6, Druck- und Medientechnik, HS-München), die aus unterschiedlichen Materialien in akribischer Arbeit diverse Klischees im Lasergravurverfahren erstellt und gedruckt hat. Ihre Arbeit ist auf dem Messestand ebenfalls zu begutachten.

Ein Besuch in der Ständlerstraße am Stand von Werner Hiebel in München ist für alle Handsatzliebhaber, Gestalter und die, die es werden wollen, wirklich lohnenswert!

Fotos: Jakob Kreitner, Sybille Schmitz
Editorial Design (3. Semester): Dorothée Martin
Zeitschriftenanalyse DUMMY

Aufgabe meiner Analyse war es, eine Zeitschrift auf verschiedene Merkmale hin zu untersuchen. Die Entscheidung fiel auf das unabhängige Gesellschaftsmagazin DUMMY, Ausgabe Nummer 56 zum Thema »Schwule«. Das Magazin wirkt auf den ersten Blick überraschend, das Cover erregt Aufmerksamkeit. Die Aspekte, die ich analysiert habe, sind zum Beispiel die Zielgruppe, Konzept der Publikation, Umschlaggestaltung, Magazinaufbau, Typografie und Bildsprache.

Konzept von DUMMY ist, daß jeder Ausgabe ein bestimmtes Thema zugrunde liegt. Dieses Thema wird sehr detailliert behandelt und aus verschiedensten Perspektiven betrachtet. Der Titel der jeweiligen Ausgabe prangt in gut lesbarer Schrift auf dem Cover, grafisch arbeitet DUMMY auf dem Titelblatt meist mit Fotos, die neugierig machen. Beim weiteren Durchschauen wird deutlich, dass es sich nicht um ein typisch journalistisches Magazin handelt, sondern um eine besondere Art von Journalistik und Gestaltung. Jeder Artikel stammt von einem anderen Autor, der in seinem eigenen, subjektiven Stil das Thema der Ausgabe erörtert.

Visualisierung  (1. Semester): Christin Warncke

Als Ebbe oder ablaufendes Wasser wird das Sinken des Meeresspiegels infolge der Gezeiten (Tiden) bezeichnet. Das Gegensatz dazu ist die Flut.

Diese beiden Begriffe wollte ich typografisch umsetzen. Zentral sind natürlich die beiden recht griffigen Wörter selbst. Grundlage der Visualisierung sind 67 weiße Blätter im Formart DIN A4. Jedes dieser Blätter wurde von mir bedruckt und die Buchstaben anschließend händisch mit dem Skalpell ausgeschnitten.

Die progressive Stufung der Linien lässt den Eindruck von Bewegung entstehen. Die immer dichter werdende Reihung schwächt den linearen Charakter und ergibt eine Flächenwirkung, es wird ein fließender Übergang zur »Außenfläche« geschaffen.

Fotos: Caro Dentler
Typografie (1. Semester): Magdalena Stricker

Das Thema der Arbeit von Magdalena Stricker ist der Nationalsozialismus, oder besser gesagt die Phase der nationalsozialistischen Herrschaft, die die historisch vergleichsweise kurze Dauer von zwölf Jahren umfasst, an Abscheulichkeit jedoch jeglichen historischen Vergleich schlichtweg sprengt.

Im »Laut« sind die Jahreszahlen der Herrschaftszeit des Nationalsozialismus zu erkennen, von der Machtergreifung bis zum Zerfall. In Stichpunkten wie »Rasse«, »Führer«, »Arier« oder auch »KZ« werden den Eckdaten dieser Zeitspanne lose Schlagworte zur Seite gestellt.

Im »Leise« findet sich unter einem Kreuz und der zeitlichen Kennzeichnung 33–45 eine Namensliste mit Opfern aus verschiedenen Konzentrationslagern. Diese, gemessen an der Zahl der Opfer insgesamt, verschwindend kleine Auswahl wurde stellvertretend zusammengestellt. »Leise« ist hier der angemessene typografische Tonfall, zum einen weil die schiere Menge der Opfer, selbst in der kleinen Auswahl, die kleine Schriftgröße erzwingt, und zum anderen weil es die Pietät eingedenk der ermordeten Menschen gebietet.

Das Thema wurde gewählt just in einer Zeit, in der sich virulentes faschistisches Gedankengut wieder epidemisch ausbreitet. Viele Menschen haben die Zeit des Nationasozialismus gewissermassen in Geschichtsbüchern »abgeheftet« und unterschätzen heute womöglich die Folgen, vor denen der elementare Grundsatz »Wehret den Anfängen« schützen möchte. Im Sinne dieses Grundsatzes ist das Leporello entstanden.

Fotos: Janina Engel