Stehsatz

Studiengang Media Design München
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Olivia Böhm

Aufgabe der freien Schriftarbeit im ersten Semester war es gewesen, eine eigenständige Schrift künstlerisch oder kalligrafisch zu entwickeln. Ausgangspunkt dafür stellten die Großbuchstaben römischen Ursprungs dar.

Olivia Böhm entschied sich für die Darstellung des Wortes »Akzidenzien«. Der Begriff bedeutet soviel wie Auszeichnung – ein Begriff, der im Buchdruck früher etwas Besonderes, etwas von der alltäglichen Norm abweichendes bezeichnet hat. Und so weicht auch ihr Wort von der Norm ab: die einzelnen Buchstaben sind kunstvoll aus Papier gefaltet und weisen mehrere unterschiedliche Papierfarben und -lagen auf. Auf diese Art und Weise lässt die Studentin einen dreidimensionalen, frühlingshaft anmutenden Schriftzug entstehen. Die einzelnen Zeichen unterscheiden sich jeweils durch Falttechnik und Farben. Das Wort selbst ist Blatt für Blatt zu einem Leporello zusammengefasst. Passend zu den ersten Frühlingstagen strahlt diese Arbeit aus dem ersten Semester eine beseelte, verspielte Heiterkeit aus.

Fotos: Sybille Schmitz
Bachelorarbeit: Katharina Lutz

In dieser Arbeit, die das persönliche Ziel der Zurückgewinnung von Entschleunigung verfolgt, wird sich in einem Versuch, den »Rhythmus des Lebens« und damit die Kreativität zu beleben, mit analogen gestalterischen Methoden im Rahmen eines Selbstexperiments in der Druckwerkstatt auseinandergesetzt. Dadurch soll der Beschleunigung des Alltags des Grafikdesigners, der sich vorwiegend im digitalen Raum aufhält, entgegengewirkt werden.

Die Ergebnisse und Erkenntnisse der Arbeit, sollen allen Menschen, die der Beschleunigung ebenso entkommen möchten und die sich für grafische Arbeiten interessieren, zeigen, ob das Ziel der Suche nach Entschleunigung und neuer Modernität – gemäß der Vermutung – durch analoges Experimentieren zu erreichen ist.

Um die Durchführung der praktischen Arbeit, die sich auf umfassende Forschungsarbeit zur gesellschaftlichen und gestalterischen Thematisierung der Entschleunigung und Beschleunigung sowie analogen und digitalen Arbeiten im Grafikdesign auseinandersetzt, an dieser Stelle zu erklären, muss kurz das Vorgehen im Experiment beschrieben werden. Zu Beginn entstehen bewusst und ohne konkrete Grenzen, um Materialbewusstsein zu gewinnen und dadurch über die Bedienung aller Sinne Inspiration zu erfahren, Versuche mit Grundformen und Farbe im Druck. Diese führen schließlich zur Entwicklung der im Zentrum stehenden Visualisierungsidee eines abstrakten Alphabets.

Das Alphabet der Entschleunigung von A bis Z, dessen Einzelzeichen aufwendig händisch entwickelt werden, lädt auf eine visuelle und haptische Auseinandersetzung mit Entschleunigung ein. Es legt den Fokus auf die Formensprache und rückt dabei den physischen Entstehungsprozess, der maßgebliche Einfluss auf Wirkung und Optik der grafischen Endformen nimmt, in den Vordergrund.

Die Arbeit gibt es auf der Werkschau am 09. März 2023 in der Druckwerkstatt der MD.H in der Neumarkter Strasse 22 zu sehen.

Fotos: Katharina Lutz, Redaktion: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit  (1. Semester): Sophie Feichtner

Die Arbeit »Love Letter(s)« widmet sich – wehmütig und sinnierend, aber auch respektvoll und dankbar – an eine vergangene Liebesbeziehung. Mit 24 Metern Garn, sinnbildlich für die 24 Monate der Beziehung, hat Sophie Feichtner unausgesprochene letzte Worte auf einen dünnen Stoff gestickt und diesen anschließend gerahmt. Die der heutigen Kommunikation, etwa der mittels Spracherkennung schnell verschickten Nachricht per App, diametral entgegengesetzten Art einer Äußerung könnte nicht entschleunigter sein. Eben dadurch schafft die Arbeit, die wahrlich auf schlichte Art und Weise, lediglich mit Nadel & Garn, geschaffen wurde, der Liebe, der Intimität, einer Beziehung und dem immer auch schmerzlichen Ende gerecht zu werden. Man fragt sich, was die angesprochene Person wohl erwidern würde – und auf welche Weise.

