Stehsatz

Editorial Design (3. Semester): Janina Engel

Der Reigen von Arthur Schnitzler ist ein gesellschaftskritisches Schauspiel mit Bezug zu Wien um 1900. Es beschäftigt sich auf spielerische Art mit der Ungleichstellung zwischen den Geschlechtern und der Darstellung des Frauenbildes, welche sich durchaus auch noch auf die heutige Zeit übertragen lässt. In 10 Szenen erläutert Schnitzler die Frauenbilder, Emanzipation, Misogynie sowie die Unterschiede und Ähnlichkeiten der Gesellschaftsklassen. Es begegnen sich unterschiedliche Charaktere, vollziehen den Geschlechtsakt, trennen sich und treffen in der weiteren Szene auf einen neuen Partner/eine neue Partnerin. Der Reigen ist ein nie endender Kreis. Das Theaterstück war 1903 ein gewaltiger Skandal und konnte erst 1920 in Berlin wiederaufgeführt werden.

Mit der gezielten Wahl nur die aussagekräftigen Teile des Dialoges vor und nach dem Geschlechtsakt werden die Gemeinsamkeiten jeder Szene deutlich. Die Gesellschaftsklassen verschwinden und nur der Mensch bleibt. Nicht nur die Personen verbinden die Szenen, auch das Verhalten zwischen Mann und Frau ändert sich nur selten. Die anfängliche Abneigung der Frau wechselt zur Anhänglichkeit und die Erregung des Mannes zu kalter Ablehnung.

Freie Schriftarbeit (1. Semester): Sofia Wittmann

Die freie Schriftarbeit hatte keine Vorgaben, deshalb habe ich mich dafür entschieden, ein Wort, mithin etwas eigentlich statisches durch etwas dynamisches, präziser durch Bewegung akrobatisch darzustellen. Mit Hilfe einer Gruppe junger Tänzerinnen haben wir in einer spontanen Choreografie das Wort »ALLEIN« dargestellt – eine contradictio per se. Gerade das Improvisierte, nicht das Perfekte der geturnten Buchstaben macht den Reiz des Lesens aus. Der Betrachter nimmt sich die Zeit den Tanz zu entschlüsseln, eben weil man es nicht auf den ersten Blick erkennt.

Bachelorarbeit: Sara Donati
Mimikri – Mensch und Tarnung

In ihrer Bachelorarbeit untersucht Sara Donati mittels fotografischem Experiment inwieweit sich der Mensch im Stadtraum tarnen kann, also optische Verbindungen mit modernen urbanen architektonischen Strukturen bis hin zur gänzlichen Verschmelzung eingehen kann. Ihre Versuche führte sie an unterschiedlichen Orten in München – dem Brandhorst Museum, der BMW Welt, der Herz-Jesu Kirche sowie diversen U-Bahn Stationen – durch. Entstanden ist eine grafisch sehr reizvolle, aber auch skurille Fotoserie, die die achtlos hetzenden Stadtmenschen durchaus zu neuer Aufmerksamkeit, ja vielleicht zu erfrischendem Mißtrauen dem Alltag gegenüber anregen kann.

Editorial Design (3. Semester): Dorothée Martin, Elisabeth Koster

Ab wann kann ein Wort, welches mittels unterschiedlicher Systeme verfremdet wurde, gelesen werden? Um dieser Frage nachzugehen wurden sechs Wörter auf unterschiedliche Weise unkenntlich gemacht. Es wurden einzelne Buchstabenteile bis hin zu ganzen Buchstaben ausgelassen, sie wurden in Teilkörper zerlegt, neu zusammengesetzt, zusammengeschoben, entzerrt und leicht versetzt. Innerhalb dieser Systeme gibt es sechs Stufen der Verfremdung, um den Punkt der Lesbarkeit ausfindig zu machen.

