Stehsatz

Editorial Design (3. Semester): Laura Müller-Beilschmidt

»Zeilen falten« ist ein dreidimensionales Objekt, das aus mehreren verschiedenen A5 Faltkarten besteht. Auf den Karten ist das Gedicht »zweites sonett« von Ernst Jandl abgebildet. Das Gedicht handelt von Sprache, die in der Gesellschaft misshandelt wird. Sprache hat keine Absicht, sondern dient der Verständigung. »die zeile will die zeile sein« war ausschlaggebend für die Wahl des Gedichts, da sie heraussticht. Die Anordnung und Verschachtelung der Karten soll die vielfältige Verwendung der Sprache darstellen und zeigen, dass Sprache nur Sprache ist.

Visualisierung (1. Semester): Magdalena Stricker
Ein Leben – fünf verschiedene Kreisobjekte, fünf verschiedene Höhen, fünf verschiedene Bedeutungen.

Der vollste und höchste Kreis stellt die Geburt dar, das Leben liegt noch vor sich, alles muss noch erlernt, verstanden und erkannt werden. Im Laufe der Zeit nimmt die Fülle der Kreise ab. Der darauffolgende Kreis beginnt bereits abzunehmen, er stellt das Kindesalter und die Adoleszenz dar, in dieser Phase wird bereits gelernt, verstanden, es werden eigene Entscheidungen getroffen. Direkt darauf schließt das Erwachsenenalter an, den Kreisen nach zu beurteilen ist das halbe Leben bereits vorbei, dabei wird die Zeit mit Familie und Arbeit verbracht. Das Greisenalter ist die Zeit der Rente, man lebt wieder auf, unternimmt Reisen, oder aber Krankheit und Schmerz bestimmen den Alltag, vielleicht auch die Einsamkeit. Der kleinste und letzte Kreis stellt den Tod dar, das ganze Leben ist vorbei, die Dynamik der Kreisform erlischt, der Lebenskreis endet – da ist er, der Tod.

Fotos: Janina Engel
Werkschau der MD.H München

Die alljährliche Werkschau findet heuer am Mittwoch, den 7. März, wie stets in den Räumlichkeiten der MD.H München statt.

In den zurückliegenden Wochen haben die Studierenden des Fachbereichs Media Design Josef-Joachim Schuster, Janina Engel, Jan-Marc Zublasing, Nico Janson, Thomas Fäckl, Tanja Aigner und meine Wenigkeit beharrlich und doch inspiriert geschuftet: Es wurden Plakate entworfen, Einladungen gestaltet, eine Postkartenserie entworfen und auch ein Foto-Shooting organisiert. Letzteres haben die engagierten Fotografen Jan und Nico mit studentischer Begeisterung und professioneller Routine organisiert und umgesetzt. Die Plakatserie zur Werkschau stammt von Josef-Joachim Schuster.

Insgesamt kann sich das Ergebnis, das in diesem Jahr alle Fachbereiche portraitiert, mehr als sehen lassen – und es sollte von Interessierten gesehen werden! [Werkschau 2018, Webseite, Adresse: MD.H, Claudius-Keller-Straße 7, 81669 München, Öffnungszeiten: 10:00–14:00 Uhr, 18:00–22:00 Uhr]

Ich danke an dieser Stelle dem Team für den enormen Einsatz.

Vier Jahreszeiten – Weather Patterns
Visualisierung (1. Semester): Janina Engel

Wie kann Papier so arrangiert werden, dass allein Struktur & Haptik ein neuartiges und charakteristisches Gesamtbild ergeben?
Bei der Aufgabenstellung, die vier Jahreszeiten zu visualisieren, entschloss ich mich auf Papier zu beschränken. Durch das Übereinanderlegen unterschiedlicher geometrischer Formen aus Papier entstand eine interessante Struktur, die den Anschein hat gefaltet oder geschnitten zu sein.  Die Höhen und Tiefen sowie die Platzierung der Formen und die Lichteinwirkung ergeben unterschiedliche Schattenbilder, die eine eigene Stimmung transportieren, den Jahreszeiten entsprechend. Ziel war es, dass jede Jahreszeit für sich stehen kann, aber auch in Verbindung mit den anderen Jahreszeiten ein harmonisches und stimmiges Gesamtbild ergibt.

