Stehsatz

Die Bachelorarbeit von Nicolas Janson mit dem Titel »Kreativität durch Variation« richtet das Augenmerk allgemein auf den kreativen Arbeitsprozess, und im Besonderen widmet sie sich dem Einfluss auf diesen Prozess durch zukünftige Technologien.
Bachelorarbeit: Nicolas Janson

Die Bachelorarbeit von Nicolas Janson mit dem Titel »Kreativität durch Variation« richtet das Augenmerk allgemein auf den kreativen Arbeitsprozess, und im Besonderen widmet sie sich dem Einfluss auf diesen Prozess durch zukünftige Technologien. Können Algorithmen einem Kreativen die Arbeit abnehmen oder ist ein Computerprogramm sogar der bessere Gestalter? Ist der Mensch durch seine eigenen Erfahrungen und sein Ästhetikempfinden limitiert oder sind es genau diese Werte, die ihn dem Computer überlegen machen?

Diese Fragen wurden experimentell untersucht indem verschiedene Versuchsreihen einmal klassisch mit Stift und Papier und einmal durch ein Computerprogramm realisiert wurden. Auf diese Weise entstand schließlich ein computergeneriertes, auf einem Raster basierendes Zeichensystem.

Fotos: Nicolas Janson
Das Stehsatz-Magazin braucht dieses Jahr Starthilfe

Das Stehsatz-Magazin ist für die Studierenden des Fachbereichs Media Design in München oft die erste Möglichkeit, ihre Arbeiten einer größeren Öffentlichkeit außerhalb des universitären Umfeldes zu präsentieren. Mit den Portraits weltweit renommierter Agenturen richtet es gleichzeitig den Blick hinaus in die Welt, es verbindet so die Phase des Erprobens im geschützten universitären Raum mit der Praxis eines international wirkenden Berufsfeldes.

Auch in diesem, vom Corona-Virus geplagten Jahr soll das Magazin realisiert werden. Dafür möchten wir hier höflichst um eine kleine Spende bitten. Sie können die Macher des Projektes über PayPal Moneypool mit einem frei wählbaren Betrag unterstützen – über diesen Link. (paypal.me/pools/c/8qDtQV1jYx). Jeder Cent hilft!

Fotos: Boris Braunstorfinger, Veronika Disl, Sybille Schmitz
Visualisierung (1. Semester): Laura Di Vita

Die Grundlage der Visualisierung des Lebenszyklus’ bildet eine Holzplatte, zu gleichen Teilen weiß und schwarz bemalt – in Anlehnung an das chinesische Yin-Yang-Symbol, das bekanntermaßen zwei gegesätzliche, aber doch aufeinander bezogene, voneinander abhängige Kräfte oder Prinzipien symbolisiert, in diesem Fall Leben und Tod.

Auf der Holzplatte finden sich Nägel in Kreisform angeordnet, an denen wiederum zahlreiche farbige Fäden gespannt wurden. Die Farben der Kreissegmente sind den sechs Lebensphasen eines Menschen zugeordnet: Geburt weiß-rosa, Kleinkindalter gelb-orange, Adoleszenz hellrot-dunkelrot, Erwachsenenalter hellgrün-dunkelgrün, Greisenalter hellblau-dunkelblau, und das Lebensende braun-schwarz.

In der Mitte, dem Zentrum, zu dem alle Fäden laufen, das alle Fäden hält, ist die (Welt-) Achse hervorgehoben, um den sich der Kreislauf des Werdens und des Vergehens dreht, gewissermaßen der Baum(stamm) des Lebens.

Fotos: Laura Di Vita
Visualisierung (1. Semester): Sarah Janson
Plakatreihe zu Gotye – »Somebody that I used to know«

In vier Plakaten wurde der Song »Somebody that I used to know« von Gotye visualisiert. Dargestellt werden ein Metabild sowie drei Teilabschnitte. Die zu einem Muster zusammengesetzten Balken geben die Rhythmik des Liedes wieder, wobei hier die breiten, tiefen Balken bzw. die hohen, schmalen Balken die männliche bzw. weibliche Stimme repräsentieren. Die Plakate wurden in drei Farbvarianten zu einer harmonischen Reihe umgesetzt.

Das erste Plakat zeigt den Song als stimmiges Ganzes, im zweiten wird der Rhythmus des Liedes und der Gesang von Gotye, im dritten die hohe Tonlage der Sängerin Kimbra durch schmale Balken visualisiert. Das letzte Plakat stellt das Zusammenspiel der beiden Stimmen sowie das abrupte Ende des Liedes dar. Erst im Zusammenspiel aller vier Plakate ergibt sich sowohl der Songtitel wie auch die Gesamtheit aller Schichten oder Perspektiven dieses sentimentalen Popsongs.

Obwohl er von Verlust und Trennungsschmerz handelt, evoziert das Anhören paradoxerweise eine selig-beschwingte Stimmung, was Entsprechung in belebenden Farbkombinationen findet.

