Stehsatz

50 Gebote und eine Hommage an Georg Trump
Typografie 2: Tanja Aigner, Miriam Ellwanger, Anica Friedrich, Fabian Gürlebeck, Melanie Knappe, Tim Kubitz, Sarina Mödinger, Carina Rückerl, Lukas Sammetinger, Josef-Joachim Schuster

Der Kurs Typografie 2 gliedert sich in die Aufgabenbereiche Variation, dem gestalterischen Erproben vorgegebener Rasterstruktur sowie schlußendlich der selbstständigen inhaltlichen und gestalterischen Entwicklung eigener Satzspiegel- und Rasterstrukturen.

Zum Abschluss standen die Teilnehmer des Kurses diesmal vor der Aufgabe, gemeinsam ein Buch zu gestalten, vorab dafür zum Thema zu recherchieren, Layoutkonzepte zu entwickeln und dann zu einem vorzeigbaren Werk zu vollenden. Das von mir vorgegebene Thema war, den renommierten, am Ende des vergangenen Jahrhunderts verstorbenen Schriftgestalter Georg Trump zu porträtieren, sowie einen Einblick in dessen Arbeit zu gewähren.

Nachdem der Kurs begriffen hatte, dass es bei Trump nicht um den amerikanischen Präsidenten geht, haben die Teilnehmer eifrig recherchiert, in mehrwöchiger Arbeit ein Buch geschrieben und gestaltet, das sein Lebenswerk resümiert und würdigt. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Trump Mediäval, die der Schriftgestalter selbst als seine beste Arbeit betrachtete.

»Charakter ist nötig um Charakter zu schaffen«, schrieb Phillip Luidl über das Ausnahmetalent Georg Trump, der heute weitgehend nur noch Fachleuten bekannt ist. Die entstandenen Arbeiten hat der Kurs letzte Woche präsentiert und dabei Charakter bewiesen!

 

 

Vier Jahreszeiten – Weather Patterns
Visualisierung 1. Semester: Janina Engel

Wie kann Papier so arrangiert werden, dass allein Struktur & Haptik ein neuartiges und charakteristisches Gesamtbild ergeben?
Bei der Aufgabenstellung, die vier Jahreszeiten zu visualisieren, entschloss ich mich auf Papier zu beschränken. Durch das Übereinanderlegen unterschiedlicher geometrischer Formen aus Papier entstand eine interessante Struktur, die den Anschein hat gefaltet oder geschnitten zu sein.  Die Höhen und Tiefen sowie die Platzierung der Formen und die Lichteinwirkung ergeben unterschiedliche Schattenbilder, die eine eigene Stimmung transportieren, den Jahreszeiten entsprechend. Ziel war es, dass jede Jahreszeit für sich stehen kann, aber auch in Verbindung mit den anderen Jahreszeiten ein harmonisches und stimmiges Gesamtbild ergibt.

Der Frühling wird durch die neigende Diagonale, den Halbkreisen für die aufgehende Sonne und die positiven und negativen Dreiecke symbolisiert. Im Frühling erwacht alles Leben, eine Auferstehung nach langer Winterstarre. Der energiereiche Sommer mit seiner strahlenden Fülle wird durch spielerische Platzierung der Formen unterschiedlicher Geometrien symbolisiert. Die Sonne findet sich im Kreis wieder und wirkt so mächtig über das gesamte Bild aus. Durch eine leichte Disharmonie der Linien und der kalt wirkenden Formen wird der Herbst symbolisiert. Das Leben zieht sich nun zurück und verzehrt die letzten Sonnestrahlen. Zu guter Letzt wird der Winter durch klare, lange Linien, negative Neigungen und der wenig harmonischen Diagonalen dargestellt. Die Eiseskälte findet sich in den spitzen, hart wirkenden Dreiecken wieder.

