Stehsatz

Broschüre mit 100 Gestaltungen
Typografie (2. Semester): Ken Jatho
20 Thesen der Typografie

»Die kleinste technische Manipulation wird in der Typografie zur formalen Aussage.« Das bekannte Zitat stammt von Emil Ruder aus dem Jahre 1967. Dies mag heute, mit all den technischen Möglichkeiten und der daraus resultierenden Fülle an Schriften mehr denn je gelten.

Ken Jatho hat dieses Zitat und 19 weitere von renommierten Typografen wie Kurt Weidemann, Günter Gerhard Lange, Hans Peter Willberg u.a. in Szene gesetzt, er hat dabei Satzarten- und strukturen manipuliert, Schriften arrangiert, übereinandergesetzt – kurz: er hat freudvoll experimentiert. Funktion, Ausdruck und Form finden sich hier im Miteinander und im Gegeneinander. Entstanden ist dabei eine Broschüre mit 100 Gestaltungen.

Fotos: Sybille Schmitz
Buchprojekt Hermann Zapf
Typografie (2. Semester): Julia Floth, Christina Martin, Maria-Giulia Hiller

Das Buch von Julia, Christina und Giulia setzt sich mit dem Ausnahmetypografen Hermann Zapf  (1918–2015) auseinander. In dem unkapriziös wirkenden kleinen Taschenbuchformat verbirgt sich ein gewichtiges Wendebuch: Teil 1 ist der Person Hermann Zapf, Teil 2 einer seiner Schriften, der Optima, gewidmet.

Der gebürtige Nürnberger verfügte über keine klassische Schriftausbildung an einer Schriftschule, er machte zunächst eine Lehre als Positiv-Retuscheur. Bereits in jungen Jahren begeistert von der Schriftkunst Rudolf Kochs und Edward Johnstons erlernte Hermann Zapf die Kalligrafie als Autodidakt.

Nach dem zweiten Weltkrieg konnte Hermann Zapf schnell im internationalen Schriftgeschehen reüssieren – seine Art zu Schreiben zeichnete sich durch enormen Perfektionismus ebenso wie durch eine grundsätzliche Vielseitigkeit aus. Womöglich kam ihm hier zu Gute, dass er durch keine Schule, durch keine Tradition geprägt und beengt wurde, so dass er frische, kreative Ideen entwickeln konnte.

Hermann Zapf verfügt über ein reichhaltiges Œvre – Schriften wie etwa die Saphir, die Zapfino, die Optima und die Palatino sind auch heute noch im Gebrauch, im positiven Sinne populär. Lesbarkeit und Schriftqualität waren Zapf stets oberstes Gebot. Technischen Neuerungen stand er offen gegenüber und entwickelte im Zuge der zunehmenden Digitalisierung von Schriften und deren Satz sein hz-Programm, eines der ersten wenn nicht das erste Programm, das typografische Feinarbeit am Bildschirm ermöglicht. Dies trug wesentlich zur Verbesserung des Schriftsatzes bei.

Nach der historischen Würdigung Zapfs widmet sich die Arbeit der Analyse der Schrift Optima und Optima Next. Bemerkenswert ist dabei, dass der Buchtitel sowie viele Trennerseiten im Buch von Julia Floh kalligrafiert sind, und dabei auch erstaunlich locker wirken. Es ist doch durchaus mutig, wenn nicht wagemutig, in einer Arbeit über den ruhmreichen Kalligrafen selbst zu kalligrafieren – um so anerkennenswerter, dass dies hier wirklich gelungen ist. Der Satz ist klassisch und unaufgeregt angelegt, auch das hätte Zapf wohl gefallen.

Fotos: Sybille Schmitz
Studenten drucken Grimm

In der Abzugspresse unser Werkstatt befinden sich weihnachtlich anmutende Märchenmotive, Linolplatten, vorsichtig auf Schrifthöhe montiert, die in mehrfarbigem Irisdruck auf einer Abzugspresse gedruckt werden – das erste Mal nach immerhin 50 Jahren. Die Motive, Märchenszenen aus gängigen Volksmärchen, zeichnen sich durch außerordentliche handwerkliche Qualität aus, die das Niveau vieler Arbeiten Anderer weit übertreffen. Sie wurden mit Hingabe und künstlerischer Detailverliebtheit in ca. 10 cm große Linolplatten geschnitten.

