Stehsatz

Siebdruck in Berlin
Münchner Studentengruppe zu Besuch in der Siebdruck-Werkstatt der MD.H Berlin

Farbenfroh, vielfältig und mit Berliner Schnauze – zwei inspirierende Tage in der Siebdruck-Werkstatt von Nadja Girod. Den kurzen, aber lehrreichen Besuch in der Hauptstadt nutzten wir um den Siebdruck näher kennen zu lernen und unsere selbst gestalteten Motive zu drucken. Der erste Tag startete mit einer Einführung in das Thema. Dabei erfuhren wir einiges über das Verfahren und begannen anschließend mit dem Belichten der Siebe. Den restlichen Tag nutzen wir für ein Besuch in der Sammlung Boros, einem alten Luftschutzbunker, der zu modernen Ausstellungsräumen umfunktioniert wurde.

Am darauf folgenden Tag starteten wir zunächst mit dem Mischen der Farben, dann konnte jeder Studierende abwechselnd mit dem Siebdruck beginnen. Sehr interessant war es dabei, den Studienkollegen über die Schulter zu blicken und dabei Einblicke in unterschiedlicher Druckstile zu erhalten. Es entstanden schöne T-Shirts, Taschen und Pullis – von dem Berliner Wahrzeichen über Buchcover für die Schriftanalyse bis hin zu personalisierten Symbolen.

Die Ergebnisse sind bunt, inspirierend und vielfältig – vergleichbar mit dem Flair unserer Hauptstadt, den wir bei der folgenden, vergnüglichen Stadtführung durch Prof. Julia Schnitzer des MD.H Standortes Berlin erspüren durften.

Fotos: Selina Schwander, Sybille Schmitz; Text: Selina Schwander und Nadja Schäffer
Editorial Design (3. Semester): Stephanie Moll
Meine Projektarbeit »Weiter Immer Weiter« habe ich mit einem Zitat der 15-jährigen Greta Thunberg eröffnet. Ihre beeindruckende Rede auf der UN- Klimakonferenz formuliert exakt die Botschaft, die ich anhand meiner Projektarbeit vermitteln möchte. Seit nunmehr über 40 Jahren wird in der Öffentlichkeit über den Klimawandel diskutiert, dennoch hat sich die Situation nicht etwa verbessert, sondern verschlimmert. Anhand meiner Arbeit zeige ich fünf verschiedene Artikel aus unterschiedlichen Jahrzehnten auf, die sich mit dem Thema Weltklima beschäftigen. Darin werden erste Vermutungen, schließlich bereits wahrnehmbare Auswirkungen und heute – von einigen Persönlichkeiten abgesehen – als Konsens geltende Tatsachen zum Thema Klimawandel erörtert.

Bachelorarbeit: Marina Emeljanov
Eine Visualisierung zwischenmenschlicher energetischer Interferenzen durch Form und Farbe.

Das Energiefeld soll am Menschen und im Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen und Interaktion zweier Menschen visualisiert werden. Also eine Verbildlichung der Wechselwirkung und ihrer Interferenz zweier Energien des Menschen innerhalb einer bestehenden Beziehung.

Dies soll nicht nur durch Farbe, sondern auch durch Form und Position visuell dargestellt werden. Von eng zu oberflächlichen, von freundschaftlichen zu feindseligen, von egalitären zu hierarchischen bis aufgabenorientierten zu geselligen Beziehungen bestehen immer Wechselwirkungen einer zwischenmenschlichen Interaktion.

Die Visualisierung zeigt das Aufeinandertreffen und Agieren zweier Menschen und deren zugehörigen Energiefeldern anhand von möglichen Interferenzen. Harmonische oder disharmonische Wechselbeziehungen werden anhand der Umsetzung im Siebdruck dargestellt.

