Stehsatz

Sofia Mari, Studiengang Media Design München
Typografie (1. Semester): Sofia Mari
Laut und Leise – Lebende Satzzeichen

Aufgabe war es, mit rein typografischen Mitteln das Begriffspaar »laut« und »leise« darzustellen. Sofia Marie, Studentin aus dem ersten Semester, hat diese Aufgabe geistreich und unkonventionell umgesetzt.

Als Ausgangspunkt nahm Sofia Mari fünf gleich große Bücher, deren Inhalt völlig unmaßgeblich war und die in ihrer äußeren Form als reines Material dienten. Aus ihnen faltete, bog und wand sie verschiedene Satzzeichen – Punkt, Semikolon, Auslassungszeichen, Ausrufezeichen und Fragezeichen.

Normalerweise hört man die Interpunktion beim Vorlesen nicht. Man erkennt das jeweilige Satzzeichen nur anhand der Intonation, wenn beispielsweise die Stimme am Satzende gehoben wird und auf ein Fragezeichen schließen lässt.

Dadurch, dass sich die einzelnen Satzzeichen gefaltet finden und so optisch ins Auge fallen, wird die sonst leise, unscheinbare Interpunktion laut, auffällig. Der Inhalt der Bücher, die zahllosen Sätze, die sonst laut, vernehmbar gelesen werden, treten in den Hintergrund. Demnach sind sie leise, wie es einem Mengentext geziemt.

Fotos: Sofia Mari, Readaktion: Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Verena Manhart
Die sieben Todsünden

Ende des 4. Jahrhunderts wurden die sieben Todsünden das erste Mal von Euagrios Pontikos benannt. Bekannt sind sie uns vor allem durch die katholische Kirche, laut der wir durch deren bewusste Auslebung den Kontakt zu uns selbst und zu Gott verlieren. Die Charaktereigenschaften, die die katholische Kirche als Todsünden bezeichnet sind laut historischer Reihenfolge: Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit.

Für die Visualisierung habe ich die Seiten jeweils sieben identischer Bücher so gefaltet, dass deren Frontalansicht im leicht geöffneten Zustand je eine Todsünde darstellt.

Für den Hochmut steht ein nach oben zeigendes, gleichschenkliges Dreieck. Es vermittelt das Streben nach oben und zeigt, wie der hochmütige Mensch sich selbst über allen anderen, also an der Spitze sieht. Habgier äußert sich in unersättlichem Verlangen nach Besitz. Hierfür steht eine von links unten nach rechts oben laufende Gerade, da Geraden, laut geltenden mathematischen Gesetzen, grundsätzlich in die Unendlichkeit steigen. Der Kreis steht in diesem Fall für die Wollust, die unter anderem durch einen Teufelskreis der Lust beschrieben werden kann. Zorn ist in der Regel kein Gefühl, das unentwegt vorliegt, sondern sich in unterschiedlich starken Wutausbrüchen äußert. Aus dem Aneinanderreihen verschieden hoher Rauten resultiert ein Zackenmuster. Mit dem Wort Völlerei verbindet man exorbitanten Konsum von Lebensmitteln oder Alkohol. Auf jenen folgt meistens ein starkes Unwohlsein, welches in dem Versuch mündet, die psychische Verfassung durch Frustessen und Betrinken zu bessern. Dieses stete Auf und Ab wird durch eine Sinuskurve dargestellt. Neid nimmt dem Geist die Fähigkeit sich richtig zu entfalten. Durch die zusammengedrückt wirkende Raute wird diese Einschränkung optisch vermittelt. Die letzte der Todsünden ist die Trägheit. Diese wird durch die statischste Form, das Quadrat, versinnbildlicht.

Fotos: Verena Manhart
Papier Global 4

Papier, das
Substantiv, Neutrum

  1. aus Pflanzenfasern [mit Stoff- und Papierresten] durch Verfilzen und Verleimen hergestelltes, zu einer dünnen, glatten Schicht gepresstes Material, das vorwiegend zum Beschreiben und Bedrucken oder zum Verpacken gebraucht wird
  2. Schriftstück, Aufzeichnung, schriftlich niedergelegter Entwurf, Brief, Aufsatz, Vertrag o. Ä.
  3. Ausweis, Personaldokument
  4. (Finanzwesen) Wertpapier; Abkürzung

 
Papierabfall, Papierabzug, Papierarbeit, papierartig, Papierbahn, Papierband, Papierblock, Papierblume, Papierbogen, Papierbrei, Papierdeutsch, papierdünn, Papiereinzug, papieren, Papierfabrik, Papierfabrikation, Papierfetzen, Papierflieger, Papierform, Papierformat, Papiergarn, Papiergeld, Papiergeschäft, Papiergewicht, Papiergewichtler, Papiergewichtlerin, Papierhandtuch, Papierhersteller, Papierherstellerin, Papierherstellung, Papierindustrie, Papierkorb, Papierkragen, Papierkram, Papierkrieg, Papierlaterne, papierlos, Papiermanschette, Papiermaschee, Papiermesser, Papiermühle, Papierrolle, Papiersack, Papierschere, Papierschiffchen, Papierschlange, Papierschnipsel, Papierschnitzel, Papierserviette, Papierstapel, Papierstau, Papierstreifen, Papiertaschentuch, Papiertiger, Papiertonne, Papiertuch, Papiertüte, Papier verarbeitend, Papierverarbeitung, Papierwährung, Papierwaren, Papierwarenhandlung, Papierwindel, Papierwolf, Papierwolle;

Von Papierkunst hat der Duden jedoch noch nichts gehört, deshalb sei den Verantwortlichen ein Besuch der nun bereits zum vierten Mal stattfindenden internationalen Papierkunst Triennale in Deggendorf empfohlen. Auf der »Papier Global 4« zeigen noch bis zum 7. Oktober 94 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt (von Deutschland und Österreich bis Japan, Kolumbien und dem Iran), was sie mit dem Material Papier so alles anstellen können. Papier ist nämlich mehr als weiß und rechteckig: kleine kofferartige Figuren aus Seidenpapier, ein meterlanges »Steintagebuch«, Collagen aus zerhäckselten und kunstvoll neu arrangierten Büchern, dreidimensionale QR-Code Bilder, ein Stück falscher Rasen aus Papier, Blüten-»blätter«, anspruchsvollste Scherenschnittarbeiten und metergroße Plastiken aus Karton. Ein Besuch lohnt sich! Die Vielfalt der in Stadt- und Handwerksmuseum ausgestellten Kunstwerke ist beeindruckend und dürfte nicht nur für angehende Mediadesigner, die sich mit ersten Visualisierungen auseinandersetzen müssen, von großem Interesse sein.