Stehsatz

01_Langstrecke
Magazinanalyse »Langstrecke«
Editorial Design (3. Semester): Sandra Tammery

Die »Langstrecke« der großen Tageszeitung »Süddeutsche Zeitung« wurde unter verschiedenen Faktoren betrachtet. Dazu gehörte unter anderem Konzept, Zielgruppe, Layoutaufbau, Satzspiegel, Typografie, Illustrationen und Inhalt. Das Magazin besteht aus langen Lesestrecken, so genannten Longreads, das sollte sich in der Gestaltung wieder finden. Beim längeren Lesen fängt man oft an, sich in Gedanken zu verlieren, Gesten und Bewegungen werden unbewusst gesteuert. So wurde analog die streng gegliederte Analyse durch eine besondere Bewegung der Buchstaben begleitet. Es scheint, als würden sie abheben und sich verselbstständigen, dadurch entsteht eine spannende Dynamik.

Der Schwarm als Formbildung
Bachelorarbeit: Evgenia Trishkina

Es ist nicht verwunderlich, dass das Thema des Schwarms zunehmend zu einer Inspirationsquelle für Künstler, Gestalter und Designer wurde. Der Gesamtstruktur eines Schwarms liegt ein Prinzip zugrunde, das durch Regeln definiert wird. 1986 konnte man mithilfe von Computersimulationen drei Regeln für die Entstehung von Flugschwärmen festlegen, die von den Individuen befolgt werden. Kohäsion: Das Individuum richtet sich am Mittelpunkt derer aus, die sich im Umfeld befinden. Separation: Das Individuum bewegt sich weg, sobald sich jemand nähert. Alignment: Das Individuum richtet sich bei der Fortbewegung am Nachbarn aus.

Diese Reihe von Arbeiten ist die intuitive Suche nach dem Prinzip der Organisation und dessen Interpretationen in den grafischen Darstellungen. Als Quelle der Inspiration diente die Murmuration, die aus der englischen Sprache übersetzt »ein Tanz der Starenschwärme« bedeutet. Kollektives Bewegungsmuster ist die Folge einer harmonischen Kommunikation, die man bei einer Murmuration beobachtet.

Dieser Prozess der dynamischen Metamorphose besitzt das Potenzial, jede mögliche Form anzunehmen.

Fotos: Janina Engel, Nico Janson
Typografie und Schrift (1. Semester): Dorothée Martin

In meiner freien Schriftarbeit widme ich mich der Frage, wie viel Raum Buchstaben in der Wahrnehmung tatsächlich einnehmen und welche Rolle dabei die Vor- und Nachbreite sowie der Innenraum von Lettern spielt. Dabei konzentrierte ich meine Studie auf den Aufbau und die Gegenräume von Versalien einer Groteskschrift.

Anhand meiner Analyse wird klar, dass das reine Erfassen von Gegenräumen – Buchstabeninnenräumen – Verwirrung beim Betrachter stiftet. Buchstaben, denen man den Positivraum, also ihre Form nimmt, führen zu grafisch interessanten Verschlüsselungen, die der Dechiffrierung bedürfen.

Editorial Design (3. Semester): Christina Blenk, Robin Bruckmeier, Emirhan Celik, Liesa-Johanna Ehrenberg, Marina Emeljanov, Robin Fritzsche, Simon Grässle, Sofia Gronard, Daniela Ibler, Silvia Jarosch, Felix Kastner, Jakob Kreitner, Melanie Kretzschmar, David Lang, Maximilian Roos, Theresa Schwaier, Sandra Tammery, Alessia Verrecchia, Verena Wurmser, Lucas Wurzacher

Raymond Queneau befreit die Sprache von ihrem Hauptzweck, eine Geschichte zu erzählen, er hebt ihre Macht aus den Angeln. In seinen Silübungen zeigt er in über 100 Variationen, wie man eine Geschichte auseinandernehmen und mit verschiedenen Methoden wieder neu zusammenfügen kann. Vergleichbar den Übersetzern dieser Stilübungen übernahmen die Studenten der MD1015 diese Offenheit im Umgang mit Sprache und Form, indem sie verwandte Vorgehensweisen in der Sprache der Typografie in Szene setzten

