Stehsatz

Vier Jahreszeiten – Weather Patterns
Visualisierung 1. Semester: Janina Engel

Wie kann Papier so arrangiert werden, dass allein Struktur & Haptik ein neuartiges und charakteristisches Gesamtbild ergeben?
Bei der Aufgabenstellung, die vier Jahreszeiten zu visualisieren, entschloss ich mich auf Papier zu beschränken. Durch das Übereinanderlegen unterschiedlicher geometrischer Formen aus Papier entstand eine interessante Struktur, die den Anschein hat gefaltet oder geschnitten zu sein.  Die Höhen und Tiefen sowie die Platzierung der Formen und die Lichteinwirkung ergeben unterschiedliche Schattenbilder, die eine eigene Stimmung transportieren, den Jahreszeiten entsprechend. Ziel war es, dass jede Jahreszeit für sich stehen kann, aber auch in Verbindung mit den anderen Jahreszeiten ein harmonisches und stimmiges Gesamtbild ergibt.

Der Frühling wird durch die neigende Diagonale, den Halbkreisen für die aufgehende Sonne und die positiven und negativen Dreiecke symbolisiert. Im Frühling erwacht alles Leben, eine Auferstehung nach langer Winterstarre. Der energiereiche Sommer mit seiner strahlenden Fülle wird durch spielerische Platzierung der Formen unterschiedlicher Geometrien symbolisiert. Die Sonne findet sich im Kreis wieder und wirkt so mächtig über das gesamte Bild aus. Durch eine leichte Disharmonie der Linien und der kalt wirkenden Formen wird der Herbst symbolisiert. Das Leben zieht sich nun zurück und verzehrt die letzten Sonnestrahlen. Zu guter Letzt wird der Winter durch klare, lange Linien, negative Neigungen und der wenig harmonischen Diagonalen dargestellt. Die Eiseskälte findet sich in den spitzen, hart wirkenden Dreiecken wieder.

Good Typography is invisible – Bad Typography is everywhere
Feyza Demirören, Typografie 2. Semester

Ziel meiner Arbeit war, die beiden Aussagen für das Thema »Laut und Leise« schlicht und einfach darzustellen. Da gute Typografie bei der Bevölkerung oftmals übersehen wird, wurde der erste Satz in schwarzen Buchstaben auf schwarzem Untergrund gesetzt. Im Gegensatz kommt aber leider schlechte Typografie oft zum Einsatz und wird daher sehr stark wahrgenommen. Deswegen habe ich die untere Hälfte der Buchstaben weiß gelassen und die obere Hälfte schwarz angemalt, sodass durch die weißen Bereiche der Text stark auffällig und »laut« wird.

Fotos: Lars Reiners

Die Musikvisualisierung von Daniel Krategl – der Titelsong aus Tarantinos Rachewestern in vielen hundert Röllchen.

Aus einigen Schritten Entfernung betrachtet zeigt die Arbeit einen blutroten Fußabdruck innerhalb eines weißen, besser baumwollfarbenen Feldes. Der Abdruck selbst steht für den Protagonisten des Films, der zu Anfang in Ketten gelegt, barfuß, gedemütigt und gequält vom Sklavenhändler geschunden wird.

Aus der Nähe betrachtet wird dem Auge die Zusammensetzung aus einer Unmenge an kleinen, eng gewickelten Papierrollen gewahr. Lässt man den Blick nicht von oben, sondern von der Seite darüber schweifen, bemerkt man, das die Rollen unterschiedliche Höhe besitzen. Es ergibt sich somit eine Art dreidimensionales Relief. Dies bildet aber nicht – wie man vermuten könnte – den Abdruck einer Fußsohle im Untergrund, sondern ein für den Zuschauer zunächst unerklärliches Muster. Die Erklärung dieses Höhenprofils findet sich im Ausgangspunkt dieser Arbeit – dem Titelsong. Jede Papierrolle, oder vielmehr deren Höhe (die sich aus der Breite des zusammengewickelten Papierstreifens ergibt) entspricht einer Tonlage innerhalb des Songs, die Höhenunterschiede entsprechen sozusagen der Tonmodulation.