Beschäftigt haben wir uns dazu mit der Wahrnehmung im allgemeinen Sinne, mit der Wahrnehmung im psychologischen Sinne, den Gestaltgesetzen, insbesondere mit dem Gesetz der Erfahrung, der Objektwahrnehmung mittels Zerlegung in elementare Teilkörper von Irving Biederman, der Schriftform und der Lesbarkeit sowie den morphologischen Tafeln von Adrian Frutiger.

Zusätzlich wurde ein Objekt gefertigt, um das man im Raum herumschreiten kann und den im Heft angewandten Systemen folgt. Das Wort ist erst dann zu erkennen, wenn das Objekt aus dem richtigen Winkel betrachtet wird –wird es das nicht, sind lediglich einzelne Buchstabenteile zu erkennen, die sich beim weiteren Bewegen um das Objekt herum zu einem Wort zusammenfügen.

Bachelorarbeit: Lilian Karr
Keine falsche Scham

Den weiblichen Körper als geheimnisvolles Sujet zu bezeichnen mag im ersten Moment erstaunlich wirken, bei näherer Betrachtung spricht jedoch viel dafür, dass trotz weitverbreiteter visueller Präsenz des beinahe unbekleideten Frauenkörpers genaues Wissen über maßgebliche Details rar ist. Auch heute fehlen einigen jungen und auch nicht ganz so jungen Frauen Akzeptanz und genaue Kenntnis jener signifikanten Teile des eigenen Körpers, die biologisch als primäre Geschlechtsmerkmale bezeichnet werden. Die Werte, die von der eigenen Familie, von der Schule und selbst von Freundinnen vermittelt werden, spielen in dieser Beziehung zum eigenen Körper eine wesentliche Rolle. Immer noch herrscht hier oft im wahrsten Sinn des Wortes oberflächliches Halbwissen.

Um dem weiblichen Geschlecht die positive visuelle Umschreibung zu geben, die es verdient, um Frauen einen angenehmen Zugang zu eben diesem zu ermöglichen, und um über die wichtigsten Funktionen aufzuklären ist diese Arbeit entstanden.

Es gibt umfangreiches Material zum Thema des weiblichen Körpers, das allerdings oft als ungeeignet für einen entspannten Umgang scheint. Entweder schrecken medizinisch – anatomische Abbildungen die Zuseherin von vornherein ab, oder die Darstellungen erinnern an pornografisches Material. Meine Arbeit hingegen geht künstlerisch gestaltend an diese Aufgabe heran und versucht durch konkrete Details und gleichzeitige Symbolhaftigkeit einen leichten Zugang und Überblick zu verschaffen.

Schrift (1. Semester): Marina Scalese

Ihre ersten Schriftübungen zur »Capitalis Quadrata« verziert Marina Scalese gekonnt mit einem kunstvollen, handgezeichneten Initial-A. Filigrane Formen, kraftvolle wie feine Schwünge kennzeichnen das detailverliebte wie formschöne Zeichen. Stark historisierend, wie aus einer anderen Zeit, auf dünnem, gelblichem Büttenpapier angelegt, mit eigens gezeichnetem Zierrahmen bildet dieses Initial den harmonischen Ausgleich zur statischen Versalschrift »Capitalis Quadrata«. Gelungen.

Fotos: Janina Engel
Editorial Design (3. Semester): Laura Müller-Beilschmidt

»Zeilen falten« ist ein dreidimensionales Objekt, das aus mehreren verschiedenen A5 Faltkarten besteht. Auf den Karten ist das Gedicht »zweites sonett« von Ernst Jandl abgebildet. Das Gedicht handelt von Sprache, die in der Gesellschaft misshandelt wird. Sprache hat keine Absicht, sondern dient der Verständigung. »die zeile will die zeile sein« war ausschlaggebend für die Wahl des Gedichts, da sie heraussticht. Die Anordnung und Verschachtelung der Karten soll die vielfältige Verwendung der Sprache darstellen und zeigen, dass Sprache nur Sprache ist.