Der Frühling wird durch die neigende Diagonale, den Halbkreisen für die aufgehende Sonne und die positiven und negativen Dreiecke symbolisiert. Im Frühling erwacht alles Leben, eine Auferstehung nach langer Winterstarre. Der energiereiche Sommer mit seiner strahlenden Fülle wird durch spielerische Platzierung der Formen unterschiedlicher Geometrien symbolisiert. Die Sonne findet sich im Kreis wieder und wirkt so mächtig über das gesamte Bild aus. Durch eine leichte Disharmonie der Linien und der kalt wirkenden Formen wird der Herbst symbolisiert. Das Leben zieht sich nun zurück und verzehrt die letzten Sonnestrahlen. Zu guter Letzt wird der Winter durch klare, lange Linien, negative Neigungen und der wenig harmonischen Diagonalen dargestellt. Die Eiseskälte findet sich in den spitzen, hart wirkenden Dreiecken wieder.

Weihnachsaktion 2017: Janina Engel, Dorothée Martin, Nico Janson

Die diesjährige Weihnachtsaktion, realisiert von Doro, Nico und Janina, greift die ursprünglichste, abstrakteste grafische Form auf, die mit Weihnachten verknüpft ist: den Stern. Sterne finden sich in allen Kulturen, in verschiedensten Zusammenhängen, auf Oberarme tätowiert, auf Kühlerhauben montiert, auf revolutionäre Pamphlete gedruckt – und doch ist der Weihnachtsstern, der Wegweiser der drei Weisen aus dem Morgenlande,  als solcher sofort und ohne Umschweife zu verstehen. Deshalb darf er in diesem Jahr als schlichtes, klares Symbol der Weihnachstzeit die Räumlichkeiten der MD.H schmücken. Aus Papier akribisch gefaltet, aus sechs Einzelteilen reichlich kompliziert zusammengefügt birgt der Stern unweigerlich aufgrund seines Herstellungsprozesses etwas, was paradoxerweise gern verloren geht in dieser Vorweihnachtszeit: Ruhe, kontemplative Klarheit und – überkonfessionell formuliert – »buddhistisch-meditative Hingabe«.

Mit eben solcher geduldiger Hingabe haben die Media Designer Doro, Janina und Nico (unterstützt durch Kommilitonen und Dozenten) ein wahres Sternenmeer an »Origami-« und »Omegasternen«, gefalten – das Ausgangspapier selbst ist zudem mit einem raffinierten typografischen Raster im Corporate Design der Hochschule versehen. Die typografischen Sternketten lassen ein kunstvolles Weihnachtsambiente in der Haupthalle der Hochschule entstehen.

Die digitale (weihnachtskarte2017/) sowie analoge Weihnachtskarte enthalten eine Faltanleitung als Video sowie in fotografischer Form. Die Sterne für Nachahmer stehen also günstig. In diesem Sinne …

Fotos: Nico Janson, Sybille Schmitz
Genath – eine Schriftanalyse
Typografie 2. Semester: Janina Engel, Dorothée Martin

Die vorliegende Arbeit entstand während des zweiten Semesters im Modul Typografie. Aufgabe war es, eine Schriftanalyse in Form eines Buches mit einer selbst gewählten Schrift zu erstellen. François Rappo entwarf die Schrift Genath in ihrer heutigen Form. Rappo, der als einer der bedeutendsten Typografen unserer Zeit gilt, entwickelte die bereits 1720 entstandene Genath weiter und digitalisierte sie im Jahre 2011.

Das Buch »Genath – eine Schriftanalyse« beginnt mit einem geschichtlichen Teil, der vom Ursprung der Barock-Antiqua bis in die heutige Zeit reicht.

Im Mittelteil der Arbeit ist die Analyse der Einzelzeichen zu finden, sowie ein Vergleich mit einer weiteren Barock-Antiqua, der Janson Antiqua. Im abschließenden Teil der Schriftanalyse stehen die bereits umgesetzten Anwendungen der Schrift im Fokus. Die Genath besticht durch ihren zeitlosen Charme sowie durch ihre ruhige, elegante Art.

Durch das persönliche Engagement von François Rappo, das unsere Erwartungen übertraf, hatten wir die Möglichkeit ihn in Lausanne zu treffen und zu interviewen. Es wurden uns tiefe Einblicke und ein besonderer Zugang zur Genath gewährt. Das Interview wurde separat in einem Heft abgedruckt, das dem Buch beiliegt. Neben zahlreichen Fragen und Antworten sind der Niederschrift des Gesprächs etliche Fotografien, die wahrend des Treffens entstanden sind, beigefügt.

Das beinhaltet Stehsatz #3

Farbe, Form, Struktur, Kultur und Subkultur, Schrift in Anordnung und Auflösung und die Entwicklung von Kalligrafie prägen die Ausgabe unseres Magazins Stehsatz, das wieder pünktlich zum Semesteranfang erscheint.

In der Rubrik »Blick über den Tellerrand« beantwortet uns der renommierte Schweizer Gestalter Niklaus Troxler unter anderem die viel diskutierte Frage, was den Designer in Zeiten der »Digital Natives« ausmacht. Inspiration für alle passionierten Gestalter gibt es zudem vom Luzerner Gestaltungsbüro Studio Feixen.

