Stehsatz

Mediadesign Hochschule München
Editorial Design (4. Semester): Jochen Schuster

Bei dem Magazin mit dem Titel »artworld« handelt es sich um ein Kunstmagazin, das  die Themen »gender«, »race« und »postcolonialism« verhandelt. Dieses Magazin möchte wehtun und ist selbst dabei außerordentlich zornig.

Dies wirkt sich auf die Typografie aus: die verwendeten Schriften (Schadow fett; Attribut black, eine Monospaced, und für die Marginalien die Akzidenz Grotesk) sind bis zur optischen Schmerzgrenze unterschnitten, was einen sehr geringen Zeilenabstand zur Folge hat. Etwas unkomfortabel zu lesen, aber genau das war beabsichtigt – die Leserinnen* sollen den Widrigkeiten der Menschen nachspüren, über deren Leben und Arbeiten in diesem Magazin geschrieben wird. 
Die Seiten sind durchgehend farbig, sie stellen die Welt als etwas »Buntes« dar  – ähnlich der »Pride Flag«. Dass das Lesen dadurch noch ein wenig erschwert wird, ist also durchaus Absicht (siehe oben).

Fotos: Tim Kubitz, Jochen Schuster
Stehsatz–Fundamente

Schrift und Typografie befinden sich im digitalen Wandel – sind dynamisch, elastisch, emotional, fluid, kinetisch, seriell, temporal sowie vieldimensional anwendbar – und das in allen Medien. Augmented und Virtual Reality, sensorgesteuerte Geräte und Bildschirmoberflächen können ohne gute Typo­grafie nicht auskommen. Auch das gute Buch – reactive oder im klassischen Gewand – ist kaum wegzudenken. Die Technik offenbart eine Vielzahl an Möglichkeiten. Herausforderung bleibt es nach wie vor, diese sinnvoll und nicht inflationär zu nutzen, kontextbezogen und konzeptionell durchdacht einzusetzen – gute gestalterische Fundamente zu stärken, bewährte Grundlagen in den wesentlichen Gestaltungsdisziplinen zu untermauern.

Stehsatz #5 beschäftigt sich mit ebendiesem Span­nungsfeld aus Tradition und Moderne, hat Studio Dumbar in Rotterdam, Commercial Type und Studio Isometric in New York interviewt. Die Bachelorarbeit von Sofia Gronard beschäftigt sich mit der Zukunft der Sprache, Lucas Wurzacher lässt individuelle, virtuelle Resonanzräume entstehen.

In der Rubrik Druck und Papier wird neben kunstvollen internationalen Papierartefakten – zu sehen auf Global Paper 4 – dem Begriff Papierkunst nachgespürt, Upcycling im kreativen Hochdruck gezeigt sowie auf der Messe KreativArt vorgestellt.

Ein Reisetipp, ein Bauhaus Special, anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 sowie ein ausführlicher Showroom mit den Rubriken Visualisierung, Edito­rial Design, Experimentelle Typografie und Kalli­grafie komplettieren das Magazin.

Die 5. Ausgabe liegt vor mir und hinter mir eine lange Zeit des Bangens um deren Realisation. An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei unseren Anzeigenpartnern (Naturheilpraxis Adamietz, Mediadesign Akademie für Aus- und Weiterbildung GmbH, richtungspfeil.de, Serviceplan, Typographische Gesellschaft München e.V.) bedanken, ohne die unser Stehsatz-Magazin in diesem Jahr nicht gedruckt hätte werden können.

Fotos: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Sarah Huber

Sarah Huber faltet in ihrer Visualisierung des Themas »Stadt anders sehen« Papierobjekte mit typografischen Texten. Ein weißes Quadrat bildet den Rahmen für jedes Objekt und umschließt die schwarze Grundfläche der Besiedlung.

So ist die Einöde, an den russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch erinnernd, ein schwarzes Quadrat. Das Gehöft wird durch ein kleines dreidimensionales Papierdreieck repräsentiert. Das Dorf, die Stadt und schließlich die Metropole nehmen sowohl an Komplexität und als auch typografischer Vielfalt zu.

Entstanden sind so fünf Objekte, die sich aus einem einfachen Grundprinzip heraus organisch zu einer anschaulichen Reihe entwickeln. Hohe Abstraktion, und dabei höchst vergnüglich.

