Stehsatz

Mediadesign Hoschschule München, Klasse Prof. Sybille Schmitz
Designentwicklung für die Werkschau 2020: Julia Floth, Studiengang Media Design

Das Plakat der diesjährigen Werkschau fällt dem gedankenversunken Blickenden durch seine extravaganten Farben und klaren Flächen ins Auge, den aufmerksam gewordenen Betrachter schließlich ziehen die abstrakten, wie Industrieschablonen wirkende Buchstaben und Zahlen in den Bann. Die Zeichen (sie ergeben den Begriff »Werkschau«) scheinen auf geometrische Formen reduziert, sie sind schräggestellt, die Ziffern (die Zahl 20 ergebend) sind zudem übergroß im Verhältnis. Die Dekodierung der Aussage des Plakates erfordert durchaus eine gewisse Konzentration, die in spannendem Kontrast zur optischen, farblichen Zugänglichkeit und Klarheit steht.

Die Farbkombinationen der Plakatvarianten sind konsequent, einerseits expressiv in ihrer Gegensätzlichkeit (blau und orange etwa), andererseits harmonierend (dunkel- & hellblau). Auch hier findet sich erneut die elektrisierende Kombination aus gefälliger Zugänglichkeit und Aufmerksamkeit weckender Irritation.

Die Ziffern, die die Zahl 20 ergeben, entsprangen ursprünglich einem gefalteten, dreidimensionalen Papiermodell, das gewissermassen einer Dimension beraubt wurde.

Das schwungvolle Theater: Ein Logo für die Luisenburg
Visualisierung II, (2. Semester): Julia Floth

Ein fiktives, neues Erscheinungsbild, das dem Open-Air Theater bei Wunsiedel zu neuem Schwung verhilft. So schwungvoll wie das Gebäude selbst.

An das Thema näherte ich mich zeichnerisch an. Während der Ideenfindung fiel mir die Ähnlichkeit der Unterschrift der Namensgeberin Luise von Preußen mit der Form des Theatergebäudes auf. Beide enthalten einen schwungvollen Bogen – so war durch ein paar Versuche ein geeignetes Signet gefunden.

Zur Findung eines Schriftzugs erstellte ich mehrere Kalligrafie-Varianten und entschied mich schließlich für eine Barock- bzw. eine klassizistische Antiqua mit einzelnen »ausbrechenden« Buchstaben. So kommt das »S« mit einem vergrößerten Kopf und das »N« mit einer Verlängerung des letzten Aufstrichs. Das gesamte Logo der Luisenburg besteht somit aus dem Signet, welches ich verkleinert links über den Schriftzug stellte.

Da die Luisenburg eine große Bandbreite abdeckt, bezog ich diesen Aspekt auch bei meinem Farbkonzept mit ein. Für das Kindertheater wählte ich orange, da diese Mischfarbe aus gelb und rot für Leichtigkeit, Neugier und Lebendigkeit steht – alles Eigenschaften, die besonders Kinder aufweisen. Grün repräsentiert das Volksstück, denn oftmals finden Theaterstücke dieser Kategorie auf dem Land, also in dörflicher Umgebung statt. Das Genre »klassische Stücke« erhielt die Farbe Königsblau. Denn diese Farbe ist eine der ältesten Farben, die bei der Kleidung des Adels Verwendung fand. Mit klassischen Werken verbindet man meist Stücke aus der Zeit der Ständegesellschaft. Für das Musical habe ich die Farbe türkis gewählt. Denn diese Mischfarbe beinhaltet zum einen die Strenge der Farbe blau und zum anderen eine heiterer wirkende Freiheit, die Grün repräsentiert.

Ebenfalls in der Aufgabenstellung enthalten war die Erstellung einer Plakatreihe. Passend zum schwungvollen Signet und einer ebenso gestalteten Kalligrafiearbeit wählte ich eine entsprechend schwungvolle Stilrichtung: die Malerei. So erstellte ich mit Acryl drei Plakate zu aktuellen Theaterstücken mit den zuvor definierten Farbtönen. Die Namen der Stücke schrieb ich ebenfalls händisch. Die Motive und die Kalligrafie sind in einer extremen Diagonale angeordnet, die sich zur dynamischen Ecke hinbewegen.

Mit dem Logo in der rechten Ecke oben entsteht ein energiegeladenes Gesamtbild, das gut zu einem vielseitigen Open-Air Theater passt.

Visualisierung (1. Semester): Julia Floth
7 Todsünden – ein Leporello aus Scherenschnitten

Die sieben biblischen Todsünden sind naturgemäß auch in der Kunst ein regelmäßig wiederkehrendes Motiv. Sie wurden und werden nicht selten auf drastische oder dramatische Weise als Inspiration genutzt und dabei in unterschiedlichster Art dargestellt. Ich habe die sieben Todsünden in der Form eines schwarzen Leporellos veranschaulicht, mit sieben weißen Scherenschnitten, die in das Leporello eingespannt sind. Die meisten Motive enthalten ein Bild im Positiv- und auch im Negativraum.

