Stehsatz

20 Thesen zur Typografie: William Kirchinger
Typografie (2. Semester): William Kirchinger

William Kirchner hat Form und Funktion der Typografie anhand von 20 Thesen renommierter Typografen nachgespürt. Dabei hat er ihre Aussagen in systematischen Variationsreihen unterstrichen, konterkariert ebenso wie negiert, Beziehungen geschaffen, Positiv- und Negativ-Räume erprobt, ausgeklügelt, komponiert und dekonstruiert. Die Serie – bestehend aus 100 Einzelblättern – ist sehr inspiriert und äußerst vielfältig.

Visualisierung (1. Semester): Sarah Huber

Sarah Huber faltet in ihrer Visualisierung des Themas »Stadt anders sehen« Papierobjekte mit typografischen Texten. Ein weißes Quadrat bildet den Rahmen für jedes Objekt und umschließt die schwarze Grundfläche der Besiedlung.

So ist die Einöde, an den russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch erinnernd, ein schwarzes Quadrat. Das Gehöft wird durch ein kleines dreidimensionales Papierdreieck repräsentiert. Das Dorf, die Stadt und schließlich die Metropole nehmen sowohl an Komplexität und als auch typografischer Vielfalt zu.

Entstanden sind so fünf Objekte, die sich aus einem einfachen Grundprinzip heraus organisch zu einer anschaulichen Reihe entwickeln. Hohe Abstraktion, und dabei höchst vergnüglich.

Fotos: Marina Scalese
Grafische Zeichen (2. Semester): Ken Jatho, Antonia Hentschel
Ein neues Erscheinungsbild für das Haus der Musik

Die Poster- und Logo-Gestaltung zeichnet sich durch runde Formen und Kreissegmente aus. Diese symbolisieren Tonmodulation sowie Schallfrequenzen, die aus dem Haus der Musik in die Welt dringen. Auch ein Bezug zur »runden« Schallplatte, von der Schellackplatte über das Vinylzeitalter bis zur Compact Disc, kann in der Gestaltung wiedergefunden werden. Die abstrahierten Formen bilden im geordneten Zusammenspiel organische Muster, die themenbezogenen Kontext haben und durch entsprechende Farbgestaltung eine spannende Wirkung mit viel Assoziationsspielraum für den Betrachter erzielen.

Editorial Design (3. Semester): Marina Scalese

Aufgabe meiner Analyse war es, eine Zeitschrift auf verschiedene Aspekte und Eigenheiten hin zu untersuchen. Die Entscheidung fiel auf das unabhängige Gesellschaftsmagazin ESQUIRE, Ausgabe Nummer 7.

Konzept von ESQUIRE ist, dass jeder Ausgabe ein bestimmtes Thema zugrunde liegt. Dieses Thema wird sehr detailliert behandelt und aus verschiedensten Perspektiven betrachtet. Der Titel der jeweiligen Ausgabe prangt in gut lesbarer Schrift auf dem Cover, grafisch arbeitet ESQUIRE auf dem Titelblatt meist mit großen Lettern, die Neugier wecken. Beim weiteren Durchschauen wird deutlich, dass es sich nicht um ein journalistisches Magazin im eigentlichen Sinne handelt, sondern um eine besondere Art der Verknüpfung von redaktionellem Inhalt und ambitionierter Gestaltung.

Fotos: Marina Scalese
Visualisierung (1. Semester): Julia Floth
7 Todsünden – ein Leporello aus Scherenschnitten

Die sieben biblischen Todsünden sind naturgemäß auch in der Kunst ein regelmäßig wiederkehrendes Motiv. Sie wurden und werden nicht selten auf drastische oder dramatische Weise als Inspiration genutzt und dabei in unterschiedlichster Art dargestellt. Ich habe die sieben Todsünden in der Form eines schwarzen Leporellos veranschaulicht, mit sieben weißen Scherenschnitten, die in das Leporello eingespannt sind. Die meisten Motive enthalten ein Bild im Positiv- und auch im Negativraum.

