Stehsatz

Schriftenfest 2014 – drei Tage zu Gast in der Dresdner Offizin »Haag-Drugulin«
Die Offizin – Ein Eldorado für die Freunde des Bleisatzes

Das renommierte Haus »Haag-Drugulin« kann auf eine mehr als 180-jährige Geschichte des Druckes und Handsatzes sowie der Schriftgießerei zurückblicken. Schon der erste Eindruck nach dem Betreten der Werkstatt wird dominiert von endlosen Reihen an Schriftregalen, allesamt gefüllt mit Raritäten, kaum mehr auffindbaren Originalschnitten (wie etwa der engen Schneidler Latein) sowie einer unglaublichen Sammlung an Monotype-Matrizen. Die Schatzkammern enthalten zudem Schriftenbestände von VEB Typoart Dresden (1951 waren die Gießereien Schelter & Giesecke und Schriftgut AG Dresden zu VEB Typoart Dresden zusammengeführt worden), Bestände der ehemaligen Reichsdruckerei sowie Raritäten verschiedenster Gießereien. Nicht zuletzt verblüfft der unvergleichbare Fundus an Monotype-Matrizen, die es auch heute noch jederzeit ermöglichen, die Schriften von kleinen Graden bis hin zu größeren Schaugrößen (etwa 72 p) auf der Monotype-Supra gießen zu lassen.

Seit 1992 steht das Haus unter der Leitung von Eckehart SchumacherGebler. So zählt Haag-Drugulin heute zu einem der wenigen Betriebe in Deutschland, der sich noch dem Bleisatz mit »sorgfältiger Handarbeit« verschrieben hat.

Auf den Spuren der Futura

Die Spurensuche zur Schrift Futura (von Paul Renner) hat die Studierenden Jennifer Lutz, Sophie Schillo und Julian Schöll zum Hause »Haag-Drugulin« geführt. Herr SchumacherGebler verfügt über eine Reihe von Original-Schablonen zur Schrift Futura. Die Schablonen dienten in Verbindung mit dem Pantographen dazu, bei der Bauerschen Gießerei Schriftgußmatrizen in verschiedenen Graden für die Futura zu fertigen. Für welche Größen die jeweiligen Vorlagen gedacht waren, ist auf den Platten vermerkt. Ebenso finden sich darauf Hinweise auf verworfene oder korrigierte Zeichen.

Diese einmalige Gelegenheit bot sich uns durch die Einladung von Herrn SchumacherGebler nach Dresden. Die Gruppe, komplettiert mit den beiden leidenschaftlichen Gestalterinnen Natalie Kennepohl und Hanna Rasper, erhielt hier die Möglichkeit diese historischen Schablonen in einer kleinen Auflage von 25 Stück zu drucken.

Fachkundig unterstützt wurde das studentische Forscherteam dabei von den Mitarbeitern des Hauses: Ria Mücke, Udo Haufe, Max Lotze und Michael Märker. Unser besonderer Dank gilt hierbei Frau Ria Mücke – der Schriftsetzermeisterin des Hauses, die alle Schwierigkeiten, auf die das studentische Druckerteam stieß, geduldig und mit akkurater Hand beseitigte. Als anspruchsvolle Druckstöcke dürfen die im Hochdruckverfahren schwer abzuziehenden Schablonen angesehen werden. Nicht zuletzt deren geringe Vertiefung sowie die fein gearbeitete Strichführung, die das Buchstabenbild umschreibt, machen das häufige Auswaschen der Form notwendig, um ein brauchbares Druckergebnis zu erzielen.

Das Schriftenfest 2014

Den Abschluss unseres Besuches bildete das 2. Dresdner Schriftenfest in der Offizin. Nach dem großen Interesse, das das letztjährige, erste Schriftenfest mit dem Schwerpunkt Bodoni wecken konnte, standen im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung die Schriften Futura und Schwabacher. Die Vorträge und Vorführungen widmeten sich beispielsweise den Schablonen der Futura, mit deren Hilfe die Schriftmatrizen gefertigt wurden, oder auch den Varianten der Schwabacher. Tatsächlich vor Ort zu begutachten waren Orignal-Matrizen aus dem 16. Jahrhundert. Parallel dazu tagte der Verein für die Schwarze Kunst, der gemeinsam mit der Offizin ein hehres Ziel verfolgt: die Weitergabe des Wissens der der Schriftgießer, Setzer und Drucker an die junge Generation des digitalen Zeitalters.

Bleiläuse mit Günter und Herbert finden.

Die kleine Druckwerkstatt an der MD.H in München erfreut sich eineinhalb Jahre nach ihrer Inbetriebnahme reger Begeisterung, die Kurse sind ausgebucht. Die Rückbesinnung auf alte Entwurfstechniken findet verstärkt in der Auseinandersetzung mit dem Handsatz statt.

Im Grundkurs von Günter Westermaier und Herbert Gilsberger lernen die Studierenden nicht nur den Schriftsatz im traditionellen Sinne kennen, sondern verstehen die Grundlagen der Typografie, abstrakte Begriffe wie Halbgeviert, Geviert und Zeilenvorschub, aber im wahrsten Sinne des Wortes, durch reines Begreifen.

Am Ende des Kurses hat jeder Teilnehmer ein eigenhändig gesetztes und gedrucktes Plakat in der Hand und so manche Witwe, Bleilaus oder gar auch einen Hering auf dem Weg dahin gefunden.

»Ab initio« – unter diesem Titel fand eine Ausstellung in München statt, auf der die Ergebnisse mehrwöchiger Kurse zur Entwicklung von Initialen, Bleisatz und Buchdruck gezeigt wurden.

Unter der Leitung des Münchner Schriftlithografen Peter Gericke entwickelten sechs Studierende ein komplettes Alphabet an Initialen: stufenweise in der klassischen Abfolge von Entwurf, Formaufbau und Reinzeichnung und zu jeder Zeit komplett von Hand.

Außerdem waren etliche studentische Arbeiten aus dem Kurs Bleisatz 2 von Klaus Hanitzsch zu sehen, in erster Linie Leseproben zu Jandl-Gedichten.

Daneben fanden sich etliche Werke wie etwa typografische Experimente, Plakate (Bleisatz 1, Herbert Gilsberger und Günter Westermaier) und Eugen Roths Ode an die Schrift.