Visualisierung (1. Semester): Nikol Stancheva

In ihrer Visualisierung des Lebenszyklus – Geburt, Kindesalter, Adoleszenz, Erwachsenenalter, Greisenalter und Lebensende – erstellte Nikol Stancheva eine stimmungsvolle Fotoserie.

Sie griff dabei das sichtbarste Merkmal des Alters eines Menschen auf, dasjenige Organ, auf dem das fortschreitende Leben im wörtlichen Sinne Spuren hinterlässt: die Haut. Sie ist gewissermaßen die Leinwand des Schicksals, das von Beginn an darauf zeichnet ­– tatsächlich altert die menschliche Haut im Grunde von der Geburt an. Mit den Jahren wird die zunächst noch womöglich rosige Haut weniger elastisch, faltig, dünner, aber auch markanter.

Um eine grafisch adäquate Übersetzung dieses Prozesses als Visualisierung des Lebenszyklus zu schaffen hat Nikol Stancheva verschiedene Papiere auf unterschiedliche Weise gefaltet, zu einem Leporello verbunden und fotografisch inszeniert. Eine gute Idee ist oft verblüffend einfach und die Mittel dazu oft äußerst begrenzt, die Wirkung dann umso beeindruckender – sie entfaltet sich hier unmittelbar.

Fotos: Nikol Stancheva
Musikvisualisierung (1. Semester): Celina Hofmann

Für die Musikvisualisierung des Stückes »Palladio« von Karl Jenkins habe ich für jeden der 82 Takte jeweils eine wellenförmige Linie gezogen. Je nachdem, wie viele Noten der Takt enthält, wie schnell oder langsam, wie dynamisch die Musik in dieser Sequenz ist, ist die Welle entsprechend größer, breiter oder schmaler geworden. Die Welle entwickelt ihren Charakter gemäß der Wirkung der Musik.

So finden sich beispielsweise für einen Sechzehntel Takt viele kleine Wellen, für eine halbe Note nur eine einzige, kleine und für viele verschiedene Noten in einem Takt große Wellen visualisiert. Diese machen die Spannung, die immer wieder anschwillt und abebbt, sichtbar.

In »Palladio« sind vier Instrumente zu hören. Zwei Violinen, eine Viola und ein Violincello. Für jedes Instrument wurde eine Farbe gewählt, von hell nach dunkel abgestuft. Die erste Violine hat die Farbe Rosa und die zweite ein helles Grün, der Viola ist die Farbe Rot zugeordnet, dem Violincello wiederum die Farbe Dunkelblau, um die Tiefe dieser Musikinstrumente wiederzugeben.

Die Wellen für jedes Instrument sind jeweils auf eine Acrylglasplatte mit einem Acrylstift gezeichnet. Anschließend wurden sie übereinander gelegt und mit etwas Abstand verschraubt. Auf diese Weise ist ein harmonisches Gesamtbild entstanden, das — durch den Abstand der Platten – den Blickwinkel und die eventuelle Bewegung des Betrachters mit einbezieht und so die klassische Komposition in all ihrer Dynamik und Kraft widerspiegelt.

Fotos: Sybille Schmitz
Editorial Design (3.Semester): Katharina Hengster, Victoria Eckl
ancora – ein Yachting Magazin

Die typischen Magazine rund um das Thema »Yachting« sind nicht selten geprägt durch viele Bilder mit überflüssigen Informationen auf engstem Raum, mit zum Teil überladenen Covern und minderwertiger Papierqualität.

Die Intention hinter unserem Projekt war es, ein sich an hohen qualitativen Maßstäben orientierendes Magazin über »Yachting« und den damit verbundenen »Lifestyle« zu entwickeln – einschließlich eines anspruchsvollen Designs. Ein Periodikum, das heutige Anforderungen erfüllt, das die Boote und deren Flair respektiert, dem Lebensstil der Zielgruppe gerecht wird und das Designmaß im Auge behält. Das Magazin umfasst im Ganzen drei Rubriken: »Yachting«, »Yachting Plus« und »Lifestyle«.

Die Magazine besitzen durch das jährlich übergreifende Thema die optimale Voraussetzung für einen Sammelband. Hier setzten wir auf ein einheitliches, reduziertes Design, das mit kleinen Details eine elegante aber auch strukturierte Aufmachung bekommt. Zusätzlich findet man das Logo der »ancora« sowohl auf dem Rücken – mittig – als auch eine Prägung des Ankers auf der Vorderseite. Der Umschlag ist grundsätzlich zurückhaltend bedruckt; er besteht aus sorgsam ausgesuchtem Material, das entweder von Ausgabe zu Ausgabe oder von Jahr zu Jahr variiert. Eine Banderole ist unser eigentliches Cover – man findet lediglich ein den Inhalt der Ausgabe repräsentierendes Bild auf dem Cover.

Fotos: Katharina Hengster. Das Magazin entstand im Kurs Editorial Design bei Martin Fräulin

Typografie (2. Semester): Sarah Janson

Aufgabenstellung war es, zwanzig Thesen zur Typografie — von namhaften Größen des Faches wie Kurt Schwitters, Günter Gerhard Lange, Kurt Weidemann, Emil Ruder und anderen — mit eben diesen typografischen Mitteln umzusetzen. So entstanden 100 rein typografische Gestaltungen, die dem Prinzip der systematischen Variation folgen und dabei den Gedanken des jeweiligen Zitates aufgreifen, illustrieren, untermauern oder auch konterkarieren.

