Stehsatz

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Designauftritt der Werk- und Modenschau der MD.H am 7. und 8. März 2017: Sandra Tammery, Theresa Schwaier, Lucas Wurzacher

Y’D ♡ 2’C  (You’d love to see) ist das Motto der diesjährigen Werkschau, Y’D ♡ 2’VE (You’d love to have) ist das Motto der Modenschau an der MD.H in München. Mutig inszenierte Typografie, das grafische Spiel mit Räumen prägen die Kommunikation, der Flyer, der Broschüren, der interaktiven Webanzeigen, der Plakate und Aufkleber gleichermaßen.

Die diesjährige Werkschau findet in Kooperation mit der MCBW in der Whitebox statt und zeigt interessante Arbeiten digitaler sowie klassischer Natur. Nähere Informationen gibt es unter www.mediadesign.de.

Fraktur, Schneidler, Zentenar
Schriftanalyse 2. Semester: Jakob Kreitner, Daniela Ibler

80 Jahre ist es inzwischen her, dass Friedrich Hermann Ernst Schneidler mit den Arbeiten an der »Zentenar« begann, einer Fraktur, die zum hundertjährigen Bestehen der Bauerschen Schriftgießerei in Frankfurt am Main in Auftrag gegeben wurde. Doch obwohl die Schrift des Begründers der »Stuttgarter Schule« von vielen Typografen wie beispielsweise dem Schneidler-Schüler Albert Kapr für eine, wenn nicht sogar die schönste aller Frakturen, gehalten wird, so ist sie, wie alle gebrochenen Schriften, dem modernen Menschen fremd geworden. Dass es sich hierbei um ein trauriges Missverständnis handelt, soll mit unserer in drei Teile gegliederten Schriftanalyse auf knapp 300 Seiten herauszuarbeiten werden:

Im ersten Abschnitt geht es um die Geschichte der Fraktur. Dabei wird mit zahlreichen Beispielen erläutert, wie die gebrochene Schrift und insbesondere die Fraktur entstanden ist und über die Jahrhunderte zu der den deutschen Sprachraum dominierenden Schrift aufsteigen konnte. Ausgerechnet von den Nationalsozialisten in einem verleumderischen Akt als »Schwabacher Judenletter« verboten, fand sie erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Subkulturen wie dem Hip-Hop ihren Platz und ist heute wieder mehr als Zierde bajuwarischer Gasthäuser.
Im zweiten Abschnitt des Buchs wird die Person des Friedrich Hermann Ernst Schneidler näher beleuchtet. Neben einer Abhandlung seines Lebenslaufs und zahlreichen Beispielen seines umfangreichen Schaffenswerks wie dem »Wassermann«, der »Juniperuspresse« und den verschiedenen Schriften, die er zeit seines Lebens schuf, kommen auch immer wieder viele seiner ehemaligen Schüler zu Wort, die er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart maßgeblich in ihrer Entwicklung prägte.
Der dritte Teil beschäftigt sich dann im Detail mit der »Zentenar«. Dabei wird auf den Entstehungsprozess näher eingegangen, die Schrift mit ihren verschiedenen Schnitten und Initialen wird aufgezeigt und auch die Problematik zwischen dem für den Bleisatz geschaffenen Original und der digitalisierten Variante wird angesprochen. Zuletzt steht eine Anleitung, wie man am Beispiel der »Zentenar« mit einer Fraktur richtig umzugehen hat und ein Fazit rundet das Buch ab: Die große Zeit der Fraktur ist vorbei und wird auch nicht zurückkommen. Gerade deshalb ist es schade, dass die »Zentenar« nicht den Grad an Verbreitung erlangen konnte, den sie verdient hätte. Unsere Arbeit soll diesem Vergessenwerden entgegenwirken.

Unser Buch ist im Layout entgegen altbackener Klischees von gebrochenen Schriften klar und modern gestaltet. Während sich auf dem schlichten in weiß gehaltenen Einband nur die schwarzen Initialen des Titels finden, kann man im offenen Buchrücken bereits die den drei Teilen des Buchs zugeordneten Farben erahnen. Das Format dagegen wurde durch Schneidler selbst bestimmt, denn eine Doppelseite entspricht einer Seite seines »Wassermanns«. Den dynamischen Elementen der Fraktur wurde die ruhige »FF Din« entgegengesetzt, die als Hauptschrift fungiert, während die »Zentenar« vor allem für Überschriften verwendet wird und die »Adobe Caslon« sowie die »Schneidler Schwabacher« als Nebenschriften dienen.