Sie stammen aus der Hand von Carl Grimm (1901–1979), einem Maler, Illustrator, Graveur sowie Modelleur aus Weiden in der Oberpfalz.

In Grimms Leben spiegelten sich die Wirrungen und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts wider und hinterließen ihre Spuren in seinem Werdegang. Nach dem Abitur in Bayreuth besuchte der junge Grimm die Kunstakademie in München, um sein Talent weiterzuentwickeln. In der wirtschaftlich enorm schwierigen Zeit der 1920er Jahre sah er sich gezwungen seinen Traumberuf Künstler hintan zu stellen und entschloss sich ihn gegen einen praktischeren Beruf einzutauschen. So wurde er Dekorentwerfer, Modelleur und Graveur zunächst bei dem bekannten Porzellanhersteller »Thomas« im Fichtelgebirge, später bei »Hertel, Jacob & Co« in Rehau. Ende der 30er Jahre schließlich wurde er technischer Leiter einer Porzellanfabrik im thüringischem Uhlstädt. 1942 zum Kriegsdienst eingezogen wurde er in der Ukraine verwundet und geriet schließlich in Kriegsgefangenschaft. 1946 kehrte er zu seiner Familie und an seine alte Position zurück. Mit dem System in der jungen DDR hadernd brachte er den Sohn über die Grenze in den Westen. Seinem Gesuch die DDR selbst verlassen zu dürfen wurde erst 1955 zugestimmt.

Grimms Werk, das stets neben seinem Brotberuf entstand, umfasst dabei mehrere hundert Arbeiten, in der Hauptsache Malerei, Federzeichnungen, auch Linol- und Scherenschnitte. Nicht selten ist dabei ein großer schlaksiger Mann als Motiv zu finden, der mich in karikierter Form doch stark an meinen Onkel Carl Grimm, den Künstler selbst erinnert.

Trotz schwerer Zeiten hatte seine Leidenschaft zur Malerei und Kunst in seinem Leben immer einen prominenten Platz. Bereits Ende der 20er Jahre wurde seine Kunstfertigkeit und kleinere Ausstellungen in lokaler Presse lobend erwähnt. Im Alter war er Mitglied des oberpfälzischen Kunstvereins.

Zum Weihnachtsbasar in München haben wir in der Druckwerkstatt einige seiner Linolschnitte, die viele Jahrzehnte in Schubladen verschwunden waren, wiederbelebt. Grimms Motive wirken auch heute noch fröhlich, stimmungsvoll und besinnlich.

Mit seinen Arbeiten verabschieden wir uns in die Winterpause. Wir wünschen eine frohe, ruhige und erholsame Weihnachtszeit.

Mit Dank an Hermann Grimm. Fotos: Sybille Schmitz
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund
Bleisatz 1: Plakate als Mappenwerk zu François Villon

Die Balladen von François Villon (1431–1463), dem einflussreichen französischen Dichter des Spätmittelalters, haben viele Künstler aufgegriffen und neu inszeniert. Seine »verliebte Ballade für Yssabeau d’Außigny« etwa diente unter anderem »Culture Beat« als Liedvorlage, legendär sind die ausdrucksstarken, ja exaltierten Interpretationen von Klaus Kinski, der Villon gerne und über Jahrzehnte auf seinen Tourneen rezitierte. Villon thematisiert in dieser Ballade Liebe wie auch Wollust recht wortgewaltig, verspielt und dabei doch unmissverständlich. Der Dichter selbst, dessen Lebensweg nur bruchstückhaft bekannt ist, war in seinen jungen Jahren ein ungestümer, rebellischer und alles andere als frommer Charakter. In seinen Texten und Gedichten spiegeln sich diese wilden Jahre als »Scholar«, Landstreicher und Krimineller wider.

Im Kurs Bleisatz 1 haben die Studentinnen Celina Hofmann, Larissa Laurentzi, Katharina Lutz, Michaela Kappes, Verena Schneider und Verena Sedlmeir ihre eigene Interpretation des Textes angefertigt. Die entstanden Arbeiten der Studierenden sind dabei facettenreich ausgefallen:

Verena Schneider arbeitete mit drei unterschiedlichen Farben und Druckformen, um die Abwechslung und Spannung des Textes in ihrem Plakat Plakat wiederzugeben. Grau steht dabei symbolisch für das Nest der Liebe, Rot für die Liebe selbst. Die schwarze Form, in der der Text gesetzt ist bildet dazu einen starken Kontrast.

