Stehsatz

7 Todsünden
Visualisierung (1. Semester): Verena Manhart
Die sieben Todsünden

Ende des 4. Jahrhunderts wurden die sieben Todsünden das erste Mal von Euagrios Pontikos benannt. Bekannt sind sie uns vor allem durch die katholische Kirche, laut der wir durch deren bewusste Auslebung den Kontakt zu uns selbst und zu Gott verlieren. Die Charaktereigenschaften, die die katholische Kirche als Todsünden bezeichnet sind laut historischer Reihenfolge: Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit.

Für die Visualisierung habe ich die Seiten jeweils sieben identischer Bücher so gefaltet, dass deren Frontalansicht im leicht geöffneten Zustand je eine Todsünde darstellt.

Für den Hochmut steht ein nach oben zeigendes, gleichschenkliges Dreieck. Es vermittelt das Streben nach oben und zeigt, wie der hochmütige Mensch sich selbst über allen anderen, also an der Spitze sieht. Habgier äußert sich in unersättlichem Verlangen nach Besitz. Hierfür steht eine von links unten nach rechts oben laufende Gerade, da Geraden, laut geltenden mathematischen Gesetzen, grundsätzlich in die Unendlichkeit steigen. Der Kreis steht in diesem Fall für die Wollust, die unter anderem durch einen Teufelskreis der Lust beschrieben werden kann. Zorn ist in der Regel kein Gefühl, das unentwegt vorliegt, sondern sich in unterschiedlich starken Wutausbrüchen äußert. Aus dem Aneinanderreihen verschieden hoher Rauten resultiert ein Zackenmuster. Mit dem Wort Völlerei verbindet man exorbitanten Konsum von Lebensmitteln oder Alkohol. Auf jenen folgt meistens ein starkes Unwohlsein, welches in dem Versuch mündet, die psychische Verfassung durch Frustessen und Betrinken zu bessern. Dieses stete Auf und Ab wird durch eine Sinuskurve dargestellt. Neid nimmt dem Geist die Fähigkeit sich richtig zu entfalten. Durch die zusammengedrückt wirkende Raute wird diese Einschränkung optisch vermittelt. Die letzte der Todsünden ist die Trägheit. Diese wird durch die statischste Form, das Quadrat, versinnbildlicht.

Fotos: Verena Manhart
Mappenwerk zu Kurt Schwitters im Handsatz

Ein Zitat von Kurt Schwitters besagt, Kunst sei nichts anderes als Gestaltung mit beliebigem Material. So hatten wir, die Studenten des diesjährigen Erstsemesters, die Aufgabe und Ehre, uns nicht nur mit dem herausragenden deutschen Künstler Kurt Schwitters und seinen Thesen zur Typografie, sondern auch mit einem ganz neuen »Material« zu beschäftigen.

Kurt Schwitters gehört schon durch seine Leidenschaft, das »Merzen«, zu den einzigartigsten Künstlern des an sich schon eigenartigen Dada. Das Wort »Merz« leitet Schwitters vom Wort »Kommerz« ab, welches auf einem Zettel geschrieben stand, den er zufällig fand und sollte ein Ausdruck dafür sein, Neues aus alten Scherben aufzubauen. Dies war für den Künstler nicht nur Name oder Kategorie, sondern vielmehr der Ausdruck seines Lebens, denn Schwitters betrachtet sein Leben als Gesamtkunstwerk – Leben und Kunst miteinander vereint, den gesamten Inhalt seines Lebens stellt er mit diesem Begriff dar. Die spielerische Verbindung verschiedenster Dinge wie Zeitungsausschnitte, Busfahrscheine, Nägel, Haare oder Holzstücke machen Schwitters Collagen zu einem gestalterischen Hingucker.

Nach Recherche und intensiver Auseinandersetzung mit diesem Künstler und seinen Thesen ging es auch für uns nun endlich an die Arbeit – hierbei verlief vor allem die Vorbereitung der Entwürfe bei jedem anders. Während die eine sich intensiv mit der Gestaltung Schwitters auseinandersetzte und ganz nach seinem Motto »etwas Neues aus seinem Alten« machte, ging die andere eher spielerisch mit diesem Thema um und befasste sich mit einer rein typografischen Lösung der Thesen. So verschieden die Arbeitsweisen wohl auch gewesen sein mögen, unsere Mappe mit den fertigen Drucken, ergibt insgesamt eine sehr schöne Gesamtheit!