Die Entwürfe arbeiten vor allem mit Überlagerung, extremer Vergrößerung oder auch mit einem »Hinausdenken über den Formatrand«, bei dem der Betrachter, die Betrachterin die erkannte Type gewissermaßen extrapoliert. Aber auch die Wirkung von Gegenräumen und das Spiel mit Illustrationen rufen Spannung hervor.

Hierbei wurden ausschließlich serifenlose Schriften gewählt, um den Fokus auf modernere Schriftarten und Leseerfahrungen zu richten, wie zum Beispiel die geometrische Mr. Eaves.

Visualisierung (1. Semester): Verena Schneider
Musikvisualisierung zu »Palladio« – Karl Jenkins

Das Musikstück »Palladio« von Karl Jenkins wurde in sechs Abschnitte unterteilt und jedem Abschnitt ein Plakat gewidmet. Dabei ist jedem Instrument eine eigene Form und eine eigene Farbe zugeteilt. Die erste Violine bildet einen hellgelben Kreis, die zweite Violine einen rosafarbenen Kreis. Die Viola findet sich als lila Rechteck wieder, das Violoncello ist durch ein braunes Rechteck repräsentiert.

Im ersten Abschnitt dominieren die aufgehenden Klänge der beiden Violinen, dazu der lange, eintönige Klang des Cellos. Die Viola kommt in diesem Liedabschnitt noch nicht vor, daher kein lila Rechteck. Plakat zwei zeigt das harmonische Zusammenspiel der beiden Violinen, das Cello kommt hinzu, im dritten drängen sich die Violinen in den Vordergrund. Das vierte Plakat spiegelt den Höhepunkt des Stücks wider — die weißen Striche visualisieren die scharfen Schläge der Violinen. Abschnitt fünf baut die Intensität langsam ab, im sechsten und letzten Abschnitt/Plakat kehrt Ruhe ein, das Stück nimmt weiter ab, die Violinen schwinden, die Viola ist nicht mehr präsent.

Typografie (2. Semester):
Julia Dummeldinger,  Sarah Huber, Adrian Schub, Ingrid Trojer

Die Schrift, die wohl mit am häufigsten mit dem 20. Jahrhundert assoziiert wird, ist ohne Zweifel die 1931 veröffentlichte Barock-Antiqua-Schrift »Times New Roman«. Der Schrifttyp war (und ist) für Drucker aller gängigen Gießereiformate ­verfügbar, wie z.B. Gießereiformen, Monotype, Linotype, Intertype und Ludlow. Sie hat einen sehr universellen Charakter und findet daher unzählige Anwendungsbereiche auch neben dem Zeitungsdruck, für den sie ursprünglich entwickelt wurde, etwa im Screen- und Printsektor. Als Standardschrift ist sie so gut wie auf allen Grafik- und Textprogrammen bereits vorinstalliert.

Die Gestaltung der »Times New Roman« wird Stanley Morison — mit Unterstützung von Victor Lardent — zugeschrieben, der im Jahr 1929 von der Zeitung »Times of London« mit der Neugestaltung der damals üblichen Zeitungsschrift »Times Old Roman« beauftragt wurde.

Stanley Morison gestaltete die Schrift ganz nach seinen »Principles of Typography«, die besagen, dass eine Schrift, die vor allem für den Mengentext konzipiert ist, funktional und angenehm für den Leser angelegt sein muss. Neben den ästhetischen und funktionalen Aspekten, war es zu jener Zeit wichtig, eine Schrift so zu gestalten, dass die Druckkosten gering gehalten werden konnten. So entwarf Morison nun eine feinere Schrift, die auch bei schmalem Textlauf ein gutes Schriftbild gewährleistet, und dabei Platz und Tinte einspart.

Der Inhalt unserer Schriftanalyse bzw. unseres Magazins ist im Wesentlichen in zwei Bereiche  unterteilt. Zum einen in den geschichtlichen Teil, der den Werdegang von Stanley Morison beschreibt sowie auf die Hintergründe der Anfänge des Zeitungsdrucks eingeht. Der zweite Bereich ist der eigentlichen Analyse von Schrift und Type gewidmet.

Die Gestaltung stellt einen Bruch zwischen den sehr platzsparenden Zeitungsrastern, wie sie damals und auch heute noch verwendet werden, dar, denn wir sind sehr viel freizügiger mit dem Raum umgegangen, ganz im Stil eines modernen Magazins. Auch bei den Farben haben wir ein modernes Aussehen gewählt — unter anderem ein kräftiges Orange und Blau. Um jedoch die großflächigen Zeitungsformate wertzuschätzen, für die die »Times New Roman« seinerzeit entwickelt wurde, und um einen Bezug zur Historie herzustellen, haben wir uns für das doch recht große Format von 236 mm x 335 mm entschieden.

Fotos: Sybille Schmitz