Stehsatz

Magdalena Stricker
Typografie (1. Semester): Magdalena Stricker

Das Thema der Arbeit von Magdalena Stricker ist der Nationalsozialismus, oder besser gesagt die Phase der nationalsozialistischen Herrschaft, die die historisch vergleichsweise kurze Dauer von zwölf Jahren umfasst, an Abscheulichkeit jedoch jeglichen historischen Vergleich schlichtweg sprengt.

Im »Laut« sind die Jahreszahlen der Herrschaftszeit des Nationalsozialismus zu erkennen, von der Machtergreifung bis zum Zerfall. In Stichpunkten wie »Rasse«, »Führer«, »Arier« oder auch »KZ« werden den Eckdaten dieser Zeitspanne lose Schlagworte zur Seite gestellt.

Im »Leise« findet sich unter einem Kreuz und der zeitlichen Kennzeichnung 33–45 eine Namensliste mit Opfern aus verschiedenen Konzentrationslagern. Diese, gemessen an der Zahl der Opfer insgesamt, verschwindend kleine Auswahl wurde stellvertretend zusammengestellt. »Leise« ist hier der angemessene typografische Tonfall, zum einen weil die schiere Menge der Opfer, selbst in der kleinen Auswahl, die kleine Schriftgröße erzwingt, und zum anderen weil es die Pietät eingedenk der ermordeten Menschen gebietet.

Das Thema wurde gewählt just in einer Zeit, in der sich virulentes faschistisches Gedankengut wieder epidemisch ausbreitet. Viele Menschen haben die Zeit des Nationasozialismus gewissermassen in Geschichtsbüchern »abgeheftet« und unterschätzen heute womöglich die Folgen, vor denen der elementare Grundsatz »Wehret den Anfängen« schützen möchte. Im Sinne dieses Grundsatzes ist das Leporello entstanden.

Fotos: Janina Engel
Stehsatz #4 – Ungewöhnliche Lösungen, Mut, Geschmacksrichtungen und Reisefieber

Pünktlich zum Beginn des Wintersemesters 2018/19 erscheint unser Magazin Stehsatz bereits in der vier­ten ­Ausgabe. Die Kernthemen des vergangenen Jahres rekapitulierend legen wir zugleich einen starken Fokus auf höchst aktuelle Entwicklungen in Schriftgestaltung und Typografie – so zum Beispiel Variable Fonts, Progressive Punktuation und Colourfonts, um nur einige Entwicklungen zu nennen.

Wenig verwunderlich ist, dass der kreative Humus für viele ­neuartige Tendenzen in der Typografie in der altbewährten Tradition des Buchdrucks zu finden ist. So koppelt etwa Novotye aus Amsterdam digitale mit analoger Technik und überzeugt mit dem Schrift-Projekt Typewood.

Stehsatz #4 legt einen weiteren Themenschwerpunkt auf Internationalität und die damit verbundenen unterschiedlichen kulturellen Blickwinkel.

Unter der Rubrik Designerportrait haben uns Artiva Design aus Genua und Studio Mut aus Bozen einen Einblick in ihre Arbeit gegeben. Weit weg vom dolce far niente überzeugen beide Büros südlich der Alpen mit gehaltvollem, ungewöhnlichem, mutigem Design und machen enorm Lust auf den Beruf des Designers.

Fremde Schrift und Sprache, Designer und Studierende, Städteportraits aus Okzident und Orient sind enthalten. So zeigt uns Sandra Tammery im Reisetipp auf, warum Milton Glasers bekannter Slo­gan I love NewYork heute noch gültig ist. Dani Ibler berichtet von ihrer Praktikumszeit aus der Wüstenstadt Dubai. Und die Frage »was wurde ­eigentlich aus?« beantworten Kevin Kremer, Alumnus der MD.H und 2018 Masterabsolvent am Royal College of Art in London, sowie Hanna Rasper, die es nach Paris verschlagen hat.

Die Rubrik Bleisatz darf selbstverständlich nicht fehlen. Hier gibt es unter anderem typografische Textstudien und Satzexperimente zum Werk des Schrift­stellers Thomas Bernhard zu sehen.

Ein Nachruf auf Peter Gericke, der leider Anfang Juni nach langer Krankheit verstarb, findet sich auf Seite 66. Es ist der Versuch, seinen immensen Beitrag für unsere Druckwerkstatt, aber auch darüberhinaus für den Enthusiasmus, der hier bei der Arbeit entstand, mit Worten zu würdigen.