Fotos: Marina Scalese
Editorial Design (3. Semester): Antonia Aschenbrenner

Das Gefühl der Langeweile dürfte wohl jeder schon einmal erlebt haben. Sie ist unglaublich zäh, vereinnahmend und wird von den meisten Menschen als negativ wahrgenommen. Doch wenn ich an meine Oma denke, wie sie vor ihrem Hof auf einer Bank in der Sonne saß, dann sehe ich kein gelangweiltes Gesicht, sondern ein zufriedenes. Sie suchte in der Hektik des Alltages die Entspannung, wohingegen wir die kurzweilige Ablenkung suchen – etwa am Smartphone, überall und jederzeit. Wir haben es verlernt uns richtig zu langweilen, wir haben verlernt in einem Moment zu verweilen.

Im Zuge dieser Arbeit ist ein Bildband entstanden, der sich in Form von Fotografien und geschriebenem Wort mit dem Paradoxon Langeweile beschäftigt.

Fotos: Antonia Aschenbrenner
Bachelorarbeit: Marina Emeljanov
Eine Visualisierung zwischenmenschlicher energetischer Interferenzen durch Form und Farbe.

Das Energiefeld soll am Menschen und im Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen und Interaktion zweier Menschen visualisiert werden. Also eine Verbildlichung der Wechselwirkung und ihrer Interferenz zweier Energien des Menschen innerhalb einer bestehenden Beziehung.

Dies soll nicht nur durch Farbe, sondern auch durch Form und Position visuell dargestellt werden. Von eng zu oberflächlichen, von freundschaftlichen zu feindseligen, von egalitären zu hierarchischen bis aufgabenorientierten zu geselligen Beziehungen bestehen immer Wechselwirkungen einer zwischenmenschlichen Interaktion.

Die Visualisierung zeigt das Aufeinandertreffen und Agieren zweier Menschen und deren zugehörigen Energiefeldern anhand von möglichen Interferenzen. Harmonische oder disharmonische Wechselbeziehungen werden anhand der Umsetzung im Siebdruck dargestellt.

Editorial Design (3. Semester): Marina Scalese
Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und des Erhabenen

Das Thema dieser Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Immanuel Kants Analyse des Geschmacksurteils sowie mit seinem Begriff des Schönen. Ich habe dabei versucht, Balance und Wechselwirkung zwischen Lesbarkeit, Informationsvermittlung und ästhetischem Formenspiel auszuloten, und mich gleichzeitig eng an die Gliederung des Textes bzw. den Text selbst zu halten, um Kants Gedanken so unverfälscht wie möglich wiederzugeben.

Der Umgang mit der Typografie ist experimentell. Es galt herauszufinden auf welche Art und Weise Typografie dargestellt werden kann, wie sie im Einklang mit oder auch als Kontrapunkt zum Text wirkt. Typografie wird zu Grafik. Text wird zum Bild, in dem Buchstaben zu Formen verschmelzen und Wörter immer weiter abstrahiert werden, bis hin zur rein schwarzen Fläche. Auflösung bis zur Unleserlichkeit oder gar Unkenntlichkeit. Der philosophische Text über das Schöne und Erhabene verwandelt sich gewissermaßen unter den Augen des Lesers in typografische Kunst.

Fotos: Marina Scalese

 

Visualisierung (1. Semester): Julia Floth
»Boing Boom Tschak«

Bei der Musikvisualisierung habe ich mich für das Lied »Boing Boom Tschak« der Band Kraftwerk entschieden.  Hierfür baute ich – basierend auf einem der Kraftwerk-Alben – vier Figuren, die den Ausgangszustand und die Transformation durch »Boing«, »Boom« und »Tschak« darstellen.

Als Material für die Figuren dienten dünne Blechplatten, auf die die Grundrisse der Objekte übertragen wurden. Nach dem Ausschneiden und Verbiegen wurden die vier Figuren im Kreis auf ein Kraftwerk-Plattencover gesteckt, das innen mit einem zusätzlichen Karton stabilisiert wurde.

