Stehsatz

Josephin Oschmann, MD.H, Studiengang Media Design
»Dunkle Materie«
Unikatbuch (4. Semester): Josephin Oschmann

Die Geschichte des Unikatbuchs »Dunkle Materie« stammt vom Autor B. J. Novak und wurde durch Auseinandernehmen und wieder Zusammenfügen von Textpassagen visuell neu interpretiert. Der Protagonist der Geschichte schweift zunehmend mit seinen Gedanken ab und blendet die Erklärungen des Wissenschaftlers, was dunkle Materie ist, zunehmend aus. Der verworrene Erzählstrang, welcher durch die teils extrem irrlichternden Gedankenzüge entsteht, wird durch die peu a peu nach rechts gerückten Texte bis hin zu sich schlingenden Textpfaden wiedergegeben. Durch den Weißraum entstehen organischen Formen, welche die tatsächlichen Verständnislücken über die dunkle Materie symbolisieren.

Jegliche Informationen und Textinhalte werden erst durch das Einsetzen von Schwarzlicht sichtbar und wird somit dem Leser — wie dem Protagonisten auch — zunächst vorenthalten. Diese Informationen sind zudem in krakliger Handschrift abgebildet und wirken so, als hätte der Wissenschaftler Notizen niedergeschrieben. Die gegensätzliche, vulgäre Sprache des Protagonisten wird in lauter Typografie hervorgehoben. Zusätzlich – um das äußere Erscheinungsbild einer Infobroschüre beizubehalten – wurden Bilder und ­Kurzbiografien von Wissenschaftlern, die sich mit der dunklen Materie befassten, abgebildet. Im Schwarzlicht kommt ein Vandalismus der Fotos zu Vorschein, welcher auf die Haltung des Protagonisten gegenüber von Wissenschaftlern anspielt.

Das Format spiegelt auch den Inhalt wider. Das Unikatbuch ist in Form eines Faltplakats bzw. als Infobroschüre einer Ausstellung umgesetzt worden. Das zusammengefaltete Plakat entspricht dem Format eines Ausweises und wird in einem Ausweishalsband mit Schwarzlichtanhänger verpackt, an welchem der Wissenschaftler in der Geschichte vom Erzähler gewürgt wird.

Fotos: Felix Stoffel, Redaktion: Sybille Schmitz
Typografie (2. Semester): Josephin Oschmann, Simona Priller, Felix Stoffel
»It’s illegible but great. I’ll buy it!« ~ Ralph Ginzburg

In dem Buch »Avant Garde –Schriftanalyse« untersuchen Felix Stoffel, Simona Priller und Josephin Oschmann die Typeface »ITC Avant Garde Gothic« des amerikanischen Grafikdesigners und Schriftgestalters Herbert Lubalin. Das Buch beinhaltet neben einer ausführlichen Schriftanalyse einen kleinen Überblick über die Geschichte der Grotesk, eine Kurzbiographie über Herbert Lubalin sowie einen Schriftenvergleich mit der Futura PT und Proxima Nova. Die Schriftanalyse führt die Aspekte Entstehungsgeschichte, Klassifizierung, Psychogramm, Schriftschnitte, Buchstabenanalyse, Zusatzanalyse, Zurichtung sowie Lesbarkeit an.

Das Wort »Avant Garde« stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie Vorreiter der Zeit. Wie bereits das Magazin von Herbert Lubalin und Ralph Ginzburg als auch die Schrift selbst, soll auch dieses Buch den Geist des Vorkämpfers widerspiegeln. Um die Eigenschaften und den Zeitgeist der Schrift mit dem Design des Buches zu vereinen, wurde ein gedeckter Rotton für Farbakzente gewählt, der dem Stil der 70er Jahre entspricht, jedoch durch die Kombination mit Schwarz-Weiß einen modernen Touch erhält. Außerdem zeichnet sich das Buch durch sein ungewöhnliches Format, welches dem des ursprünglichen Magazins »Avant Garde« entspricht, durch die ausgestanzten Lettern auf dem Cover und auch bei den Kapitelübergängen aus. Die modernen Gestaltungselemente des Buches orientieren sich an Herbert Lubalins markantem Gestaltungsstil.

Fotos: Josephin Oschmann

Typografie (1. Semester): Josephin Oschmann
Laut und Leise

Inspiriert durch ein Kunstwerk einer asiatischen Künstlerin, auf das ich vor etwa fünf Jahren gestossen bin, welche Post-its übermalt und sie anschliessend wie ein Puzzle zu einem Gesamtbild zusammenfügt hat, wollte ich im Rahmen des Projekts »Laut und Leise« auch den stillen Botschafter nutzen.

Post-its dienen uns, um uns an wichtige Dinge zu erinnern. Daher konstruierte ich zum Andenken der vielen Opfer des Hurricanes Katrina eine interaktive, wandelbare Gedenktafel. Zunächst hat man eine Tafel mit Namen vor Augen, die in dezenter Schrift und völlig ruhig dem betrachtenden Auge liegt. Erst durch eine recht gewaltigen Windstoss gerät die Installation in Unruhe. Wie beim historischen Ereignis stellt die zerstörerische Kraft des Windes die Welt wortwörtlich auf den Kopf.

Am Ende kommt das Wortbild »Hurricane Katrina« in roter, ausdrucksstarker Schrift zum Vorschein.

Fotos: Josephin Oschmann, Redaktion: Sybille Schmitz