Fotos: Sophie Feichtner
RED or BLUE. A Fake Journey
Bachelorarbeit: Julia Floth, William Kirchinger

Falschmeldungen verbreiten sich deutlich rasanter als wahre Informationen. Verantwortlich sind psychologische und instinktive menschliche Ausprägungen, die die eigene Einschätzung verzerren und Affekthandlungen auslösen.

Um dies näher zu ergründen, setzen wir uns mit den Methoden der Kommunikation, Manipulation, Psychologie und den Charakteristika von so genannten Fake News auseinander. Die Werbebranche und das Interface Design werden unter diesen Aspekten beleuchtet, der Bereich der Desinformation und Verschwörungstheorie wird gesondert und detailliert beschrieben.

Diese Arbeit soll Gefahren und Folgen von Fake News verdeutlichen und mögliche Schutz- und Erkennungsmaßnahmen an die Hand geben.

Entstanden ist eine Box, die den Betrachter mit Mitteln der visuellen Kommunikation für das Thema sensibilisiert. Color Exposure, Musterbildungen und sensible Illustrationen kommen dabei zum Einsatz. Grafisch wie strukturell basiert die Box auf einer blauen und einer roten Ebene — die eine steht für wahre Nachrichten, die andere für die gefälschten.

»RED or BLUE«  ist am Donnerstag, den 31. März 2022, auf der Onlinewerkschau »Out of one’s mind« zu sehen. Empfehlenswert.

Text und Fotos: William Kirchinger und Julia Floth, Redaktion: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Sonja Melior

Im Rahmen des Schriftexperiments des ersten Semesters nutzte Sonja Melior alle Freiheiten, die einem Experiment eigen sind. Für ihre Schrift »Twist Twine« drapierte sie in Farbe getauchte Fäden in Form von Buchstaben auf weißem Papier. Anschließend legte sie einen Papierbogen darüber und erstellte einen Abdruck des Fadens.

Im Ergebnis vereinen sich zwei konträre Welten: einerseits die Dauerhaftigkeit einer üblicherweise »in Blei gegossenen« Schrift, die Gedanken konservieren soll, sie in Archiven ewiglich festhält, die Informationen in genormter Weise und rechtssicher dokumentiert. Auf der anderen Seite strahlen die einzelnen Typen den Charme des Individuellen aus, des nach eigenwilligem Wuchs, nicht nach Schemata Entstandenem. Nicht zufällig wirken sie wie organisches Material, ähneln sie doch dem aus Kindertagen bekannten Blätterdruck — und haben dadurch auch die Anmutung von Vergänglichem. Zusammen mit der monochromen Klarheit, die an Tuschezeichnungen erinnert, gelingt Sonja Meliors Arbeit die Verbindung von Aspekten, die zuvor noch als gegensätzlich galten.

Ein ungewöhnlich spielerisches, ja fast flüchtig wirkendes Typografie-Experiment.

Fotos: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Anja Hergl

Anja Hergl formte in ihrer freien Schriftarbeit das Wort »FLORAL« – passenderweise aus herbstlichen Gräsern und Blüten. Obschon typografische Präzision im Allgemeinen und die strenge Erhabenheit der klassischen Antiqua im Besonderen mit dem pflanzlichen Wildwuchs der Natur in Konflikt geraten sollten, ist das Ergebnis verblüffend harmonisch: die klaren Konturen der Schrifttype ergeben mit den dekorativen Blütenelementen ein vergnügliches, heiteres Gesamtbild.

Fotos: Anja Hergl
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Clara Reichelt
Eine Schriftarbeit als Hommage an den Künstler Christo
Inspiriert ist mein Konzept einer freien Schriftarbeit durch den Künstler Christo, der Gebäude wie den Berliner Reichstag verpackt bzw. verhüllt hat und eben dadurch eine verblüffende, neue Wahrnehmung des nunmehr eigentlich Verborgenen ermöglichte.

