Stehsatz

Bachelorarbeit: Katharina Krepil
Die japanische Аsthetik. Ein Kontrast zwischen Minimalismus und Kawaii-Kultur.

Japan ist ein Land mit vielen Facetten und Gegensätzen. Am wohl auffälligsten ist der Kontrast zwischen Tradition und Popkultur. Minimalistische Gestaltung steht einer bunten Reizüberflutung gegenüber. Besonders der kindliche Kawaii-Stil (zu Deutsch niedlich, süß) mit seinen rundlichen Formen und übertriebenen Proportionen ist typisch für die Ästhetik des Landes. Diese zwei Stile sind Thema der Arbeit.

Um gerade aus westlicher Sicht ein Gespür für die beiden Prinzipien zu bekommen, wird der Kontrast mithilfe eines illustrierten Memory-Kartenspiels verdeutlicht. Der Betrachter kann sich spielerisch mit dem Thema auseinandersetzen, indem er nicht zwei identische Karten, sondern ein Paar bestehend aus einem Motiv in den zwei unterschiedlichen Stilen sucht.

Das minimalistische Zeichensystem beruht zum einen auf dem Wabi-Sabi-Prinzip, welches besagt, dass Dinge erst dann schön sind, wenn sie bereits einen Alterungsprozess und eine gewisse Abnutzung erfahren haben. Zum anderen basiert es auf dem japanischen Farbholzschnitt. Der gewählte Kawaii-Stil setzt sich hingegen aus kräftigen bunten Farben, dicken und kindlich wirkenden Konturlinien und einer runden Formsprache zusammen.

Editorial Design (3. Semester): Janina Engel

Der Reigen von Arthur Schnitzler ist ein gesellschaftskritisches Schauspiel mit Bezug zu Wien um 1900. Es beschäftigt sich auf spielerische Art mit der Ungleichstellung zwischen den Geschlechtern und der Darstellung des Frauenbildes, welche sich durchaus auch noch auf die heutige Zeit übertragen lässt. In 10 Szenen erläutert Schnitzler die Frauenbilder, Emanzipation, Misogynie sowie die Unterschiede und Ähnlichkeiten der Gesellschaftsklassen. Es begegnen sich unterschiedliche Charaktere, vollziehen den Geschlechtsakt, trennen sich und treffen in der weiteren Szene auf einen neuen Partner/eine neue Partnerin. Der Reigen ist ein nie endender Kreis. Das Theaterstück war 1903 ein gewaltiger Skandal und konnte erst 1920 in Berlin wiederaufgeführt werden.

Mit der gezielten Wahl nur die aussagekräftigen Teile des Dialoges vor und nach dem Geschlechtsakt werden die Gemeinsamkeiten jeder Szene deutlich. Die Gesellschaftsklassen verschwinden und nur der Mensch bleibt. Nicht nur die Personen verbinden die Szenen, auch das Verhalten zwischen Mann und Frau ändert sich nur selten. Die anfängliche Abneigung der Frau wechselt zur Anhänglichkeit und die Erregung des Mannes zu kalter Ablehnung.

Editorial Design (3. Semester): Dorothée Martin, Elisabeth Koster

Ab wann kann ein Wort, welches mittels unterschiedlicher Systeme verfremdet wurde, gelesen werden? Um dieser Frage nachzugehen wurden sechs Wörter auf unterschiedliche Weise unkenntlich gemacht. Es wurden einzelne Buchstabenteile bis hin zu ganzen Buchstaben ausgelassen, sie wurden in Teilkörper zerlegt, neu zusammengesetzt, zusammengeschoben, entzerrt und leicht versetzt. Innerhalb dieser Systeme gibt es sechs Stufen der Verfremdung, um den Punkt der Lesbarkeit ausfindig zu machen.

Beschäftigt haben wir uns dazu mit der Wahrnehmung im allgemeinen Sinne, mit der Wahrnehmung im psychologischen Sinne, den Gestaltgesetzen, insbesondere mit dem Gesetz der Erfahrung, der Objektwahrnehmung mittels Zerlegung in elementare Teilkörper von Irving Biederman, der Schriftform und der Lesbarkeit sowie den morphologischen Tafeln von Adrian Frutiger.

Zusätzlich wurde ein Objekt gefertigt, um das man im Raum herumschreiten kann und den im Heft angewandten Systemen folgt. Das Wort ist erst dann zu erkennen, wenn das Objekt aus dem richtigen Winkel betrachtet wird –wird es das nicht, sind lediglich einzelne Buchstabenteile zu erkennen, die sich beim weiteren Bewegen um das Objekt herum zu einem Wort zusammenfügen.

