Stehsatz

Mediadesign Hochschule München
Freie Schriftarbeit (1.Semester): Julia Floth

Die Kalligrafiearbeit hat sehr viele Freiheiten bei der Aufgabenstellung geboten. Meine Überlegung ging sofort in Richtung Buchstabenentwicklung. Dazu habe ich gezielt nach Kurz- und Stenografie-Schriften gesucht. Nicht mehr viele Menschen können eine Kurzschrift problemlos lesen, so dass ich sehr einfache Buchstaben wie das c oder das o unverändert beibehalten habe. Kompliziertere oder schwer schreibbare Buchstaben hingegen wollte ich durch Zeichen aus der Kurzschrift ersetzen. Zudem entschied ich mich als weiteren Reduktionsschritt nur Kleinschreibung zu verwenden. Durch Abstraktion und bereits vorhandene Zeichen fand ich ein geeignetes Buchstabensystem.

Da die einzelnen Zeichen sehr fein waren, habe ich mich entschlossen, diese selbstentworfene Schrift in einem Mengentext umzusetzen. Dafür habe ich mich nach bekannten Monologen umgesehen, da diese eine breite Anzahl an Buchstaben liefern. Nach längerer Suche entschied ich mich für die Rede des Rechtsanwaltes Atticus Finch aus dem Roman »Wer die Nachtigall stört« (Original »To Kill a Mockingbird«) von Harper Lee. Der Monolog ist wohl der wichtigste in diesem Roman. Atticus Finch verteidigt hier einen Afroamerikaner, was in der Zeit, in der der Roman spielt, einen Skandal darstellte. Er hält sein Schlussplädoyer vor den Richtern. Diese wichtige Passage in einer schwer lesbaren Schrift darzustellen, lässt einen großen Kontrast entstehen. Die Wörter fließen in Halbkreisen zusammen und auch wieder auseinander. Die Strichstärke wird zum Ende hin fetter. Da die letzten Sätze eines Schlussplädoyers die wichtigsten sind, werden sie in meiner freien Schriftarbeit durch die fetter werdende Strichstärke hervorgehoben. Am Ende sieht es fast wie die Struktur einer Baumrinde aus.

Fotos: Marina Scalese
Visualisierung (1. Semester): Julia Floth
»Boing Boom Tschak«

Bei der Musikvisualisierung habe ich mich für das Lied »Boing Boom Tschak« der Band Kraftwerk entschieden.  Hierfür baute ich – basierend auf einem der Kraftwerk-Alben – vier Figuren, die den Ausgangszustand und die Transformation durch »Boing«, »Boom« und »Tschak« darstellen.

Als Material für die Figuren dienten dünne Blechplatten, auf die die Grundrisse der Objekte übertragen wurden. Nach dem Ausschneiden und Verbiegen wurden die vier Figuren im Kreis auf ein Kraftwerk-Plattencover gesteckt, das innen mit einem zusätzlichen Karton stabilisiert wurde.

Bei »Boing« findet sich Figur kreisförmig gebogen. »Boom« zeigt eine Figur, die von innen heraus explodiert. Das »Tschak« ist durch eine in der Mitte geteilte Figur visualisiert. Für die Inszenierung bzw. Illuminierung verwendete ich kleine LED-Kugeln, die ich in die Figuren steckte. So leuchten die vier Objekte in verschiedenen Farben, die durch die metallene Oberfläche gespiegelt werden

Fotos: Julia Floth