Abgerundet wird unser Magazin wie immer mit dem Showcase aus den Bereichen Visualisierung, Typogra­fie und Schrift.

Fotos: Thomas Mayrhofer
Typografie (2. Semester): Antonia Aschenbrenner

Spontanität und Zufall stehen eigentlich im Widerspruch zum Wesen der Typografie. »Typografie ist die Kunst des feinen Maßes« (Weidemann, Kurt: Zehn Gebote der Typografie), eine Dienstleistung nach gegebenen Regeln, die logische Denkprozesse anschiebt, nicht zu wenig, aber eben auch nicht zu viel. Die legendären­ »zehn Gebote Kurt Weidemanns« postulieren in der Essenz ebendies, also keine Mätzchen zelebrieren, das Rad nicht neu erfinden und bitte bitte immer lesbar bleiben.

Gerade deshalb scheinen diese Sätze des Typografen Kurt Weidemann geradezu prädestiniert zu sein, Variationsreihen zu erproben, den linearen Lesevorgang in Frage zu stellen, Texte und Inhalte abzuwandeln, den Inhalt korrekt aber eben auch ins gerade Gegenteil verkehrt zu inszenieren. Selbstverständlich nur mit rein typografischen Mitteln.

Antonia Aschenbrenner hat sich in ihren Studien dem 5. und 7. Gebot Kurt Weidemanns gewidmet. Sie hat hierbei typografisch informiert, jongliert, dekonstruiert, orchestriert, arrangiert und komponiert. Entstanden ist dabei eine Reihe sachlich-logischer, aber auch ästhetisch-emotionaler Einzelblätter. Höchst vergnüglich.

Fotos: Sybille Schmitz
Henry David Thoreau, Walden 
Entwicklung einer komplexeren Drucksache

Der Autor und Philosoph Henry David Thoreau passt gut zum Semesterthema der Handsatz-Werkstatt – »Freiheit«. Zu Lebzeiten politisch relativ unbedeutend, gilt er heute als »Prophet des zivilen Ungehorsams« und diente Freiheitskämpfern wie etwa Martin Luther King oder Mahatma Gandhi als Vorbild. Thoreaus Buch »Walden« ist als Klassiker für ein »alternativeLeben« bzw. die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit bekannt. Der Autor kehrte 1845 der Zivilisation für zwei Jahre den Rücken und zog sich in die Wildnis und Einsamkeit an den Waldensee in Neuengland zurück. Seine Beobachtungen, die während dieser Zeit der Einsamkeit und Enthaltsamkeit entstanden sind, sind unvoreingenommen, scharfsinnig sowie mutig. Sie haben auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren und spiegeln die Sinnsuche des Menschen in einer immer rastloser werdenden Gesellschaft.

Im Handsatzkurs von Schriftsetzermeister Klaus Hanitzsch entstand nun unter akribischer Einzelarbeit eine Leseprobe im Format 135 x 210 mm, die alle klassischen Regeln der Buchgestaltung beachtet. Melanie Knappe, Thomas Fäckl und Jochen Schuster staunten dabei nicht schlecht, was es so alles an Kniffen und Regeln in der Buchtypografie gibt.

Register- sowie Zeilen in Schön- und Widerdruck zu halten ist an einer einfachen FAG Abzugspresse mit einigem Aufwand verbunden, der Druck muss ideal dosiert sein. Klaus Hanitzsch hat dabei unbeirrbar mit Muße und viel Feingefühl unermüdlich korrigiert und Schieflagen zurecht gerückt.

Damit die Freiheit bei dem eher streng wirkenden Projekt nicht gänzlich verloren geht, sind die Schutzumschläge von jedem Studierenden individuell gestaltet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wird die Tage fertiggestellt.

Freie Schriftarbeit (1. Semester): Benedikt Hörmannsdorfer

In seiner experimentellen Arbeit befaßt sich Benedikt Hörmannsdorfer mit den unterschiedlichen Stadien des Verfalls eines organischen Materials. Die Idee war, die Buchstaben, akribisch aus dem Fleisch eines Apfels herausgeschnitten, zum Wort »Faul« zusammenzusetzen und schließlich dem Begriff entsprechend verfaulen zu lassen. Die Widerborstigkeit eines natürlichen Materials zeigt sich hier ironischerweise darin, dass die Apfelstücke – anstatt zu verfaulen – vertrockneten. Dennoch ist eine visuell interessante und amüsante Serie an Bildern entstanden, die ein zunächst statisches Schriftbild mit einem natürlichen, damit auch unkontrollierbaren Prozess verknüpfen.

