Stehsatz

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Freie Schriftform
Typografie 1. Semester: Lucas Wurzacher

Die Arbeit entsteht aus den Gegenräumen der Schrift Futura, wobei jedem der entstandenen Zeichen, passend zu den jeweiligen Formcharakteristika, eine von sechs Farben zugeordnet wurde. Die Anordnung der Schriftzeichen im Raum arbeitet mit Überlagerungen, die so wiederum neue Farben und Formen entstehen lassen.

Fotos: Lucas Wurzacher
*Avenir, Futura, Gill, Gotham, Janson-Antiqua, Univers, Walbaum, DS-Zentenar
Typografie 2. Semester: MD1015

Von Antiqua bis Fraktur erstreckt sich in diesem Jahr das Potpourri der gewählten Schriften, denen sich die Studierenden der MD1015 in ihren ersten Buchprojekten gewidmet haben. Liebevoll, spurensuchend, fachsimpelnd, bisweilen sogar hitzig gingen die einzelnen Teams in diesem Jahr dabei vor.  So vielfältig wie die Schriftcharaktere sind auch die einzelnen Druckwerke. Typografisch sind sie für ein Grundlagensemester mehr als bemerkenswert. Chapeau!

Fotos: Lucas Wurzacher
Bleisatz II — Der feine Unterschied 
Marina Emeljanov, Sofia Gronard, Jakob Kreitner, Max Roos
Die Univers von Adrian Frutiger stellt mit ihren 21 Schnitten einen Meilenstein der Groteskschriften dar. Angeleitet von Herrn Hanitzsch sollte ein Schriftmuster der uns im Bleisatz vorhandenen 6 Schnitte entstehen. Nach den kreativen Spielerein und Freiheiten in Bleisatz I galt es nun mit höchster Präzision zu arbeiten. Zahlreiche Anekdoten von Herrn Hanitzsch später ist das sechsseitige Heft fertig. Die Titelseite bietet eine knappe Übersicht mit allgemeinen Informationen zur Schrift, den vorhandenen Schnitten und deren jeweilige Schriftgrößen. Blättert man das Heft samt Klappseite auf, sind auf drei Seiten thematisch passende Texte in der Univers 55 in 9p, 10p und 12p gesetzt, jeweils mit unterschiedlichem Durchschuss und pro Passage mit einer in Versalien gesetzten Zeile. Die nächste Seite zeigt die verschiedenen Schriftschnitte an einem Beispieltext und auf der Rückseite des Heftes konnten wir uns doch noch kreativ austoben und die Seite frei mit einem Textcluster gestalten.

Visualisierung 1. Semester: Sofia Gronard

Sofia Gronard ging das Thema der vier Jahreszeiten mit einem äußerst puristischen Ansatz an. Sie verzichtete auf Farben – gerade beim Thema Jahreszeiten ein mutige, entschlossene Entscheidung  – und beschränkte sich stattdessen auf reine Formen aus Depafit, die sie skaliert schichtete, so dass ein Art Relief aus einer einzigen Grundform heraus entstand. Dem Spiel des Lichts ausgesetzt entwickeln diese Reliefe eine enorme grafische Wirkung. Die kreisartige Formenpyramide steht hier für den im vollen Saft stehenden Sommer, der den Kreislauf des Lebens am prächtigsten widerspiegelt. Der Winter, dessen Kälte allem Leben eine Unwirtlichkeit entgegenstellt, findet sich als strenges, negatives Relief aus harten, aber eben auch klaren Quadraten. Der Herbst hat eine langgestreckte Rautenform, dem allmählichen Welken der Pflanzen entsprechend, dem melancholischen Gefühl des langsamen Erkaltens, des dräuenden Dunkelwerdens. Der Frühling hingegen ist aus Dreiecken geschichtet, eine kräftig wirkende Spitze bildend, eine Richtung weisend wie die aufblühende, ungemein kraftvolle, aus der Winterstarre erwachende Natur.

Siebdruck mit einfachen Mitteln

Das Grundprinzip ist denkbar einfach: Ein Holzrahmen wird mit einem feinen Gewebe als Sieb bespannt. Eine Schablone zugeschnitten und aufgeklebt. Aus Pigmenten wird Farbe angemischt, die schließlich mit einem Rakel durch das Sieb und die Freiräume der Schablone gestrichen wird. Der Druck landet auf dem Papier – und Fertig!

Mit wenigen Worten ist das grobe Verfahren erklärt und das System, so scheint es, schnell durchschaut. Doch wie unsere kleine Gruppe aus Studenten im Siebdruck-Kurs von Herrn Golf feststellen durfte, ist dies noch lange nicht das ganze Geheimnis, das es am Siebdruck zu erforschen gilt: Das Handwerkliche Arbeiten, das Herantasten an das Material und seinen Eigenheiten und natürlich das Experiment mit den vielzähligen Möglichkeiten des Siebdrucks.