Meine Idee war es, alltägliche Gebrauchsgegenstände aus dem Haushalt zu suchen und diese so mit Stoff und Bindfäden einzupacken, dass sie die Form eines Buchstabens bilden. Eine Bananenbox habe ich zum Beispiel als »C«, eine Pfanne samt Kochlöffel als »R« und eine Klavierlampe als »T« verwendet und somit das Wort CHRISTO geschrieben, gewissermaßen als Hommage an den vor einem Jahr verstorbenen Künstler.

Schließlich habe ich sowohl die eingepackten als auch die uneingepackten Gegenstände fotografiert und in Form eines Leporellos gegenübergestellend inszeniert.

Fotos. Clara Reichelt

Freie Schriftarbeit (1. Semester): Verena Schneider

Unter dem Titel »Freie Schriftarbeit« entstehen Alphabete bzw. Annäherungen an Typen/Schriften, auf experimentelle Weise und ohne weitere Vorgaben. Verena Schneider hat diese Freiheiten genutzt, um aus Holz verschiedenster Art, was Holzart, Form, Dicke etc. betrifft, zunächst einzelne Buchstaben und schließlich ein komplettes Alphabet zu formen. Dann wurden die Buchstaben in unterschiedlichen Farben gedruckt und zunächst ausgeschnitten, systematisch sortiert und wie in einem Schriftmuster alphabetisch arrangiert.

Im zweiten, experimentierfreudigeren Schritt finden sich einzelne Buchstaben ohne eigentliche Ordnung, in den kräftigen Farben Gelb, Orange und Schwarz durcheinander gedruckt.

Abschließend druckte Verena Schneider einen Auszug aus Mac Millers Song »God Is Fair, Sexy, Nasty« in Reihe auf vier Bögen.

Fotos: Verena Schneider
Schrift und Typografie (1. Semester): Larissa Laurentzi

Diese kalligrafische Arbeit ist das Ergebnis schneller, serieller Studien mit einem großen Pinsel und weißer Farbe auf schwarzem Papier. Durch lineares Schreiben, unterschiedlich starken Druck, durch Drehen, Verkanten und Verdichtung der Striche sind verschiedene Zeichencharaktere entstanden: lineare wie verspielte, strenge und dynamische Formen. Präsentiert in Passepartouts aus cremefarbenem Papier sollen sie die Ausdruckskraft und Vielfalt der eigenen Handschrift visualisieren.

Fotos: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Diana Hix Molinari

Diana Hix Molinari hatte sich zur Aufgabe gemacht, ein Alphabet aus händisch gezeichneten Schmuckinitialen zu entwickeln, die alle ihre ganz eigene Geschichte erzählen und sich doch zu einem harmonischen Ganzen fügen. Jedem Buchstaben liegen hier mehrere kleine Zeichnungen zu Grunde, die auf den ersten Blick gar nicht erfasst werden.

Die besondere Herausforderung dieses Konzeptes war, jeden Buchstaben als Ganzes klar erkennbar zu gestalten, obwohl auf eine Kontur bewußt verzichtet wurde. Die Zeichnungen, aus denen der konkrete Buchstabe besteht, sind direkt mit dem Initial verbunden. »Ananas«  für »A«, »Biene« für »B« usw. Manche dieser Zeichnungen sind in den Initialen, besser gesagt im Beiwerk etwa aus Blättern oder Ranken, »versteckt«. Der Betrachter, auf das Prinzip aufmerksam geworden, muss also wie in einem Wimmelbild genau hinsehen, um manche Bilder bzw. die Dinge darin erkennen zu können.

Als Beispiel, neben der oben erwähnten Ananas und der Biene, seien hier lediglich noch die Vögel bei der Initiale »V« genannt, die anderen sollen jedoch nicht verraten werden und dem aufmerksamen Betrachter, der konzentrierten Betrachterin überlassen werden.

Die Initialen wurden in schwarz/weiß handgezeichnet erstellt. Je nach Anwendung können später die einzelne Elemente der Initalen in der digitalisierten Variante auch gefärbt werden.