Fotos: Benedikt Hörmannsdorfer
Bleistaz 1: Einzelblätter zum Thema »Freiheit«
Typografische Textstudien und Satzexperimente

»Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.« (Perikles, 5. Jhr. v. CHR.)

Freiheit, was ist das? Ein Wert, ein Abstraktum, ein Gefühl. Sie exisitiert in vielen Formen: beispielsweise die geistige Freiheit, die gestalterische Freiheit, die freie Seele, die Vogelfreien, die Handlungsfreiheit, die Freiheitsstatue, der Freiraum. Freiheit bedeutet im Wortsinn »ohne Zwang entscheiden zu können«. Freiheit wurde schon in den Wäldern (Thoreau) gesucht, aber auch in hohlen Gassen (Schiller) erzwungen. Gedanken sind frei. Oder doch nicht?

Aber gerade diese Freiheit ist eben auch ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann. Vielmehr fürchten wir uns oft vor allzu grosser gestalterischer Freiheit und ziehen ihr engmaschige Raster vor, die eben genau dieses Privileg, frei entscheiden zu können, einschränken.

Im Kurs Bleisatz 1, begleitet von unserem Druckermeister Günter Westermaier und mir, haben sich nun die Studierenden Antonia Aschenbrenner, Silvia Rädermacher, Marina Scalese, Christin Warncke und Sofia Wittmann mit unserem Semesterthema »Freiheit« auseinandergesetzt. Entstanden ist dabei ein buntes Potpourrie an Einzelblättern, das sich dem Thema spielerisch annähert. Skurril zusammengestellte Einzellettern diverser Schriften, umfunktioniertes Unterbaumaterial und Plakatschriften aus Holz dienten dabei als Material. »Es lebe die Freiheit!«

Fotos: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Antonia Aschenbrenner

Mit breiten Markern und spielerischer Leichtigkeit komponiert Antonia Aschenbrenner ihre Kalligrafie-Blätter. Starke Wechselzüge, freie Schwünge und lockere Reihungen lassen ein interessantes Schriftgeflecht bis hin zur radikalen Verdichtung erwachsen. Die Lesbarkeit der Schrift geht mit zunehmender Verdichtung zu einem die eigentliche Rhythmik der Kalligrafie visualisierenden Gewebe über. Paradoxerweise tritt beim Betrachter der Wunsch, die Sätze Wort für Wort zu entziffern in den Hintergrund und überlässt dem reinen Empfinden des harmonischen Gesamteindrucks den Vortritt. Das Ergebnis sind zwei beeindruckende Studien.

Fotos: Janina Engel
*30.11.1933 – † 03.06.2018
»Zum Andenken an unseren Mentor Peter Gericke – Schriftkünstler, Lithograf, Typograf & Freund«

Eine »karge Auswahl« an Klingsporlettern war im September 2011 der Auslöser einer für mich persönlich wie auch für die Werkstatt schicksalhaften Begegnung. Die Handvoll Lettern, die ich auf dem Obermenzinger Flohmarkt zusammen mit allerlei Gerümpel darbot, sind Peter Gerickes Adleraugen nicht entgangen, sie haben seine Neugier geweckt, es entspann sich sogleich ein Gespräch und unverhofft war ein Kontakt hergestellt, der fortan prägend sein sollte.

Bald war Peter Gericke mein Mentor, der auf schier unerschöpfliches Wissen zurückgreifen konnte, charmanter Ratgeber und nicht zuletzt war er mit seiner ansteckenden Begeisterung ein entscheidender Antrieb in der schwierigen und von viel Unsicherheit begleiteten Phase der ersten Werkstattjahre. Elementarer Teil seiner unbedingten Hingabe an die Sache war auch, dieses Wissen mit Freude weiterzugeben. So gab er bereits zwei Monate, nachdem wir uns getroffen hatten, seine ersten Kurse an der MD.H.