Es braucht einige Versuche bis bei einem Druck wirklich etwas »entsteht«. Um so wichtiger und umso mehr Spaß macht gerade die etwas experimentellere Herangehensweise. Genauso findet natürlich das Anmischen der Farben aus Pigmenten, der Druck mit tagleuchtenden Farben wie Neonorange, -grün oder -gelb große Begeisterung – oder etwa der Versuch einen Irisdruck hinzubekommen, Schwarz auf Schwarz zu drucken, mit einem Wachsstift Strukturen auf das Sieb und damit auch auf den Druck zu übertragen oder auch mehrere lasierende Farbschichten übereinander aufzubringen, um nur einen kleinen Ausschnitt dessen zu nennen, was  nach und nach entdeckt, versucht und ausprobiert werden möchte.

Kalligrafie 1. Semester: Dani Ibler
Versuche von gemischten Schriften

Kalligrafie ist die Möglichkeit, Kunst, Kultur, Tradition, Temperament und Gefühle mit Hilfe von Schrift auszudrücken. Mein Ziel war es das deutsche Alphabet mit anderen fremden Schriften zu verschmelzen, um neue kraftvolle und exotische Schriften zu erschaffen. Dabei lies ich mich von der japanischen, sehr schwungvollen Tusche-Malerei und Kalligraphie inspirieren. Dabei entstand eine mit dem Pinsel geschriebenes japanisches Gedicht. Die Buchstaben liegen übereinander und wirken wie japanische Schriftzeichen, sind aber das lateinische Alphabet.

Meine zweite Arbeit, war der Versuch einer deutsch-hebräischen Schrift. Dabei malte ich die Buchstaben des Wortes »Dimension« , in einer kraftvollen Farbe und Komposition.

Praktikumsbericht 2016

Für mich war es immer ein Traum gewesen, einmal in New York zu leben – in der Stadt die niemals schläft. Einmal selbst zu erleben, was man es aus unzähligen Filmen und Serien zu kennen glaubt. Und ich kann sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Das Auslandssemester hat mir nicht nur einen Einblick in die zukünftige Berufswelt gewährt, sondern mich auch persönlich auf vielfältige Weise weitergebracht. Salopp gesagt, es war eine »geile Zeit«.

Mein Praktikum absolvierte ich bei einem Design Büro namens »Buero NY« in Manhattan. Unser Team bestand aus 10 Leuten und war international besetzt. Das Unternehmen hat vor allem Kunden im Mode- und Kosmetikbereich. So hat »Buero NY«  etwa die Werbekampagne für Marc O’Polo umgesetzt. Als ich wieder nach München zurückgekommen bin, habe ich »meine« Plakate, an denen ich mitarbeiten durfte, tatsächlich in den Marc O’Polo Läden gesehen.

Das Büro entwirft selbst Schriften, so konnte ich dort auch bei der Gestaltung eines Fonts mitwirken. Insgesamt habe ich einen guten Einblick bekommen und fand es sehr spannend, mit Kunden aus Kunst und Modebranche zusammenzuarbeiten.

Gewohnt habe ich in einer WG in Brooklyn. Das Beste an unserer Wohnung war die
Dachterrasse, von der man die ganze Skyline von Manhattan sah und die zu unserem zweiten Wohnzimmer wurde. Man schaute über die Dächer von Brooklyn auf das Lichtermeer der Stadt und spürte unmittelbar, dass man sich in einer der aufregendsten Städte befindet.

Von allen Museen, die ich in NY gesehen habe, waren die Galerien in Chelsea, das Moma PS1 in Brooklyn und das temporäre Museum of Feelings meine Favoriten. Da ich auch neben dem Praktikum kreativ sein wollte, habe ich Kurse in Zeichnen und Schmuckdesigns besucht.

Das Nachtleben war für mich auch ein großer Teil meiner »NY Experience«, denn es wird in NY definitiv viel verrückter und freizügiger gefeiert. Vor allem die Bootspartys,
auf denen man während dem Feiern die Skyline beobachtet konnte, waren beeindruckende Erlebnisse. In NY ist alles möglich: Multi-Kulti, verrückte Leute, Graffiti und Industrial Style. Es war ein deutlicher Kulturenmix zu spüren, denn in NY ist jede Nationalität vertreten.

Für mich waren es sehr aufregende sechs Monate, in denen ich enorm viel erlebt habe und die mein Leben verändert haben. Ich würde es jederzeit wieder machen und das Abenteuer wagen.

Kalligrafiestudien in kyrillischer Schrift
Schrift und Typografie, 1. Semester: Marina Emeljanov

Die kyrillische Schrift ist die Schriftentwicklung des Ostens, die für westlich geschulte Augen zunächst schwer zu entschlüsseln ist. Hauptthema meiner Schreibstudie ist es, den ungewöhnlichen Schriftzeichen durch das Aufsetzen eines klaren Rasters ein einheitliches und harmonisches Gesamtbild zu verleihen. Durch Variation der Schriftfarbe und Deckkraft auf schwarzem und weißem Papier ist eine Serie enstanden.

Zu Besuch beim Steve Jobs der Renaissance.

Die diesjährige Studienfahrt des Fachbereichs Mediadesign München hatte ein wahrlich exquisites Ziel – die Lagunenmetropole Venedig. Die Stadt der malerischen Brücken und Palazzi, die sich im grün-blauen Wasser spiegeln, lockte uns mit einer epochalen Ausstellung über einen Buchdrucker der Renaissance.