Wir, Julia Floth, Selina Schwander, Eva-Maria Oberauer, Victoria Eckl und Katharina Hengster, möchten uns hiermit auch nochmals recht herzlich bei Herrn Westermaier und Frau Schmitz für ihre Bemühungen und Geduld bedanken – nach dem Erwerb unseres Werkstattführerscheins werden wir uns nun sicher häufiger in der Druckwerkstatt über den Weg laufen!

Fotos: Katharina Hengster, Victoria Eckl, Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Antonia Aschenbrenner
Der Lebenszyklus

Alle unsere Eindrücke, Wahrnehmungen und Erfahrungen, die wir von klein auf sammeln, werden fortlaufend in einem neuronalen Netz, in unserem Gehirn gespeichert. Dieses besteht aus Neutronen, die durch Synapsen miteinander in Bezug stehen.

Schon bei der Geburt ist ein solches System vorhanden, wenn zunächst auch nur sehr rudimentär. Durch die Verarbeitung alltäglicher Eindrücke bildet sich im Kindesalter innerhalb kürzester Zeit eine enge Verstrickung von Synapsen, den Informationsüberträgern. Mit dem Beginn der Pubertät fängt das Gehirn an, viele dieser gesammelten Informationen auszusortieren. Hierbei bleiben nur die häufig benutzen Synapsenwege bestehen. In der sogenannten Adoleszenz fängt das Gehirn an, diese Verstrickungen reduzierter und logischer in Bezug zu setzen. Es werden wichtige Synapsenverbindungen mit einer Eiweisschicht ummantelt, um die elektrischen Signale schneller von einem Neuron zum anderen zu übertragen.

Die letzte Darstellung stellt den Verlust von Erinnerungen im Greisenalter dar und verweist auf die weit verbreitete Altersdemenz. Da diese leider noch sehr wenig erforscht ist, beruht das letzte Abbild nicht auf wissenschaftlichen Fakten.

All diese Zustände werden anhand von Fadenverspannungen in einem Holzgestell verdeutlicht. Die Darstellung erfolgt in Schwarz-Weiß, um den Fokus auf die Verflechtungen zu lenken.

Fotos: Antonia Aschenbrenner
Rhythmic Type. Eine Musikinterpretation in Verbindung mit Typografie
Motion Design (4. Semester): Janina Engel und Nico Janson

Das Video »Rhythmic Type« zeigt wie verschiedene Melodie- und Rhythmik-Elemente in Verbindung mit typografischen und grafischen Mitteln verbildlicht werden können.

Jede Soundfrequenz wurde genau analysiert und mit den Klängen und Charakteren der Buchstaben des deutschen Alphabets in Zusammenhang gebracht. Dafür wurden folgende Versalien der Schrift Univers in der Stärke Extra Black gewählt: A, O, S, K, P, T und D. Das Lied hat einen klaren Aufbau, das Rauschen wird immer lauter. Aus diesem Grund wurde das A gewählt, da es auch einen Anfang symbolisiert. Der schwere, lang schallende Bass wird mit dem O symbolisiert. Die Gitarrenklänge werden durch das S dargestellt, da es ein organisches und echtes Instrument ist und somit ein dynamisches Geräusch von sich gibt.

Die wiederkehrenden, harten Beats werden ganz klar mit harten Klängen der Konsonanten K, P und T in Zusammenhang gebracht. Am Schluss werden noch die letzten natürlichen Klänge der Gitarre wiedergespiegelt. Dies wird durch das D symbolisiert. Es wirkt dynamisch, natürlich und bietet somit einen guten Abschluss des Liedes.

Editorial Design (3. Semester): Katharina Krojer

Schrift zu lesen, also Buchstaben zu entziffern, gehört zu den allerersten Fähigkeiten, die wir in der Schule lernen. Diese Fähigkeit wird uns schnell derart selbstverständlich, dass wir schon bei geringem Wiedererkennungswert nach den uns bekannten Formen suchen und sie sogar finden, obwohl sie eventuell gar nicht vollständig sichtbar sind.

Grundgedanke des hier vorgestellten Projektes war es zu verdeutlichen, welchen Einfluss Schrift auf uns hat, wieviel Aufmerksamkeit wir ihr selbst in beiläufigen Situationen widmen (können) und wie meisterhaft wir die Kunst des Lesens, eine wohlgemerkt gänzlich kulturelle Errungenschaft ohne natürliche Grundlage, beherrschen. Der Text für dieses Projekt stammt aus der »Unendlichen Geschichte« von Michael Ende.