Das bereichernde Spannungsfeld zwischen Etabliertem und Subkultur führt unsere Stu­die­renden in abgelegene Orte Münchens, nach Dresden und nach Lissabon.

Von »Studenten für Studenten« legt in diesem Jahr seinen Fokus auf das Thema Auslandsaufenthalt. So berichten die Media Design Studentinnen Anna und Lilian von ihren Praktika in Singapore und Barcelona, die jungen Designerinnen Mia Stevanovic und Maria Weiss erzählen über Studienerinnerungen sowie aus ihrem derzeitigen Leben in den europäischen Metropolen Amsterdam und Zürich.

Die Rubrik Bleisatz beschreibt ­Arbeiten, Persönlichkeiten und besondere Arbeitsweisen unserer Münchner Hand­satz­werkstatt.

Abgerundet wird unser Magazin wieder durch den Showcase, der mit Murmur, Dazzle Camouflage und der Analyse zur Janson-Antiqua einige niveauvolle Studentenprojekte portraitiert.

Fotos: Boris Braunstorfinger
Light is the Final Image
Bachelorarbeit: Max Kaiser

Wann lässt sich fotografische Selbstdarstellung als Kunst bezeichnen? Inspiriert durch eine Arbeit des malaysischen Künstlers Niranjan Rajah setzte ich mich mit dieser Frage in meiner Bachelorarbeit mehr als drei Monate auseinander. In einer Zeit, in der Plattformen wie Snapchat und Instagram ein jedem eine Leinwand zur Inszenierung der eigenen Person bieten, scheinen die Grenzen zwischen reinem Narzissmus und künstlerischem Selbstportrait fließender denn je.

Zur Recherche studierte ich sowohl Künstler, die in den vergangenen Jahrzehnten prägende Arbeiten mit dem Medium Fotografie im Bereich der Selbstdarstellung schufen, wie z.B. Francesca Woodman, Weegee, Cindy Sherman, Robert Mapplethorpe oder Alec Soth. Ich suchte aber auch in der Malerei bei Egon Schiele, Francis Bacon und Lucian Freud. Ich musste feststellen, dass bei den wirklich herausragenden Arbeiten dieses Gebietes etwas »mehr« sichtbar wird als die rein eitle und ästhetische Abbildung des Künstlers: ein innerer, psychologischer Zustand, an dem der Künstler den Betrachter teilhaben lässt.

Auf Basis dessen strebte ich in meiner praktischen Arbeit eine Fotoreihe an eben solchen Selbstportraits an. Inspiration und Leitfaden waren dabei für mich die Gedichte »Self-Portrait«, »The Mirror« und »The Tunnel« des amerikanischen Poeten Robert Creeley. Creeley setzt sich in seiner Lyrik intensiv mit Selbstzweifeln, Konflikten mit dem eigenen Ich, den Grenzen unseres menschlichen Seins, dem Tod und dem Wert des einzelnen in einer determinierten Gesellschaft auseinander. Diese Ideen versuchte ich in meiner Fotoserie in drei Teilen umzusetzen.

Fotos: Janina Engel, Nico Janson
Musikvisualisierung 1. Semester: Nico Janson

Musik kann, womöglich besser als jede andere Kunst, jede andere Wahrnehmung, Gefühlsregungen evozieren. Stimmungen wie Harmonie, Glückseligkeit, Nostalgie, innere Anregung, auch Aufregung, Spannung, Aufwallung oder Assoziationen können durch Musik losgelöst werden – jedoch durchaus individuell. Die folgenden Fotoserien zeigen die Reaktionen von mehreren Personen unterschiedlichen Alters beim Hören des Streichquartettes von Dvořák. Die Probanden wurden dabei angewiesen, sich zur Gänze auf das Wesen der Musik zu konzentrieren. Etwa nach einer Minute fingen alle an sich auf die Musik einzulassen und zeigten dabei deutlich unterschiedliche Gefühlsregungen. Das Spektrum erstreckte sich dabei vom Gefühl der Freude, der Irritation bis hin zu bloßer Müdigkeit.

Musikvisualiserung (1. Semester): Jan-Marc Zublasing

Ich habe versucht, die Rhythmik und Dynamik des Amerikanischen »Streichquartetts« von Dvořák mittels Langzeitbelichtung  fotografisch einzufangen. Dazu wurden die einzelnen Instrumente mit Sternenwerfern in den dunklen Nachthimmel gezeichnet. Die Bewegungen wurden frei und intuitiv entwickelt und stehen jeweils für eines der vier Streichinstrumente.