Stehsatz

07_Initialen-Kurs1
Bleisatz 3 – Initialen entwickeln

»AD« steht nicht nur für »Artdirector« oder »außer Dienst«, es sind die Initialen eines der bedeutendsten Künstler der Renaissance: Albrecht Dürer. Eine Initiale ist mehr als ausgeschmückter Anfangsbuchstabe, der früher in handgeschriebenen Texten den Anfang eines Kapitels oder eines Abschnittes markierte. Richtig gemacht sind sie Markenzeichen, Logo und Unterschrift in Einem. Ob als Einzelzeichen oder kombiniert zu einem Monogramm, können sie mehr als reine Zierde sein und mit starker Aussagekraft und Symbolwirkung ausgestattet werden.

In seinem Initialenkurs lässt Schriftlithograf Peter Gericke deshalb in Manier der Altmeister wie F. H. Ernst Schneidler die Studierenden vor allem frei arbeiten. Durch viel Probieren und zahlreiche immer wieder verworfene Ideen, finden sie so ihre eigene Ausdrucksform und bekommen dann immer wieder nützliche Hinweise: »Dreh den Gegenraum ins Schwarze und arbeite das Zeichen, dann im Weißraum heraus!«

Printprojekt (3. Semester): Jakob Kreitner

»Eyes« sind kryptische, oft fragmentartige Gedichte des berühmtberüchtigten Frontmannes der Band »The Doors« Jim Morrison, die jener 1968 wenige Jahre vor seinem frühen Tod im »Eye Magazine« veröffentlichen lies. Das namensgebende Motiv der Augen und des Sehens sind das Thema der 32 Gedichte, wobei darin verschiedenste Einflüsse von Nietzsche und Platon bis William Blake und den Poeten der Beat Generation aufzufinden sind. Viele der Texte sind sehr kurz, gerade deshalb schwer zugänglich und lassen individuelle Interpretationsmöglichkeiten offen, welche mit verschiedensten typografischen Mitteln umgesetzt wurden. Um den rohen Charakter der typographischen Interpretationen zu betonen und nicht in psychedelische 1960er Klischees zu verfallen, wurde auf Farbe dabei komplett verzichtet. Entstanden ist ein 72-seitiger Gedichtband, der einem weniger bekannten Werk Morrisons ein neues Gesicht verleiht.

»Seit es Menschen gibt, können sie sich Wörter und Wortkombinationen merken. […] Niemand kann einen Film, eine Skulptur, ein Gemälde beschreiben. Aber solange es Menschen gibt, können Lieder und Gedichte weiterleben.« – Jim Morrison im »Rolling Stone«-Interview, Juli 1969

Fraktur, Schneidler, Zentenar
Schriftanalyse 2. Semester: Jakob Kreitner, Daniela Ibler

80 Jahre ist es inzwischen her, dass Friedrich Hermann Ernst Schneidler mit den Arbeiten an der »Zentenar« begann, einer Fraktur, die zum hundertjährigen Bestehen der Bauerschen Schriftgießerei in Frankfurt am Main in Auftrag gegeben wurde. Doch obwohl die Schrift des Begründers der »Stuttgarter Schule« von vielen Typografen wie beispielsweise dem Schneidler-Schüler Albert Kapr für eine, wenn nicht sogar die schönste aller Frakturen, gehalten wird, so ist sie, wie alle gebrochenen Schriften, dem modernen Menschen fremd geworden. Dass es sich hierbei um ein trauriges Missverständnis handelt, soll mit unserer in drei Teile gegliederten Schriftanalyse auf knapp 300 Seiten herausgearbeitet werden:

Im ersten Abschnitt geht es um die Geschichte der Fraktur. Dabei wird mit zahlreichen Beispielen erläutert, wie die gebrochene Schrift und insbesondere die Fraktur entstanden ist und über die Jahrhunderte zu der den deutschen Sprachraum dominierenden Schrift aufsteigen konnte. Ausgerechnet von den Nationalsozialisten in einem verleumderischen Akt als »Schwabacher Judenletter« verboten, fand sie erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Subkulturen wie dem Hip-Hop ihren Platz und ist heute wieder mehr als Zierde bajuwarischer Gasthäuser.
Im zweiten Abschnitt des Buchs wird die Person des Friedrich Hermann Ernst Schneidler näher beleuchtet. Neben einer Abhandlung seines Lebenslaufs und zahlreichen Beispielen seines umfangreichen Schaffenswerks wie dem »Wassermann«, der »Juniperuspresse« und den verschiedenen Schriften, die er zeit seines Lebens schuf, kommen auch immer wieder viele seiner ehemaligen Schüler zu Wort, die er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart maßgeblich in ihrer Entwicklung prägte.
Der dritte Teil beschäftigt sich dann im Detail mit der »Zentenar«. Dabei wird auf den Entstehungsprozess näher eingegangen, die Schrift mit ihren verschiedenen Schnitten und Initialen wird aufgezeigt und auch die Problematik zwischen dem für den Bleisatz geschaffenen Original und der digitalisierten Variante wird angesprochen. Zuletzt steht eine Anleitung, wie man am Beispiel der »Zentenar« mit einer Fraktur richtig umzugehen hat und ein Fazit rundet das Buch ab: Die große Zeit der Fraktur ist vorbei und wird auch nicht zurückkommen. Gerade deshalb ist es schade, dass die »Zentenar« nicht den Grad an Verbreitung erlangen konnte, den sie verdient hätte. Unsere Arbeit soll diesem Vergessenwerden entgegenwirken.

