Stehsatz

Papierobjekte mit typografischen Texten
Visualisierung (1. Semester): Sarah Huber

Sarah Huber faltet in ihrer Visualisierung des Themas »Stadt anders sehen« Papierobjekte mit typografischen Texten. Ein weißes Quadrat bildet den Rahmen für jedes Objekt und umschließt die schwarze Grundfläche der Besiedlung.

So ist die Einöde, an den russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch erinnernd, ein schwarzes Quadrat. Das Gehöft wird durch ein kleines dreidimensionales Papierdreieck repräsentiert. Das Dorf, die Stadt und schließlich die Metropole nehmen sowohl an Komplexität und als auch typografischer Vielfalt zu.

Entstanden sind so fünf Objekte, die sich aus einem einfachen Grundprinzip heraus organisch zu einer anschaulichen Reihe entwickeln. Hohe Abstraktion, und dabei höchst vergnüglich.

Fotos: Marina Scalese
Musikvisualisierung (1. Semester): Verena Manhart

Debussys Klavierstück vermittelt ein Schweben der Klänge, ein Auf und Ab der Töne und eine Leichtigkeit im Fluss der Melodie. »Claire De Lune« kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt »Mondschein«. Um diese strahlende und schwebende Stimmung, assoziiert mit dem sanften und beständigen Licht des Mondes, untermalt von der Leichtigkeit der Melodie bildlich darzustellen, habe ich eine Art Vorhang aus papierenen Schleifen gewoben. Diese Schleifen, leicht und nahezu schwerelos wie Federn, sind ganz in Weiß gehalten, um die Reinheit und Unschuld der Klavierklänge und das Licht des Mondes symbolisch wiederzugeben.

Für meine Visualisierung habe ich zwei Takte des Stücks gewählt, die für mich ein Metabild erzeugen.

Für jede Note steht eine Nylonschnur mit je acht Schleifen, in Anlehnung an eine musikalische Oktave. Die Länge der Fäden richtet sich nach der Tonhöhe. Je tiefer der Ton, desto länger der Faden und umgekehrt. Das Objekt besteht aus sieben hintereinanderliegenden Reihen. Eine Schnur steht in diesem Fall für die Tonlänge ein Sechzehntel. Die Taktart des Stückes ist mit 18/16 festgelegt, woraus sich eine Reihe mit 18 Schnüren ergibt.

Visualisierung (1. Semester): Ingrid Trojer

Die Aufgabe »Stadt anders sehen« beinhaltet die Visualisierung der räumlichen Zusammenhänge Einöde, Gehöft, Dorf, Stadt, Megacity/Metropole in Objektform.

Es sind 5 einzelne Objekte – ausgehend von einer Kubusform – entstanden, die das jeweilige Charakteristikum illustrieren. So zeichnet sich die Einöde durch das Fehlen von Siedlungselementen aus. An dem Kubus selbst befindet sich nur ein karger Baum, das Gehöft hingehen enthält erste abstrakte Siedlungselemente. Im starkem Kontrast dazu steht am Ende die enorm facettenreiche Megacity (unter Megacity werden Städte verstanden, die 10 Millionen oder mehr Einwohner beherbergen).

Die Farbgebung entwickelte sich individuell durch das Schreddern und Neuanordnen von Fotos der jeweiligen Wohnstrukturen. Die Farben, die sich daraus ergeben, wirken im Gesamtbild paradoxerweise fast einheitlich.

Die in Reihe gestellten Modelle zeigen in der Abfolge die Weiterentwicklung oder Metamorphose der einzelnen Zustände, von der Einöde zur Metropole.

Fotos: Marina Scalese
Visualisierung (1. Semester): Verena Manhart
Die sieben Todsünden

Ende des 4. Jahrhunderts wurden die sieben Todsünden das erste Mal von Euagrios Pontikos benannt. Bekannt sind sie uns vor allem durch die katholische Kirche, laut der wir durch deren bewusste Auslebung den Kontakt zu uns selbst und zu Gott verlieren. Die Charaktereigenschaften, die die katholische Kirche als Todsünden bezeichnet sind laut historischer Reihenfolge: Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit.

Für die Visualisierung habe ich die Seiten jeweils sieben identischer Bücher so gefaltet, dass deren Frontalansicht im leicht geöffneten Zustand je eine Todsünde darstellt.