In seinem Initialenkurs etwa verfolgten die Studierenden des digitalen Zeitalters staunend den langen Weg vom Entwurf der Initiale bis hin zum fertigen Druckwerk auf der Handpresse. Der Schriftlithograf ließ dabei die Studierenden frei, also zunächst ohne restriktive Vorgaben arbeiten. Durch systematische Variation, gezielte Korrekturen und zahlreiche immer wieder verworfene Ideen, fanden viele sanft geleitet ihre ganz individuelle, eigene Ausdrucksform. Meister Gericke nahm sich dabei stets die notwendige Zeit, ohne, wie es in der heutigen höchst arbeitsteiligen Welt notwendig scheint, in Zeitfenstern gedrängt zu agieren. Er ließ keine Frage unbeantwortet, die Sache an sich, die Qualität des Ergebnisses waren das Maß der Dinge, das Maß des Tuns. Eine im allerbesten Sinne »altmodische« Einstellung.

Zudem hatte der stets charmant, mit Haltung auftretende Meister immer anregende und heitere Anekdoten zu erzählen aus seinem Leben, das stets geprägt durch Schrift, Sprache und – damit verbunden – Typografie war. So wurde also in den Kursen des bald 80-jährigen Lehrers und der jungen Studenten vergnügt gezeichnet, ausgelassen gelacht und angeregt parliert, was jeden Kurstag zu einem Erlebnis machte und darüberhinaus eine wunderbare Sammlung an Initialen hervorbrachte – selbstverständlich meisterlich korrigiert.

Peter Gericke unterstützte uns in den vielfältigen Belangen der Handsatzwerkstatt. Nicht selten war er dabei der Retter, stets zur rechten Zeit herbeieilend, das fehlende Achtel ergänzend und, nur sanft tadelnd, die Schieflagen gerade rückend. So ergänzte er zum Beispiel im Jahre 2014 bei der Weihnachtsaktion etliche fehlende Buchstaben der Plakatschrift  – indem er kurzerhand neue Lettern von Hand schnitt.

Zusammen organisierten wir eine Menge an Schriften und Werkstattausstattung, stets unterstütze er bei deren Evaluation sowie Transport und sorgte so für den heutigen, beachtlichen Bestand.

Sieben Jahre unterrichtete Peter Gericke an der Mediadesign Hochschule und begeisterte mit seiner Menschlichkeit, seiner Geduld, seinem enormen Können in Schriftgestaltung, Handsatz und Druck. Er war die gute Seele unserer Werkstatt. Sein Motto »Ich halte nichts davon, alles für mich zu behalten, dann geht es verloren« ist uns nunmehr Verpflichtung, die Fackel weiter zu tragen.

Am 3. Juni 2018 ist Peter Gericke nach langer Krankheit zu Hause gestorben – ein einzigartiger Mensch, ein beseelter Lehrer, ein wahrer Meister. Er wird uns fehlen. Er fehlt uns schon jetzt. Danke für alles!

Stimmen von Kursteilnehmenden

»Es fällt mir schwer auszudrücken, wie sehr ich es schätze, Herrn Gericke kennengelernt zu haben, ohne dabei pathetisch zu klingen. Egal ob in Venedig auf Studienreise mit beindruckender Kondition oder als unser Lehrmeister bei verschiedenen Kursen an der Hochschule: so zurückhaltend und leise er mit uns Studierenden dabei auch sprach, jeder Satz und jeder Strich mit dem Bleistift waren von höchster Präzision und lehrte uns Demut und Respekt vor seiner Geduld, Erfahrung und seiner großen Klasse als Schriftlithograf. Herr Gericke wird uns fehlen.« (Jakob Kreitner)

»Es brachte ihm stets Freude und Erfüllung mit kreativen und eifrigen Menschen (Studenten) zusammenzuarbeiten. Ich habe viel von ihm gelernt und werde die Zeit mit ihm in Erinnerung halten.« (Dani Ibler)

»Herr Gericke, wie ich ihn in Erinnerung behalte. Ein Mann der Schrift und der Heiterkeit. Vertieft im Wesen der Buchstaben, wohlgelaunt und geduldig. Neugierig, dem Leben zugewandt und heiter beteiligt am Schaffen vieler junger Studenten. Möge er noch lange im Geiste diesen Einfluss auf unser Bewusstsein ausüben. Danke vielmals Herr Gericke.« (Paul Kistner)

»Herr Gericke, Sie sind kein Mann der großen Worte. Dafür aber ein Mann der großen Taten und mit einem großen Herzen. Bis zum Schluss, waren Sie stets bemüht Ihrer Leidenschaft und Berufung der Schriftkunst nachzugehen und diese jungen Menschen wie uns zu vermitteln. Dafür möchte ich Ihnen danken.« (Tatjana Medvedev)