Im Bild zu »Neid« wird eine muskulöse Person von einer anderen neidvoll beobachtet. Eine Frau, die von zwei Händen ergriffen wird, welche gleichzeitig ihre Haare und Augenbrauen darstellen, symbolisiert die Todsünde »Wollust«. Rechts daneben ist die Todsünde »Trägheit« dargestellt. Hierbei werden zwei Füße gezeigt, die einen Apfel umschließen. Dieser steht für die Entdeckung des Trägheitssatzes durch Isaac Newton. Der Scherenschnitt ganz rechts verkörpert die Todsünde »Hochmut«. Er wird durch eine Person mit langer, nach oben gestreckter Nase gezeigt. Auf der Rückseite findet man die Todsünden »Zorn«, »Habgier« und »Völlerei«. Linkerhand sieht man eine wütende Person mit scharfen Zähnen, die einen Jungen mit hochgezogenen Schultern anschreit. »Habgier« in der Mitte zeigt zwei Hände, die nach einem Diamanten greifen. Die Hände stellen gleichzeitig sogenannte diebische Elstern dar. Bei »Völlerei« wird das Profil einer Person mit weit geöffnetem Mund gezeigt. Zusammen mit der Zunge wird ein zweiter Kopf geformt.

Bei der Inszenierung habe ich das Leporello mit rotem Licht angestrahlt, um den Tod, der auf die Todsünden folgt, noch deutlicher zu machen.

Fotos: Julia Floth
Freie Schriftarbeit (1.Semester): Julia Floth

Die Kalligrafiearbeit hat sehr viele Freiheiten bei der Aufgabenstellung geboten. Meine Überlegung ging sofort in Richtung Buchstabenentwicklung. Dazu habe ich gezielt nach Kurz- und Stenografie-Schriften gesucht. Nicht mehr viele Menschen können eine Kurzschrift problemlos lesen, so dass ich sehr einfache Buchstaben wie das c oder das o unverändert beibehalten habe. Kompliziertere oder schwer schreibbare Buchstaben hingegen wollte ich durch Zeichen aus der Kurzschrift ersetzen. Zudem entschied ich mich als weiteren Reduktionsschritt nur Kleinschreibung zu verwenden. Durch Abstraktion und bereits vorhandene Zeichen fand ich ein geeignetes Buchstabensystem.

Da die einzelnen Zeichen sehr fein waren, habe ich mich entschlossen, diese selbstentworfene Schrift in einem Mengentext umzusetzen. Dafür habe ich mich nach bekannten Monologen umgesehen, da diese eine breite Anzahl an Buchstaben liefern. Nach längerer Suche entschied ich mich für die Rede des Rechtsanwaltes Atticus Finch aus dem Roman »Wer die Nachtigall stört« (Original »To Kill a Mockingbird«) von Harper Lee. Der Monolog ist wohl der wichtigste in diesem Roman. Atticus Finch verteidigt hier einen Afroamerikaner, was in der Zeit, in der der Roman spielt, einen Skandal darstellte. Er hält sein Schlussplädoyer vor den Richtern. Diese wichtige Passage in einer schwer lesbaren Schrift darzustellen, lässt einen großen Kontrast entstehen. Die Wörter fließen in Halbkreisen zusammen und auch wieder auseinander. Die Strichstärke wird zum Ende hin fetter. Da die letzten Sätze eines Schlussplädoyers die wichtigsten sind, werden sie in meiner freien Schriftarbeit durch die fetter werdende Strichstärke hervorgehoben. Am Ende sieht es fast wie die Struktur einer Baumrinde aus.

Fotos: Marina Scalese
Visualisierung (1. Semester): Julia Floth
»Boing Boom Tschak«

Bei der Musikvisualisierung habe ich mich für das Lied »Boing Boom Tschak« der Band Kraftwerk entschieden.  Hierfür baute ich – basierend auf einem der Kraftwerk-Alben – vier Figuren, die den Ausgangszustand und die Transformation durch »Boing«, »Boom« und »Tschak« darstellen.

Als Material für die Figuren dienten dünne Blechplatten, auf die die Grundrisse der Objekte übertragen wurden. Nach dem Ausschneiden und Verbiegen wurden die vier Figuren im Kreis auf ein Kraftwerk-Plattencover gesteckt, das innen mit einem zusätzlichen Karton stabilisiert wurde.

Bei »Boing« findet sich Figur kreisförmig gebogen. »Boom« zeigt eine Figur, die von innen heraus explodiert. Das »Tschak« ist durch eine in der Mitte geteilte Figur visualisiert. Für die Inszenierung bzw. Illuminierung verwendete ich kleine LED-Kugeln, die ich in die Figuren steckte. So leuchten die vier Objekte in verschiedenen Farben, die durch die metallene Oberfläche gespiegelt werden

Fotos: Julia Floth