Stehsatz

Media Design: MD.H München. Bachelorarbeit von Sakuya Miesczalok
Bachelorarbeit: Sakuya Miesczalok
Ein Insiderblick auf den ästhetischen Kontrast zwischen Japan und Deutschland

Ich bin Japanerin und Deutsche, aufgewachsen in Hong Kong. Als solche stoße ich in Deutschland auf Verwunderung, weil ich akzentfrei Deutsch spreche, aber nicht deutsch »aussehe«, in Japan, weil »für einen Ausländer« sehr gut Japanisch spreche. Dies ist die typische Erfahrung derer, die im Schmelztiegel Hongkong aufgewachsen sind und verschiedene Wurzeln in sich vereinen, ob nun japanisch-deutsch, thailändisch-britisch, französisch-philippinisch oder auch ganz anderer Art. Gemein ist uns, daß wir in keinem Land der besagten Wurzeln gänzlich akzeptiert sind, und doch einen Stolz ob unserer jeweiligen kulturellen Eigenart und ihrer Gründe entwickelten.

Das ist es, was ich mit meiner Bachelorarbeit vertiefen möchte: ich möchte meine beiden Nationalitäten trennen und wieder zusammenbringen — und schließlich zeigen, wie ich die japanische ebenso wie die deutsche Kultur verkörpere.

In diesem Sinne habe ich eine Serie von Postern entwickelt, die eine bestimmte Ästhetik beider Kulturen vereint. In langen Gedankengängen habe ich die Vielfalt an Bildern, Eindrücken, Assoziationen, Erinnerungen, die mich als »Kulturträgerin« wie auch als Individuum ausmachen, wirken lassen. Auf diese Weise sind Poster entstanden, die meine Kulturen, aber auch mich selbst repräsentieren.

Redaktion: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Josephin Oschmann

Für die Aufgabe der Visualisierung von Aggregatzuständen (sowie deren Übergänge) wählte Josephin Oschmann kunstvolle Fadenverspannungen, in den Farben Schwarz und Weiß. Dabei steht Weiß für Wärme und Schwarz für Kälte.

Die primären Grundformen und ihre Auflösung dienen zur weiteren Kategorisierung der Aggregatzustände Schmelzen, Erstarren, Verdampfen, Kondensieren, Sublimieren und Resublimieren. So steht das  Quadrat für Stabilität und Festigkeit, der Kreis für dynamische fortwährende Bewegungszustände, das Dreieck in seiner stabilen, andererseits aber auch dynamischen Pfeilform für weniger greifbare Zustände.

Als Beispiel: Der Zustand des Verdampfens (flüssig zu gasförmig) ist geprägt von thermischer Energie. Die Basis des Objektes bildet folglich ein weißes Quadrat, auf dem sich ein schwarzer Kreis befindet. Dieser besteht im Inneren aus einer Wabenstruktur. Da sich der Zustand im Übergang befindet löst sich die Struktur langsam auf.

Entstanden ist eine Serie von sechs gleich großen Objekten, von denen jedes für sich einen besonderen ästhetischen Charme besitzt.

Fotos: Josephin Oschmann
Editorial Design (3. Semester): Laura Di Vita
Unikatbuch – Sind wir nicht Menschen?

Laura di Vita nahm sich für ihr Unikatbuch der Kurzgeschichte »Sind wir nicht Menschen?« von T.C. Boyle an, eine Geschichte über Genmanipulation. Das Buch ist gestaltet in der Art von wissenschaftlich wirkenden Unterlagen aus einem Labor. Neben der Kurzgeschichte selbst findet sich eine kleine Einleitung in die Themen Gentechnik, Genmanipulation und Designer-Babys. Ein regelmäßiges Gestaltungselement sind Wortraster, die Gen-Sequenzierungen widerspiegeln.