Experimentiert wurde mit einfachen Überlappungen und Überlagerungen. Die einzelnen Karten, am Ende zu einem Leporello zusammengefaßt, setzen diesen Gedanken auf unterschiedlichste Weise um. Eine Karte etwa enthält zwei Teile des zerschnittenen Textes, erst wenn beide Teile übereinandergelegt werden, fügen sich die Buchstaben wieder zusammen. Andere Karten arbeiten mit Verdichtung, Formgebung oder stellen die Buchstaben durch ihre gepunkteten Konturen dar.

Fotos: Katharina Krojer
Musikvisualisierung 1. Semester: Thomas Fäckl

Bei der Umsetzung der Musikvisualisierung habe ich mich mit dem Titel »Hurt« von Johnny Cash auseinandergesetzt. Dieser Song evoziert nicht nur eine dem Titel entsprechende düstere und bedrückende Stimmung, sondern kontrastierend auch eine immer wiederkehrend helle und hoffnungsvolle. Genau jene zwei Stimmungen galt es im Druck der Songzeilen wiederzugeben. Dies wird typografisch umgesetzt, in dem die Lettern der düsteren Strophen und Textteile ineinander geschoben stehen, also ob sich die zugespitzten Abschlüsse der Typen gegenseitig aufspießten, was eine schmerzhaft optische Wirkung zeitigt. Die hoffnungsvollen Textteile haben im Gegensatz dazu freien Lauf sich zu entfalten, sie transportieren Leichtigkeit statt Enge und hellen die Stimmung wieder auf. Um die Wechselwirkung der gegensätzlichen Strophen bzw. Textteile zueinander zu verdeutlichen wurde das Ganze zu einem Leporello zusammengefasst.

Fotos: Thomas Fäckl, Jan-Marc Zublasing
Editorial Design (3. Semester): Elisabeth Koster

Inhaltlich beschäftigt sich »Vinyl Stories« hauptsächlich mit Schallplatten und den Menschen drumherum. Das Bookazine setzt sich aus Geschichten, Bildstrecken und Illustrationen zusammen. Bei all dem bleibt aber immer eins im Vordergrund: Der Mensch und seine Liebe zu den Schallplatten – analoger Medienkonsum und Nostalgie im heutigen schnelllebigen Medienzeitalter voller Überfluss.

Besonderheit hierbei ist, dass die Arbeit in Form eines Bookazines erschien, also einer Mischung aus Magazin und Buch. Die Artikel sind detaillierter, sie erinnern an Kurzgeschichten. Die Dramaturgie allerdings erinnert mit ihrer äußeren Form sowie den verwendeten visuellen Mitteln an ein Magazin.

Analysiert wurde das Bookazine in verschiedenen Bereichen, bezüglich des Konzepts, des Heftaufbaus und der Gestaltung.

10 Zeichen für die Meister des Bauhauses – anlässlich des Jubiläums im kommenden Jahr
Umsetzung im Siebdruck: Antonia Aschenbrenner, Thomas Fäckl, Marcel Heß, Benedikt Hörmannsdorfer, Sakuya Miesczalok, Marina Scalese, Florian Kiefer, Magdalena Stricker, Stephanie Moll, Sofia Wanda Wittmann

Das Bauhaus – heute weltbekannte Kunstschule und international maßgeblicher Wegbereiter der Moderne wurde 1919 durch den Architekten Walter Grophius in Weimar gegründet. Kunst, Handwerk und Industrie sollten – so der Gedanke – eine Einheit bilden. Eine ganze Reihe prominenter und facettenreicher Persönlichkeiten lehrte und experimentierte hier, es entstanden richtungsweisende Gestaltungsprinzipien, die bis heute das Denken in Industriedesign, Architektur und Gestaltung prägen. 2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses zum 100. Mal. Dies sollte uns Anlass sein, die Gestaltungshochschule selbst ebenso wie seine herausragenden Köpfe zu würdigen. Neben den großen, sehr bekannten Namen wie Lásló Moholy Nagy, Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Lionel Feininger, Oskar Schlemmer und Paul Klee gab es eine Vielzahl heute namentlich weniger bekannter, aber nicht minder interessanter MeisterInnen, WerkstattleiterInnen und Lehrer sowie mit ihnen verbundene Gestaltungslehren.

Die MD1017 hat nun für 10 ausgewählte Persönlichkeiten, diese waren nach Neigung wählbar, ein singuläres Zeichen entwickelt. Ein solches persönliches Zeichen erhalten haben dabei Gunta Stölzl (Weberei und Textildesign) – die erste Meisterin am Bauhaus, Karla Grosch (Gymnastiklehrerin, legendäre Mitwirkung in Bühnenaufführungen), Joseph Albers (Apologet dieses Geistes auch über die Zeit des Bauhauses hinaus im Blackmountain College in den USA), Herbert Bayer, Paul Klee, Wassily Kandinsky, der Fotograf Walter Peterhans, Fritz Kuhr (bekannt durch die Zusammenarbeit mit Klee), Johannes Itten und Oskar Schlemmer.