Kalligrafie 1. Semester: Max Roos

In meiner Arbeit versuche ich dem Gedicht »Der Panther« von Rainer Maria Rilke visuell gerecht zu werden. Der Poet beschreibt in seinem Gedicht das traurige Dasein des Tieres, seinen täglichen Kampf, geprägt durch das Käfigleben im »Jardin des Plantes« in Paris und die damit einhergehende Monotonie und Beengtheit.

Durch die schreibende Wiederholung der ersten Strophe, ebenso wie die schmale und in die Länge gezogene Minuskelschrift soll ein Bild von Gitterstäben und der Eindruck des Eingesperrtseins beim Betrachter entstehen.

Univers – eine Schriftanalyse
Schriftanalyse 2. Semester: Marina Emeljanov, Sofia Gronard, Max Roos

Die Univers ist der Fonderie Deberny & Peignot, mit Charles Peignot als Verantwortlichem, zu verdanken. Durch ihn konnte erstmals das Konzept einer Großfamilie gestaltet werden. Durch die fortschrittliche Arbeit an der Lumitype wurde das Thema »Grotesk« interessant und forderte nach einer neuen Type mit 21 Schnitten. Es wurde eine »sachlich-funktionale, zeitgemäße Schrift« gefordert. Die Univers ist eine Universalschrift, sowohl für Buchdruck und Zeitungssatz, als auch Anwendungen in künstlerischer und signaletischer Form. So trägt die Univers »ihren Teil zum Weltruf der »Schweizer Typografie« bei«. Typografen wie Emil Ruder und Basler Schüler wie Bruno Pfäffli, Helmut Schmid, Hans-Rudolf Lutz, Fritz Gottschalk, Hans-Jürg Hunziker ist ein besonderes Lob auszusprechen, denn sie sind mittragend für das Schaffen der Univers. Das Meisterwerk Frutigers wurde durch die Eleganz der Univers geschaffen. [vgl. Heidrun Osterer, Phillip Stamm, »Adrian Frutiger – Schriften. Das Gesamtwerk«, S.88]

Das Buch beginnt mit einem Einblick in das Leben von Adrian Frutiger als Mensch und Schriftgestalter. Mit dem Kapitel »die Entwicklung der Grotesk« wird dem Leser ein Überblick über die Geschichte der Vorgänger der Groteskschriften geboten. Darauf folgt der Hauptteil, die Geschichte der Univers, ihre Wirkung und Klassifikation, sowie die Analyse der Einzelzeichen. Es folgen der Schriftvergleich und die Anwendung, um dem Leser die Schrift im Alltag und Schriften der gleichen Klassifikation zu zeigen.

Das Buch lehnt sich stark an die Schweizer Typografie an, wie sie auch in den typografischen Monatsblättern zu sehen ist. Den roten Faden des Buches bildet ein rotes U, es ist sowohl in den Überschriften, Zwischenüberschriften und auf den Schmuckseiten, welche Zitate bilden, zu finden. Dieses Buch soll eine Hommage an die Schweizer Typografen und die aus ihrem Schaffen hervorgegangene Schweizer Typografie sein.

Variation und Wirkung
Typografie 2. Semester: Sofia Gronard, Lucas Wurzacher, Sandra Tammery

Kurt Weidemanns zehn Gebote zur Typografie sind grundlegend für gutes Gestalten. Zwei von diesen zehn Grundsätzen wurden für diese Arbeit ausgewählt, um sie inhaltlich sowie formbezogen darzustellen. Ziel war es, fünfzig möglichst unterschiedliche und spannende Layouts zu kreieren. Sie sind in recht kurzer Abfolge entstanden und es lässt sich doch erkennen, wie mittels Schriftgröße, Schrifttyp, Raumaufbau systematisch variiert wurde. Auf diese Weise wird sehr anschaulich, dass durch den gezielten Einsatz des typografischen Werkzeuges eine enorm vielfältige Wirkung und stupend unterschiedliche Gewichtung erzielt werden kann.

