Stehsatz

Arbeit von Katharina Hengster
Musikvisualisierung (1. Semester): Katharina Hengster
Die Klaviatur der Empfindungen

Ein Zitat Claude Debussys besagt, es gäbe keine Theorie für Musik – man solle einfach in Ruhe zuhören, denn Genuss sei die Lösung. Nichts scheint meine Visualisierung des Musikstücks »Clair de Lune« von Debussy besser umschreiben zu können, als dieses Bonmot des französischen Komponisten.

Zunächst scheint es eine komplexe, widersprüchliche Aufgabe zu sein, Musik mit all den Gefühlen, mit all den flüchtigen, wenig greifbaren Assoziationen, die ein Stück evoziert, zu versinnbildlichen – doch wenn man seinen Gedankengängen folgt und ihnen freien Lauf lässt, können wunderbar eigenwillige Werke entstehen. Während ich mich mit Hingabe auf das Stück einließ, fiel mir jedes Mal aufs Neue eine kurze Passage besonders auf. Sie klang wie ein Zerfallen oder wie ein Tiefpunkt, der mich sofort ergriff und tief bewegt hat.

Mit einem aus Holz selbstgebauten Stempel einer Klaviertastatur begann ich, diesen Zerfall in Form einer Mauer, welche sich im unteren Bereich der Leinwand langsam beginnt aufzulösen, darzustellen. Diese instabile Mauer sollte somit meine Gedanken während des Stücks widerspiegeln und eine gewisse Verbindung zu unserem alltäglichen Leben schaffen – denn auch in unserem Alltag können uns Situationen oder Schicksalswendungen, die auf uns treffen wie äußere Sinneseindrücke, zurückwerfen und es scheint in diesen Momenten, als würde alles zerfallen.

Besonders zu beachten ist hierbei, dass die fallenden Bestandteile der Tastatur stets in Richtung der disharmonischen Diagonale fallen, da die erwähnte Passage meines Erachtens immerfort traurig, schmerzerfüllt, leidend und kummervoll wirkt. Somit soll der Bruch der Mauer meine Gefühle, die ich während des Stückes empfand, untermalen und dem Betrachter meine ganz eigene Interpretation der Musik nahelegen.

Fotos: Sybille Schmitz
Freie Schriftarbeit (1. Semester): Selina Schwander
Botanical – Drucke mit unterschiedlichen Hölzern

In ihrer freien Schriftarbeit experimentierte Selina Schwander mit der Technik des Holzdruckes. Hierbei fertigte sie die einzelnen Lettern des Wortes »Botanical« aus unterschiedlichen Hölzern, um mit der gewachsenen, einzigartigen Struktur und Härte des Naturmaterials zu spielen.

So fanden in den Drucken, zusammengefasst in einem eleganten Mappenwerk, unter anderem Buchen-, Eiben- wie auch Fichtenholz Verwendung. In stets gleicher Anordnung der Buchstaben findet sich der Begriff mittels Linolfarbe farbenfroh, in gedeckten und doch kräftig-natürlichen Farben auf das Papier gedruckt. Dieses Mappenwerk, entstanden aus einer einfachen, klaren Idee, mit feinem Gespür für das Material und der Bereitschaft einen externen, nicht kontrollierbaren Faktor in den Entstehungsprozess einzubeziehen – in diesem Fall die eigenwillige Struktur des Holzes –, ist ein visuell höchst ansprechendes Experiment. Absolut sehenswert!

Fotos: Selina Schwander, Sybille Schmitz