Editorial Design (3. Semester): Marina Scalese
Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und des Erhabenen

Das Thema dieser Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Immanuel Kants Analyse des Geschmacksurteils sowie mit seinem Begriff des Schönen. Ich habe dabei versucht, Balance und Wechselwirkung zwischen Lesbarkeit, Informationsvermittlung und ästhetischem Formenspiel auszuloten, und mich gleichzeitig eng an die Gliederung des Textes bzw. den Text selbst zu halten, um Kants Gedanken so unverfälscht wie möglich wiederzugeben.

Der Umgang mit der Typografie ist experimentell. Es galt herauszufinden auf welche Art und Weise Typografie dargestellt werden kann, wie sie im Einklang mit oder auch als Kontrapunkt zum Text wirkt. Typografie wird zu Grafik. Text wird zum Bild, in dem Buchstaben zu Formen verschmelzen und Wörter immer weiter abstrahiert werden, bis hin zur rein schwarzen Fläche. Auflösung bis zur Unleserlichkeit oder gar Unkenntlichkeit. Der philosophische Text über das Schöne und Erhabene verwandelt sich gewissermaßen unter den Augen des Lesers in typografische Kunst.

Fotos: Marina Scalese

 

Musikvisualisierung (1. Semester): Katharina Hengster
Die Klaviatur der Empfindungen

Ein Zitat Claude Debussys besagt, es gäbe keine Theorie für Musik – man solle einfach in Ruhe zuhören, denn Genuss sei die Lösung. Nichts scheint meine Visualisierung des Musikstücks »Clair de Lune« von Debussy besser umschreiben zu können, als dieses Bonmot des französischen Komponisten.

Zunächst scheint es eine komplexe, widersprüchliche Aufgabe zu sein, Musik mit all den Gefühlen, mit all den flüchtigen, wenig greifbaren Assoziationen, die ein Stück evoziert, zu versinnbildlichen – doch wenn man seinen Gedankengängen folgt und ihnen freien Lauf lässt, können wunderbar eigenwillige Werke entstehen. Während ich mich mit Hingabe auf das Stück einließ, fiel mir jedes Mal aufs Neue eine kurze Passage besonders auf. Sie klang wie ein Zerfallen oder wie ein Tiefpunkt, der mich sofort ergriff und tief bewegt hat.

Mit einem aus Holz selbstgebauten Stempel einer Klaviertastatur begann ich, diesen Zerfall in Form einer Mauer, welche sich im unteren Bereich der Leinwand langsam beginnt aufzulösen, darzustellen. Diese instabile Mauer sollte somit meine Gedanken während des Stücks widerspiegeln und eine gewisse Verbindung zu unserem alltäglichen Leben schaffen – denn auch in unserem Alltag können uns Situationen oder Schicksalswendungen, die auf uns treffen wie äußere Sinneseindrücke, zurückwerfen und es scheint in diesen Momenten, als würde alles zerfallen.

Besonders zu beachten ist hierbei, dass die fallenden Bestandteile der Tastatur stets in Richtung der disharmonischen Diagonale fallen, da die erwähnte Passage meines Erachtens immerfort traurig, schmerzerfüllt, leidend und kummervoll wirkt. Somit soll der Bruch der Mauer meine Gefühle, die ich während des Stückes empfand, untermalen und dem Betrachter meine ganz eigene Interpretation der Musik nahelegen.

Fotos: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Selina Schwander
Botanical – Drucke mit unterschiedlichen Hölzern

In ihrer freien Schriftarbeit experimentierte Selina Schwander mit der Technik des Holzdruckes. Hierbei fertigte sie die einzelnen Lettern des Wortes »Botanical« aus unterschiedlichen Hölzern, um mit der gewachsenen, einzigartigen Struktur und Härte des Naturmaterials zu spielen.

So fanden in den Drucken, zusammengefasst in einem eleganten Mappenwerk, unter anderem Buchen-, Eiben- wie auch Fichtenholz Verwendung. In stets gleicher Anordnung der Buchstaben findet sich der Begriff mittels Linolfarbe farbenfroh, in gedeckten und doch kräftig-natürlichen Farben auf das Papier gedruckt. Dieses Mappenwerk, entstanden aus einer einfachen, klaren Idee, mit feinem Gespür für das Material und der Bereitschaft einen externen, nicht kontrollierbaren Faktor in den Entstehungsprozess einzubeziehen – in diesem Fall die eigenwillige Struktur des Holzes –, ist ein visuell höchst ansprechendes Experiment. Absolut sehenswert!