Als Akzentfarbe wurde die Farbe grün gewählt, die die Atmosphäre von Chemie und Künstlichkeit einer Laborumgebung evozieren. Am Ende des Buches ist ein Zertifikat eingefügt, das die erfolgreiche Zusammenstellung des Wunschkindes dokumentiert. Die Informationen darauf sind der Kurzgeschichte entnommen und spannen so einen Bogen zwischen Buch und Text. Ein neongrüner Umschlag, eine allgemeine Benutzungsordnung als Verpackung samt Info-Label verweisen auf die (vermeintliche) Praxistauglichkeit und Machbarkeitsphantasien, die gern mit Gentechnik verbunden werden, und runden das außergewöhnliche Buch ab.

Fotos und Redaktion: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Mona Kerntke

Aufgabe war es, den Song »Oh, Sinner Man!« von »Nina & Frederik« zu visualisieren. Markant an dieser Interpretation des traditionellen Liedes ist die tiefe, dunkle Männerstimme in den ruhigen Liedabschnitten. Zusammen mit dem hellen, begleitenden Gesang evoziert der Song Mystisches. Die schnellen und rhythmischen Passagen in Kombination mit dem Text — die sich immer wiederholende Frage »Oh Sinner Man, where you gonna run to?« — verdeutlichen die verzweifelte, hoffnungslose Suche nach Schutz vor der göttlichen, den Sünder strafenden Gerechtigkeit.

Ich habe den Kreis daher als Hauptelement der ruhigen Abschnitte gewählt. Als weich wirkende Form spiegelt der Kreis diese Ruhe wider. Zudem steht der Kreis symbolhaft für das Wiederkehren, auch das Wieder-eingeholt-werden von vergangenen Taten. Rhythmuselemente finden sich als eine Aneinanderreihung von kleinen Kreisen dargestellt. Forcierte Gesangspassagen sind durch unterschiedlich breite, horizontale Rechtecke repräsentiert. Anordnung und rechteckige Form vermitteln die abgehackte Wirkung.

Farblich finden sich die instrumentalen Aspekte sowie der männliche Gesang in blauen Tönen wieder, einem dunklen Marineblau bis hin zu Himmelblau. Im Kontrast dazu steht der helle Soprangesang. Um diesen Kontrast darzustellen, habe ich zur Komplementärfarbe Orange gegriffen.

Zu jedem der vier Teilabschnitte des Liedes habe ich ein DIN A3 Plakat gestaltet. Durch Aneinanderreihung der Plakate auf schwarzem Karton entsteht eine vierseitige Reihe und somit das Gesamtbild der Visualisierung von »Oh, Sinner Man«.

Fotos: Mona Kerntke, Redaktion: Sybille Schmitz
Editorial Design (3. Semester): Nikol Stancheva, Anna-Maria Lebedew und Verena Sedlmeir

»SLINE« ist der Name des  englischsprachigen Magazins, das sich dem Medium widmet, das das klassische Fernsehen abgelöst hat: dem Streaming von Serien. Die Wortneuschöpfung Sline leitet sich ab von dem englischen Begriff Streamline.

Streaming hat sich in nur einem Jahrzehnt massiv verbreitet, es ist für die jüngere Generation das, was Fernsehen bislang war – aus guten Gründen: Fernsehen on-demand kommt den modernen Lebenswelten, die zeitlich diffuser sind, entgegen. Zudem haben Serien wie »Breaking Bad« in vielerlei Hinsicht ein Niveau erreicht, das durchschnittliche, ja selbst gehobene TV-Produktionen weit hinter sich lässt. Auch das konsumieren von fiktionaler Unterhaltung in übersichtlichen Häppchen einerseits und andererseits für längere, verläßliche Zeiträume entspricht heutigen Bedürfnissen. So ist es nur folgerichtig, sich dem breiten und hochwertigen Angebot auf inhaltlich sorgfältige Weise zu widmen. Das Magazin Sline zielt darauf ab, den Leser umfassend über die ganze Bandbreite verschiedenster Serien zu informieren.

Das einzigartige Merkmal hierfür stellt der illustrative Teil des studentischen Magazins dar. Die jeweiligen Bilder respektive Fotos wurden jeweils digital überzeichnet, jede Serie erhält dabei ihre eigene Note. Darüberhinaus werden Hintergründe der Streaming- und Serienszene journalistisch aufbereitet, wie im vorliegenden Netflix-Special der Werdegang von Netflix, inklusive eines Interviews mit dem CEO.