Die freie Schriftarbeit
Typografie (1. Semester): Janina Engel

»Nichts ist inspirierender als ein weißes Blatt Papier. Es hat die Chance etwas Einzigartiges zu kreieren.« Bartle Bogle Hegarty (BBH)

Das Ziel dieser Arbeit war es, durch einfache Verbindungen die Charaktere der Buchstaben unterschiedlich zu verändern. Durch die Kombination mehrerer Punkte mit Linien entstand eine Art Fächerlegung, die den Buchstaben eine kraftvolle Wirkung gab. Inspiriert von den Arbeiten von Jérôme Corgier, der aus unterschiedlichsten Materialen erstaunliche 3D Buchstaben baut, entschied ich mich diese Fächerlegung an den Formen der 26 Grundzeichen des Alphabetes zu erproben.

Aus meiner Versuchsreihe entstand ein dynamisches Gesamtbild, in dem jeder Buchstabe eine interessante und erhobene Haptik bekam. Durch unterschiedliche Anwendung dieser Fächerlegung hat jeder Buchstabe des Alphabets eine einzigartige Gestalt angenommen.

»RE SIGN«, »SENSATION« und »TDC63« – eine kleine Erfolgsgeschichte

Die Bachelorphase ist eine intensive Zeit – von der Suche nach Inspiration, über selbstkritische (Ver-)Zweifler, ob man wirklich den richtigen Weg geht, bis hin zum Erfolgserlebnis, dass man es endlich geschafft hat. Das wichtigste dabei ist, dass man mit dem was man erreicht hat auch zufrieden ist und sich auch mal selbst auf die Schulter zu klopfen wagt, und sagen kann: »Ich bin stolz auf mich!« – zumindest für den Moment, denn nach einer Weile fallen einem mit Sicherheit viele Dinge auf, die man hätte anders machen können …

Die Bachelorarbeiten »RE SIGN« und »SENSATION« von Kevin Kremer und Miriam Rieger aus dem Jahrgang 2016, stehen inhaltlich und gestalterisch absolut für sich, aber trotzdem verbindet sie viel miteinander.

»RE SIGN«, von Kevin Kremer, zielt darauf ab, durch systematische Dekonstruktion und anschließende Neukombination, die erlernte Darstellungsweise und Erfassbarkeit eines Buchstabens in Frage zu stellen. Es sollen die Grenzbereiche der Wahrnehmung einer Form in Bezug auf deren Erkennbarkeit als Schriftzeichen der abendländischen Schriftkultur erforscht werden. Das Ergebnis dieser visuellen Untersuchung ist eine Reihung an Formzeichen, ausgehend vom bekannten Schriftbild, hin zu einer stark abgeänderten Darstellungsweise.

»SENSATION – Visualisierung synästhetischer Wahrnehmung«, von Miriam Rieger, beschäftigt sich mit einer ganz besonderen Form der Wahrnehmung: Synästhesie. Entgegen der »normalen« Wahrnehmungsprozesse kombiniert das Gehirn hier automatisch Sinne miteinander, die vermeintlich nichts miteinander zu tun haben. So sehen einige Synästheten Buchstaben in bestimmten Farben oder Verbinden Geschmäcker mit geometrischen Formen. In einer experimentellen Versuchsreihe, in Plakatform, wird die Synästhesie als metaphorisches Stilmittel aufgegriffen, mit dem Ziel die Sinne pulsieren zu lassen, den Geist zu aktivieren, um zu einer Versinnlichung der Wahrnehmung zu gelangen.

Beide Arbeiten verbindet ein extrem hoher gestalterischer Anspruch an Ästhetik, inhaltlichem Bezug und nicht zuletzt typographischer Exzellenz.

Auf gut Glück haben wir dann unsere Bachelorarbeiten zum »Type Directors Club« in New York geschickt, mit der Hoffnung eines der begehrten »Certificates of Typographic Excellence« zu ergattern.