»Certificate of Typographic Excellence« für die Schriftanalyse der Genath
Typografie 2. Semester: Janina Engel, Dorothée Martin

Die Semesterarbeit »Genath—Eine Schriftanalyse« wurde beim diesjährigen Communication Award des Typedirectors Club in New York mit dem »Certificate of Typographic Excellence« ausgezeichnet. Die Analyse beschäftigt sich detailliert mit der von François Rappo entwickelten Schrift »Genath«. Inspiriert von einer Schriftprobe aus dem Jahre 1720 von Johann Rudolf Genath veröffentlichte François Rappo 2011 die weiterentwickelte und digitalisierte gleichnamige Schrift. In einem ausführlichen Interview mit dem renommierten Typografen wurde ein Einblick in die Gestaltungshintergründe seiner Werke gewährt.

Analyse der Univers
Schriftanalyse 2. Semester: Nico Janson, Minh Nguyen, Jan-Marc Zublasing

»Schrift ist wie ein Löffel, wenn ich mich am Abend an die Form des Löffels erinnere, mit dem ich Mittag meine Suppe gegessen habe, dann war es eine schlechte Löffelform.« Adrian Frutiger [Frutiger zitiert nach Osterer, Heidrun / Stamm, Philipp: Adrian Frutiger, Schriften das Gesamtwerk, Birkhäuser, Basel 2014)

Nico Janson, Minh Nguyen und Jan-Marc Zubalsing haben sich in ihrer Schriftanalyse der Univers gewidmet. Die Schrift, die 1953 von Frutiger begonnen und 1957 bei Deberny & Peignot veröffentlicht wurde, hat auch heute, fast 60 Jahre später nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Zeitlos, unaufdringlich sowie klar differenzierbar in Duktus und Form ist sie Inbegriff Frutiger’scher Lesefreundlichkeit. Zudem verfügt sie über ausreichend unterschiedliche Gewichte (Schnitte), um den Bedürfnissen des modernen Kommunikationsdesigns gerecht zu werden.

Frutigers’ Zitat prägt die beiden Büchlein der Studierenden, die herrlich klassisch, schlicht und weitgehend unaufgeregt im schmalen Hochformat  gestaltet sind und so den Charakter der Univers Condensed — Hauptschrift im Mengensatz – zur Wirkung bringen. Dabei widmet sich ein Buch der Person, das andere der Schrift an sich.

Besonders hervorzuheben ist der Nachruf (im Original von Eric Spiekermann), den die Studierenden im Beisatz mit Hingabe, akribischer Genauigkeit im klassischen Satz gesetzt haben – ganz in unaufdringlicher Frutiger’scher Manier .

Fotos: Nico Janson
Spielerische Experimente
Typografie 2. Semester: Joseph Joachim Schuster

Joseph Joachim Schuster wählte zwei von 10 typografischen Geboten Kurt Weidemanns aus und nahm sie als Material für spielerische, vielfältige und höchst vergnügliche typografische Experimente. Hierfür nutzt er diverse gestalterische Mittel, etwa das der Reduktion, der Codierung, und der Raumaufteilung. Das Ergebnis ist eine wahrhaft gelungene Serie von Einzelblättern, die die schier unerschöpfliche Fülle an typografischen Möglichkeiten und Experimentierfeldern sichtbar macht.

Schriftanalyse der Futura
Typografie 2. Semester: Elisabeth Koster, Elena Traurig

Mit der Entwicklung der Futura feierte Paul Renner (1878–1956) seine größten Erfolge in der modernen Welt der Typografie. Auch heute – 90 Jahre nach Veröffentlichung – wird sie immer noch als modern empfunden und prägt seither das Erscheinungsbild vieler großer Marken sowie den Auftritt zahlreicher Printmedien.

Inspiriert durch das »Neue Frankfurt«, die »Neue Typografie« und das »Bauhaus« begann Renner im Sommer 1924 mit der Schriftentwicklung. Ziel war es nach seinen eigenen Worten, eine Druckschrift zu entwerfen, welche als »Schrift unserer Zeit« gelten könne.