Fotos: Anna-Maria Lebedew
Editorial Design (3. Semester): Sarah Janson, Larissa Laurentzi, Verena Schneider

»Capture and connect techno design around the world« lautet der Slogan unseres Designmagazins 140bpm. Der Name, ausgesprochen 140 beats per minute, ergibt sich aus der Anzahl an Schlägen pro Minute, ab der es sich um Techno handelt.

Techno und Design haben mehr Gemeinsamkeiten, als man zunächst vermuten könnte. Trotzdem findet sich die Verknüpfung beider Sphären im Magazinbereich bislang nicht. Unser Magazin ist breit gefächert, es befasst sich mit Architektur, Kunst, Stage Design und Fotografie. Auch Covergestaltung, Corporate Designs und Branding dürfen in einem Designmagazin selbstverständlich nicht fehlen. Besonders interessant sind die kulturellen und sozialen Themen, die im Magazin beleuchtet werden: Die Inszenierung von Nacktheit in der Technoszene, der Lebensstil rund um das Berghain Berlin und auch die Loveparade finden ihren Platz. Ein rundum spannendes Magazin, das die Technoszene widerspiegelt. Man tritt ein in eine Welt voller Raves und Kunstfell-Imitat. Und kann dabei anspruchsvolle, ästhetische Designs genießen.

Fotos: Sarah Janson, Redaktion: Sybille Schmitz
Bachelorarbeit: Antonia Aschenbrenner

Max Frisch beschreibt in seinem Tagebuch, dass man das Eigentliche, das Unsagbare bestenfalls umschreiben kann. Von jedem Gedanken bleibt ein Teil, der nicht gesagt, der nicht in Worte gefasst werden kann. Man kann lediglich versuchen, so nah wie möglich an das eigentlich Gemeinte, dass Unsagbare heranzukommen.

Sprache, wie auch der textliche Ausdruck, ist immer stark an den jeweiligen Sprecher respektive Verfasser gebunden. Bei der Decodierung von Nachrichten kann es daher zu Missverständnissen durch Fehlinterpretation kommen. Im Geschriebenen, im Gegensatz zum Gesprochenen, haben wir außerdem keine Person gegenüber, die das, was sie in Worte packt, durch ihre Haltung, Mimik und Gestik oder durch die Betonung und Tonalität der Stimme verstärkt und deutbar macht. Wir sind in gewisser Weise Opfer unserer eigenen Interpretation.

Ausgehend davon versteht sich diese Bachelorarbeit als ein Versuch, durch die Kombination aus Text und dessen visueller Kennzeichnung so nah wie möglich an das Gesagte heranzukommen.

Hierzu wurde ein System zur Kennzeichnung entwickelt, welches sich auf jeden schriftlich festgehaltenen Text anwenden lässt. Dieses kennzeichnet, welchen emotionalen Beiklang eine schriftliche Information hat. Dabei geben diese Kennzeichnungen schon während des Lesens Auskunft über die Stimmungslage des Textes, anders als beispielsweise »Emojis«, welche die emotionale Konnotation erst am Ende eines Satzes ersichtlich machen.

Fotos: Antonia Aschenbrenner, Redaktion: Sybille Schmitz
Typografie (1. Semester): Sofia Mari
Laut und Leise – Lebende Satzzeichen

Aufgabe war es, mit rein typografischen Mitteln das Begriffspaar »laut« und »leise« darzustellen. Sofia Marie, Studentin aus dem ersten Semester, hat diese Aufgabe geistreich und unkonventionell umgesetzt.

Als Ausgangspunkt nahm Sofia Mari fünf gleich große Bücher, deren Inhalt völlig unmaßgeblich war und die in ihrer äußeren Form als reines Material dienten. Aus ihnen faltete, bog und wand sie verschiedene Satzzeichen – Punkt, Semikolon, Auslassungszeichen, Ausrufezeichen und Fragezeichen.