Katharina vollzog die Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen, mit Illustrationen im Linolschnitt nach: eine Frau mit wehendem Haar in schwarz (oben links vom Text platziert) sowie das »rote Tier« in rot (unten rechts vom Text platziert).

Michaela Kappes übersetzte die immense Leidenschaft der Ballade in eine beeindruckende Illustration eng umschlungener Liebender.

Larissa, Celina und Verena Sedlmeir arbeiteten mit Plakatschriften in Kombination mit dem in der Werkstatt verfügbaren Schriftmaterial in den Farben Rot, Rosa und Schwarz.

Eine besondere Erwähnung verdient noch der Titelschriftzug, den Celina Hofmann in romantisch verspielten Lettern gezeichnet hat und der mit der Boston Presse auf die Deckblätter eingedruckt wird.

Geleitet wird das sehr engagierte Projekt von unserem Druckermeister Günter Westermaier und mir, zudem stand zu Beginn die Studierende Eva-Maria Oberauer unterstützend zur Seite. Ich freue mich auf die Fertigstellung der Mappe, die die Kreativität und die vergnügte Atmosphäre des Kurses deutlich machen wird.

Fotos: Verena Sedlmeir, Katharina Lutz, Celina Hofmann, Verena Schneider
Typografie (2. Semester): Verena Manhart, Ines Schäffer,
Nadja Schäffer, Robin Volland
Schriftanalyse der Sabon

Die Sabon, eine im Handsatz, Einzelbuchstaben- und Zeilenmaschinensatz identische Schrift wurde in den 1960er Jahren von Jan Tschichold konzipiert. Diese besondere Schrift entstand gegen Ende der Bleisatzära als Gemeinschaftsprojekt der Schriftgießereien/Firmen D. Stempel AG, Linotype und Monotype. Sie kam den Forderungen vieler Typografen und Schriftsetzer entgegen, indem sie Probleme behob, die aus dem Einsatz ein und derselben Schrift in unterschiedlichen Guß-Systemen resultierten. Beispielsweise bedingte die Technik der Linotype-Zeilensetzmaschine, dass die Kursive im Vergleich zur Antiqua zu weit lief und damit ein unschönes Textbild ergab.

Der renommierte Typograf Tschichold wurde explizit damit beauftragt, die unterschiedlichen technischen Anforderungen, die die unterschiedlichen Satz- und Gußsystem mit sich brachten, zu berücksichtigen. Bei seinen Entwürfen orientierte sich Tschichold dabei an den Garamond-Schriften (Nachschnitte basierend auf die Originalschriften von Claude Garamont und Jean Jannon). So entwarf er schließlich die Schrift Sabon, die 1967 in den Brotschriftgraden (Antiqua/Roman, Kursiv und Halbfett) bei allen drei genannten Firmen erschien. Sie gilt als Ausdruck humanistischer Eleganz, obwohl sie deutlich kontrastreicher angelegt wurde.

Der französische Schriftentwerfer Porchez erarbeitete eine Neuinterpretation des Schriftklassikers, die 2002 unter dem Namen »Sabon Next« bei Linotype erschien.

Die Studierenden Verena Manhart, Ines Schäffer, Nadja Schäffer und Robin Volland haben dieser besonderen Schrift ein Buch gewidmet, das nicht nur liebevoll gestaltet ist, sondern auch die wesentlichen Etappen der Entstehungsgeschichte der Sabon skizziert sowie ihre Wesensart analysiert und würdigt. Das Buch ist in rotes Leinen gebunden, in Erscheinung und Anmutung durchgehend elegant.

Fotos: Sybille Schmitz
Typografie (2. Semester): Verena Manhart
20 Thesen zur Typografie

Verena Manhart bedient sich aus dem Fundus typografischer Gesetze und – anstatt sie in Stein zu meißeln – experimentiert mit ihnen auf recht eindrucksvolle Weise: mal konterkariert sie die Gesetze, mal illustriert, mal dekonstruiert, mal überstrapaziert sie die ehernen Worte der Meister des Fachs.