Eine Schrift für’s GQ Magazine, bitte!
Schriftanalyse 2. Semester: Liesa-Johanna Ehrenberg, David Lang

Die »Gotham« ist eine geometrische Schrift, die unserer Meinung nach trotz ihrer Gefälligkeit einen hohen Wiedererkennungswert hat. Inspiriert von alten Straßenschildern und Fabrikaufschriften des alten New Yorks, hat Tobias Frere-Jones 2000 mit Hilfe von Jesse Regan die »Gotham« entworfen. Ursprünglich wurde die Schrift für das GQ Magazine gestaltet, wofür GQ anfangs auch die alleinigen Rechte hatte. Heute ist »Gotham« fast überall in Amerika zu sehen; Auf Plakaten, auf Gebäuden und im Web.

Da die Schrift in der englischen Sprache ganz anders als in der deutschen wirkt, haben wir uns dazu entschlossen das Buch auf Englisch zu schreiben. Wir haben die Schrift auf Herz und Lunge untersucht, wo sie herkommt und was ihre Besonderheiten sind. Ich, Liesa war im Mai 2015 selbst in New York und hat den Ground Zero nochmal genau unter die Lupe genommen. Eine interessante Erkenntnis war, dass die Schrift immer anders wirkt. Obwohl der gesamte Ground Zero mit der »Gotham« versehen ist, wirkt sie dennoch gedruckt ganz anders als gestanzt.

Das Layout ist locker und modern gehalten. Raum und Gegenraum spielen hier eine zentrale Rolle. Schwarz, Weiß und ein helles Blau werden immer wieder aufgegriffen und sorgen für Abwechslung und Spaß beim lesen. Das Inhaltsverzeichnis ist Vertikal gestaltet, um an eine Skyline zu erinnern. Genauso wie der einleitende Text des Kapitels »History« und der Index am Ende. Durch Abwechslung der einzelnen Seiten und Anordnung von Bild und Text erinnert das Buch eher an ein Magazin, als ein klassisches Werk. Ein modernes Buch für eine moderne Schrift.

Fotos: Liesa Ehrenberg, Lucas Wurzacher
Weihnachtsaktion 2016– FB Media Design: Theresa Schwaier, Sandra Tammery, Marina Emeljanov, Alessia Verrecchia, Lucas Wurzacher

Auch wenn der Schnee immer noch auf sich warten lässt und vom weihnachtlichen Flair noch nicht allzu viel zu spüren ist, konnte man letzten Freitag schon ein bisschen Weihnachten in der MD1015 schnuppern.

Marina, Sandra, Alessia, Lucas und ich fertigten die alljährliche Weihnachtsaktion der MD.H München per Hand. In diesem Jahr gibt es eine Weihnachtspost, die den Keim der Zuversicht birgt. Die Adressanten bekommen mit einem handgestempelten Anschreiben Tannensamen, damit sie für künftige Weihnachtsfeste Christbäume ziehen können. Mit dieser Aktion soll ein Zeichen für einen gelassenen Blick gesetzt werden. Auch dem Upcycling-Trend tragen wir Rechnung: Das Anschreiben lässt sich dank des festen Kartons zum Blumentopf umbauen.

»RE SIGN« RE MADE
Kevin Kremer

Die Arbeit zielt darauf ab, durch systematische Dekonstruktion und anschließende Neukombination, die erlernte Darstellungsweise und Erfassbarkeit eines Buchstabens in Frage zu stellen. Es sollen die Grenzbereiche der Wahrnehmung einer Form in Bezug auf deren Erkennbarkeit als Schriftzeichen der abendländischen Schriftkultur erforscht werden.

Wann tritt der Punkt der »Nicht-Erkennbarkeit« einer Form als Schriftzeichen ein? Wie weit kann man die Gewohnheiten des Betrachters in Bezug auf die erlernte Darstellungsweise eines Schriftbildes ausreizen, um ein Schriftzeichen als solches unerkennbar zu machen? Wann tritt der Zeitpunkt der Trennung von erlernter Form und Funktion eines Schriftzeichens ein?

Das Ergebnis dieser visuellen Untersuchung ist eine Reihung an Formzeichen, ausgehend vom bekannten Schriftbild, hin zu einer stark abgeänderten Darstellungsweise.