Im Bild zu »Neid« wird eine muskulöse Person von einer anderen neidvoll beobachtet. Eine Frau, die von zwei Händen ergriffen wird, welche gleichzeitig ihre Haare und Augenbrauen darstellen, symbolisiert die Todsünde »Wollust«. Rechts daneben ist die Todsünde »Trägheit« dargestellt. Hierbei werden zwei Füße gezeigt, die einen Apfel umschließen. Dieser steht für die Entdeckung des Trägheitssatzes durch Isaac Newton. Der Scherenschnitt ganz rechts verkörpert die Todsünde »Hochmut«. Er wird durch eine Person mit langer, nach oben gestreckter Nase gezeigt. Auf der Rückseite findet man die Todsünden »Zorn«, »Habgier« und »Völlerei«. Linkerhand sieht man eine wütende Person mit scharfen Zähnen, die einen Jungen mit hochgezogenen Schultern anschreit. »Habgier« in der Mitte zeigt zwei Hände, die nach einem Diamanten greifen. Die Hände stellen gleichzeitig sogenannte diebische Elstern dar. Bei »Völlerei« wird das Profil einer Person mit weit geöffnetem Mund gezeigt. Zusammen mit der Zunge wird ein zweiter Kopf geformt.

Bei der Inszenierung habe ich das Leporello mit rotem Licht angestrahlt, um den Tod, der auf die Todsünden folgt, noch deutlicher zu machen.

Fotos: Julia Floth
Editorial Design (3. Semester): Antonia Aschenbrenner

Das Gefühl der Langeweile dürfte wohl jeder schon einmal erlebt haben. Sie ist unglaublich zäh, vereinnahmend und wird von den meisten Menschen als negativ wahrgenommen. Doch wenn ich an meine Oma denke, wie sie vor ihrem Hof auf einer Bank in der Sonne saß, dann sehe ich kein gelangweiltes Gesicht, sondern ein zufriedenes. Sie suchte in der Hektik des Alltages die Entspannung, wohingegen wir die kurzweilige Ablenkung suchen – etwa am Smartphone, überall und jederzeit. Wir haben es verlernt uns richtig zu langweilen, wir haben verlernt in einem Moment zu verweilen.

Im Zuge dieser Arbeit ist ein Bildband entstanden, der sich in Form von Fotografien und geschriebenem Wort mit dem Paradoxon Langeweile beschäftigt.

Fotos: Antonia Aschenbrenner
Typografie (2. Semester): Silvia Rädermacher
Buchgestaltung: Typografie in der Weimarer Republik (1918–1933), Beitrag 2

Die Idee »mit einer Rundschriftfeder eine Druckschrift« (1903) zu schreiben, veränderte den Werdegang von Rudolf Koch (1876–1934) maßgeblich. Das Leben des gebürtigen Nürnbergers selbst war bis dato von Entbehrungen geprägt: Koch wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, erledigte Gelegenheitsarbeiten im Buchgewerbe, war zwar kunstbeflissen, verfügte jedoch über keine anerkannte Ausbildung. 1906 meldet er sich auf die Anzeige von Karl Klingspor – Leiter der berühmten Gießerei Klingspor in Offenbach, ehemalige Rudhardsche Gießerei –, der das Talent des »erleuchteten Amateurs«* erkennt und ihn über 30 Jahre, bis zu seinem Tod im Jahr 1934 beschäftigt.

Koch mag für heutige Augen stark polarisieren – faszinierend in Schreibkunst und Schriftschaffen und zugleich irritierend, bezogen auf die aus dem ersten Weltkrieg resultierende, fast fanatische Religiosität. Kochs enorm ausdrucksstarke Schriftarbeiten und Kalligrafien hatten meist religiösen Inhalt; sie waren ihm selbst »Gottesdienst«**.