Beeindruckend ist, wie deutlich und klar der Gehalt der Zitate gerade durch das äußerst freie Experimentieren – frei von übertriebenem Respekt  – vermittelt wird. Entstanden ist ein Büchlein aus 105 Einzelgestaltungen im Format 130 x 205 mm.

Fotos: Sybille Schmitz
Mitmachwerkstatt im MVG Museum in München am 26. und 27.10.2019

An diesem Wochenende dürfen Studierende des Fachbereichs Media Design wie schon letztes Jahr den Buchdrucker Werner Hiebel auf die KreARTiv Messe begleiten und die Mitmachwerkstatt am Stand bedienen. Die Studierenden Victoria Eckl, Julia Floth, Katharina Hengster, Sarah Huber, William Kirchinger und Eva-Maria Oberauer haben dafür eine kleine Auflage an Grußarten entworfen, in unserer Werkstatt an der FAG Abzugspresse gedruckt, sodann in geduldiger Handarbeit geschnitten und gefalzt.

Die Karten selbst decken dabei ein breites Spektrum von Satzstrukturen, Illustration und Handlettering ab – einfarbiges sowie Irisdrucke.

Auf der Messe werden die Motive an der mitgebrachten »Nudel«, einer tragbaren Abzugspresse, vor den Augen der Besucher gedruckt. Auf Wunsch können personifizierte kalligrafische Widmungen durch geübte studentische Hände vor Ort erstellt werden. Der Besuch der Messe im MVG Museum in München am 26. und 27.10.2019 dürfte sich also lohnen.

Fotos: Sybille Schmitz, Katharina Hengster
Typografie (2. Semester):  BMD 0417
Buchgestaltung: Die Trump Mediäval, eine moderne Antiqua

Georg Trump, Meisterschüler von F. H. E. Schneidler, hat maßgeblich die heutige Schriftentwicklung beeinflusst. Schriften wie die »Trump Mediäval«, »Schadow« oder auch die etwas verspieltere »Delphin« wirken auch heute noch zeitgemäß. Dass sich die Person Trump nicht nur auf Schrift reduzieren lässt haben die Studierenden der BMD 0417 in ihrem Buch mehr als eindrucksvoll bewiesen: so wird der Wahl-Münchner Georg Trump als Maler, als Student, als Persönlichkeit, Gestalter, Lehrer und Schriftentwerfer porträtiert.

Einen Themenschwerpunkt des Büchleins nimmt die Analyse der Antiqua »Trump Mediäval«  – die zunächst unter anderem Namen im Schriftenkatalog von C. E. Weber erscheinen sollte – ein. So kann ihre lange Entstehungsgeschichte anschaulich nachvollzogen werden. Von anfänglichen Entwürfen – Trump hatte schon in den 40er Jahren eine Antiqua römischen Stils gezeichnet – zu konkreteren Varianten im Jahre 1952 bis hin zur umfassenden Präsentation auf der Drupa 1954.

Georg Trump sagte selbst über dieses Projekt: »Ich habe diese Schrift […] begonnen aus dem Wunsch heraus, endlich einmal eine Schrift zu machen, die modern und gut zugleich sein sollte und die als Buchschrift an Stelle der Walbaum, Garamond oder Janson verwendet werden kann.«*

Selbstverständlich werden auch die einzelnen Zeichen, Gußtabellen sowie Kerningpaare genauestens analysiert.

Jochen Schuster und Tanja Aigner haben das Layout nochmals umfassend überarbeitet – Jochen hat dabei akribische Satzkorrekturen vorgenommen, um dem Semesterprojekt der BMD zum rechten Gewand zu verhelfen.

Das Buch selbst besticht durch die Kombination von klassischer Gestaltung mit modernen Elementen, dem Zusammenspiel der Farben grau, schwarz und orange, einem einfachen Buchbinderkarton in Kombination mit auffälligem Farbschnitt. Trump hätte das Buch, ohne hochmütig werden zu wollen, vermutlich gefallen.

