Stehsatz

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Adrian Frutigers Avenir. Eine Schriftanalyse
Schriftanalyse 2. Semester: Birte Welte

Erschienen im Jahr 1988, entstand die Avenir des Schweizer Schriftschneiders Adrian Frutiger (1928 –1915) in einer Zeit, als aus dem Westen der USA die Bewegung der »New Wave« nach Europa kam. Diese wandte sich gegen die ästhetische Erscheinung der Schweizer Grafik, die aufgrund ihrer Kontraste zunehmend als zu hart empfunden wurde. Diese magere Schrift wurde als »clean« wahrgenommen. Die Schriften, die im Zuge der »New Wave« also Bedeutung erlangten, zeichneten sich durch ihre Zartheit und Eleganz aus.  Die Avenir von Frutiger entsprach für den Schriftschneider selbst der »Neuen Sachlichkeit« der 30er-Jahre (vgl. Frutiger, Adrian: Ein Leben für die Schrift. Interlaken: Verlag Schlaefli & Maurer AG 2003. S. 95.). Im zeitlichen Kontext der Avenir ging der Trend hin zu weicheren Übergängen und Abstufungen. In diesem Sinne setzte Frutiger sehr feine Zwischenschnitte ein, im Gegensatz zu den üblichen Schriftschnitten mager und fett. So entstand eine Schrift mit feinen Abstufungen der Schriftschnitte. Es handelt sich um eine geometrisch konstruierte Grotesk mit humanem Charakter und zudem um eine der genauesten Schriften, die Frutiger entworfen hat (vgl. Osterer, Heidrun; Stamm, Philipp (Hrsg.): Adrian Frutiger. Schriften. Das Gesamtwerk. Basel, Boston, Berlin: Birkhäuser Verlag AG 2009. S. 330.).

Das hier gezeigte Buch ist Teil eines Gesamtbuches zu Adrian Frutigers Leben und seinen Schriften, das sich mit der Schriftanalyse der Avenir befasst. Beginnend mit der Entstehungsgeschichte der Avenir, wird die Schrift zum einem in ihrem zeitlichen Entstehungskontext analysiert. Zum anderen werden die Charakteristika ihrer Erscheinung untersucht, die Analyse einzelner Buchstaben vorgenommen sowie ihre Eigenschaften im Vergleich zur Futura und zur Kabel herausgestellt.

Das Buch stellt die Schriftanalyse an sich mehr durch grafische Elemente als durch den Text  dar, der nur begleitend gedacht ist. Im Vordergrund steht die Gestaltung der Analyse durch einen kreativen und mutigen Umgang mit der Schrift an sich sowie durch die Herausstellung wichtiger Merkmale der Avenir mit grafischen Stilmitteln. Den roten Gestaltungsfaden des Buches bildet die Farbe Orange, die zum einen als Markierung markanter Stellen im Text und so als gestalterischer Eyecatcher eingesetzt wird, zum anderen auch als Auszeichnung der grafischen Elemente dient. So wird ein optisches Bindeglied zwischen textlicher und grafischer Gestaltung hergestellt.

Fotos: Mario Beitzel
Univers – eine Schriftanalyse
Schriftanalyse 2. Semester: Marina Emeljanov, Sofia Gronard, Max Roos

Die Univers ist der Fonderie Deberny & Peignot, mit Charles Peignot als Verantwortlichem, zu verdanken. Durch ihn konnte erstmals das Konzept einer Großfamilie gestaltet werden. Durch die fortschrittliche Arbeit an der Lumitype wurde das Thema »Grotesk« interessant und forderte nach einer neuen Type mit 21 Schnitten. Es wurde eine »sachlich-funktionale, zeitgemäße Schrift« gefordert. Die Univers ist eine Universalschrift, sowohl für Buchdruck und Zeitungssatz, als auch Anwendungen in künstlerischer und signaletischer Form. So trägt die Univers »ihren Teil zum Weltruf der »Schweizer Typografie« bei«. Typografen wie Emil Ruder und Basler Schüler wie Bruno Pfäffli, Helmut Schmid, Hans-Rudolf Lutz, Fritz Gottschalk, Hans-Jürg Hunziker ist ein besonderes Lob auszusprechen, denn sie sind mittragend für das Schaffen der Univers. Das Meisterwerk Frutigers wurde durch die Eleganz der Univers geschaffen. [vgl. Heidrun Osterer, Phillip Stamm, »Adrian Frutiger – Schriften. Das Gesamtwerk«, S.88]

Das Buch beginnt mit einem Einblick in das Leben von Adrian Frutiger als Mensch und Schriftgestalter. Mit dem Kapitel »die Entwicklung der Grotesk« wird dem Leser ein Überblick über die Geschichte der Vorgänger der Groteskschriften geboten. Darauf folgt der Hauptteil, die Geschichte der Univers, ihre Wirkung und Klassifikation, sowie die Analyse der Einzelzeichen. Es folgen der Schriftvergleich und die Anwendung, um dem Leser die Schrift im Alltag und Schriften der gleichen Klassifikation zu zeigen.

Das Buch lehnt sich stark an die Schweizer Typografie an, wie sie auch in den typografischen Monatsblättern zu sehen ist. Den roten Faden des Buches bildet ein rotes U, es ist sowohl in den Überschriften, Zwischenüberschriften und auf den Schmuckseiten, welche Zitate bilden, zu finden. Dieses Buch soll eine Hommage an die Schweizer Typografen und die aus ihrem Schaffen hervorgegangene Schweizer Typografie sein.