Der gelehrte Aldus

Jener Buchdrucker, der damals schon 40-jährige humanistische Gelehrte Aldus Manutius (eigentlich Teobaldo Manucci) lässt sich 1489 in der Lagunenstadt nieder. Der Buchdruck, die Ideale menschlicher Bildung und die Regeln der Typografie fanden in dem wohlhabenden, bürgerlichen Umfeld der Handelsmetropole günstigen Nährboden.

Der spätberufene Manutius avanciert hier in den folgenden Jahren zum äußerst innovativen Vordenker in intellektueller wie in technischer Hinsicht – gewissermaßen zum »Steve Jobs der Renaissance«.

Viele seiner Bücher erschienen als mehrsprachige Ausgaben in Griechisch und Latein, vor allem Klassiker antiker Autoren. Mit enormem Aufwand fertigte Manutius das dafür notwendige Sortiment – wie damals üblich auf unterschiedliche Zeichenbreiten – an diakritischen Zeichen. So trug er wesentlich zur Verbesserung der Grammatik bei.

Der Traum des Poliphilius aus dem Jahre 1499 (»Hypnerotomachia Poliphili«) gilt zurecht als eines der schönsten Bücher der Renaissance. Mutig ausgezeichnete Satzbehandlung und künstlerische Holzschnitte machen dieses Buch zum typografischen Kleinod. Griffo da Bologna hat die Poliphilius Type erstellt, die sich allen vorangegangen Antiqua-Typen deutlich überlegen zeigte.

Eine Garagenfirma am Lido

Manutius wollte erschwingliche Bücher für jeden Bürger. 1501 erscheint das erste Buch im kleinen Oktav-Format, eine Ausgabe von Vergils »Äneas« – für die damalige Zeit eine Sensation. Die hier verwendete, weil platzsparende Schrift Italica stammt wiederum von Francesco Gríffo da Bologna. Bis zu 30 Ausgaben erschienen bis zu seinem Tod im Jahr 1515 in dem Format »Taschenbuch avant la lettre«.

Er erstellte unterschiedliche Ausgaben ein und desselben Buches, abgestimmt auf den Geldbeutel der Kunden. Marcus Valerius Martialis’ »Epigram« erschien in einer Prachtausgabe mit kunstvollen Illustrationen von Benedetto Bordon, in einer regulären nur mit Initialen an Kapitelanfängen und in der schlichten Variante mit blankem Text. Ein anderes Buch druckte er auf blauem Papier, um den Preis zu heben.

Sein Signet, ein Anker umschlungen von einem Delphin, bedeutet soviel wie »Eile mit Weile«, es verbindet Standhaftigkeit mit Beweglichkeit.

Der Besuch der Ausstellung »Aldo Manuzio. Il Rinascimento di Venezia« hat uns beeindruckt und gezeigt, wie facettenreich die Geschichte der Schrift, des Buchdruckes und der menschlichen Kultur ist.

Wir freuen uns sehr, dass uns diese Studienfahrt ermöglicht wurde. Die Inspiration wird noch lange nachwirken.

Fotos Jakob Kreitner, Sybille Schmitz
Studienfahrt 2016

Unser Venedig-Aufenthalt bot vielfältige Anregungen – die meiste Zeit von einem unbeschreiblichen Sonnenlicht begleitet: Vom besonderen italienischen Flair dieser Stadt mit erstaunlich zurückhaltendem touristischem Geschehen bis zu einem beeindruckenden Renaissanceschloss, das einigen von uns auch als Quartier diente; vom wichtigsten Entwicklungsschritt in der Entwicklung des Buches (Ausstellung in der Accademia über den Buchdrucker und Verleger Aldus Manutius) über einen besonders aufregenden Rasterpunktkünstler (große Ausstellung Sigmar Polke im Palazzo Grassi) zur thematisch ganz neu aufgestellten Architekturbiennale.

Dank einer unternehmungslustigen Truppe konnten wir trotz enger Zeiträume einen großen Teil der Pavillons in den Giardini sehen. Das besondere Thema der diesjährigen Biennale – Reporting from the Front – das unter dem Zeichen von Flucht, Migration, Verstädterung und sozialem Bauen steht, wurde mit dem deutschen Pavillon in ein klares politisches Zeichen umgesetzt: Deutschland ist (war?) offen – eindrucksvoll gezeigt in Mauerdurchbrüchen, die vielschichtige Durchblicke aus dem Gebäude bis hin zum Meer zuließen. Wie im Grafikdesign der letzten Jahre werden auch in der Architektur gesellschaftspolitische Themen immer drängender in den Zusammenhang ästhetischer Fragestellungen gebracht. Wenn dies auch mit den jeweiligen Länderpavillons nicht immer deutlich wurde, so hat uns die hohe Ausstellungsqualität eine abwechslungsreiche Fülle an Möglichkeiten gezeigt, die uns nachhaltig inspiriert hat.

Fotos Jakob Kreitner, Sybille Schmitz