*  Georg Trump, Brief an Siegfried Buchenau, 5. Februar 1954

Fotos: Sybille Schmitz
Stehsatz–Fundamente

Schrift und Typografie befinden sich im digitalen Wandel – sind dynamisch, elastisch, emotional, fluid, kinetisch, seriell, temporal sowie vieldimensional anwendbar – und das in allen Medien. Augmented und Virtual Reality, sensorgesteuerte Geräte und Bildschirmoberflächen können ohne gute Typo­grafie nicht auskommen. Auch das gute Buch – reactive oder im klassischen Gewand – ist kaum wegzudenken. Die Technik offenbart eine Vielzahl an Möglichkeiten. Herausforderung bleibt es nach wie vor, diese sinnvoll und nicht inflationär zu nutzen, kontextbezogen und konzeptionell durchdacht einzusetzen – gute gestalterische Fundamente zu stärken, bewährte Grundlagen in den wesentlichen Gestaltungsdisziplinen zu untermauern.

Stehsatz #5 beschäftigt sich mit ebendiesem Span­nungsfeld aus Tradition und Moderne, hat Studio Dumbar in Rotterdam, Commercial Type und Studio Isometric in New York interviewt. Die Bachelorarbeit von Sofia Gronard beschäftigt sich mit der Zukunft der Sprache, Lucas Wurzacher lässt individuelle, virtuelle Resonanzräume entstehen.

In der Rubrik Druck und Papier wird neben kunstvollen internationalen Papierartefakten – zu sehen auf Global Paper 4 – dem Begriff Papierkunst nachgespürt, Upcycling im kreativen Hochdruck gezeigt sowie auf der Messe KreativArt vorgestellt.

Ein Reisetipp, ein Bauhaus Special, anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 sowie ein ausführlicher Showroom mit den Rubriken Visualisierung, Edito­rial Design, Experimentelle Typografie und Kalli­grafie komplettieren das Magazin.

Die 5. Ausgabe liegt vor mir und hinter mir eine lange Zeit des Bangens um deren Realisation. An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei unseren Anzeigenpartnern (Naturheilpraxis Adamietz, Mediadesign Akademie für Aus- und Weiterbildung GmbH, richtungspfeil.de, Serviceplan, Typographische Gesellschaft München e.V.) bedanken, ohne die unser Stehsatz-Magazin in diesem Jahr nicht gedruckt hätte werden können.

Fotos: Sybille Schmitz
Typografie (2. Semester): Clara Baber
Buchgestaltung: Typografie in der Weimarer Republik (1918–1933), Beitrag 3

»Ursprünglich besteht keine Parallelität zwischen dem Inhalt des Textes und seiner typografischen Form«* postulierte Kurt Schwitters in seinen Thesen zur Typografie. Der Maler, Grafiker, Dichter, Typograf, Publizist und Gestalter Kurt Hermann Eduard Karl Julius Schwitters, der vor allem durch seine Merz-Hefte bekannt wurde, stellt damit eine wesentliche Forderung der Typografie, nämlich die den Inhalt in eine passende, lesegerechte Form zu bringen, in Frage. Tief bewegt durch den ersten Weltkrieg, der ihn zur kritischen Reflexion zwang, erweiterte er seinen Kunstbegriff, damit verbunden auch seinen Umgang mit Sprache, Schrift und Typografie. »Diese Teile brauchen nicht zum Sinn passen, denn es gibt keinen Sinn mehr.« **

Gestalterisch verwendete Schwitters  dabei nicht selten fertige Teile aus Zeitungen und Magazinen, auch gesammelten Müll, um seinen Gedichten grafisch Ausdruck zu geben. Er mischt Schriften wild und entwickelt 1927 sein eigenes phonetisches Alphabet, das mit Strichstärke und runden, geometrisch orientierten Buchstabenzeichen zwischen Minuskel und Majuskel spielt. (2017 von The Foundry neu aufgelegt)

Clara Baber hat ihr Semesterprojekt diesem einflussreichen Künstler der 20er Jahre gewidmet. Sie hat dabei selbst mit diversen Drucktechniken experimentiert, um ihrem Vorbild gerecht zu werden. Das Büchlein passt gut in die Reihe und lässt den subversiven wie künstlerischen typografischen Gestaltungswillen von Kurt Schwitters transparent werden.

 *Bertram, Axel: Das Wohltemperierte Alphabet. Eine Kulturgeschichte, Leipzig, 2004, S.168
**ebenda.
Fotos: Marina Scalese