Ästhetik und Funktionalität verbinden, Ballast abwerfen, die Gestalt erneuern und klare Brüche mit dem Alten sind die Grundgedanken der Groteskschriften dieser Zeiten. Der entscheidende Unterschied der Futura und somit das Geheimnis ihres Erfolges besteht in ihrer Verbindung zu den Wurzeln der römischen Capitalis Monumentalis.

Als typografischer Pionier erschuf Renner eine Schrift, die Tradition und Moderne auf innovative Weise verbindet und somit die Ansprüche des typografischen Handwerks und der modernen Ästhetik vertritt. Aufgrund dieser Eigenschaften fand die Futura schnell Bedeutung im internationalen Kontext und besitzt diese immer noch, nach nunmehr immerhin 90 Jahren. Paul Renner war nicht nur Vater der Futura, er besaß ein gestalterisches Universaltalent und war des weiteren Maler, Buchgestalter, Designer, Kunsttheoretiker und Lehrer.

Weihnachsaktion 2017: Janina Engel, Dorothée Martin, Nico Janson

Die diesjährige Weihnachtsaktion, realisiert von Doro, Nico und Janina, greift die ursprünglichste, abstrakteste grafische Form auf, die mit Weihnachten verknüpft ist: den Stern. Sterne finden sich in allen Kulturen, in verschiedensten Zusammenhängen, auf Oberarme tätowiert, auf Kühlerhauben montiert, auf revolutionäre Pamphlete gedruckt – und doch ist der Weihnachtsstern, der Wegweiser der drei Weisen aus dem Morgenlande,  als solcher sofort und ohne Umschweife zu verstehen. Deshalb darf er in diesem Jahr als schlichtes, klares Symbol der Weihnachstzeit die Räumlichkeiten der MD.H schmücken. Aus Papier akribisch gefaltet, aus sechs Einzelteilen reichlich kompliziert zusammengefügt birgt der Stern unweigerlich aufgrund seines Herstellungsprozesses etwas, was paradoxerweise gern verloren geht in dieser Vorweihnachtszeit: Ruhe, kontemplative Klarheit und – überkonfessionell formuliert – »buddhistisch-meditative Hingabe«.

Mit eben solcher geduldiger Hingabe haben die Media Designer Doro, Janina und Nico (unterstützt durch Kommilitonen und Dozenten) ein wahres Sternenmeer an »Origami-« und »Omegasternen«, gefalten – das Ausgangspapier selbst ist zudem mit einem raffinierten typografischen Raster im Corporate Design der Hochschule versehen. Die typografischen Sternketten lassen ein kunstvolles Weihnachtsambiente in der Haupthalle der Hochschule entstehen.

Die digitale (weihnachtskarte2017/) sowie analoge Weihnachtskarte enthalten eine Faltanleitung als Video sowie in fotografischer Form. Die Sterne für Nachahmer stehen also günstig. In diesem Sinne …

Fotos: Nico Janson, Sybille Schmitz
Typografische Textstudien und Satzexperimente
zu Thomas Bernhard: Das Kalkwerk (1970)

Im Kurs Bleisatz 1 entsteht derzeit ein Mappenwerk – also eine lose Blattsammlung –zu Thomas Bernhards Roman »Das Kalkwerk«, genauer gesagt zu einem kurzen Auszug daraus [Thomas Bernhard: Das Kalkwerk (1970), Suhrkamp, Seite 73].

Bernhards Schreibstil ist durchweg anspruchsvoll, geprägt von wahnhaft-fiebrigen Monologen, schier endlosen Sätzen in indirekter Rede, Polemik und bernhardscher Boshaftigkeit. Seine Texte handeln stets von menschlichen Abgründen und zersetzen die »katholisch-bürgerliche Moral«. Mit seinem Roman »das Kalkwerk« widmet er sich dem Versuch der Niederschrift einer vermeintlich wissenschaftlichen Studie. Sein Protagonist Konrad dechiffriert die Unerträglichkeiten des Alltags. Dabei nutzt, bzw. mißbraucht er seine an den Rollstuhl gefesselte Frau zu pseudowissenschaftlichen Studien.

