Stehsatz

Internationale Papierkunst Triennale
Papier Global 4

Papier, das
Substantiv, Neutrum

  1. aus Pflanzenfasern [mit Stoff- und Papierresten] durch Verfilzen und Verleimen hergestelltes, zu einer dünnen, glatten Schicht gepresstes Material, das vorwiegend zum Beschreiben und Bedrucken oder zum Verpacken gebraucht wird
  2. Schriftstück, Aufzeichnung, schriftlich niedergelegter Entwurf, Brief, Aufsatz, Vertrag o. Ä.
  3. Ausweis, Personaldokument
  4. (Finanzwesen) Wertpapier; Abkürzung

 
Papierabfall, Papierabzug, Papierarbeit, papierartig, Papierbahn, Papierband, Papierblock, Papierblume, Papierbogen, Papierbrei, Papierdeutsch, papierdünn, Papiereinzug, papieren, Papierfabrik, Papierfabrikation, Papierfetzen, Papierflieger, Papierform, Papierformat, Papiergarn, Papiergeld, Papiergeschäft, Papiergewicht, Papiergewichtler, Papiergewichtlerin, Papierhandtuch, Papierhersteller, Papierherstellerin, Papierherstellung, Papierindustrie, Papierkorb, Papierkragen, Papierkram, Papierkrieg, Papierlaterne, papierlos, Papiermanschette, Papiermaschee, Papiermesser, Papiermühle, Papierrolle, Papiersack, Papierschere, Papierschiffchen, Papierschlange, Papierschnipsel, Papierschnitzel, Papierserviette, Papierstapel, Papierstau, Papierstreifen, Papiertaschentuch, Papiertiger, Papiertonne, Papiertuch, Papiertüte, Papier verarbeitend, Papierverarbeitung, Papierwährung, Papierwaren, Papierwarenhandlung, Papierwindel, Papierwolf, Papierwolle;

Von Papierkunst hat der Duden jedoch noch nichts gehört, deshalb sei den Verantwortlichen ein Besuch der nun bereits zum vierten Mal stattfindenden internationalen Papierkunst Triennale in Deggendorf empfohlen. Auf der »Papier Global 4« zeigen noch bis zum 7. Oktober 94 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt (von Deutschland und Österreich bis Japan, Kolumbien und dem Iran), was sie mit dem Material Papier so alles anstellen können. Papier ist nämlich mehr als weiß und rechteckig: kleine kofferartige Figuren aus Seidenpapier, ein meterlanges »Steintagebuch«, Collagen aus zerhäckselten und kunstvoll neu arrangierten Büchern, dreidimensionale QR-Code Bilder, ein Stück falscher Rasen aus Papier, Blüten-»blätter«, anspruchsvollste Scherenschnittarbeiten und metergroße Plastiken aus Karton. Ein Besuch lohnt sich! Die Vielfalt der in Stadt- und Handwerksmuseum ausgestellten Kunstwerke ist beeindruckend und dürfte nicht nur für angehende Mediadesigner, die sich mit ersten Visualisierungen auseinandersetzen müssen, von großem Interesse sein.

Jahreszeiten mit Logoqualitäten
Visualisierung 1. Semester: Silvia Jarosch

Die Visualisierung der vier Jahreszeiten meiner Arbeit findet sich extrem reduziert auf Kreisformen, alle konzentrisch und lediglich schwarz-weiß. Der Kreis an sich verweist auf den Jahreszyklus, die ineinandergreifenden Kreisformen auf den Charakter der jeweiligen Phase darin. Naheliegend ist die Helligkeit (respektive Dunkelheit), die Stimmung repräsentiert. Das lebhafte Durcheinander, die Positionierung oben und/oder unten etwa verweisen ebenfalls auf jahreszeitliche Grundeigenschaften. Ein insgesamt äußerst radikaler Ansatz, der im Ergebnis die Visualisierung einer Jahreszeit in das strenge Korsett eines Logos überträgt.

Visualisierung 1. Semester: Katharina Krepil
Visualisierung der vier Jahreszeiten

Der Ansatz dieser Arbeit ist es, eine abstrakte Darstellung der Jahreszeiten durch die Palette der jeweiligen Farben, der jeweiligen Farbtupfer der Landschaft in ihrer jahreszeitlich typischen Kombination zu erreichen. Um diese Farbigkeit nun klar wiederzugeben, ohne die Natur eins zu eins abzubilden, ist die Idee entstanden, Fotos zu verwenden, die den Charakter der Jahreszeit beinhalten und aus diesen Papierperlen zu rollen. Die Perlen nehmen so die Farbe, aber nicht die Form der Landschaft an. Eine ästhetische Anordnung der Perlen, welche gleichzeitig noch das Motto »Vier Jahreszeiten« widerspiegelt, ermöglicht der Abakus. Jener besitzt vier, für die vier Jahreszeiten stehende, gleiche Seiten und vier Streben, auf die die Perlen aufgezogen werden. Ein geometrisch ordnender, den steten Lauf der Natur bzw. der Gestirne unterteilender, gewissermassen unnatürlicher Rahmen für die natürliche, diffus vielfältige und doch typische Farbenpalette des Winters, Frühjahrs, Sommers und Herbstes.

Um dem Thema haptisch und was die Anmutung betrifft möglichst nahe zu kommen, werden Materialien natürlichen Ursprungs verwendet: Holz, Papier und Metall. Der Rahmen besteht dabei ganz klassisch aus Holz, die Stangen aus Metall und die Perlen werden aus bedrucktem Papier gefertigt. Ein Abakus besitzt 44 Perlen, alle zusammengenommen 176 Perlen.

Autor: Katharina Krepil
Fotos: Veronika Disl

Mia Stevanovic
»Old Flame« – papierene Schwere und erdfarbene Melancholie

Der Song »Old Flame« von Arcade Fire handelt von der Zerrissenheit der Gefühle, vom schwermütigen Verharren im Unwiederbringlichen. Ein unvermeidlicher Abschied, der begonnen hat und doch nicht gelingen will, mit tragischen Folgen – ähnlich einer Motte, die nicht von der Flamme lassen kann, obwohl diese ihr sicheres Ende bedeutet.

Die Papierarbeit von Mia Stevanovic arbeitet mit assoziativen Bildern, etwa dem Bild einer Höhle, einem schier nicht enden wollenden Tunnel, einem Weg voller Hindernisse. Die warmen Rot- und Brauntöne transportieren Wärme, emotionale Tiefe, vermitteln jedoch auch Wehmut, wie die letzten Sonnenstrahlen eines endenden, unbeschwerten Tages im Spätsommer.

Die Visualisierung von »Old Flame« besteht aus farbigem Papier und wurde komponiert aus einer Vielzahl einzelner, komplett von Hand geschnittener Elemente.