Sein enormer künstlerischer Beitrag besteht in der Weiterentwicklung der Fraktur, der er neue Strenge und Würde verleiht. Koch selbst gilt als »Meister der geschriebenen Schrift«, die meisten seiner bei Klingspor erschienen Schriften wurden »aus dem Vorgang des Schreibens« entwickelt. Zu nennen wären hier etwa Kabel, Koch Antiqua, Maximillian Gotisch, Wilhelm Klingspor Schrift, Neuland, Peter Jessen Schrift, etc.

Silvia Rädermacher hat ihr Büchlein dem Lebenswerk dieses eigenwilligen Meisters gewidmet. Ihr Buch selbst ist dabei spielerisch komponiert, enthält alle Fakten zum Œuvre und Werdegang. Das Werk Kochs im Anhang ist in würdevoller Strenge präsentiert. Sehenswert!

Fotos: Marina Scalese
* Bertram, Axel: Das Wohntemperierte Alphabet. Eine Kulturgeschichte, Leipzig, 2004, S.108 
** ebenda.
Visualisierung (1. Semester): Ingrid Trojer

Eine im wahrsten Sinne feurige Gestaltung hat Ingrid Trojer mit ihrer Musikvisualisierung des Kraftwerkklassikers »Boing Boom Tschak« kreiert. Das Objekt, das aus Hunderten von eingefärbten Zündhölzern besteht, die in akribischer Kleinstarbeit eingefärbt wurden, bildet die Wörter »Boing Boom Tschak« in knallig bunten Farben. Entsprechend den der Comicwelt entlehnten, lautmalerischen Begriffen ergeben die Streichhölzer Sprechblasen. Die Reliefhaftigkeit der unterschiedlich gesetzten Streichholzköpfe unterstreicht die Plastizität und verstärkt die an Roy Lichtenstein erinnernde poppige Ausdruckskraft. Bei der mehr als mühevollen Arbeit wurde Ingrid Trojer von ihrem jüngeren Bruder unterstützt, der sich eine dafür anerkennende Erwähnung wünschte – hiermit geschehen!

Alles in Allem mehr als gelungen.

Fotos: Sybille Schmitz
Editorial Design (3. Semester): Stephanie Moll
Meine Projektarbeit »Weiter Immer Weiter« habe ich mit einem Zitat der 15-jährigen Greta Thunberg eröffnet. Ihre beeindruckende Rede auf der UN- Klimakonferenz formuliert exakt die Botschaft, die ich anhand meiner Projektarbeit vermitteln möchte. Seit nunmehr über 40 Jahren wird in der Öffentlichkeit über den Klimawandel diskutiert, dennoch hat sich die Situation nicht etwa verbessert, sondern verschlimmert. Anhand meiner Arbeit zeige ich fünf verschiedene Artikel aus unterschiedlichen Jahrzehnten auf, die sich mit dem Thema Weltklima beschäftigen. Darin werden erste Vermutungen, schließlich bereits wahrnehmbare Auswirkungen und heute – von einigen Persönlichkeiten abgesehen – als Konsens geltende Tatsachen zum Thema Klimawandel erörtert.

Kalligrafie (1. Semester): Eva-Maria Oberauer

Ein Mix aus modernen kalligrafischen Streetartelementen und archaisch wirkenden, düsteren Zeichenfolgen bilden die Grundlage von Evas kalligrafischem Dyptichon. Damit setzt sie das Lied »Königin der Nacht« – ein eher düsterer Song der Band »Schwarzer Engel« – inhaltlich wie gestalterisch ins passende Licht. Musik und Text thematisieren einerseits strahlende Schönheit, andererseits Obsession und absolute Hingabe an das Dunkle.

Der Dualität des Songs wird Eva durch ein kalligrafisches Dyptichon gerecht, das den Text im Positivraum wie im Negativraum visualisiert. Die entwickelten Schrifttafeln verbreiten dabei eine irritierende Wirkung, als wäre es unheilvoll, sie zu lesen, als wären die Texte dem menschlichen Auge im Lovecraft’schen Sinne nicht zugedacht.

Fotos: Marina Scalese