[…] wie lange habe ich nicht mehr mit dem kurzen I experimentiert, oder, wie lange nicht mehr mit dem kurzen O, oder mit dem kurzen A oder mit dem kurzen U. Einmal sage er ihr den Satz »Im Innviertel habe ich nichts« beispielsweise von links ins Ohr, dann von rechts, abwechselnd von rechts und von links. Er mache in einer Stunde etwa zwei Seiten Notizen.

Der Text scheint also wie geeignet zu ersten typografischen Satz- und  Text-Experimenten im Bleisatz, die vom Druckermeister Günter Westermaier handwerklich und von mir selbst typografisch begleitet werden.

Dabei entwarfen, gestalteten und druckten die Kursteilnehmer Magdalena Stricker, Sakuya Miesczalok, Stephanie Moll, Thomas Fäckl und Josef-Joachim Schuster eigenständig jeweils ein A3 Plakat in dem in der Werkstatt vorhandenen, gut ausgebauten und somit dafür geeigneten Letternmaterial Univers, Trump Mediäval sowie Century. Komplettiert mit  Titelblatt und Impressum wird  die Mappe wohl diesen Donnerstag fertig sein. Die Studierenden dürften dann einen ersten Einblick in die Herausforderungen des analogen Druckes und Satzes erhalten haben.

Ich freue mich darauf!

Projekt Signaletik
Grafische Zeichen 2. Semester: Janina Engel, Dorothée Martin, Nico Janson

Für das Redesign der Signaletik der MD.H München haben sich Dorothée, Nico und Janina ausführlich mit den Initialen der Mediadesign Hochschule auseinandergesetzt. Grundvoraussetzung war es, die Idee des derzeitigen Logos beizubehalten, aber eine modernere Gestaltung mit neuen Formen zu entwickeln. Die Zeichen haben sich aus den Grundformen der Gestaltung ergeben. Kreis, Linie und Dreieck finden sich in der Signaletik wieder. Daraus entstehen abstrakte Zeichen die jeden Fachbereich widerspiegeln sollen. Jedes Zeichen beinhaltet die Grundlagen der bildnerischen Gestaltung. Die Harmonie des Kreises, die Dynamik der Linie und die Flexibilität des Dreiecks. Design ist ein Platz für Vielfalt, Dynamik, Kommunikation und Innovation. Unsere Zeichen sollen zur Kreativität inspirieren.

Editorial Design (3. Semester): Theresa Schwaier

Mich haben die verschiedenen Lesetypen des Süddeutsche Zeitung Magazins interessiert und ich habe versucht diese zu analysieren. Wie spannend findet ein Leser das Heft, der seine Texte nach Bildern wählt, im Gegensatz zum genießenden Leser, der das Magazin erst dann wieder weglegt, wenn er es von Anfang bis Ende durchgelesen hat? Und wie verhält sich eigentlich der suchende Leser? Dieser wird die anderen Artikel wohl eher weniger wahrnehmen und direkt zu seiner Seite blättern.

Die Gestaltung eines Magazins lässt sich mit einem Gesprächspartner vergleichen. Erinnert man sich leichter an seinen Gesprächspartner, wenn das Gespräch monoton und eintönig verlief? Wohl kaum. Ein gutes Gespräch lebt von der aktiven Beteiligung beider Gesprächspartner bzw. an den Gesprächsinhalten, von spannenden und abwechslungsreichen Themen und den Emotionen, die dadurch auslöst werden. So kann man das Magazin als Dialogpartner sehen – es soll unterhalten, informieren und zum Nachdenken anregen.