Stehsatz

Mediadesign Hochschule München Klasse Prof. Sybille Schmitz
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund
Bleisatz 1: Plakate als Mappenwerk zu François Villon

Die Balladen von François Villon (1431–1463), dem einflussreichen französischen Dichter des Spätmittelalters, haben viele Künstler aufgegriffen und neu inszeniert. Seine »verliebte Ballade für Yssabeau d’Außigny« etwa diente unter anderem »Culture Beat« als Liedvorlage, legendär sind die ausdrucksstarken, ja exaltierten Interpretationen von Klaus Kinski, der Villon gerne und über Jahrzehnte auf seinen Tourneen rezitierte. Villon thematisiert in dieser Ballade Liebe wie auch Wollust recht wortgewaltig, verspielt und dabei doch unmissverständlich. Der Dichter selbst, dessen Lebensweg nur bruchstückhaft bekannt ist, war in seinen jungen Jahren ein ungestümer, rebellischer und alles andere als frommer Charakter. In seinen Texten und Gedichten spiegeln sich diese wilden Jahre als »Scholar«, Landstreicher und Krimineller wider.

Im Kurs Bleisatz 1 haben die Studentinnen Celina Hofmann, Larissa Laurentzi, Katharina Lutz, Michaela Kappes, Verena Schneider und Verena Sedlmeir ihre eigene Interpretation des Textes angefertigt. Die entstanden Arbeiten der Studierenden sind dabei facettenreich ausgefallen:

Verena Schneider arbeitete mit drei unterschiedlichen Farben und Druckformen, um die Abwechslung und Spannung des Textes in ihrem Plakat Plakat wiederzugeben. Grau steht dabei symbolisch für das Nest der Liebe, Rot für die Liebe selbst. Die schwarze Form, in der der Text gesetzt ist bildet dazu einen starken Kontrast.

Katharina vollzog die Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen, mit Illustrationen im Linolschnitt nach: eine Frau mit wehendem Haar in schwarz (oben links vom Text platziert) sowie das »rote Tier« in rot (unten rechts vom Text platziert).

Michaela Kappes übersetzte die immense Leidenschaft der Ballade in eine beeindruckende Illustration eng umschlungener Liebender.

Larissa, Celina und Verena Sedlmeir arbeiteten mit Plakatschriften in Kombination mit dem in der Werkstatt verfügbaren Schriftmaterial in den Farben Rot, Rosa und Schwarz.

Eine besondere Erwähnung verdient noch der Titelschriftzug, den Celina Hofmann in romantisch verspielten Lettern gezeichnet hat und der mit der Boston Presse auf die Deckblätter eingedruckt wird.

Geleitet wird das sehr engagierte Projekt von unserem Druckermeister Günter Westermaier und mir, zudem stand zu Beginn die Studierende Eva-Maria Oberauer unterstützend zur Seite. Ich freue mich auf die Fertigstellung der Mappe, die die Kreativität und die vergnügte Atmosphäre des Kurses deutlich machen wird.

Fotos: Verena Sedlmeir, Katharina Lutz, Celina Hofmann, Verena Schneider
Typografie (2. Semester): Verena Manhart, Ines Schäffer,
Nadja Schäffer, Robin Volland
Schriftanalyse der Sabon

Die Sabon, eine im Handsatz, Einzelbuchstaben- und Zeilenmaschinensatz identische Schrift wurde in den 1960er Jahren von Jan Tschichold konzipiert. Diese besondere Schrift entstand gegen Ende der Bleisatzära als Gemeinschaftsprojekt der Schriftgießereien/Firmen D. Stempel AG, Linotype und Monotype. Sie kam den Forderungen vieler Typografen und Schriftsetzer entgegen, indem sie Probleme behob, die aus dem Einsatz ein und derselben Schrift in unterschiedlichen Guß-Systemen resultierten. Beispielsweise bedingte die Technik der Linotype-Zeilensetzmaschine, dass die Kursive im Vergleich zur Antiqua zu weit lief und damit ein unschönes Textbild ergab.

Der renommierte Typograf Tschichold wurde explizit damit beauftragt, die unterschiedlichen technischen Anforderungen, die die unterschiedlichen Satz- und Gußsystem mit sich brachten, zu berücksichtigen. Bei seinen Entwürfen orientierte sich Tschichold dabei an den Garamond-Schriften (Nachschnitte basierend auf die Originalschriften von Claude Garamont und Jean Jannon). So entwarf er schließlich die Schrift Sabon, die 1967 in den Brotschriftgraden (Antiqua/Roman, Kursiv und Halbfett) bei allen drei genannten Firmen erschien. Sie gilt als Ausdruck humanistischer Eleganz, obwohl sie deutlich kontrastreicher angelegt wurde.