Unser Buch ist im Layout entgegen altbackener Klischees von gebrochenen Schriften klar und modern gestaltet. Während sich auf dem schlichten in weiß gehaltenen Einband nur die schwarzen Initialen des Titels finden, kann man im offenen Buchrücken bereits die den drei Teilen des Buchs zugeordneten Farben erahnen. Das Format dagegen wurde durch Schneidler selbst bestimmt, denn eine Doppelseite entspricht einer Seite seines »Wassermanns«. Den dynamischen Elementen der Fraktur wurde die ruhige »FF Din« entgegengesetzt, die als Hauptschrift fungiert, während die »Zentenar« vor allem für Überschriften verwendet wird und die »Adobe Caslon« sowie die »Schneidler Schwabacher« als Nebenschriften dienen.

Singuläres Zeichen – Der Hohn
Grafische Zeichen 2. Semester: Jakob Kreitner

Ein Name wie eine Allegorie und doch nicht wirklich passend, also was, wenn es die einfache Lösung nicht gibt? Aus den charakterisierenden Adjektiven offen, modern, elegant, faul, eitel und flexibel heraus wird ein dynamisches Logosystem entwickelt mit genug Prägnanz, um den Wiedererkennungswert nicht zu verlieren. Um die von der Schallplatte zum O abstrahierte Mitte des Quadrats kreisen in verschiedenen Varianten die Buchstaben, die zusammen den Namen »Felix Hohn« ergeben. Die optisch reizvollsten 20 Zeichen der Versuchsreihe wurden der Zahl wegen ausgewählt und neben der Standardversion in grau und schwarz auch als Farbvarianten umgesetzt. Dazu wurde eine Plakatreihe erstellt, die sowohl die Konzeption erläutert, als auch die Vielseitigkeit veranschaulicht. Ob als einfache Wortmarke, einzelnes Logo oder spielerisches Rastergewebe aus mehreren Zeichen, das Felix Hohn Logosystem bietet zahlreiche gestalterische Entfaltungsmöglichkeiten.

Fotos: Jakob Kreitner
Visualisierung 1. Semester: Jakob Kreitner – Haikukreislauf

Betrachtet man die vier Jahreszeiten nüchtern, physikalisch, dann sind sie nichts anderes als die Bestandteile eines durch unterschiedliche Lichteinstrahlung und Ausrichtung von Sonne und Erde zueinander bedingten Klimazyklus. Das Licht ist der Ursprung allen Lebens und es beeinflusst die Natur, unseren Tagesablauf und hat auch individuell psychologische Auswirkungen. Die inhaltlich den vier Jahreszeiten entsprechenden Haikus sind in einer Kreisform zueinander ausgerichtet. Jeder Vers entspricht einem der 12 Monate und je näher er am Mittelpunkt liegt, desto heller ist der entsprechende Monat. Der Sommer ist als wärmste Jahreszeit oben im Kreis angeordnet und ihm gegenüber liegt der Winter an der tiefsten Stelle. Die beiden Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst sind links und rechts platziert. Zusammen ergibt sich eine elliptische Kreisform aus Textstrukturen, die durch den weißen Innenraum jedoch annähernd kreisrund wirkt. Lediglich mit schwarzer Schrift auf weißem Grund werden die auf das Wesentlichste reduzierten Grundprinzipien der Jahreszeitenabfolge veranschaulicht.

Um mit der Arbeit noch in den dreidimensionalen Raum zu gehen, wurde unter Anregung des »Licht-Raum-Modulators« von László Moholy-Nagy die Kreisform in eine Holzplatte gelasert. Anschließend wurden bei starkem Gegenlicht vor einem Fenster Fotos der Platte gemacht, die eine fast schon kosmische Wirkung entfalten, die sehr gut zur Thematik des Sonnenkreislaufs passen, und einen abwechlungsreichen Gegenpol zur klaren schwarz-weißen Form bieten.
Bleisatz II — Der feine Unterschied 
Marina Emeljanov, Sofia Gronard, Jakob Kreitner, Max Roos
Die Univers von Adrian Frutiger stellt mit ihren 21 Schnitten einen Meilenstein der Groteskschriften dar. Angeleitet von Herrn Hanitzsch sollte ein Schriftmuster der uns im Bleisatz vorhandenen 6 Schnitte entstehen. Nach den kreativen Spielerein und Freiheiten in Bleisatz I galt es nun mit höchster Präzision zu arbeiten. Zahlreiche Anekdoten von Herrn Hanitzsch später ist das sechsseitige Heft fertig. Die Titelseite bietet eine knappe Übersicht mit allgemeinen Informationen zur Schrift, den vorhandenen Schnitten und deren jeweilige Schriftgrößen. Blättert man das Heft samt Klappseite auf, sind auf drei Seiten thematisch passende Texte in der Univers 55 in 9p, 10p und 12p gesetzt, jeweils mit unterschiedlichem Durchschuss und pro Passage mit einer in Versalien gesetzten Zeile. Die nächste Seite zeigt die verschiedenen Schriftschnitte an einem Beispieltext und auf der Rückseite des Heftes konnten wir uns doch noch kreativ austoben und die Seite frei mit einem Textcluster gestalten.