Fotos: Lars Reiners


Laura Ostermeier
Mozart – ein organisch wachsendes Musikstück aus Papier

Die Grundidee meiner Musikvisualisierung war es, Wachstum in einer organischen, ineinander verwobenen, lebendigen Struktur darzustellen. Die »Auftakte« innerhalb des Stückes bilden gewissermaßen Wachstumsschübe, wobei jeder durch eine neue Papierschicht dargestellt wird. Die Arbeit baut sich aus einer  Vielzahl einzelner, Hand geschnittener Schichten auf. Jedes der fünf Instrumente findet sich in einer eigenen Papierfarbe wieder. Bei der Farbwahl entschied ich mich für warme Rot-, Orange- und Brauntöne, um die lebensfrohe und kraftvolle Stimmung zu transportieren.

Stefania Cervantes
Musikvisualisierung

Der Song »Happy« der Band »The Fryars« behandelt gesellschaftliche Mißstände der westlichen Welt unter dem Deckmantel einer fröhlichen, vielschichtigen Klangfolge.

Der Papierarbeit von Stefania Cervantes gelingt es diesem Umstand gerecht zu werden. Jedem Instrument weißt sie eine eigene Form und eine leuchtende Farbe zu. Die Komposition wirkt lebensfroh, ohne hierbei den Aspekt der Realität, den Umstand, dass alles nur oberflächlich positiv erscheinen mag, aus den Augen zu verlieren. Der schwarze Grund symbolisiert die negative Seite, die dem vermeintlich Positivem anhaftet – hier sinnbildlich durch einen schwarzen Grund dargestellt.

(Fotos: Saskia Haller von Hallerstein)

Ivonne Budig
Visualisierung von Musik – Teil 3

Eine weitere Arbeit zum Thema Musikvisualisierung (siehe Blogeinträge vom 6.9.2012 und 5.8.2012) eines »Arcade Fire«Songs stammt von Ivonne Budig.

Sie beschreitet in ihrer Arbeit einen ganz anderen Weg. Ivonne greift dabei auf klare Formen und Strukturen zurück, nicht auf Farbe. Passend zu der sehr klaren, reduzierten Herangehensweise wählt sie ein klassisches Material – weißes Papier.

Inspirationsquelle hierfür war japanische Origami- und Kirigamikunst, aber auch die Scherenschnitt-Technik. Die unterschiedlichen Ausschnitte in den Papierkuben und die damit verbundenen abwechslungsreichen Licht- und Schattenwürfe reflektieren dabei die variierende Modulation der Stimme, die Facetten des Gesanges.

Trotz bzw. gerade aufgrund der Schlichtheit des Konzeptes und der Beschränkung auf ein Material, weißes Papier, ist der Reichtum an Lichteffekten frappierend und versetzt den Betrachter nachhaltig in Erstaunen.

Die Idee funktioniert und trifft hier obendrein auf ausgezeichnetes Handwerk.

Mia Stevanovic
»Old Flame« – papierene Schwere und erdfarbene Melancholie

Der Song »Old Flame« von Arcade Fire handelt von der Zerrissenheit der Gefühle, vom schwermütigen Verharren im Unwiederbringlichen. Ein unvermeidlicher Abschied, der begonnen hat und doch nicht gelingen will, mit tragischen Folgen – ähnlich einer Motte, die nicht von der Flamme lassen kann, obwohl diese ihr sicheres Ende bedeutet.

Die Papierarbeit von Mia Stevanovic arbeitet mit assoziativen Bildern, etwa dem Bild einer Höhle, einem schier nicht enden wollenden Tunnel, einem Weg voller Hindernisse. Die warmen Rot- und Brauntöne transportieren Wärme, emotionale Tiefe, vermitteln jedoch auch Wehmut, wie die letzten Sonnenstrahlen eines endenden, unbeschwerten Tages im Spätsommer.

Die Visualisierung von »Old Flame« besteht aus farbigem Papier und wurde komponiert aus einer Vielzahl einzelner, komplett von Hand geschnittener Elemente.