Fotos: Selina Schwander, Sybille Schmitz
Mappenwerk zu Kurt Schwitters im Handsatz

Ein Zitat von Kurt Schwitters besagt, Kunst sei nichts anderes als Gestaltung mit beliebigem Material. So hatten wir, die Studenten des diesjährigen Erstsemesters, die Aufgabe und Ehre, uns nicht nur mit dem herausragenden deutschen Künstler Kurt Schwitters und seinen Thesen zur Typografie, sondern auch mit einem ganz neuen »Material« zu beschäftigen.

Kurt Schwitters gehört schon durch seine Leidenschaft, das »Merzen«, zu den einzigartigsten Künstlern des an sich schon eigenartigen Dada. Das Wort »Merz« leitet Schwitters vom Wort »Kommerz« ab, welches auf einem Zettel geschrieben stand, den er zufällig fand und sollte ein Ausdruck dafür sein, Neues aus alten Scherben aufzubauen. Dies war für den Künstler nicht nur Name oder Kategorie, sondern vielmehr der Ausdruck seines Lebens, denn Schwitters betrachtet sein Leben als Gesamtkunstwerk – Leben und Kunst miteinander vereint, den gesamten Inhalt seines Lebens stellt er mit diesem Begriff dar. Die spielerische Verbindung verschiedenster Dinge wie Zeitungsausschnitte, Busfahrscheine, Nägel, Haare oder Holzstücke machen Schwitters Collagen zu einem gestalterischen Hingucker.

Nach Recherche und intensiver Auseinandersetzung mit diesem Künstler und seinen Thesen ging es auch für uns nun endlich an die Arbeit – hierbei verlief vor allem die Vorbereitung der Entwürfe bei jedem anders. Während die eine sich intensiv mit der Gestaltung Schwitters auseinandersetzte und ganz nach seinem Motto »etwas Neues aus seinem Alten« machte, ging die andere eher spielerisch mit diesem Thema um und befasste sich mit einer rein typografischen Lösung der Thesen. So verschieden die Arbeitsweisen wohl auch gewesen sein mögen, unsere Mappe mit den fertigen Drucken, ergibt insgesamt eine sehr schöne Gesamtheit!

Wir, Julia Floth, Selina Schwander, Eva-Maria Oberauer, Victoria Eckl und Katharina Hengster, möchten uns hiermit auch nochmals recht herzlich bei Herrn Westermaier und Frau Schmitz für ihre Bemühungen und Geduld bedanken – nach dem Erwerb unseres Werkstattführerscheins werden wir uns nun sicher häufiger in der Druckwerkstatt über den Weg laufen!

Fotos: Katharina Hengster, Victoria Eckl, Sybille Schmitz
Typografie kann unter Umständen Kunst sein
Typografie (2.Semester): Clara Baber

»Typografie kann unter Umständen Kunst sein«, so lautet die erste von 10 Thesen von Kurt Schwitters, die er 1924 in der Ausgabe 11 seiner MERZ-Hefte veröffentlichte. Eine gewagte These, die die Fachwelt heute noch ebenso wie damals spalten dürfte, da die Typografie doch ein festes Regelwerk darstellt, ein System, das dem Leser dient, ohne formale Spielerei auskommt und nicht eigenmächtig auftreten will.

Clara Baber hat mit ihren Versuchsreihen eindrucksvoll gezeigt, dass Typografie und Kunst durchaus vereinbar sind. Sie hat es geschafft, besagte »Umstände« zu bewerkstelligen, in denen das Werkzeug Typografie die zugedachten Sphären zu verlassen und in den Bereich der Kunst einzudringen vermag.  Spielerisch komponiert sie mit analogen, künstlerischen Druckverfahren Schwitters Thesen zu mutigen Plakaten im Stempel-, Faden-, Papier- und Handabdruck. So entstehen virtuose, gestalterische Kleinode. Höchst sehenswert, denn Clara Babers Plakate sind augenscheinlich Kunst!