So weit so gut. Jedoch hatte ich bei der grafischen Ausarbeitung der Konzeption stets ein mulmiges Gefühl. Ich ging einfach nicht zu einhundert Prozent d‘accord mit dem, was dann schlussendlich als Ergebnis vor mir lag: ein 700 Seiten umfassender Wälzer, der durch seine bloße Größe schon dazu geeignet wäre, die Leser zu erschlagen. Also: noch mal. So habe ich mich in den letzten Wochen dazu durchgerungen jede. einzelne. Seite. noch einmal zu gestalten. Dieses mal anders: kleineres Format, weniger sachlich und deutlich reizvoller. Das Ergebnis ist ein 800 Seiten umfassendes Werk, das erstaunlich gut in eine Hand passt und zudem auch noch stilvoll in einem Schuber aufbewahrt werden kann.

Futura – die Schrift unserer Zeit
Schriftanalyse 2. Semester: Lucas Wurzacher, Robin Bruckmaier

Paul Renner (1878–1956) war einer der einflussreichsten Schriftentwerfer des 20. Jahrhunderts. Mit der Futura, welche nach dreijähriger Entwicklung 1927 von der Bauerschen Gießerei veröffentlicht wurde, schuf Renner eine der erfolgreichsten Schriften dieser Zeit. Auch heute noch gilt sie als das Musterbeispiel einer geometrischen Grotesk. Renner traf mit der Futura den zu dieser Zeit herrschenden Zeitgeist des Umschwungs. Trotz der zeitgleichen Bewegung des Bauhauses orientierte sich Renner nicht an dieser. Vielmehr inspirierte die Karolinger Minuskel Renners Grundentwürfe der Gemeinen. Es folgte ein langwieriger und intensiver Entwicklungsprozess, in dem sich die Futura einem breiteren Markt öffnete.

Im ersten Teil des Buches findet der Leser einen Überblick über Paul Renners Leben als Grafikdesigner, Autor und Typograf, und auch seine Werke. Ausgehend von der Entstehung der Sans Serif begleitet der zweite Teil den Leser durch den langen Entwicklungsprozess der Futura. Es folgt die Analyse der Futura, welche sich unter anderem mit den verschiedenen Schriftschnitten und der Lesbarkeit im Mengentext auseinandersetzt. Sie endet in der Detailanalyse der einzelnen Buchstaben und einem Schriftvergleich mit der Gill Sans und der Avenir. Abschließend stehen dem Leser Anwendungsbeispiele der Futura auf verschiedenen Gebieten zu Verfügung.

Das Werk lehnt sich in Layout und Format an Renners literarische Werken an. Subjektiv haben wir die Schrift mit einem rötlichen Farbton assoziiert. Dieser begleitet unter Verzicht auf weitere Farben den Leser durch das Buch. Er leitet neue Kapitel ein und dient besonders in der Analyse als Hervorhebung. Das Buch soll das Klassische mit dem Modernen vereinen, so wie auch Renner die alten europäischen Schriften als Grundbaustein für seine Schrift verwendete und durch jahrelange Entwicklung der Futura zu einer der beliebtesten Schriften unserer Zeit verhalf.

Singuläres Zeichen – Der Hohn
Grafische Zeichen 2. Semester: Jakob Kreitner

Ein Name wie eine Allegorie und doch nicht wirklich passend, also was, wenn es die einfache Lösung nicht gibt? Aus den charakterisierenden Adjektiven offen, modern, elegant, faul, eitel und flexibel heraus wird ein dynamisches Logosystem entwickelt mit genug Prägnanz, um den Wiedererkennungswert nicht zu verlieren. Um die von der Schallplatte zum O abstrahierte Mitte des Quadrats kreisen in verschiedenen Varianten die Buchstaben, die zusammen den Namen »Felix Hohn« ergeben. Die optisch reizvollsten 20 Zeichen der Versuchsreihe wurden der Zahl wegen ausgewählt und neben der Standardversion in grau und schwarz auch als Farbvarianten umgesetzt. Dazu wurde eine Plakatreihe erstellt, die sowohl die Konzeption erläutert, als auch die Vielseitigkeit veranschaulicht. Ob als einfache Wortmarke, einzelnes Logo oder spielerisches Rastergewebe aus mehreren Zeichen, das Felix Hohn Logosystem bietet zahlreiche gestalterische Entfaltungsmöglichkeiten.

Fotos: Jakob Kreitner