Stehsatz

Das beinhaltet Stehsatz #3

Farbe, Form, Struktur, Kultur und Subkultur, Schrift in Anordnung und Auflösung und die Entwicklung von Kalligrafie prägen die Ausgabe unseres Magazins Stehsatz, das wieder pünktlich zum Semesteranfang erscheint.

In der Rubrik »Blick über den Tellerrand« beantwortet uns der renommierte Schweizer Gestalter Niklaus Troxler unter anderem die viel diskutierte Frage, was den Designer in Zeiten der »Digital Natives« ausmacht. Inspiration für alle passionierten Gestalter gibt es zudem vom Luzerner Gestaltungsbüro Studio Feixen.

Das bereichernde Spannungsfeld zwischen Etabliertem und Subkultur führt unsere Stu­die­renden in abgelegene Orte Münchens, nach Dresden und nach Lissabon.

Von »Studenten für Studenten« legt in diesem Jahr seinen Fokus auf das Thema Auslandsaufenthalt. So berichten die Media Design Studentinnen Anna und Lilian von ihren Praktika in Singapore und Barcelona, die jungen Designerinnen Mia Stevanovic und Maria Weiss erzählen über Studienerinnerungen sowie aus ihrem derzeitigen Leben in den europäischen Metropolen Amsterdam und Zürich.

Die Rubrik Bleisatz beschreibt ­Arbeiten, Persönlichkeiten und besondere Arbeitsweisen unserer Münchner Hand­satz­werkstatt.

Abgerundet wird unser Magazin wieder durch den Showcase, der mit Murmur, Dazzle Camouflage und der Analyse zur Janson-Antiqua einige niveauvolle Studentenprojekte portraitiert.

Fotos: Boris Braunstorfinger
Die freie Schriftarbeit
Typografie (1. Semester): Janina Engel

»Nichts ist inspirierender als ein weißes Blatt Papier. Es hat die Chance etwas Einzigartiges zu kreieren.« Bartle Bogle Hegarty (BBH)

Das Ziel dieser Arbeit war es, durch einfache Verbindungen die Charaktere der Buchstaben unterschiedlich zu verändern. Durch die Kombination mehrerer Punkte mit Linien entstand eine Art Fächerlegung, die den Buchstaben eine kraftvolle Wirkung gab. Inspiriert von den Arbeiten von Jérôme Corgier, der aus unterschiedlichsten Materialen erstaunliche 3D Buchstaben baut, entschied ich mich diese Fächerlegung an den Formen der 26 Grundzeichen des Alphabetes zu erproben.

Aus meiner Versuchsreihe entstand ein dynamisches Gesamtbild, in dem jeder Buchstabe eine interessante und erhobene Haptik bekam. Durch unterschiedliche Anwendung dieser Fächerlegung hat jeder Buchstabe des Alphabets eine einzigartige Gestalt angenommen.

Freie Schriftarbeit (1. Semester): Hannah-Marie Schimanski

Die Inspiration zu meiner Schriftarbeit fand ich in dem Spiel zwischen Licht und Schatten. Durch das mittige Falzen der geplotteten Papierbuchstaben ergibt sich die Basis der Arbeit. Mittels des senkrechten Aufstellens der oberen Hälfte des Papieres, sowie passender Beleuchtung, ergibt sich die Licht-Schatten-Komposition, welche schlussendlich einen vollständigen Buchstaben zeigt.

Freie Schriftarbeit 1. Semester: Peter Eisner

Plakative Farbkontraste und reduzierte Grundformen kennzeichnen die handwerkliche Annäherung Peter Eisners an das Thema Schriftgestaltung. Er reduzierte dabei markante Buchstaben wie O, C, A, B um ihre Innenräume, um so den Fokus des Betrachters auf die Gesamtform zu lenken. Das Spiel zwischen den Farben Schwarz und Rot verhilft dem Alphabet zu seiner expressiven Anmutung.

Die eindrückliche Wirkung auf den Betrachter erinnert an die Ästhetik der 1920er Jahre Avantgarde, und wirkt dennoch nicht zuletzt durch die Dreidimensionalität evozierenden Farbverläufe, die an moderne digitale Optik anknüpfen, aktuell und gleichzeitig entrückt.

Kalligrafie 1. Semester: Nicolas Janson

Rapper’s Delight von der Sugarhillgang ist ein Hip Hop Song, in dem die Interpreten scheinbar zufällig gewählte Worte im Takt der Musik sprechen. Die Worte vermischen sich zu einer stimmig klingenden Melodie. Aus diesem Grund habe ich den Text dieses Liedes gewählt, um die von mir entwickelte Schrift zu präsentieren.

Die Schrift hat einen freien, handschriftlichen Charakter und ist mit weißem Edding auf Glas geschrieben. Der lockere Schwung und die Ungezwungenheit verkörpern den Geist des Hip Hop. Durch den nicht vorhandenen Zeilenabstand verschmelzen die einzelnen Worte zu einem stimmigen Ganzen, das eigentlich weniger wie ein Text sondern mehr wie rhythmisch angeordnete weiße Striche wirkt.