Heroin
Visualisierung 1. Semester: Jakob Kreitner

Im Song »Heroin« der Band »The Velvet Underground« wird die Gedankenwelt eines Drogensüchtigen abgebildet, der sich mit Hilfe von Heroin von der Welt abschottet. Eine zentrale Rolle spielt dabei die große Gleichgültigkeit gegenüber allen Sorgen, Ängsten und Nöten im Leben, die herbeigesehnt und durch das Spritzen von Heroin erreicht wird. Die Flucht vor Problemen in die Drogen wird als eine Dystopie beschrieben, die lediglich Betäubung bietet. Der Song ist als Plakat umgesetzt, das die vier Säulen des Musikstücks nebeneinanderstellt und die einzelne Instrumentierung, deren Gewichtung und Entwicklung im Lied wiedergibt. Die wichtigsten Akkorde der Gitarre und Rhythmen der Drums sind als optisch schwerste Visualisierungen entsprechend dem Rahmen, den sie dem Stück geben, nach außen gestellt. Der optisch leichtere Gesang, sowie die sich farblich abhebenden Töne der Viola, die das Heroin im Stück symbolisieren, liegen dagegen in der Mitte des Plakats und ergeben zusammen ein stimmiges Abbild des Lieds.

Typografie 1. Semester: Jakob Kreitner
Laut und Leise im Bleisatz
Der achte Ozean; ein gesprochener Text; ein gesungener Text; Blocksatz; Dynamik; eine wellenartige Struktur; Univers 10 p. Laut
Die Sieben (Welt)meere; ein gelesener Text; ein Sachtext; Flattersatz; Statik; eine ruhige, regelmäßige Struktur; Modern 10 p. Leise
The Air Near My Fingers
Kalligrafie 1. Semester: Jakob Kreitner

Fünf Striche, vier Rote und ein Schwarzer ergeben zusammen einen Buchstaben, ein Ikon, eine Hand. Als Basis dient das Fingeralphabet, dessen Zeichen abstrahiert und in eine einheitliche, dicktengleiche Form gebracht wurden. Die Abstände zwischen Wörtern sind durch ein leeres Quadrat, Absätze durch zwei leere Quadrate gekennzeichnet und Satzzeichen fallen dabei weg. Das Textraster besteht aus 637 Feldern, 498 mit einer Bandzugfeder geschriebenen Zeichen, 136 Wörter auf einer Fläche von 98 x 26 cm.

Geschrieben wurde der Text des Songs »The Air Near My Fingers« der Band »The White Stripes«. Dem programmatischen Farbschema der Band (rot, weiß, schwarz), das sich in sämtlichen Albumcovern, Instrumenten und Bühnenoutfits wiederfindet, wurde die Farbgebung der Schrift angepasst.

Bleisatz 1: Lang lebe Cicero

Wer Cicero für einen römischen Politiker, Redner und Schriftsteller hält, der mag nicht Unrecht haben und kennt doch nur die halbe Wahrheit, denn ein Cicero sind 12 Punkt. Als wir im Zuge unseres Bleisatzkurses die Druckwerkstatt zum ersten Mal betreten, werden wir mit Fachbegriffen bombardiert: 0,376 mm sind ein Punkt, 12 Punkt sind ein Cicero und vier Cicero sind eine Konkordanz; Linotype und Monotype; Winkelhaken, Ahle, Kolumnenschnur, Setzlinie, Typometer und Setzschiff.

Nach anfänglich noch zaghaften Versuchen werden wir mit fortlaufender Zeit dank der Hilfe von Herrn Westermaier und Frau Schmitz immer schneller und sicherer und setzen so unsere ersten Zeilen.

Entstehen soll dabei »Typografisches Augenfutter zu den Jahreszeiten«. Jeder von uns Erstsemestern wählt ein Herbst- oder Wintergedicht und entwickelt hierfür ein typografisches Konzept. Unterschiedlich lange Linien zwischen den Worten erzeugen ein die Metrik unterstützendes Textskelett. Wie Laub im Herbst fallen Vokale aus den Worten in die nächste Zeile. Ganz still und ruhig steht das Wintergedicht im Blatt.

Zusammen ergibt sich daraus ein Leporello bestehend aus Titelblatt, sechs der Jahreszeitenfolge nach angeordneten Gedichten und dem Impressum.