Der französische Schriftentwerfer Porchez erarbeitete eine Neuinterpretation des Schriftklassikers, die 2002 unter dem Namen »Sabon Next« bei Linotype erschien.

Die Studierenden Verena Manhart, Ines Schäffer, Nadja Schäffer und Robin Volland haben dieser besonderen Schrift ein Buch gewidmet, das nicht nur liebevoll gestaltet ist, sondern auch die wesentlichen Etappen der Entstehungsgeschichte der Sabon skizziert sowie ihre Wesensart analysiert und würdigt. Das Buch ist in rotes Leinen gebunden, in Erscheinung und Anmutung durchgehend elegant.

Fotos: Sybille Schmitz
Typografie (2. Semester): Verena Manhart
20 Thesen zur Typografie

Verena Manhart bedient sich aus dem Fundus typografischer Gesetze und – anstatt sie in Stein zu meißeln – experimentiert mit ihnen auf recht eindrucksvolle Weise: mal konterkariert sie die Gesetze, mal illustriert, mal dekonstruiert, mal überstrapaziert sie die ehernen Worte der Meister des Fachs.

Beeindruckend ist, wie deutlich und klar der Gehalt der Zitate gerade durch das äußerst freie Experimentieren – frei von übertriebenem Respekt  – vermittelt wird. Entstanden ist ein Büchlein aus 105 Einzelgestaltungen im Format 130 x 205 mm.

Fotos: Sybille Schmitz
Mitmachwerkstatt im MVG Museum in München am 26. und 27.10.2019

An diesem Wochenende dürfen Studierende des Fachbereichs Media Design wie schon letztes Jahr den Buchdrucker Werner Hiebel auf die KreARTiv Messe begleiten und die Mitmachwerkstatt am Stand bedienen. Die Studierenden Victoria Eckl, Julia Floth, Katharina Hengster, Sarah Huber, William Kirchinger und Eva-Maria Oberauer haben dafür eine kleine Auflage an Grußarten entworfen, in unserer Werkstatt an der FAG Abzugspresse gedruckt, sodann in geduldiger Handarbeit geschnitten und gefalzt.

Die Karten selbst decken dabei ein breites Spektrum von Satzstrukturen, Illustration und Handlettering ab – einfarbiges sowie Irisdrucke.

Auf der Messe werden die Motive an der mitgebrachten »Nudel«, einer tragbaren Abzugspresse, vor den Augen der Besucher gedruckt. Auf Wunsch können personifizierte kalligrafische Widmungen durch geübte studentische Hände vor Ort erstellt werden. Der Besuch der Messe im MVG Museum in München am 26. und 27.10.2019 dürfte sich also lohnen.

Fotos: Sybille Schmitz, Katharina Hengster
Typografie (2. Semester):  BMD 0417
Buchgestaltung: Die Trump Mediäval, eine moderne Antiqua

Georg Trump, Meisterschüler von F. H. E. Schneidler, hat maßgeblich die heutige Schriftentwicklung beeinflusst. Schriften wie die »Trump Mediäval«, »Schadow« oder auch die etwas verspieltere »Delphin« wirken auch heute noch zeitgemäß. Dass sich die Person Trump nicht nur auf Schrift reduzieren lässt haben die Studierenden der BMD 0417 in ihrem Buch mehr als eindrucksvoll bewiesen: so wird der Wahl-Münchner Georg Trump als Maler, als Student, als Persönlichkeit, Gestalter, Lehrer und Schriftentwerfer porträtiert.

Einen Themenschwerpunkt des Büchleins nimmt die Analyse der Antiqua »Trump Mediäval«  – die zunächst unter anderem Namen im Schriftenkatalog von C. E. Weber erscheinen sollte – ein. So kann ihre lange Entstehungsgeschichte anschaulich nachvollzogen werden. Von anfänglichen Entwürfen – Trump hatte schon in den 40er Jahren eine Antiqua römischen Stils gezeichnet – zu konkreteren Varianten im Jahre 1952 bis hin zur umfassenden Präsentation auf der Drupa 1954.

