Stehsatz

Henry David Thoreau, Walden 
Entwicklung einer komplexeren Drucksache

Der Autor und Philosoph Henry David Thoreau passt gut zum Semesterthema der Handsatz-Werkstatt – »Freiheit«. Zu Lebzeiten politisch relativ unbedeutend, gilt er heute als »Prophet des zivilen Ungehorsams« und diente Freiheitskämpfern wie etwa Martin Luther King oder Mahatma Gandhi als Vorbild. Thoreaus Buch »Walden« ist als Klassiker für ein »alternativeLeben« bzw. die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit bekannt. Der Autor kehrte 1845 der Zivilisation für zwei Jahre den Rücken und zog sich in die Wildnis und Einsamkeit an den Waldensee in Neuengland zurück. Seine Beobachtungen, die während dieser Zeit der Einsamkeit und Enthaltsamkeit entstanden sind, sind unvoreingenommen, scharfsinnig sowie mutig. Sie haben auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren und spiegeln die Sinnsuche des Menschen in einer immer rastloser werdenden Gesellschaft.

Im Handsatzkurs von Schriftsetzermeister Klaus Hanitzsch entstand nun unter akribischer Einzelarbeit eine Leseprobe im Format 135 x 210 mm, die alle klassischen Regeln der Buchgestaltung beachtet. Melanie Knappe, Thomas Fäckl und Jochen Schuster staunten dabei nicht schlecht, was es so alles an Kniffen und Regeln in der Buchtypografie gibt.

Register- sowie Zeilen in Schön- und Widerdruck zu halten ist an einer einfachen FAG Abzugspresse mit einigem Aufwand verbunden, der Druck muss ideal dosiert sein. Klaus Hanitzsch hat dabei unbeirrbar mit Muße und viel Feingefühl unermüdlich korrigiert und Schieflagen zurecht gerückt.

Damit die Freiheit bei dem eher streng wirkenden Projekt nicht gänzlich verloren geht, sind die Schutzumschläge von jedem Studierenden individuell gestaltet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wird die Tage fertiggestellt.

Viktoria Miller, Theresa Weißer

Im Laufe von Typografie 2  bei Prof. Sybille Schmitz entstand unsere Schriftanalyse der Sabon, entworfen von Jan Tschichold, dem »man of letters«. Die Schrift, die er selber als »sein großes Werk« bezeichnet, entwickelte er mit der Absicht, der Garamond nahe zu kommen.

Wie vom großen Meister, der die Typografie für immer geprägt hat, erwartet, ist die französische Renaissance-Antiqua sehr gut lesbar und mit einem klaren Schriftbild gekennzeichnet. Was dem von Tschichold stets anstrebenden Perfektionismus zu verdanken ist.

Die Analyse umfasst Einblicke in die Geschichte der Garamond und von Jan Tschichold, als auch eine umfangreiche Analyse der Sabon und einen Vergleich mit der Sabon Next, die von Jean François Porchez entwickelt wurde. Ausschlaggebend sind die transparenten Seiten, die die Analyse betonen und verständlicher machen.

Noch heute wird die Schrift als eine der besten modernen Bearbeitung des Garamond Schriftmodells bezeichnet.

Leseproben für vier Jahreszeiten

Unter der Leitung von Schriftsetzermeister Klaus Hanitzsch beschäftigten wir uns mit der Gestaltung von Leseproben. Jeder der vier im Handsatz realisierten Gedichtbände spiegelt eine Jahreszeit wider.

Jeder Teilnehmer des Workshops wählte für seine Jahreszeit ein passendes Gedicht und entwarf eine entsprechende typografische Illustration dazu. Ein besonderer Fokus lag auf dem Entwurf eines aussagekräftigen Schutzumschlages sowie eines individuellen Frontispiz.

Mit Hilfe von Herrn Hanitzsch wurden die Inhalte der Leseprobe inklusive das alphabetische Verzeichnis der Gedichtüberschriften und -anfänge gemeinsam erarbeitet und im Anschluss auf verschiedenfarbigem Papier gedruckt. Die Herausforderung bei der Auswahl der vier Farben bestand darin, die intensiven »Jahreszeitenfarben« trotz ihrer auffallenden Dominanz miteinander harmonieren zu lassen.

Der fortgeschrittene Bleisatzworkshop gibt nicht nur einen sehr interessanten Einblick in die Bleisatzkunst des Buchdrucks, sondern fördert auch das konzeptionelle Arbeiten bei der Herstellung eines Produkts. Die Leseproben können bei der Werkschau am 20. September 2012 gesichtet werden.