Für den Hochmut steht ein nach oben zeigendes, gleichschenkliges Dreieck. Es vermittelt das Streben nach oben und zeigt, wie der hochmütige Mensch sich selbst über allen anderen, also an der Spitze sieht. Habgier äußert sich in unersättlichem Verlangen nach Besitz. Hierfür steht eine von links unten nach rechts oben laufende Gerade, da Geraden, laut geltenden mathematischen Gesetzen, grundsätzlich in die Unendlichkeit steigen. Der Kreis steht in diesem Fall für die Wollust, die unter anderem durch einen Teufelskreis der Lust beschrieben werden kann. Zorn ist in der Regel kein Gefühl, das unentwegt vorliegt, sondern sich in unterschiedlich starken Wutausbrüchen äußert. Aus dem Aneinanderreihen verschieden hoher Rauten resultiert ein Zackenmuster. Mit dem Wort Völlerei verbindet man exorbitanten Konsum von Lebensmitteln oder Alkohol. Auf jenen folgt meistens ein starkes Unwohlsein, welches in dem Versuch mündet, die psychische Verfassung durch Frustessen und Betrinken zu bessern. Dieses stete Auf und Ab wird durch eine Sinuskurve dargestellt. Neid nimmt dem Geist die Fähigkeit sich richtig zu entfalten. Durch die zusammengedrückt wirkende Raute wird diese Einschränkung optisch vermittelt. Die letzte der Todsünden ist die Trägheit. Diese wird durch die statischste Form, das Quadrat, versinnbildlicht.

Fotos: Verena Manhart
Vier Jahreszeiten – Weather Patterns
Visualisierung (1. Semester): Janina Engel

Wie kann Papier so arrangiert werden, dass allein Struktur & Haptik ein neuartiges und charakteristisches Gesamtbild ergeben?
Bei der Aufgabenstellung, die vier Jahreszeiten zu visualisieren, entschloss ich mich auf Papier zu beschränken. Durch das Übereinanderlegen unterschiedlicher geometrischer Formen aus Papier entstand eine interessante Struktur, die den Anschein hat gefaltet oder geschnitten zu sein.  Die Höhen und Tiefen sowie die Platzierung der Formen und die Lichteinwirkung ergeben unterschiedliche Schattenbilder, die eine eigene Stimmung transportieren, den Jahreszeiten entsprechend. Ziel war es, dass jede Jahreszeit für sich stehen kann, aber auch in Verbindung mit den anderen Jahreszeiten ein harmonisches und stimmiges Gesamtbild ergibt.

Der Frühling wird durch die neigende Diagonale, den Halbkreisen für die aufgehende Sonne und die positiven und negativen Dreiecke symbolisiert. Im Frühling erwacht alles Leben, eine Auferstehung nach langer Winterstarre. Der energiereiche Sommer mit seiner strahlenden Fülle wird durch spielerische Platzierung der Formen unterschiedlicher Geometrien symbolisiert. Die Sonne findet sich im Kreis wieder und wirkt so mächtig über das gesamte Bild aus. Durch eine leichte Disharmonie der Linien und der kalt wirkenden Formen wird der Herbst symbolisiert. Das Leben zieht sich nun zurück und verzehrt die letzten Sonnestrahlen. Zu guter Letzt wird der Winter durch klare, lange Linien, negative Neigungen und der wenig harmonischen Diagonalen dargestellt. Die Eiseskälte findet sich in den spitzen, hart wirkenden Dreiecken wieder.

Good Typography is invisible – Bad Typography is everywhere
Feyza Demirören, Typografie 2. Semester

Ziel meiner Arbeit war, die beiden Aussagen für das Thema »Laut und Leise« schlicht und einfach darzustellen. Da gute Typografie bei der Bevölkerung oftmals übersehen wird, wurde der erste Satz in schwarzen Buchstaben auf schwarzem Untergrund gesetzt. Im Gegensatz kommt aber leider schlechte Typografie oft zum Einsatz und wird daher sehr stark wahrgenommen. Deswegen habe ich die untere Hälfte der Buchstaben weiß gelassen und die obere Hälfte schwarz angemalt, sodass durch die weißen Bereiche der Text stark auffällig und »laut« wird.