Georg Trump sagte selbst über dieses Projekt: »Ich habe diese Schrift […] begonnen aus dem Wunsch heraus, endlich einmal eine Schrift zu machen, die modern und gut zugleich sein sollte und die als Buchschrift an Stelle der Walbaum, Garamond oder Janson verwendet werden kann.«*

Selbstverständlich werden auch die einzelnen Zeichen, Gußtabellen sowie Kerningpaare genauestens analysiert.

Jochen Schuster und Tanja Aigner haben das Layout nochmals umfassend überarbeitet – Jochen hat dabei akribische Satzkorrekturen vorgenommen, um dem Semesterprojekt der BMD zum rechten Gewand zu verhelfen.

Das Buch selbst besticht durch die Kombination von klassischer Gestaltung mit modernen Elementen, dem Zusammenspiel der Farben grau, schwarz und orange, einem einfachen Buchbinderkarton in Kombination mit auffälligem Farbschnitt. Trump hätte das Buch, ohne hochmütig werden zu wollen, vermutlich gefallen.

*  Georg Trump, Brief an Siegfried Buchenau, 5. Februar 1954

Fotos: Sybille Schmitz
Stehsatz–Fundamente

Schrift und Typografie befinden sich im digitalen Wandel – sind dynamisch, elastisch, emotional, fluid, kinetisch, seriell, temporal sowie vieldimensional anwendbar – und das in allen Medien. Augmented und Virtual Reality, sensorgesteuerte Geräte und Bildschirmoberflächen können ohne gute Typo­grafie nicht auskommen. Auch das gute Buch – reactive oder im klassischen Gewand – ist kaum wegzudenken. Die Technik offenbart eine Vielzahl an Möglichkeiten. Herausforderung bleibt es nach wie vor, diese sinnvoll und nicht inflationär zu nutzen, kontextbezogen und konzeptionell durchdacht einzusetzen – gute gestalterische Fundamente zu stärken, bewährte Grundlagen in den wesentlichen Gestaltungsdisziplinen zu untermauern.

Stehsatz #5 beschäftigt sich mit ebendiesem Span­nungsfeld aus Tradition und Moderne, hat Studio Dumbar in Rotterdam, Commercial Type und Studio Isometric in New York interviewt. Die Bachelorarbeit von Sofia Gronard beschäftigt sich mit der Zukunft der Sprache, Lucas Wurzacher lässt individuelle, virtuelle Resonanzräume entstehen.

In der Rubrik Druck und Papier wird neben kunstvollen internationalen Papierartefakten – zu sehen auf Global Paper 4 – dem Begriff Papierkunst nachgespürt, Upcycling im kreativen Hochdruck gezeigt sowie auf der Messe KreativArt vorgestellt.

Ein Reisetipp, ein Bauhaus Special, anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 sowie ein ausführlicher Showroom mit den Rubriken Visualisierung, Edito­rial Design, Experimentelle Typografie und Kalli­grafie komplettieren das Magazin.

Die 5. Ausgabe liegt vor mir und hinter mir eine lange Zeit des Bangens um deren Realisation. An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei unseren Anzeigenpartnern (Naturheilpraxis Adamietz, Mediadesign Akademie für Aus- und Weiterbildung GmbH, richtungspfeil.de, Serviceplan, Typographische Gesellschaft München e.V.) bedanken, ohne die unser Stehsatz-Magazin in diesem Jahr nicht gedruckt hätte werden können.

Fotos: Sybille Schmitz
Typografie (2. Semester): Clara Baber
Buchgestaltung: Typografie in der Weimarer Republik (1918–1933), Beitrag 3

»Ursprünglich besteht keine Parallelität zwischen dem Inhalt des Textes und seiner typografischen Form«* postulierte Kurt Schwitters in seinen Thesen zur Typografie. Der Maler, Grafiker, Dichter, Typograf, Publizist und Gestalter Kurt Hermann Eduard Karl Julius Schwitters, der vor allem durch seine Merz-Hefte bekannt wurde, stellt damit eine wesentliche Forderung der Typografie, nämlich die den Inhalt in eine passende, lesegerechte Form zu bringen, in Frage. Tief bewegt durch den ersten Weltkrieg, der ihn zur kritischen Reflexion zwang, erweiterte er seinen Kunstbegriff, damit verbunden auch seinen Umgang mit Sprache, Schrift und Typografie. »Diese Teile brauchen nicht zum Sinn passen, denn es gibt keinen Sinn mehr.« **