Bei »Boing« findet sich Figur kreisförmig gebogen. »Boom« zeigt eine Figur, die von innen heraus explodiert. Das »Tschak« ist durch eine in der Mitte geteilte Figur visualisiert. Für die Inszenierung bzw. Illuminierung verwendete ich kleine LED-Kugeln, die ich in die Figuren steckte. So leuchten die vier Objekte in verschiedenen Farben, die durch die metallene Oberfläche gespiegelt werden

Fotos: Julia Floth
Printprojekt (3. Semester): Sakuya Miesczalok

Depression ist medizinisch betrachtet ein sehr komplizierter Zustand, der noch nicht vollständig verstanden ist. Aus der Biologie wissen wir, dass chemische Reaktionen in unserem Körper einen großen Einfluss auf unseren seelischen Zustand haben und gewisse Ungleichgewichte zu ernsten Gefühlsschwankungen führen können. Diese beeinflussen dann unser tägliches Leben. Jeder hatte schon »depressive Phasen« und kennt den Zustand in­tensiver Traurigkeit. Allerdings leidet nicht jeder der »depressive Phasen« hatte auch an »Depression«. Hier liegt oft ein Missverständnis, das ich für ein ernstzunehmendes Problem halte. Viele glauben fälschlicherweise aus extremer Traurigkeit eine Diagnose von Depression ableiten zu können. Die Unterscheidung zwischen »traurig« und »nicht traurig« greift für eine Diagnose von Depression allerdings zu kurz.

Mein Ziel ist es mit dem hier vorgelegten Poesie­büchlein ein abstrakteres Verständnis dieser Krankheit aufzuzeigen. Dies soll helfen Menschen vom Stigma der Depression zu befreien und nicht einfach »Traurigkeit« verbildlichen. Ich habe einige medizinische Expertenmeinungen zur Krankheit und verschiedene Theorien zur möglichen Heilung herausgesucht,  vor allem um den Leser daran zu erinnern, dass Depression keine gewöhnliche Krankheit ist. Opfer erleben jeden Tag die Schwierigkeit erklären zu müssen, was mit ihnen geschieht und schaffen es nicht ihren Zustand präzise zu beschreiben. Ich will mit diesem Heft außerdem zum Verständnis beitragen, dass das Studium der gängigen Literatur zum Thema nur ein Aspekt ist um einem Betroffenen zu helfen und dass Zuhören eine ebenso wichtige Rolle spielt. Mit meiner typografischen Arbeit versuche ich, dieser Komplexität Ausdruck zu verleihen.

Fotos: Sakuya Miesczalok
Typografie (1. Semester): Ines Schäffer
Licht und Schatten – Papierarbeit

Der gegebene Begriff »Laut«, der mit seinem Gegenpol »Leise« den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet, steht für etwas auffälliges, starkes, er drängt sich stets in den Vordergrund und füllt den Raum, so wie das Licht. »Leise« hingegen verbinde ich mit etwas ruhigem, unauffälligem, das sich der klaren Wahrnehmung entzieht, wie das Dunkle, wie der Schatten. Diese Gedanken haben mich auf die Idee gebracht, dieses Gegensatzpaar mit den Elementen Licht und Schatten umzusetzen.

Ich nahm schwarze Pappe und schnitt das Wort »Licht« hinein, als Negativ. Dann stellte ich eine Lichtquelle dahinter um die Schrift zum leuchten zu bringen. Das Licht wirft durch die Schablone den Begriff »Laut« an die Wand. Das Wort ist in Majuskeln gesetzt, um es typografisch zu unterstreichen.

Beim »Leise« hingegen schnitt ich mehrfach das Wort »Schatten« in Minuskeln hinein, auf die Pappe bezogen positiv – d.h. ich schnitt Punzen und Gegenräume heraus. Die Lichtquelle projiziert somit den Begriff »Schatten« als Schatten. Der Betrachter muß also, der eingangs erwähnten Bedeutung des Wortes Leise entsprechend, aus dem Schattenteppich das Wort aufmerksam entziffern.

Fotos: Ines Schäffer
Visualisierung (1. Semester): Mirjam Domes
Objektlösung zum Thema Ebbe und Flut

Die Gezeiten »Ebbe und Flut« sind ein beeindruckendes Naturschauspiel, das es in einer Objektlösung zu visualisieren galt. Ich habe dabei ein Modell aus zehn bläulichen Plexiglas-Platten konzipiert. Neun der Platten sind dabei wellenförmig gefertigt und weisen ein goldenes Schnittverhältnis auf. Die zehnte Platte, die den Grund und damit den  feuchten Sand des Meeresgrundes symbolisieren soll, wurde ganz, also rechteckig belassen.

Das ungewöhnlich längliche Format soll zusammen mit der grafischen Wellenformation die Kraft und Dynamik der Wasserfluten verdeutlichen. Das Modell selbst besteht aus matten und spiegelnden Elementen, die den Gegensatz zwischen Ebbe und Flut optisch unterstreichen.

Fotos: Caro Dentler, Mirjam Domes