Ungeduldig und voller Erwartung erhalten wir nach zwei Monaten tatsächlich beide, relativ zeitgleich, eine Nachricht mit dem Betreff: »CONGRATULATIONS! You’re work has been selected.« – Unsere Freude war riesig! Wir wussten aber, dass die besten drei studentischen Arbeiten unter allen 1.800 Einsendungen eine zusätzliche Auszeichnung erhalten, den »Student Award«… und man weiß ja nie!

Man glaubt es ja kaum, aber wir beide sind doch wirklich auch noch unter den besten drei studentischen Arbeiten gelandet! Kevin, ich, unsere Freunde, Familien und ehemaligen Dozenten waren völlig aus dem Häuschen!

Die endgültige Platzierung ist am 18. Juli in New York beim großen »TDC63 Opening Event« verkündet worden: Platz 3 für Kevin mit »RE SIGN« und Platz 2 für Miriam mit »SENSATION« – Unfassbar!

Bleisatz 3 – Initialen entwickeln

»AD« steht nicht nur für »Artdirector« oder »außer Dienst«, es sind die Initialen eines der bedeutendsten Künstler der Renaissance: Albrecht Dürer. Eine Initiale ist mehr als ausgeschmückter Anfangsbuchstabe, der früher in handgeschriebenen Texten den Anfang eines Kapitels oder eines Abschnittes markierte. Richtig gemacht sind sie Markenzeichen, Logo und Unterschrift in Einem. Ob als Einzelzeichen oder kombiniert zu einem Monogramm, können sie mehr als reine Zierde sein und mit starker Aussagekraft und Symbolwirkung ausgestattet werden.

In seinem Initialenkurs lässt Schriftlithograf Peter Gericke deshalb in Manier der Altmeister wie F. H. Ernst Schneidler die Studierenden vor allem frei arbeiten. Durch viel Probieren und zahlreiche immer wieder verworfene Ideen, finden sie so ihre eigene Ausdrucksform und bekommen dann immer wieder nützliche Hinweise: »Dreh den Gegenraum ins Schwarze und arbeite das Zeichen, dann im Weißraum heraus!«

Musikvisualisierung 1. Semester: Nico Janson

Musik kann, womöglich besser als jede andere Kunst, jede andere Wahrnehmung, Gefühlsregungen evozieren. Stimmungen wie Harmonie, Glückseligkeit, Nostalgie, innere Anregung, auch Aufregung, Spannung, Aufwallung oder Assoziationen können durch Musik losgelöst werden – jedoch durchaus individuell. Die folgenden Fotoserien zeigen die Reaktionen von mehreren Personen unterschiedlichen Alters beim Hören des Streichquartettes von Dvořák. Die Probanden wurden dabei angewiesen, sich zur Gänze auf das Wesen der Musik zu konzentrieren. Etwa nach einer Minute fingen alle an sich auf die Musik einzulassen und zeigten dabei deutlich unterschiedliche Gefühlsregungen. Das Spektrum erstreckte sich dabei vom Gefühl der Freude, der Irritation bis hin zu bloßer Müdigkeit.

Editorial Design (3. Semester): Sofia Gronard, Lucas Wurzacher

Dieses Buch ist ein Versuch, eine Verbindung zwischen der sozialen Beschleunigung des modernen Lebens und des durch die Natur gegebenen Resonanzfeldes zu schaffen. Hierzu wurden Texte des Soziologen Hartmut Rosa aus dem Buch »Beschleunigung und Entfremdung« entnommen und in typografische Textstrukturen gewandelt, die in Nachbarschaft der Gletscherbilder für eine mögliche und sehr nachhaltige Resonanzerfahrung stehen.

Freie Schriftarbeit (1. Semester): Hannah-Marie Schimanski

Die Inspiration zu meiner Schriftarbeit fand ich in dem Spiel zwischen Licht und Schatten. Durch das mittige Falzen der geplotteten Papierbuchstaben ergibt sich die Basis der Arbeit. Mittels des senkrechten Aufstellens der oberen Hälfte des Papieres, sowie passender Beleuchtung, ergibt sich die Licht-Schatten-Komposition, welche schlussendlich einen vollständigen Buchstaben zeigt.