Normalerweise hört man die Interpunktion beim Vorlesen nicht. Man erkennt das jeweilige Satzzeichen nur anhand der Intonation, wenn beispielsweise die Stimme am Satzende gehoben wird und auf ein Fragezeichen schließen lässt.

Dadurch, dass sich die einzelnen Satzzeichen gefaltet finden und so optisch ins Auge fallen, wird die sonst leise, unscheinbare Interpunktion laut, auffällig. Der Inhalt der Bücher, die zahllosen Sätze, die sonst laut, vernehmbar gelesen werden, treten in den Hintergrund. Demnach sind sie leise, wie es einem Mengentext geziemt.

Fotos: Sofia Mari, Readaktion: Sybille Schmitz
Typografie im Raum (3.Semester): Katharina Lutz

Im Rahmen der Aufgabe Schrift im Raum, diesmal zum Thema Freiheit, inszenierte Katharina Lutz den Begriff Individuum.

Die aus Ytong-Stein herausgearbeiteten Lettern stehen zunächst stabil, mächtig und unverrückbar im Raum. Jeder Mensch, jedes soziale Lebewesen ist jedoch äußeren Einflüssen ausgesetzt, Zwängen, es erleidet und erduldet Schicksalsschläge, erodiert im Laufe einer Lebensspanne bei Wind und Wetter, ja richtet sich womöglich auch selbst zugrunde. Auch wenn es hoffentlich nicht gebrochen wird, so trägt es Schrammen davon und Beulen.

Entsprechend zeigen die imposanten Fotografien die Lettern nach und nach angekratzt, gekippt, durcheinandergebracht und mit der Zeit als (Wort) Individuum kaum noch zu erkennen.

Diese greifbar-griffige Typografie ist von schlichter – und gerade deswegen starker – Symbolhaftigkeit.

Fotos: Katharina Lutz
Visualisierung (1. Semester): Lisa Sophie Rid
»Stadt anders sehen«
Im Erstsemesterkurs »Visualisierung« nahm sich Lisa Sophie Rid des Themas
»Stadt anders sehen« an, indem sie 2D-Grafiken in der Art von Übersichtskarten entwarf – schematisch, abstrahiert, die Farbgebung einer Lesbarkeit oder auch einer Systematik untergeordnet.

Die Einöde ist dabei in ruhigen Farben gehalten, der Ruhe/der Eintönigkeit dieser Siedlungsart entsprechend. Das Gehöft wiederum ist etwas umfangreicher, dennoch überschaubar und in Brauntönen dargestellt, was die direkte Wirtschaftsweise mit und von der umgebenden Natur unterstreicht.

Das Dorf ist schon weiter verzweigt, hier sind Zentrum und Ausfallstraßen erkennbar sowie Teilbereiche einer dörflichen Gemeinschaft auszumachen. Insgesamt ist es noch überschau- und memorierbar.

Die Stadt hingegen ist bereits unübersichtlich, Details sind für den Betrachter, die Betrachterin als solche herauszuschälen. Viele Bereiche von eigener Charakteristik lassen auf komplexere Wirtschaftsweisen und unterschiedliche Nutzung schließen. Die Farbtöne sind allesamt Rottöne, sie symbolisieren Energie, Lebhaftigkeit, Kraft und Impulsivität — aber auch Hektik und Lärm.

Die Megastadt schließlich visualisiert Städte, die gemeinhin eine sehr hohe Bevölkerung (mehr als 10 Millionen Einwohner sind ein gängiges Kriterium) haben, ausufernd wie dicht bebaut sind und in der gewachsene Strukturen verloren gegangen sind in Richtung einer völligen Unübersichtlichkeit. Ein »Genius loci« ist hier nicht erkennbar, eine greifbare Charakteristik, geografisch oder auch sozial, ist nicht mehr zu eruieren, was sich in der unsystematischen Vielfalt der Farben wiederfindet.

Lisa Sophie Rid hat hier ein — im besten Sinne — denkbar einfaches Prinzip aufgegriffen und eindrücklich umgesetzt. Herausgekommen ist eine wahrlich prägnante Visualisierung.