»RE SIGN« RE MADE
Kevin Kremer

Die Arbeit zielt darauf ab, durch systematische Dekonstruktion und anschließende Neukombination, die erlernte Darstellungsweise und Erfassbarkeit eines Buchstabens in Frage zu stellen. Es sollen die Grenzbereiche der Wahrnehmung einer Form in Bezug auf deren Erkennbarkeit als Schriftzeichen der abendländischen Schriftkultur erforscht werden.

Wann tritt der Punkt der »Nicht-Erkennbarkeit« einer Form als Schriftzeichen ein? Wie weit kann man die Gewohnheiten des Betrachters in Bezug auf die erlernte Darstellungsweise eines Schriftbildes ausreizen, um ein Schriftzeichen als solches unerkennbar zu machen? Wann tritt der Zeitpunkt der Trennung von erlernter Form und Funktion eines Schriftzeichens ein?

Das Ergebnis dieser visuellen Untersuchung ist eine Reihung an Formzeichen, ausgehend vom bekannten Schriftbild, hin zu einer stark abgeänderten Darstellungsweise.

So weit so gut. Jedoch hatte ich bei der grafischen Ausarbeitung der Konzeption stets ein mulmiges Gefühl. Ich ging einfach nicht zu einhundert Prozent d‘accord mit dem, was dann schlussendlich als Ergebnis vor mir lag: ein 700 Seiten umfassender Wälzer, der durch seine bloße Größe schon dazu geeignet wäre, die Leser zu erschlagen. Also: noch mal. So habe ich mich in den letzten Wochen dazu durchgerungen jede. einzelne. Seite. noch einmal zu gestalten. Dieses mal anders: kleineres Format, weniger sachlich und deutlich reizvoller. Das Ergebnis ist ein 800 Seiten umfassendes Werk, das erstaunlich gut in eine Hand passt und zudem auch noch stilvoll in einem Schuber aufbewahrt werden kann.

Kalligrafie 1. Semester: Dani Ibler
Versuche von gemischten Schriften

Kalligrafie ist die Möglichkeit, Kunst, Kultur, Tradition, Temperament und Gefühle mit Hilfe von Schrift auszudrücken. Mein Ziel war es das deutsche Alphabet mit anderen fremden Schriften zu verschmelzen, um neue kraftvolle und exotische Schriften zu erschaffen. Dabei lies ich mich von der japanischen, sehr schwungvollen Tusche-Malerei und Kalligraphie inspirieren. Dabei entstand eine mit dem Pinsel geschriebenes japanisches Gedicht. Die Buchstaben liegen übereinander und wirken wie japanische Schriftzeichen, sind aber das lateinische Alphabet.

Meine zweite Arbeit, war der Versuch einer deutsch-hebräischen Schrift. Dabei malte ich die Buchstaben des Wortes »Dimension« , in einer kraftvollen Farbe und Komposition.

Kalligrafiestudien in kyrillischer Schrift
Schrift und Typografie, 1. Semester: Marina Emeljanov

Die kyrillische Schrift ist die Schriftentwicklung des Ostens, die für westlich geschulte Augen zunächst schwer zu entschlüsseln ist. Hauptthema meiner Schreibstudie ist es, den ungewöhnlichen Schriftzeichen durch das Aufsetzen eines klaren Rasters ein einheitliches und harmonisches Gesamtbild zu verleihen. Durch Variation der Schriftfarbe und Deckkraft auf schwarzem und weißem Papier ist eine Serie enstanden.

Kalligrafie 1. Semester: Dani Ibler

Mit großer Geste und enormer Wucht komponiert Dani Ibler ihre ersten Arbeiten. Ihre Schriftstudie mit großen Werkzeugen ist temperamentvoll, schnell und dennoch voller Gefühl; sie bezeugt, dass man sich dem Metier Schrift, dem heutzutage viele Menschen mit einer gewissen Scheu, wenn nicht Unverständnis gegenüberstehen, auch völlig unbefangen, mutig, schwung- und kraftvoll nähern kann. Der starke Ausdruck der vorliegenden Übungen gründet sowohl auf dem Gefühl für die einzelnen Zeichen als auch auf dem lebendigen Zusammenspiel im Ganzen.

Werkschau

Unter dem Motto »22 + x« findet heute die Werkschau des Fachbereichs Mediadesign (B.A.) an der MD.H in München statt. Zu sehen gibt es ein interessantes, konzeptionell sowie grafisch reizvolles Spektrum zwischen Schrift, visueller Kommunikation und erfinderischem Medieneinsatz. Die Ausstellung kann heute von 18:00 – 23:00 Uhr besucht werden.

Auch in diesem Jahr gibt es einen begleitenden Ausstellungskatalog, den das studentische Team, federführend Katharina Krepil, Emily Henderson, Anna Schemmel, Lilian Karr, Philipp Elsner, Sandra Tammery und Jakob Kreitner erstellt hat.