Bachelorarbeit: Anna Lynn Schemmel
» De gustibus non est disputandum «

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Obwohl dieses Sprichwort im Wesentlichen die Vorlieben einer Person und deren Sinn für Ästhetik anspricht, trifft es auch auf den eigentlichen Geschmackssinn eines Individuums zu. Denn infolge zahlreicher Einflüsse nimmt jeder Mensch Geschmäcker anders wahr und reagiert unterschiedlich auf diese Eindrücke, wodurch sich diese nur schwer in objektiver Weise grafisch darstellen lassen. Es stellt sich die Frage, wie die verschiedenen Geschmacksrichtungen, die der Mensch erfassen kann, auf ihn wirken und wie er diese wahrnimmt. Daher soll in diesen Heften für die einzelnen Geschmacksqualitäten eine universelle Farb- und Formsprache erarbeitet werden, mithilfe derer die Geschmäcker anschließend in verschiedenen Kompositionen dargestellt werden können.

Um ein Verständnis für das Thema Geschmack zu erhalten, konzentriert sich die Arbeit zunächst auf die verschiedenen Aspekte dieses Sinnes und seine Bedeutung und Auswirkungen auf den Menschen im Alltag. In Form einer Umfrage wurden verschiedenste Assoziationen der Befragten zu den Geschmacksqualitäten gesammelt, die als Basis für die Umsetzung der Plakate dienten.

Visualisierung (1. Semester): Magdalena Stricker
Ein Leben – fünf verschiedene Kreisobjekte, fünf verschiedene Höhen, fünf verschiedene Bedeutungen.

Der vollste und höchste Kreis stellt die Geburt dar, das Leben liegt noch vor sich, alles muss noch erlernt, verstanden und erkannt werden. Im Laufe der Zeit nimmt die Fülle der Kreise ab. Der darauffolgende Kreis beginnt bereits abzunehmen, er stellt das Kindesalter und die Adoleszenz dar, in dieser Phase wird bereits gelernt, verstanden, es werden eigene Entscheidungen getroffen. Direkt darauf schließt das Erwachsenenalter an, den Kreisen nach zu beurteilen ist das halbe Leben bereits vorbei, dabei wird die Zeit mit Familie und Arbeit verbracht. Das Greisenalter ist die Zeit der Rente, man lebt wieder auf, unternimmt Reisen, oder aber Krankheit und Schmerz bestimmen den Alltag, vielleicht auch die Einsamkeit. Der kleinste und letzte Kreis stellt den Tod dar, das ganze Leben ist vorbei, die Dynamik der Kreisform erlischt, der Lebenskreis endet – da ist er, der Tod.

Fotos: Janina Engel
Werkschau der MD.H München

Die alljährliche Werkschau findet heuer am Mittwoch, den 7. März, wie stets in den Räumlichkeiten der MD.H München statt.

In den zurückliegenden Wochen haben die Studierenden des Fachbereichs Media Design Josef-Joachim Schuster, Janina Engel, Jan-Marc Zublasing, Nico Janson, Thomas Fäckl, Tanja Aigner und meine Wenigkeit beharrlich und doch inspiriert geschuftet: Es wurden Plakate entworfen, Einladungen gestaltet, eine Postkartenserie entworfen und auch ein Foto-Shooting organisiert. Letzteres haben die engagierten Fotografen Jan und Nico mit studentischer Begeisterung und professioneller Routine organisiert und umgesetzt. Die Plakatserie zur Werkschau stammt von Josef-Joachim Schuster.

Insgesamt kann sich das Ergebnis, das in diesem Jahr alle Fachbereiche portraitiert, mehr als sehen lassen – und es sollte von Interessierten gesehen werden! [Werkschau 2018, Webseite, Adresse: MD.H, Claudius-Keller-Straße 7, 81669 München, Öffnungszeiten: 10:00–14:00 Uhr, 18:00–22:00 Uhr]

Ich danke an dieser Stelle dem Team für den enormen Einsatz.