Gestalterisch verwendete Schwitters  dabei nicht selten fertige Teile aus Zeitungen und Magazinen, auch gesammelten Müll, um seinen Gedichten grafisch Ausdruck zu geben. Er mischt Schriften wild und entwickelt 1927 sein eigenes phonetisches Alphabet, das mit Strichstärke und runden, geometrisch orientierten Buchstabenzeichen zwischen Minuskel und Majuskel spielt. (2017 von The Foundry neu aufgelegt)

Clara Baber hat ihr Semesterprojekt diesem einflussreichen Künstler der 20er Jahre gewidmet. Sie hat dabei selbst mit diversen Drucktechniken experimentiert, um ihrem Vorbild gerecht zu werden. Das Büchlein passt gut in die Reihe und lässt den subversiven wie künstlerischen typografischen Gestaltungswillen von Kurt Schwitters transparent werden.

 *Bertram, Axel: Das Wohltemperierte Alphabet. Eine Kulturgeschichte, Leipzig, 2004, S.168
**ebenda.
Fotos: Marina Scalese
Typografie (2. Semester): William Kirchinger

William Kirchner hat Form und Funktion der Typografie anhand von 20 Thesen renommierter Typografen nachgespürt. Dabei hat er ihre Aussagen in systematischen Variationsreihen unterstrichen, konterkariert ebenso wie negiert, Beziehungen geschaffen, Positiv- und Negativ-Räume erprobt, ausgeklügelt, komponiert und dekonstruiert. Die Serie – bestehend aus 100 Einzelblättern – ist sehr inspiriert und äußerst vielfältig.

Visualisierung (1. Semester): Sarah Huber

Sarah Huber faltet in ihrer Visualisierung des Themas »Stadt anders sehen« Papierobjekte mit typografischen Texten. Ein weißes Quadrat bildet den Rahmen für jedes Objekt und umschließt die schwarze Grundfläche der Besiedlung.

So ist die Einöde, an den russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch erinnernd, ein schwarzes Quadrat. Das Gehöft wird durch ein kleines dreidimensionales Papierdreieck repräsentiert. Das Dorf, die Stadt und schließlich die Metropole nehmen sowohl an Komplexität und als auch typografischer Vielfalt zu.

Entstanden sind so fünf Objekte, die sich aus einem einfachen Grundprinzip heraus organisch zu einer anschaulichen Reihe entwickeln. Hohe Abstraktion, und dabei höchst vergnüglich.

Fotos: Marina Scalese
malen, werkeln, trödeln, zeichnen, grillen und feiern in einer lauen Sommernacht – alles auf dem Kreativ*Flohmarkt an der Mediadesign Hochschule München

Am 8. August findet auf dem Campus der MD.H München in der Claudius-Keller-Straße 7 unser Kreativ*Flohmarkt mit Musik, Essen und Trinken, Workshops und Vorträgen statt. Hierzu ist jede/r herzlich eingeladen. Die Flohmarktstände sind kostenlos, Workshops und Getränke gibt es zum Selbstkostenpreis.

Als Workshops werden angeboten:

Action Painting

Action Painting auf Leinwand mit Street Art-Elementen.

Aphorismus-Postkarten im Buchdruck fertigen

Im klassischen Handsatzverfahren können individuelle Postkarten gesetzt und in kleiner Auflage gedruckt werden.

Design Thinking

Ein praktischer Einblick in die Technik des Design Thinking und die neue Art
kreative Prozesse zu steuern.

Schablonendruck

Der Workshop bietet die Möglichkeit T-Shirts im Schablonendruck individuell zu gestalten.

Upcycling-Lab

Fashion Management meets Fashion Design – aus alt mach cool. Eigene Textilien mitbringen.

Zeichnen – Staccato Space

Lockere serielle Übung auf Basis einfacher Perspektiv-Grundlagen, hinführend zu ­suggestiven komplexen Raumbildern.

Vortrag »Hollywood in München«

Zudem bietet der Vortrag: »Hollywood in München« einen spannenden Ausflug in die Welt und Arbeit der VFX Studios.

Anmeldung unter s.meier@mediadesign.de oder 089/450 605-0.

Vorbeischauen lohnt sich.
Fotos: Lars Reiners, Stephanie Moll, Sybille Schmitz