Bachelorarbeit: Lilian Karr
Keine falsche Scham

Den weiblichen Körper als geheimnisvolles Sujet zu bezeichnen mag im ersten Moment erstaunlich wirken, bei näherer Betrachtung spricht jedoch viel dafür, dass trotz weitverbreiteter visueller Präsenz des beinahe unbekleideten Frauenkörpers genaues Wissen über maßgebliche Details rar ist. Auch heute fehlen einigen jungen und auch nicht ganz so jungen Frauen Akzeptanz und genaue Kenntnis jener signifikanten Teile des eigenen Körpers, die biologisch als primäre Geschlechtsmerkmale bezeichnet werden. Die Werte, die von der eigenen Familie, von der Schule und selbst von Freundinnen vermittelt werden, spielen in dieser Beziehung zum eigenen Körper eine wesentliche Rolle. Immer noch herrscht hier oft im wahrsten Sinn des Wortes oberflächliches Halbwissen.

Um dem weiblichen Geschlecht die positive visuelle Umschreibung zu geben, die es verdient, um Frauen einen angenehmen Zugang zu eben diesem zu ermöglichen, und um über die wichtigsten Funktionen aufzuklären ist diese Arbeit entstanden.

Es gibt umfangreiches Material zum Thema des weiblichen Körpers, das allerdings oft als ungeeignet für einen entspannten Umgang scheint. Entweder schrecken medizinisch – anatomische Abbildungen die Zuseherin von vornherein ab, oder die Darstellungen erinnern an pornografisches Material. Meine Arbeit hingegen geht künstlerisch gestaltend an diese Aufgabe heran und versucht durch konkrete Details und gleichzeitige Symbolhaftigkeit einen leichten Zugang und Überblick zu verschaffen.

Werkschau der MD.H München

Die alljährliche Werkschau findet heuer am Mittwoch, den 7. März, wie stets in den Räumlichkeiten der MD.H München statt.

In den zurückliegenden Wochen haben die Studierenden des Fachbereichs Media Design Josef-Joachim Schuster, Janina Engel, Jan-Marc Zublasing, Nico Janson, Thomas Fäckl, Tanja Aigner und meine Wenigkeit beharrlich und doch inspiriert geschuftet: Es wurden Plakate entworfen, Einladungen gestaltet, eine Postkartenserie entworfen und auch ein Foto-Shooting organisiert. Letzteres haben die engagierten Fotografen Jan und Nico mit studentischer Begeisterung und professioneller Routine organisiert und umgesetzt. Die Plakatserie zur Werkschau stammt von Josef-Joachim Schuster.

Insgesamt kann sich das Ergebnis, das in diesem Jahr alle Fachbereiche portraitiert, mehr als sehen lassen – und es sollte von Interessierten gesehen werden! [Werkschau 2018, Webseite, Adresse: MD.H, Claudius-Keller-Straße 7, 81669 München, Öffnungszeiten: 10:00–14:00 Uhr, 18:00–22:00 Uhr]

Ich danke an dieser Stelle dem Team für den enormen Einsatz.

50 Gebote und eine Hommage an Georg Trump
Typografie 2: Tanja Aigner, Miriam Ellwanger, Anica Friedrich, Fabian Gürlebeck, Melanie Knappe, Tim Kubitz, Sarina Mödinger, Carina Rückerl, Lukas Sammetinger, Josef-Joachim Schuster

Der Kurs Typografie 2 gliedert sich in die Aufgabenbereiche Variation, dem gestalterischen Erproben vorgegebener Rasterstruktur sowie schlußendlich der selbstständigen inhaltlichen und gestalterischen Entwicklung eigener Satzspiegel- und Rasterstrukturen.

Zum Abschluss standen die Teilnehmer des Kurses diesmal vor der Aufgabe, gemeinsam ein Buch zu gestalten, vorab dafür zum Thema zu recherchieren, Layoutkonzepte zu entwickeln und dann zu einem vorzeigbaren Werk zu vollenden. Das von mir vorgegebene Thema war, den renommierten, am Ende des vergangenen Jahrhunderts verstorbenen Schriftgestalter Georg Trump zu porträtieren, sowie einen Einblick in dessen Arbeit zu gewähren.

Nachdem der Kurs begriffen hatte, dass es bei Trump nicht um den amerikanischen Präsidenten geht, haben die Teilnehmer eifrig recherchiert, in mehrwöchiger Arbeit ein Buch geschrieben und gestaltet, das sein Lebenswerk resümiert und würdigt. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Trump Mediäval, die der Schriftgestalter selbst als seine beste Arbeit betrachtete.

»Charakter ist nötig um Charakter zu schaffen«, schrieb Phillip Luidl über das Ausnahmetalent Georg Trump, der heute weitgehend nur noch Fachleuten bekannt ist. Die entstandenen Arbeiten hat der Kurs letzte Woche präsentiert und dabei Charakter bewiesen!