Fotos: Lars Reiners

Die Musikvisualisierung von Daniel Krategl – der Titelsong aus Tarantinos Rachewestern in vielen hundert Röllchen.

Aus einigen Schritten Entfernung betrachtet zeigt die Arbeit einen blutroten Fußabdruck innerhalb eines weißen, besser baumwollfarbenen Feldes. Der Abdruck selbst steht für den Protagonisten des Films, der zu Anfang in Ketten gelegt, barfuß, gedemütigt und gequält vom Sklavenhändler geschunden wird.

Aus der Nähe betrachtet wird dem Auge die Zusammensetzung aus einer Unmenge an kleinen, eng gewickelten Papierrollen gewahr. Lässt man den Blick nicht von oben, sondern von der Seite darüber schweifen, bemerkt man, das die Rollen unterschiedliche Höhe besitzen. Es ergibt sich somit eine Art dreidimensionales Relief. Dies bildet aber nicht – wie man vermuten könnte – den Abdruck einer Fußsohle im Untergrund, sondern ein für den Zuschauer zunächst unerklärliches Muster. Die Erklärung dieses Höhenprofils findet sich im Ausgangspunkt dieser Arbeit – dem Titelsong. Jede Papierrolle, oder vielmehr deren Höhe (die sich aus der Breite des zusammengewickelten Papierstreifens ergibt) entspricht einer Tonlage innerhalb des Songs, die Höhenunterschiede entsprechen sozusagen der Tonmodulation.

Fotos: Lars Reiners


Laura Ostermeier
Mozart – ein organisch wachsendes Musikstück aus Papier

Die Grundidee meiner Musikvisualisierung war es, Wachstum in einer organischen, ineinander verwobenen, lebendigen Struktur darzustellen. Die »Auftakte« innerhalb des Stückes bilden gewissermaßen Wachstumsschübe, wobei jeder durch eine neue Papierschicht dargestellt wird. Die Arbeit baut sich aus einer  Vielzahl einzelner, Hand geschnittener Schichten auf. Jedes der fünf Instrumente findet sich in einer eigenen Papierfarbe wieder. Bei der Farbwahl entschied ich mich für warme Rot-, Orange- und Brauntöne, um die lebensfrohe und kraftvolle Stimmung zu transportieren.

Stefania Cervantes
Musikvisualisierung

Der Song »Happy« der Band »The Fryars« behandelt gesellschaftliche Mißstände der westlichen Welt unter dem Deckmantel einer fröhlichen, vielschichtigen Klangfolge.

Der Papierarbeit von Stefania Cervantes gelingt es diesem Umstand gerecht zu werden. Jedem Instrument weißt sie eine eigene Form und eine leuchtende Farbe zu. Die Komposition wirkt lebensfroh, ohne hierbei den Aspekt der Realität, den Umstand, dass alles nur oberflächlich positiv erscheinen mag, aus den Augen zu verlieren. Der schwarze Grund symbolisiert die negative Seite, die dem vermeintlich Positivem anhaftet – hier sinnbildlich durch einen schwarzen Grund dargestellt.

(Fotos: Saskia Haller von Hallerstein)

Ivonne Budig
Visualisierung von Musik – Teil 3

Eine weitere Arbeit zum Thema Musikvisualisierung (siehe Blogeinträge vom 6.9.2012 und 5.8.2012) eines »Arcade Fire«Songs stammt von Ivonne Budig.

Sie beschreitet in ihrer Arbeit einen ganz anderen Weg. Ivonne greift dabei auf klare Formen und Strukturen zurück, nicht auf Farbe. Passend zu der sehr klaren, reduzierten Herangehensweise wählt sie ein klassisches Material – weißes Papier.

Inspirationsquelle hierfür war japanische Origami- und Kirigamikunst, aber auch die Scherenschnitt-Technik. Die unterschiedlichen Ausschnitte in den Papierkuben und die damit verbundenen abwechslungsreichen Licht- und Schattenwürfe reflektieren dabei die variierende Modulation der Stimme, die Facetten des Gesanges.

Trotz bzw. gerade aufgrund der Schlichtheit des Konzeptes und der Beschränkung auf ein Material, weißes Papier, ist der Reichtum an Lichteffekten frappierend und versetzt den Betrachter nachhaltig in Erstaunen.

Die Idee funktioniert und trifft hier obendrein auf ausgezeichnetes Handwerk.