Fotos: Jakob Kreitner, Sybille Schmitz
10 Zeichen für die Meister des Bauhauses – anlässlich des Jubiläums im kommenden Jahr
Umsetzung im Siebdruck: Antonia Aschenbrenner, Thomas Fäckl, Marcel Heß, Benedikt Hörmannsdorfer, Sakuya Miesczalok, Marina Scalese, Florian Kiefer, Magdalena Stricker, Stephanie Moll, Sofia Wanda Wittmann

Das Bauhaus – heute weltbekannte Kunstschule und international maßgeblicher Wegbereiter der Moderne wurde 1919 durch den Architekten Walter Grophius in Weimar gegründet. Kunst, Handwerk und Industrie sollten – so der Gedanke – eine Einheit bilden. Eine ganze Reihe prominenter und facettenreicher Persönlichkeiten lehrte und experimentierte hier, es entstanden richtungsweisende Gestaltungsprinzipien, die bis heute das Denken in Industriedesign, Architektur und Gestaltung prägen. 2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses zum 100. Mal. Dies sollte uns Anlass sein, die Gestaltungshochschule selbst ebenso wie seine herausragenden Köpfe zu würdigen. Neben den großen, sehr bekannten Namen wie Lásló Moholy Nagy, Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Lionel Feininger, Oskar Schlemmer und Paul Klee gab es eine Vielzahl heute namentlich weniger bekannter, aber nicht minder interessanter MeisterInnen, WerkstattleiterInnen und Lehrer sowie mit ihnen verbundene Gestaltungslehren.

Die MD1017 hat nun für 10 ausgewählte Persönlichkeiten, diese waren nach Neigung wählbar, ein singuläres Zeichen entwickelt. Ein solches persönliches Zeichen erhalten haben dabei Gunta Stölzl (Weberei und Textildesign) – die erste Meisterin am Bauhaus, Karla Grosch (Gymnastiklehrerin, legendäre Mitwirkung in Bühnenaufführungen), Joseph Albers (Apologet dieses Geistes auch über die Zeit des Bauhauses hinaus im Blackmountain College in den USA), Herbert Bayer, Paul Klee, Wassily Kandinsky, der Fotograf Walter Peterhans, Fritz Kuhr (bekannt durch die Zusammenarbeit mit Klee), Johannes Itten und Oskar Schlemmer.

Die so entwickelten grafischen Zeichen wurden am 14. Mai in der Münchner Silberfabrik unter tatkräftiger Anleitung von Sarah Braconnier von den Studierenden gedruckt. Dafür mussten Siebe belichtet, ausgewaschen, getrocknet, Formen und Stand genau eingepasst und schließlich eine kleine Auflage eigenhändig gedruckt werden.

Ebenso wie im Buchdruck ist auch beim Siebdruck, einer Schablonendrucktechnik, sehr exaktes und äußerst sauberes Arbeiten unabdingbar. Um die Standgenauigkeit zu erreichen muss eigens eine Anlage gebaut werden. Größte Herausforderung war dabei das dreifarbig angelegte Motiv für Paul Klee, eine mutige Aufgabe, die Florian spielend zu meistern vermochte.

Jener Tag, an dem wir die Technik des Siebdruckes erproben durften, war für uns alle bereichernd und beflügelnd zugleich.

Die dabei entstandenen Motive selbst sind ebenso facettenreich wie die Persönlichkeiten des Bauhauses, und die Resultate geben wiederum die Persönlichkeiten meiner Studenten wieder, ihre Neugier, ihre Experimentierlust und ihre Kreativität. Alles in allem: sehenswert!

Fotos: Sybille Schmitz
Bachelorarbeit: Sara Donati
Mimikri – Mensch und Tarnung

In ihrer Bachelorarbeit untersucht Sara Donati mittels fotografischem Experiment inwieweit sich der Mensch im Stadtraum tarnen kann, also optische Verbindungen mit modernen urbanen architektonischen Strukturen bis hin zur gänzlichen Verschmelzung eingehen kann. Ihre Versuche führte sie an unterschiedlichen Orten in München – dem Brandhorst Museum, der BMW Welt, der Herz-Jesu Kirche sowie diversen U-Bahn Stationen – durch. Entstanden ist eine grafisch sehr reizvolle, aber auch skurille Fotoserie, die die achtlos hetzenden Stadtmenschen durchaus zu neuer Aufmerksamkeit, ja vielleicht zu erfrischendem Mißtrauen dem Alltag gegenüber anregen kann.