 

 

»Certificate of Typographic Excellence« für die Schriftanalyse der Genath
Typografie (2. Semester): Janina Engel, Dorothée Martin

Die Semesterarbeit »Genath—Eine Schriftanalyse« wurde beim diesjährigen Communication Award des Typedirectors Club in New York mit dem »Certificate of Typographic Excellence« ausgezeichnet. Die Analyse beschäftigt sich detailliert mit der von François Rappo entwickelten Schrift »Genath«. Inspiriert von einer Schriftprobe aus dem Jahre 1720 von Johann Rudolf Genath veröffentlichte François Rappo 2011 die weiterentwickelte und digitalisierte gleichnamige Schrift. In einem ausführlichen Interview mit dem renommierten Typografen wurde ein Einblick in die Gestaltungshintergründe seiner Werke gewährt.

Schriftanalyse der Futura
Typografie 2. Semester: Elisabeth Koster, Elena Traurig

Mit der Entwicklung der Futura feierte Paul Renner (1878–1956) seine größten Erfolge in der modernen Welt der Typografie. Auch heute – 90 Jahre nach Veröffentlichung – wird sie immer noch als modern empfunden und prägt seither das Erscheinungsbild vieler großer Marken sowie den Auftritt zahlreicher Printmedien.

Inspiriert durch das »Neue Frankfurt«, die »Neue Typografie« und das »Bauhaus« begann Renner im Sommer 1924 mit der Schriftentwicklung. Ziel war es nach seinen eigenen Worten, eine Druckschrift zu entwerfen, welche als »Schrift unserer Zeit« gelten könne.

Ästhetik und Funktionalität verbinden, Ballast abwerfen, die Gestalt erneuern und klare Brüche mit dem Alten sind die Grundgedanken der Groteskschriften dieser Zeiten. Der entscheidende Unterschied der Futura und somit das Geheimnis ihres Erfolges besteht in ihrer Verbindung zu den Wurzeln der römischen Capitalis Monumentalis.

Als typografischer Pionier erschuf Renner eine Schrift, die Tradition und Moderne auf innovative Weise verbindet und somit die Ansprüche des typografischen Handwerks und der modernen Ästhetik vertritt. Aufgrund dieser Eigenschaften fand die Futura schnell Bedeutung im internationalen Kontext und besitzt diese immer noch, nach nunmehr immerhin 90 Jahren. Paul Renner war nicht nur Vater der Futura, er besaß ein gestalterisches Universaltalent und war des weiteren Maler, Buchgestalter, Designer, Kunsttheoretiker und Lehrer.

Editorial Design (3. Semester): Theresa Schwaier

Mich haben die verschiedenen Lesetypen des Süddeutsche Zeitung Magazins interessiert und ich habe versucht diese zu analysieren. Wie spannend findet ein Leser das Heft, der seine Texte nach Bildern wählt, im Gegensatz zum genießenden Leser, der das Magazin erst dann wieder weglegt, wenn er es von Anfang bis Ende durchgelesen hat? Und wie verhält sich eigentlich der suchende Leser? Dieser wird die anderen Artikel wohl eher weniger wahrnehmen und direkt zu seiner Seite blättern.

Die Gestaltung eines Magazins lässt sich mit einem Gesprächspartner vergleichen. Erinnert man sich leichter an seinen Gesprächspartner, wenn das Gespräch monoton und eintönig verlief? Wohl kaum. Ein gutes Gespräch lebt von der aktiven Beteiligung beider Gesprächspartner bzw. an den Gesprächsinhalten, von spannenden und abwechslungsreichen Themen und den Emotionen, die dadurch auslöst werden. So kann man das Magazin als Dialogpartner sehen – es soll unterhalten, informieren und zum Nachdenken anregen.

Magazinanalyse »Langstrecke«
Editorial Design (3. Semester): Sandra Tammery

Die »Langstrecke« der großen Tageszeitung »Süddeutsche Zeitung« wurde unter verschiedenen Faktoren betrachtet. Dazu gehörte unter anderem Konzept, Zielgruppe, Layoutaufbau, Satzspiegel, Typografie, Illustrationen und Inhalt. Das Magazin besteht aus langen Lesestrecken, so genannten Longreads, das sollte sich in der Gestaltung wieder finden. Beim längeren Lesen fängt man oft an, sich in Gedanken zu verlieren, Gesten und Bewegungen werden unbewusst gesteuert. So wurde analog die streng gegliederte Analyse durch eine besondere Bewegung der Buchstaben begleitet. Es scheint, als würden sie abheben und sich verselbstständigen, dadurch entsteht eine spannende Dynamik.