Die so entwickelten grafischen Zeichen wurden am 14. Mai in der Münchner Silberfabrik unter tatkräftiger Anleitung von Sarah Braconnier von den Studierenden gedruckt. Dafür mussten Siebe belichtet, ausgewaschen, getrocknet, Formen und Stand genau eingepasst und schließlich eine kleine Auflage eigenhändig gedruckt werden.

Ebenso wie im Buchdruck ist auch beim Siebdruck, einer Schablonendrucktechnik, sehr exaktes und äußerst sauberes Arbeiten unabdingbar. Um die Standgenauigkeit zu erreichen muss eigens eine Anlage gebaut werden. Größte Herausforderung war dabei das dreifarbig angelegte Motiv für Paul Klee, eine mutige Aufgabe, die Florian spielend zu meistern vermochte.

Jener Tag, an dem wir die Technik des Siebdruckes erproben durften, war für uns alle bereichernd und beflügelnd zugleich.

Die dabei entstandenen Motive selbst sind ebenso facettenreich wie die Persönlichkeiten des Bauhauses, und die Resultate geben wiederum die Persönlichkeiten meiner Studenten wieder, ihre Neugier, ihre Experimentierlust und ihre Kreativität. Alles in allem: sehenswert!

Fotos: Sybille Schmitz
Bachelorarbeit: Katharina Krepil
Die japanische Аsthetik. Ein Kontrast zwischen Minimalismus und Kawaii-Kultur.

Japan ist ein Land mit vielen Facetten und Gegensätzen. Am wohl auffälligsten ist der Kontrast zwischen Tradition und Popkultur. Minimalistische Gestaltung steht einer bunten Reizüberflutung gegenüber. Besonders der kindliche Kawaii-Stil (zu Deutsch niedlich, süß) mit seinen rundlichen Formen und übertriebenen Proportionen ist typisch für die Ästhetik des Landes. Diese zwei Stile sind Thema der Arbeit.

Um gerade aus westlicher Sicht ein Gespür für die beiden Prinzipien zu bekommen, wird der Kontrast mithilfe eines illustrierten Memory-Kartenspiels verdeutlicht. Der Betrachter kann sich spielerisch mit dem Thema auseinandersetzen, indem er nicht zwei identische Karten, sondern ein Paar bestehend aus einem Motiv in den zwei unterschiedlichen Stilen sucht.

Das minimalistische Zeichensystem beruht zum einen auf dem Wabi-Sabi-Prinzip, welches besagt, dass Dinge erst dann schön sind, wenn sie bereits einen Alterungsprozess und eine gewisse Abnutzung erfahren haben. Zum anderen basiert es auf dem japanischen Farbholzschnitt. Der gewählte Kawaii-Stil setzt sich hingegen aus kräftigen bunten Farben, dicken und kindlich wirkenden Konturlinien und einer runden Formsprache zusammen.

Editorial Design (3. Semester): Janina Engel

Der Reigen von Arthur Schnitzler ist ein gesellschaftskritisches Schauspiel mit Bezug zu Wien um 1900. Es beschäftigt sich auf spielerische Art mit der Ungleichstellung zwischen den Geschlechtern und der Darstellung des Frauenbildes, welche sich durchaus auch noch auf die heutige Zeit übertragen lässt. In 10 Szenen erläutert Schnitzler die Frauenbilder, Emanzipation, Misogynie sowie die Unterschiede und Ähnlichkeiten der Gesellschaftsklassen. Es begegnen sich unterschiedliche Charaktere, vollziehen den Geschlechtsakt, trennen sich und treffen in der weiteren Szene auf einen neuen Partner/eine neue Partnerin. Der Reigen ist ein nie endender Kreis. Das Theaterstück war 1903 ein gewaltiger Skandal und konnte erst 1920 in Berlin wiederaufgeführt werden.

Mit der gezielten Wahl nur die aussagekräftigen Teile des Dialoges vor und nach dem Geschlechtsakt werden die Gemeinsamkeiten jeder Szene deutlich. Die Gesellschaftsklassen verschwinden und nur der Mensch bleibt. Nicht nur die Personen verbinden die Szenen, auch das Verhalten zwischen Mann und Frau ändert sich nur selten. Die anfängliche Abneigung der Frau wechselt zur Anhänglichkeit und die Erregung des Mannes zu kalter Ablehnung.