Interesse wecken

Die Besucher der Messe »KreARTiv« im MVG Museum, einem Forum für »zeitgenössische Kunst und Handwerk«, dürften nicht wenig gestaunt haben, als dort ein paar junge Studierende – entgegen der Klischees von Jugendlichen mit einer Aufmerksamkeitsspanne von 5 Sekunden – nichts von Social Media Apps und Videospielen zu erzählen hatten, sondern ihnen die alte Kunst des Handsatzes näherbringen wollten. Nach mehrwöchiger Vorbereitung war es nämlich soweit und zwischen alten Münchner Trams und U-Bahnen wurde für ein Wochenende eine kleine Druckwerkstatt am Stand der officin albis von Werner Hiebel aufgebaut. Sechs unterschiedliche Weihnachts- und Neujahrskarten hatten die Studierenden entworfen, gesetzt und im Voraus schon gedruckt, gefalzt und zugeschnitten, doch damit nicht genug, auch live vor Ort wurde noch fleißig weitergearbeitet.

Die Karten wurden mit den im Lasergravurverfahren erstellten Klischees der Bachelorarbeit von Sophie Wagenknecht kombiniert, Interessierte durften zusehen wie frische Abzüge der Karten gedruckt wurden, wie spontan mit der Handwalze ein Irisdruck vorbereitet wurde und einige motivierte Besucher versuchten sich selbst darin ihren Namen zu setzen und konnten dann ihre individuell gestalteten Karten mit nach Hause nehmen. 

Fotos: Jakob Kreitner, Werner Hiebel, Sybille Schmitz
Ein studentisches Projekt der MD.H München

Es herrscht Betriebsamkeit in unserer Druckwerkstatt: Seit Tagen wird skizziert, unterbaut, gesetzt, gedruckt, bisweilen geflucht, nachjustiert und schließlich vollendet. Die Media Design-Studierenden Jakob Kreitner, Dani Ibler, Nico Janson und Thomas Fäckl bereiten sich, bewaffnet mit einer »Nudel« (das ist eine kleine Abzugspresse), auf ihren Besuch der Handwerksmesse vor. Das kleine Grüppchen an Studierenden darf in diesem Jahr eigens gestaltete Karten zum Jahreswechsel unter der Ägide von Werner Hiebel von der officin albis an seinem Stand bei der KreARTiv am 27. und 28. Oktober in München zum Druck anbieten.

Dies hat einigen Ehrgeiz geweckt, auch deshalb, weil man Werner Hiebel, bekannt für seine erlesenen Bücher im Handsatz, begleiten darf. Und so staune ich nicht schlecht über das bunte Potpourri an Illustrationen und Textarbeiten, die im Vorfeld entstanden sind. Dabei sollen die Messebesucher einen Einblick erhalten, wie eine Druckform aussieht, worauf es beim Drucken ankommt und selbstverständlich auch, dass eben dieses »Handwerk« eine formidable Kunst ist. Die Kartenmotive der Studierenden können am Stand selbst gedruckt werden. Zur Sicherheit ist im Vorfeld eine kleine Auflage gefertigt worden, damit das Ergebnis auch die gewünschte Qualität zeigt.

Bemerkenswert ist auch die Bachelorarbeit von Sophie Wagenknecht (Fakultät 6, Druck- und Medientechnik, HS-München), die aus unterschiedlichen Materialien in akribischer Arbeit diverse Klischees im Lasergravurverfahren erstellt und gedruckt hat. Ihre Arbeit ist auf dem Messestand ebenfalls zu begutachten.

Ein Besuch in der Ständlerstraße am Stand von Werner Hiebel in München ist für alle Handsatzliebhaber, Gestalter und die, die es werden wollen, wirklich lohnenswert!

Fotos: Jakob Kreitner, Sybille Schmitz